mini|Al Jarreau bei seinem Auftritt in Düsseldorf (1981) mini|Al Jarreau und Band (2006) Al Jarreau, eigentlich Alwyn Lopez Jarreau (* 12. März 1940 in Milwaukee, Wisconsin; † 12. Februar 2017 in Los Angeles, Kalifornien),Amerikanischer Jazz-Sänger. Al Jarreau mit 76 Jahren gestorben. In: FAZ.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Februar 2017, abgerufen am 2. Mai 2022. war ein US-amerikanischer Jazz-, Pop- und Rhythm-and-Blues-Sänger sowie Songschreiber.

Leben und Wirken Jarreau war das fünfte von sechs Kindern. Die Familie war sehr arm und zeichnete sich durch eine große Musikalität aus. Jarreau sang bereits mit vier Jahren sein erstes Solo in der Kirche. Sein aus New Orleans stammender Vater Emile Alphonse war Pfarrer in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, arbeitete aber während des Zweiten Weltkriegs in der Munitionsfabrik A. O. Smith, sodass Jarreau seinen Vater nie in der Kirche, sondern nur zu Hause predigen hörte. Seine Mutter Pearl Walker war Kirchenorganistin. Schon als Kind entdeckte Al Jarreau durch seine Brüder die Improvisation, als er mit ihnen zusammen zu Hause sang.

Studium und Zeit als Sozialarbeiter In seiner Jugend begann er, in Bars seiner Heimatstadt aufzutreten. In einer davon lernte er den ungarischen Jazzpianisten Laszlo Les Czimber (genannt „Tarzan“) kennen, der 1956 nach dem Volksaufstand von Budapest nach Milwaukee geflohen war; dieser brachte ihm bei, wie man Lieder ausarbeitet. Von 1958 bis 1962 studierte Jarreau am Ripon College in Wisconsin Psychologie und schloss das Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Während seines Studiums trat er an den Wochenenden lokal mit einer vierköpfigen Gruppe namens The Indigos auf. Danach absolvierte er an der University of Iowa einen Masterstudiengang (Master’s Degree in Vocational Rehabilitation).

1964 ging er nach sechs Monaten Dienstzeit in der Armeereserve nach San Francisco. Dort führte er eine Art Doppelleben: Dreimal pro Woche trat er abends in einem Club mit einem Trio auf, das vom damals noch unbekannten George Duke geleitet wurde. Tagsüber arbeitete er als Rehabilitationshelfer im California Division and Rehabilitation Center, wo er Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen bei der Eingliederung ins Arbeitsleben half. 1965 sang er als Student an Wochenenden unter anderem mit dem Joe Abodeely Trio im The Tender Trap, einem Club in Cedar Rapids. Dort traf er auch auf den Saxophonisten J. R. Monterose, der ihm beibrachte, Saxophonlinien zu singen oder zu scatten. Ein Liveauftritt wurde mitgeschnitten und erschien später als Platte beim Bainbridge Label unter dem Titel 1965 – Al Jarreau (auch unter The Masquerade Is Over oder J. R. Monterose – Live at the Tender Trap veröffentlicht); das Album enthält so bekannte Standards wie Sophisticated Lady, My Favourite Things, Come Rain or Shine und One Note Samba.

Mit dem brasilianischen Gitarristen Julio Martinez, den er 1968 kennenlernte, trat Jarreau als Duo im Gatsby’s in Sausalito auf. In dieser Zeit entdeckte er auch seine Liebe zum Bossa Nova und entwickelte seinen charakteristischen, instrumental inspirierten Gesangsstil. Die Tätigkeit als Sozialarbeiter bezeichnete er zwar als seinen Traumberuf, weil er schon immer anderen Menschen in irgendeiner Weise habe helfen wollen. 1969 entschied er sich jedoch ganz für die Musik und kündigte seine Arbeitsstelle, da die Doppelbelastung auf Dauer zu anstrengend war.

Karriere mini|Al Jarreau 1986 in Berlin mini|Al Jarreau beim North Sea Jazz Festival 2006 in den Niederlanden 1975 trat Al Jarreau im Vorprogramm des Jazzpianisten Les McCann im Troubadour Club in Hollywood auf. Bei einem nachfolgenden Auftritt im Bla Bla Cafe wurde er von einem Talent-Scout der Warner Music Group entdeckt und unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag. Kurz darauf erschien seine erste Platte bei Warner, We Got By. Er war damals bereits 35 Jahre alt. Anschließend trat er sechs Monate lang in Klubs in Hamburg auf, u. a. im Onkel Pö. Dort startete er seine internationale Karriere. 1976 kam sein zweites Album, Glow, heraus. 1977 wurden Ausschnitte von der Europatournee auch auf die Platte Look to the Rainbow gepresst. Hier machte ihn vor allem die Liveversion des Dave-Brubeck-Quartett-Klassikers Take Five mit einem Schlag bekannt. Er erhielt den deutschen Schallplattenpreis für Nachwuchskünstler. Auch in den USA wuchs seine Bekannt- und Beliebtheit. Im selben Jahr erhielt er dort den Grammy als „Best Jazz Vocal“. 1978 gewann er für All Fly Home einen zweiten Grammy in der Rubrik „Best Jazz Vocal“.

1980 erschien This Time. 1981 folgte Breakin’ Away mit der Vokal-Interpretation (Round, Round, Round) Blue Rondo à la Turk, komponiert von Dave Brubeck, die ihm seinen dritten Grammy für die „Best Jazz Vocal Performance, Male“ und den vierten für die „Best Male Pop Vocal Performance“ einbrachte. 1983 und 1984 erschienen die Alben Jarreau und High Crime. 1985 wurde Live in London in der Wembley Arena in London vor Publikum live aufgenommen. Außerdem sang er beim von Quincy Jones produzierten Welthit We Are the World mit anderen bekannten Künstlern für das Projekt USA for Africa der Afrika-Welthungerhilfe mit.

1986 erschien L Is for Lover. 1987 intonierte Jarreau die Titelmelodie für die amerikanische Fernsehserie Das Model und der Schnüffler mit Cybill Shepherd und Bruce Willis in den Hauptrollen und schrieb selbst den Text zur Musik von Lee Holdridge. 1988 erschien Heart’s Horizon. 1992 bekam Jarreau seinen fünften Grammy für sein Album Heaven and Earth für die „Best Male R&B Vocal Performance“. 1994 wurde Tenderness auf einer kleinen Bühne in Los Angeles, produziert von Marcus Miller, vor knapp 250 Zuschauern live eingespielt. 1996 folgte erstmal eine Tourpause, in der er drei Monate am Broadway in New York im Musical Grease die Rolle des Teen Angel spielte. Ebenfalls folgten TV-Gastauftritte in den amerikanischen Serien New York Undercover und Ein Hauch von Himmel. Außerdem erschien Best of Al Jarreau, eine Zusammenstellung seiner bekanntesten Hits.

In den folgenden Jahren kam es zu keinen weiteren Veröffentlichungen, da Jarreau sich von seiner langjährigen Plattenfirma (Warner Brothers) trennte. Er tourte weiter rund um den Globus. 2000 wurde sein Album Tomorrow Today bei der neuen Plattenfirma Verve veröffentlicht. 2002 erschien All I Got. 2004 löste Jarreau mit Accentuate the Positive das langjährige Versprechen ein, endlich ein Jazzalbum herauszubringen, das er mit einem Trio einspielte. 2006 veröffentlichte er mit Givin’ It Up ein ganzes Album mit dem Jazz-Gitarristen und -Sänger George Benson. Im Jahr 2007 gewann er seinen sechsten Grammy für das Stück aus dem Album God Bless the Child in der Kategorie „Best Traditional R&B Vocal Performance“.

Ende Januar 2017 sagte Jarreau wegen Schwäche und Kurzatmigkeit eine geplante Jazz-Kreuzfahrt ab und musste ärztlich behandelt werden. Vom Krankenhaus aus ließ er am 8. Februar 2017 über seine Website erklären, dass er seine Live-Karriere beenden müsse.Aus gesundheitlichen Gründen. Al Jarreau muss Live-Karriere beenden. In: Spiegel.de. 8. Februar 2017, abgerufen am 2. Mai 2022.. In: Zeit.de. 9. Februar 2017, abgerufen am 2. Mai 2022. Vier Tage später starb er dort im Kreise seiner Familie. Bereits 2010 war der damals 70-jährige wegen lebensgefährlicher Atemprobleme intensivmedizinisch versorgt worden.

Stimme Joachim-Ernst Berendt beschreibt Jarreaus Stimme wie folgt:

Paul Desmonds Klassiker Take Five, den Al Jarreau auf seinem Album Look to the Rainbow gecovert hat, zeigt als gutes Beispiel seine Imitationskunst. Ebenso als echter Zungenbrecher auf dem Breakin’-Away-Album Blue Rondo a la Turk oder Chick Coreas Spain – I Can Recall (auf dem Album This Time zu finden).

Musikalische Einflüsse Von Kind an wurde Al Jarreau durch den Jazz geprägt. Es war die Musik, die im Hause Jarreau ausgeübt und gehört wurde. Am Radio hörte Al Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald, Jon Hendricks, Dizzy Gillespie, Illinois Jacquet und Nat King Cole.

Schnelle, instrumental gedachte Melodien so zu singen, dass er zusätzlich auch noch die Botschaft und Bedeutung des Liedes vermitteln könne, das alles habe er von Jon Hendricks gelernt. Musikalisch hat er zwischen Jon Hendricks und Johnny Mathis versucht, seine eigene Stimme zu finden. Textlich wurde er dagegen von Joni Mitchell, den Beatles, Marilyn Allen Bergman und Bob Dylan geprägt.

Al Jarreau wurde durch den Scat-Gesang und den Bossa Nova und viele weitere Musikrichtungen beeinflusst. Er sagte selbst:

Preise und Auszeichnungen 2016 wurde Al Jarreau mit dem Frankfurter Musikpreis ausgezeichnet.

Hollywood Walk of Fame 2001 erhielt er als einer der besten Sänger seiner Generation einen goldenen Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“ in Los Angeles.

Grammy-Award-Auszeichnungen 1978 – Beste Gesangsdarbietung – Jazz, Look to the Rainbow. 1979 – Beste Gesangsdarbietung – Jazz, All Fly Home. 1981 – Beste Aufnahme für Kinder – In Harmony. A Sesame Street Record. Zusammen mit anderen Künstlern. 1982 – Beste männliche Gesangsdarbietung – Pop, Breakin’ Away. Beste männliche Gesangsdarbietung – Jazz, (Round, Round, Round) Blue Rondo a La Turk. 1993 – Beste männliche Gesangsdarbietung – Rhythm and Blues, Heaven and Earth. 2007 – Beste traditionelle Gesangsdarbietung – Rhythm and Blues, God Bless the Child. Zusammen mit George Benson und Jill Scott.

Er ist der einzige Künstler, der in diesen drei unterschiedlichen Kategorien Grammys erhalten hat: Jazz, Pop und Rhythm & Blues.

Diskografie

Studioalben

Livealben

Weitere Livealben 1984: In Concert – Live at London’s Wembley Arena 1990: Live 2011: Live at the Half / Note 1995 Volume 1 (mit The George Duke Trio) 2012: Al Jarreau and the Metropole Orkest Live (Al Jarreau and the Metropole Orkest conducted by Vince Mendoza) 2016: Live at Montreux 1993 2024: Wow: Live at the Childe Harold

Kompilationen

Weitere Kompilationen 1978: Al Jarreau Collection 1980: Best Of 1983: The Masquerade Is Over 1983: Ain’t No Sunshine 1984: Spirits & Feelings 1985: You 1992: A Salute to Bill Withers: The Originals 1995: Living for You 1996: Al Jarreau 1997: Kings of Soul 1999: My Favorite Things 1999: Ain’t No Sunshine 2000: Gold Collection 2000: Come Rain or Shine 2001: This One’s for You – Al Jarreau Sings Bill Withers 2002: Still in Love with You 2002: Free Spirit 2002: One Note Samba 2002: Sunshine 2003: Lean on Me 2003: Members Edition 2003: Best of Al Jarreau 2004: Al and Lou (mit Lou Rawls) 2005: The Great Al Jarreau 2006: Most Famous Hits: The Album 2008: Love Songs 2009: The Very Best Of: An Excellent Adventure 2012: Lean on Me & Other Favorites 2012: Early Cover Years 2013: The Ultimate Doubles

Weitere Alben 1979: Lonely Town, Lonely Street 1979: Call Me 1984: Does Withers 1985: Replay of Al Jarreau 1984: Al Jarreau Presents 1988: Manifesto 1988: Soul Man (mit Lou Rawls) 1997: Lou Harrison: A Portrait (Lou Harrison feat. Al Jarreau, California Symphony und Barry Jekowsky) 1998: Tribute to Bill Withers 2001: Let’s Stay Together 2005: Fire and Rain 2008: Here I Am 2009: Al Jarreau Sings Bill Withers

Singles

Weitere Singles 1975: Rainbow in Your Eyes 1976: Your Song 1976: Fire and Rain 1977: Take Five 1978: Thinkin’ About It Too 1980: Never Givin’ Up 1980: One Good Turn 1980: Gimme What You Got 1980: Distracted 1981: Roof Garden 1981: Easy 1981: Closer to Your Love 1982: Your Precious Love (mit Randy Crawford und Yellowjackets) 1982: Our Love 1982: And God Bless Us All… Jarreau 1983: Love Is Waiting 1983: Black and Blues 1984: Let’s Pretend 1984: Raging Waters 1986: The Music of Goodbye (mit Melissa Manchester) 1986: Since I Fell for You 1986: Real Tight 1986: Give a Little More Lovin’ 1986: L Is For Lover’ 1986: Says 1988: I Must Have Been a Fool 1988: All or Nothing at All 1988: So Good 1988: All of My Love 1992: Blue Angel 1992: Heaven and Earth 1992: Superfine Love