Gosau ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Oberösterreich im Bezirk Gmunden im Traunviertel, und liegt im Gosautal, einem langgestreckten Seitental des oberen Trauntals am Hallstätter See. Die Region befindet sich im Inneren Salzkammergut, am Rande des UNESCO-Weltkulturerbes Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut.
Lage und Landschaft Gosau liegt weit gestreut am Gosaubach im Salzkammergut, in einem durch den Gosauzwang überquerten Seitental des Trauntals, mit Mündung in den Hallstättersee. Das Gosautal, das vollständig von der Gemeinde eingenommen wird, verläuft in einer Talschlucht ostwärts, wendet sich dann südostwärts und weitet sich zu einer Talmulde, dem Gosauer Becken, die den Hauptsiedlungraum bildet. Vom Ort Gosau aus führt über die hintere Talenge Gosauschmied eine Straße hinauf zum Vorderen Gosausee, wo sich eine schöne Sicht auf den Dachstein bietet. Von dort läuft das Tal über die Gosaulacke und den Hinteren Gosausee in südwestlicher Richtung genau auf den Hauptstock des Dachsteinmassiv zu.
Die Talregion bildet eine Subregion der Oberösterreichischen Raumeinheit Salzkammergut-Talungen, die Bergräume gehören zu den Salzkammergut-Voralpen. Den Nordrand des Tals bilden Hochkalmberg–Rußberg der Osterhorngruppe, den Südraum die Plassengruppe und Schwarzkogelgruppe als Vorberge des Dachsteingebirges. Die, landschaftlich dominierende Grenze im Westen bildet der Gosaukamm (Donnerkogel , Großwand ), vorgelagert die Zwieselalm, an dessen Nordausläufer (Hornspitze) der Pass Gschütt als Übergang in das Salzburgische Lammertal den einfachsten Zugang zur Talung darstellt. Das Gosautal ist heute durch die B 166 erschlossen, die von Gosauzwang am Hallstättersee über Gosau – Paß Gschütt – Rußbach – Abtenau – Annaberg zur Tauernautobahn bei Niedernfritz in den Ennspongau verläuft.
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 13,1 km, von West nach Ost 17,4 km. 58,9 % der Fläche sind bewaldet. Der Hauptort Gosau liegt auf 767 m Höhe.
Die südlichen Teile des Gemeindegebietes sind im zentralen Dachsteingebiet seit 1963 und erweitert seit 1995 als Naturschutzgebiet, inklusive der Gosauseen seit 1998 als Natura 2000 Schutzzone und seit 2001 als Europaschutzgebiet ausgewiesen.
Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Bad Ischl.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus einer Katastralgemeinde (08675), und (taleinwärts) aus den Weilern Klaushof, Bärnau, Jagerbauer, Vordertal , Grafner, Ramsau, Ortschaft Gosau, Auer, Kirchschlag, Steinermühle, Mittertal , Ötscheranger, Kranabet, Hintertal mit Gosauschmied.
Nachbargemeinden
Klima
Das Klima im Gosautal ist kalt und gemäßigt mit deutlichen Niederschlägen das ganze Jahr über. Dies in Kombination mit der durch die Beckenlage oftmals vorhandenen Inversionswetterlage sorgt für den Ruf des Ortes als „Schneeloch“. Schneehöhen von über einem Meter werden regelmäßig erreicht, Neuschneemengen von bis zu knapp 10 Metern sind möglich.Bildungsprojekt gosaunet.at: Gleichzeitig ist das Tal aber fast immer nebelfrei, weil durch die seitlich erhöhte Lage gegenüber dem Trauntal dieser von dort nicht eindringen kann.
Die Eigenart des Gosauer Klimas im Nordstau des Dachsteins sorgt dafür, dass auf dem Gemeindegebiet an den Nordwestabstürzen des Dachsteins 4 Gletscher (Großer und Kleiner Gosaugletscher, Schneelochgletscher und Nördlicher Torsteingletscher) liegen, von denen trotz großer Massenverluste in den letzten Jahrzehnten der Große Gosaugletscher noch immer bis auf eine Seehöhe von rund herabreicht.
Geschichte Das Tal um Gosau wurde im 13. Jahrhundert von Mönchen aus dem Stift St. Peter in Salzburg besiedelt. Die erste urkundliche Nennung Gosaus erfolgte im Jahr 1231. Die meisten Bewohner lebten von Waldwirtschaft und lieferten das Holz nach Hallstatt für die Salzgewinnung. Viele Landwirte betrieben eine Alm. Diese Almen sind heute noch größtenteils erhalten.
1295 wurde eine in Gosau durch Albrecht I. von Habsburg errichtete Saline durch Truppen des Erzbischofs Konrad IV. von Fohnsdorf zerstört. Dies war der Höhepunkt des Gosauer SalzkriegsMarina Kaltenegger: Die Solequellen von Gosau und der „Salzkrieg“. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 126a, 1981, S. 69–78 (). von 1293 bis 1297 zwischen dem Fürstentum Österreich ob der Enns und dem Erzbistum Salzburg.Salzburg Wiki:
Seit spätestens 1441 wird Gosau dem Fürstentum Österreich ob der Enns, damals bereits habsburgisch, zugerechnet. Der genaue Zeitpunkt der Übertragung vom Erzbistum Salzburg an die Habsburger lässt sich nicht eruieren, der Holzbedarf der Saline Hallstatt dürfte jedoch das Interesse am Gosautal als der „Mutter der Wälder“ stark gefördert haben.Paul Bauer: Stellungnahme zu: Karl Amon, die Entstehung der Pfarre Gosau. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 120a, Linz 1975, S. 386–390 ().
Seit 1507 besteht die katholische Pfarrkirche Gosau, die dem heiligen Sebastian geweiht ist und als Mutterpfarre Hallstatt hat. Schon wesentlich früher dürfte am „Kirchschlag“ eine hölzerne St. Jakobs Kapelle existiert haben, die der Mutterpfarre Abtenau zugerechnet wird.
Im Februar 1602 wurde am Pass Gschütt von Truppen des Fürsterzbischofs von Salzburg Wolf Dietrich von Raitenau eine Rebellion der evangelischen Gosauer im Rahmen des Salzkammergutaufstandes beendet.
1781 gründete sich eine evangelische Toleranzgemeinde, die 1784 ein Bethaus errichtete. Bereits zuvor war Brigitta Wallner, die Witwe eines Holzknechts, als Schmugglerin verbotener Bibeln und Andachtsbücher von Deutschland her tätig geworden. Sie war die erste Person, die sich nach dem Toleranzpatent von 1781 als evangelisch eintragen ließ, und ihr folgten über 1000 Personen.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.
Nach Erlass des Protestantenpatents wurde von 1860 bis 1869 die heutige Evangelische Pfarrkirche Gosau errichtet, die gestalterisch durch ihre Holzverkleidungen auffällt. Das evangelische Kirchenviertel in Gosau – Ein Spaziergang durch evangelische Tradition und Identität, Evangelische Kirche in Österreich, Website wegesbuches.at (abgerufen am 13. Juni 2025) Bei einer Volkszählung von 1981 wurden in der Gemeinde Gosau als demographische Besonderheit 1.540 Evangelische und 287 Katholiken gezählt. Die derzeitige evangelische Pfarrerin ist seit September 2014 Esther Eder.Pfarrgemeinde Gosau
Das Gebäude des Hotels Koller wurde 1880 als Sommerresidenz der österreichisch-ungarischen Industriellenfamilie Faber erbaut. Moritz Faber war Direktor der Liesinger Brauerei, er galt in dieser Zeit, als es noch keine elektrisch betriebenen Kühlschränke gab, auch als der größte Eisproduzent der Monarchie. Er und seine Familie stifteten eine Reihe von sozialen Einrichtungen für die Gemeinde Gosau. Nach dem Ersten Weltkrieg endete das Eis-Geschäft und die Familie konnte das große Landgut, zu dem auch ein Jagdgebiet gehörte, nicht mehr halten. Der folgende Besitzer, Herr Gredinger, musste 1938 emigrieren. Der Besitz wurde enteignet, nach dem Zweiten Weltkrieg als Deutsches Eigentum neuerlich beschlagnahmt, dann restituiert und 1949 neuerlich versteigert. Die Tochter des neuen Besitzers hatte den Zimmerer Gottfried Koller geheiratet, gemeinsam renovierten sie das jahrelang leer gestandene und desolate Gebäude. 1961 wurde das Haus als Hotel eröffnet und 1990 umgebaut.Leopold Jakober: Hotel Koller, Gosau. Die ehemalige Sommerresidenz eines Wohltäters. In: Leben mit Tradition. Leben mit Tradition Verlagsgesellschaft, Salzburg, Heft 34 - Sommer 1992, , S. 42–45.
1913 wurde das von der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft betriebene Kraftwerk Gosau fertiggestellt, Teil eines 1907 angegangenen großen Speicherkraftwerksprojektes mit geplanten 5 Kraftwerken von Hinteren Gosausee bis zum Hallstätter See. Dadurch wurde der Wasserstand des Vorderen Gosausees auf die aktuelle Marke angehoben und das heutige landschaftliche Bild des Gosausees mit Dachstein entstand.
Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Bevölkerung Gosau gehört zu den wenigen evangelischen Gemeinden in Österreich. Ca. 71 % der Einwohner sind evangelisch A.B.
Durch die Abgeschiedenheit des Tales hat sich der Protestantismus hier über die Zeit der Gegenreformation erhalten in Form des Kryptoprotestantismus. Die Wichtigkeit der heimischen Arbeitskraft und des sozialen Friedens für die Salzgewinnung in der Region waren ausschlaggebend, dass sich glaubensbedingte Repressalien der Obrigkeit vergleichsweise in Grenzen hielten. Erst durch das Toleranzpatent Josefs II. von 1781 wurde den Protestanten rund um den Dachstein ihre Religionsausübung wieder zumindest teilweise in der Öffentlichkeit ermöglicht. Das Protestantenpatent Franz Josefs von 1861 stellte sie mit den Katholiken weitgehend gleich.
Einwohnerentwicklung
Die kurzfristig sinkende Bevölkerungsentwicklung seit der Jahrtausendwende war vor allem auf Geburtenrückgänge bei gleichzeitig ausgeglichener Wanderungsbilanz zurückzuführen,Bevölkerungsstatistik Gosau: die Aufwärtsentwicklung im Tourismus mildert diesen Trend ab den 2020er Jahren durch zuziehende Arbeitskräfte ab.
Wirtschaft und Infrastruktur Früher lebten die Einwohner vorwiegend von der Forstwirtschaft und vom Salzbergbau im Nachbarort Hallstatt. Auch die Weidewirtschaft zur Selbstversorgung und der Schleifsteinabbau spielten in früheren Jahrhunderten eine Rolle. Heute spielt der Tourismus in der Region die Hauptrolle.
Örtlicher Leitbetrieb ist die Dachstein Tourismus AG als Betreiber des oberösterreichischen Teils der Skiregion Dachstein-West und der Wander- und Skiregion Dachstein Krippenstein. Neben wenigen kleinen Gewerbetreibenden (z. B. Tischlerei Laserer) sind es vor allem die Tourismusbetriebe (z. B. Hotel Dachsteinkönig), die das Wirtschaftsleben in Gosau prägen.
Tourismus und Fremdenverkehr mini|Gosausee mit Dachstein mini|Das Kirchenviertel Gosau mit den charakteristischen zwei Kirchen und der Kalvarienbergkapelle mini|Übersicht über das Gosautal mit Gosaukamm Die Tourismusgemeinde Gosau gehört zur Ferienregion Dachstein Salzkammergut (früher unter dem Namen Inneres Salzkammergut) am Fuße des Dachsteins (). Der Blick vom Vorderen Gosausee auf den östlichsten Gletscher der Alpen ist weithin bekannt.
Touristische Entwicklung
Mit der regelmäßigen Anwesenheit des kaiserlichen Hofes im Salzkammergut begann ab 1850 auch der Tourismus in der Region. Immer mehr Bergtouristen und Sommerfrischler entdeckten das Gosautal und den Dachstein als Urlaubsziel. Die Nähe zur Kaiserstadt Bad Ischl brachte für Gosau viele Ausflügler im Sommer. Als Tagesausflug wurde zum Gasthaus beim Gosauschmied gefahren, um einen „Schwarzreiter“ (schmackhafter, mittlerweile aber ausgestorbener Speisefisch aus dem Gosausee) zu essen oder sich von Sesselträgern auf die Zwieselalm tragen zu lassen.
Der Bergtourismus gewann im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts massiv an Bedeutung. Vorreiter wie Friedrich Simony lenkten die Aufmerksamkeit der vornehmlich städtischen Bergbewegung der alpinen Vereine auf den Dachstein. Der aufwändige Bau der Adamekhütte der Wiener Sektion Austria des Österreichischen Alpenvereins 1907 am Weg von Gosau zum Dachstein ist Ausdruck der damaligen Aufbruchsstimmung. Der beginnende Skitourismus erfasste Gosau in den 1920er Jahren, zeitweise waren so viele Tourengeher unterwegs, dass Hütten auf der Zwieselalm und auch die Adamekhütte den Winter über offen hielten. Nicht zuletzt waren es die Kletterer, die Gosau und die leichte Zugänglichkeit zum Dachstein und zu den Kalkspitzen des Gosaukamms entdeckten. Der berühmteste in den Anfangsjahren war Paul Preuß, der nach vielen Erstbegehungen im Gosaukamm 1913 am Mandlkogel tödlich abstürzte.
Der Bau der Skilifte in Gosau ab Anfang der 1970er Jahre und die Ostöffnung Anfang der 1990er Jahre brachten jeweils deutliche Zuwächse an Nächtigungen.