Doris Waschk-Balz (* 26. November 1942 in Berlin; † 8. März 2025 in HamburgTrauer um Künstlerin Doris Waschk-BalzHamburger Abendblatt: Hamburger Bildhauerin gestorben - wie sie die Stadt prägte) war eine deutsche Bildhauerin und Medailleurin.

Leben Doris Waschk-Balz wurde am 26. November 1942 in Berlin als jüngste Tochter des Bildhauers Ernst Balz und dessen Frau Doris Balz, geborene Gerstel, geboren. Seit 1943 lebte sie mit ihrer Mutter und drei Geschwistern in Gellmersbach bei Heilbronn. Der Vater war Soldat an der Ostfront. Im August 1944 wurde er als vermisst in Rumänien gemeldet. Die Familie hoffte noch lange, er sei in russische Gefangenschaft geraten.

Nach ihrem Abitur in Heilbronn begann sie 1962 das Studium bei Ulrich Günther (Keramik) und Rudolf Daudert (Bildhauerei) an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dieses setzte sie bei Gustav Seitz, einem Schüler ihres Großvaters Wilhelm Gerstel, an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg 1964 fort. Seit 1968 war sie freischaffende Künstlerin. Nebenher wirkte sie als Jurymitglied bei Kunstwettbewerben.

Sie lebte mit ihrem Mann, dem Zeichner und Buchillustrator Klaus Waschk, in Hamburg.

Künstlerisches Schaffen mini|Ottenser Torbogen, Hamburg, 1980 Wichtigstes Element in ihren oft mehrteiligen und unterschiedlich kombinierbaren Arbeiten aus Terrakotta und Bronze ist das Spiel mit der Perspektive, mit Figuren und Landschaft.Hamburger Abendblatt:

Die Arbeiten von Doris Waschk-Balz sind als Skulpturen, Brunnen und Denkmäler an öffentlichen Orten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen präsent. Am Großneumarkt in Hamburg steht ein aus Bronze gefertigter Brunnen mit einer Wendeltreppe, auf deren Stufen die Künstlerin unterschiedlich große Figuren platzierte. Der „Ottenser Torbogen“ am Spritzenplatz in Hamburg-Ottensen, eine Bronzeplastik, in der sich eine sitzende und eine schreitende Frau einen Torbogen teilen, prägt seit 1980 das Stadtteilbild. 1985 konzipierte sie das umfangreiche Projekt der künstlerischen Gestaltung der Wohnsiedlung Essener Straße in Hamburg-Langenhorn mit 12 Einzelskulpturen und einer großen Skulpturengruppe. Außerdem sind u. a. das Amtsgericht Ahrensburg, die Fachhochschule Lüneburg, das Fernmeldeamt Heide und die Landeszentralbank Uelzen mit Kunstwerken von Doris Waschk-Balz geschmückt.

Als Denkmal zeigt das Synagogenmahnmal (1982) an der Oberstraße in Hamburg einen zerrissenen Toraschreinvorhang mit Tora-Rolle und soll daran erinnern, dass die Tempelsynagoge von 1931 (erbaut von den Architekten Felix Ascher und Robert Friedman; heute Rolf-Liebermann-Studio des NDR) geschändet, aber nicht zerstört wurdeKulturkarte.de. 1989 gestaltete sie das Denkmal zur Zerstörung der Synagoge in der Goethestraße in Kiel.

Waschk-Balz wirkte außerdem in der Münzgestaltung mit. Neben der Gestaltung von Sondermünzen sind Entwürfe von ihr in Gedenkmünzen geprägt. Als Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland wurde 1970 eine Serie von fünf Münzen zum Gedenken an die Olympischen Sommerspiele 1972 in München begonnen. Das Motiv der vierten Münze wurde von Waschk-Balz konzipiert.

Im April 2006 favorisierte die Jury des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung für das Hamburg-Motiv der Zwei-Euro-Gedenkmünze aus der Serie „Die Bundesländer“ zunächst den Entwurf von Waschk-Balz (Turm der Michaeliskirche mit Silhouette der anderen Hauptkirchen). Da aber die St. Michaeliskirche als Hamburger Wahrzeichen allein dargestellt werden sollte, und Waschk-Balz eine Änderung ablehnte, machte schließlich der Entwurf von Erich Ott das Rennen.

Werke Kunst im öffentlichen Raum mini|Mahnmal am Tempelgebäude Oberstraße mini|Skulpturengruppe auf dem Käkenhof am Käkenflur in Hamburg-Langenhorn 1967, Figurengruppe, Hamburg-Wilhelmsburg 1967, Innenhof-Gestaltung, Grundschule Sprötze 1970, männlicher Torso (Aufsteigender), Osdorfer Born, Hamburg 1974, Gedenktafel Alexis de Chateauneuf, Alte Post, Hamburg 1974, Kommunikationszentrum (Reliefsäule u. a.), Schulzentrum Bergedorf-Lohbrügge 1976, Bronzegruppe am Jenfelder Marktplatz, Hamburg 1979, Brunnen auf dem Großneumarkt, Hamburg 1980, Figuren, Ottenser Torbogen, Ottensen, Hamburg 1983, Brunnen am Veddeler Stieg, Hamburg 1983, Mahnmal vor der ehemaligen Synagoge an der Oberstraße, Hamburg 1984, Figurengruppe, Altenheim (ehem. Werk- und Armenhaus III), Farmsen, Hamburg 1985, künstlerische Gestaltung der Wohnsiedlungen Essener Straße, Bochumer Weg, Dortmunder Straße, Duisburger Straße, Walter-Schmedemann-Straße, Käkenflur in Hamburg-Langenhornmehrere Objekte bei Langenhorn-Archiv 1986, Figurengruppe, Fachhochschule Lüneburg 1987, Figurengruppe, Amtsgericht Ahrensburg 1988, männliche Figur vor Wand, Fernmeldeamt Heide 1989, Denkmal zur Zerstörung der Synagoge in der Goethestraße, Kiel 1991, drei Bronzeskulpturen, Landeszentralbank Uelzen 1996, Stele Fenster, Skulpturenpark, Rendsburg 1997, Relief zur Geschichte der Stadt Ratingen 2001 (oder später) Skulptur „Erinnerung“ (Pfeiler mit zwei Figuren) im Rosenpavillon des Gartens der Frauen, Friedhof OhlsdorfBilder der Skulptur „Erinnerung“ bei garten-der-frauen.de, in der Galerie 2008, Grabstein Peter Rühmkorf und Eva Rühmkorf, Hauptfriedhof Altona (Ausführung: Carl Schütt & Sohn GmbH)Grabstele auf carl-schuett-sohn.de 2012, Relief im Hauptaltar der St.-Nikolaikirche Stralsund

Münzgestaltung 1968, Fünf-D-Mark-Sondermünze zum 500. Todestag von Johannes Gutenberg 1969, Sondermünze zum 375. Todestag von Gerhard Mercator 1971, Zehn-D-Mark-Gedenkmünze zu den Olympischen Sommerspielen 1972 in München, 4. Motiv 1973, Fünf-D-Mark Sondermünze zum 250. Geburtstag von Immanuel Kant 2000, Zehn-D-Mark-Gedenkmünze zu 10 Jahre Deutsche Einheit

Medaillengestaltung miniatur|rechts|Brunnen auf dem Großneumarkt 1969, Justus von Liebig-Medaille der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Hamburg 1976, Verdienstmedaille des Kreises Stormarn 1977, Deichstraßen-Medaillen des Vereins Rettet die Deichstraße 1977, Verdienstmedaille der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger 1978, Biermann-Ratjen-Medaille der Kulturbehörde Hamburg 1984, Vier Verdienstmedaillen der Stadt Itzehoe 1985, René-Schubert-Medaille der Luise-Eylmann-Stiftung, Hamburg 1989, Verdienstmedaille des Vereins für Hamburgische Geschichte 1999, Ulf-Jantzen-Medaille 2007, Herzog Wilhelm I-Medaille des Vereins Düsseldorfer Jonges

Porträts 1968, Salomon Heine, Denkmal, Israelitisches Krankenhaus, Hamburg 1969, Prof. Dr. Franz Beckermann, Heidberg-Krankenhaus, Hamburg 1974, Alexis de Chateauneuf, Relief, Alte Post-Passage, Hamburg 1976, Ernst Drucker, Relief, St.-Pauli-Theater, Hamburg 1979, Bürgermeister Prof. Dr. Herbert Weichmann, Rathaus Hamburg 1990, Dr. Hans Schmidt-Isserstedt, Relief, Rolf-Liebermann-Studio, Hamburg 1991, Peter Rühmkorf 2005, Herbert Rehn, Relief, HAW Hamburg 2005, Werner-Baensch, Relief, HAW Hamburg 2006, Max Warburg 2006, Christian Olearius 2008, Dr. Hiltgunt Zassenhaus, Relief, Gymnasium Allee, Hamburg

Literatur Ulrike Evers: Deutsche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Malerei, Bildhauerei, Tapisserie. Ludwig Schutheis Verlag, Hamburg 1983, ISBN 3-920855-01-9. Jüdische Gemeinde Hamburg (Hrsg.): Denkmaleinweihung von der ehemaligen Synagoge Oberstraße. Hamburg 1983. Volker Plagemann (Hrsg.): Kunst im öffentlichen Raum. Anstöße der 80er Jahre. Köln 1989. Pressestelle der Versorgung und Verkehr Kiel GmbH (VVK) (Hrsg.): Dokumentation zur Geschichte der Kieler Synagoge und des Mahnmals an der Goethestraße 13. Kiel 1992. Jüdisches Museum/Dr. Bamberger-Haus, Rendsburg (Hrsg.): Doris Waschk-Balz, Plastiken und Zeichnungen 1986–1996. Einführung Dr. Maike Bruhns, Hamburg 1996. Ursula Prückner: Doris Waschk-Balz, Plastik oder Bushaltestelle. In: Lustwandeln in Ottensen. Hamburg 1996. Volker Plagemann (Hrsg.): Kunst im öffentlichen Raum. Ein Führer durch die Stadt Hamburg. Hamburg 1997. Lichtwark Forum in der DG-Hyp (Hrsg.): Doris Waschk-Balz, Arbeiten für den öffentliche Raum. Katalog zur Ausstellung mit Einführung von Volker Plagemann, Hamburg 2001. Kay Rump (Hrsg.): Der Neue Rump. Lexikon der Bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung. Überarbeitete Neuauflage des Lexikons von Ernst Rump (1912). Neumünster 2005, ISBN 3-529-02792-8. Gerd Dethlefs/Wolfgang Steguweit (Hrsg.): GeldKunst-KunstGeld. Deutsche Gedenkmünzen seit 1949. Gestaltung und Gestalter. Numismatischer Verlag Fritz Rudolf Künker, Osnabrück 2005, ISBN 3-9801644-7-0.

Weblinks

Künstlerporträt zur Ausstellung in der Galerie am Wasserturm, Berlin Künstlerporträt zur Ausstellung beim Kunstverein Kehdingen Biografie Doris Waschk-Balz in der Biografien-Datenbank: Frauen aus Hamburg www.hamburg-frauenbiografien.de

Einzelnachweise

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