Der Bahnhof Quedlinburg wurde 1862 als Durchgangsbahnhof am südlichen Rand der Stadt Quedlinburg gebaut. Das neugotische Empfangsgebäude von 1862 steht zusammen mit den anderen Anlagen des nahezu geschlossenen gründerzeitlichen Ensembles unter Denkmalschutz.

Seit der Umspurung der ehemals normalspurigen Strecke nach Frose im Jahr 2006 im Abschnitt Quedlinburg–Gernrode ist er Anschlussbahnhof der meterspurigen Strecke der Selketalbahn an die normalspurige durchgehende Strecke Halberstadt–Thale. Von 1908 bis 1969 gab es darüber hinaus noch die Strecke nach Blankenburg, die sogenannte Quäke.

Von den vier weiteren ehemaligen Quedlinburger Bahnhöfen oder Haltepunkten ist nur noch der Bedarfshalt Quedlinburg-Quarmbeck vorhanden.

Der Bahnhof wird seit Frühjahr 2020 umfangreich saniert und barrierefrei mit zwei Aufzügen und neuem Tunnel zum Bahnsteiggleis 2 und 3 umgebaut. Die Bauarbeiten sollten bis Ende 2022 abgeschlossen sein, was allerdings mit Stand Dezember 2024 noch nicht der Fall war.

Lage mini|Lage in Quedlinburg

Der Bahnhof liegt auf der östlichen Seite der Bode etwa 850 Meter vom Marktplatz des historischen Stadtkerns entfernt. Dem Bahnhof sind zwei Plätze vorgelagert: der Bahnhofsplatz und der Friedrich-Ebert-Platz. Mit der Stadt verbunden wird der Bahnhof über die Bahnhofsbrücke, die nach einem verheerenden Hochwasser im Jahre 1925 neu erbaut und Ende der 1990er Jahre saniert wurde. Mit den angrenzenden Straßen Rathenaustraße und Harzweg ist der Bahnhof am Quedlinburger Ring gelegen. Rückseitig an den Bahnhof angelagert und damit mit Anschluss an den Güterbahnhof lagen zahlreiche Metall- und Industriebetriebe im Klopstockweg. So nutzten unter anderem Firmen wie die Walzengießerei den Anschluss an das Gleisnetz. Mit dem Wegbruch der Industrie Anfang der 1990er Jahre sank das Güteraufkommen, so dass der Güterbahnhof aufgegeben wurde. An dessen Stelle steht heutzutage der Mitarbeiterparkplatz des Finanzamtes sowie ein Park-and-ride-Parkplatz für Fahrräder, PKWs und Busse mitsamt einer Erschließungsstraße von Fracht- und Stresemannstraße aus. Der Gebäudekomplex der ehemaligen Firma Mertik Maxitrol wurde zum Finanzamt des Landkreises Harz saniert und umgebaut.

Geschichte mini|links|Historisches Bahnhofsschild von Quedlinburg mini|links|Bahnhof im Jahr 1905 mini|links|Detailansicht der Fenster der Bahnhofshalle mit den alten Türmen der Stiftskirche Der Bahnhof wurde am 2. Juli 1862 mit der Bahnstrecke von Halberstadt nach Thale eröffnet. Das Empfangsgebäude und weitere Bauten stammen aus der Eröffnungszeit. Im Bereich der Bahn siedelten sich in den folgenden Jahren eine Reihe von Industriefirmen an. 1885 wurde Quedlinburg mit der Eröffnung der Strecke nach Gernrode und Ballenstedt zu einem kleinen Bahnknoten. 1908 wurde die Bahnstrecke nach Blankenburg eröffnet. Um die Züge aufnehmen zu können, musste der Bahnhof umgebaut werden. Beim Umbau entstand der neue Bahnsteig 1 West und ein neuer Wasserturm.

Der Quedlinburger Bahnhof hatte zudem in nicht friedlichen Zeiten eine bedeutende Rolle. Während des Ersten Weltkriegs diente der Quedlinburger Bahnhof dem Transport von Kriegsgefangenen, die vom oder zum Kriegsgefangenenlager auf dem Ritteranger, zwei Kilometer nordwestlich von Quedlinburg transportiert wurden. Die ersten Gefangenen erreichten Quedlinburg am 24. September 1914.Otto Berger: Im Gefangenenlager in Quedlinburg. In: Quedlinburger Kreisblatt vom 22. April 1915. Im März 1920, während des Kapp-Putsches, war das Bahngelände schwer umkämpft. Davon zeugt erhaltenes Bildmaterial der zerschossenen Bahnhofstunnel, ohne dass die Kampfhandlungen im Einzelnen bekannt wären.Vergessen; Kapp-Putsch März 1920 in Quedlinburg. Hrsg.: Dachverein Reichenstrasse e. V., Quedlinburg 2004, S. 32.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde seitens der Alliierten vermutet, dass über den Bahnhof Quedlinburg V2-Waffen abtransportiert werden. Jedoch blieb die geplante Bombardierung aus, ebenso wie für den Rest der Stadt. Hintergrund für diese Vermutung ist eine Fabrik in Nordhausen, wo V2-Waffen hergestellt wurden. Diese gehörte zum KZ Dora-Mittelbau, von dem im September 1944 Außenstellen unter anderem in Quedlinburg und Traunstein errichtet wurden. Daher wurde irrtümlicherweise angenommen, dass in Quedlinburg solch eine Produktionsstätte existiert, jedoch hatten diese Außenstellen keinen Bezug zur V-Waffen-Produktion und -Reparatur. Trotzdem stand im April 1945 tatsächlich ein Güterzug mit Einzelteilen der V2 auf einem Nebengleis bei den Gaswerken. Die Ingenieure Rössler und Bühring haben diesen Zug am 10. April in die Nähe von Ditfurt gebracht, wo ihn amerikanische Einheiten übernahmen.Müller, Heinz: Die kampflose Übergabe. In: Quedlinburg; Geschichten aus dem vergangenen Jahrhundert, hrsg. v. Uwe Gerig, Quedlinburg 2000, S. 94 f.

1969 wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke nach Blankenburg eingestellt. Bis 1993 wurden noch Anschlüsse im Stadtgebiet bedient.

Bis 1988 wurden die Personenzüge mit Dampfloks gefahren.

Als Anfang der 1990er Jahre die Metallindustrie am Bahnhofsgelände Quedlinburg wegbrach, sank die Bedeutung des Güter- und Rangierbahnhofes. Daher wurde dieser teilweise stillgelegt. Erste Gleise wurden bereits Mitte der 1990er Jahre abgebaut, um Erweiterungen einer Firma in der Stresemannstraße ermöglichen zu können. Bei Sanierungen der Deutschen Bahn des Gleiskörpers der durchgehenden Strecke Magdeburg–Thale wurden die Gleisanschlüsse in Richtung Magdeburger Straße gekappt und die Strecke bereits vor dem Bahnübergang Badeborner Weg wieder eingleisig. Gleichzeitig verbunden war damit der Umbau der Signaltechnik.

mini|Kilometerstein der Harzer Schmalspurbahn, im Hintergrund ein erhaltenes Gebäude des Güterbahnhofes

Im Dezember 2003 wurde vom Verkehrsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre, eine Vereinbarung mit den Harzer Schmalspurbahnen GmbH zum Anschluss der Selketalbahn an Quedlinburg und einem entsprechenden Projekt des Bahnhofes Quedlinburg unterzeichnet. Mit dem Umbau des südöstlichen Bahnhofsgeländes durch die Harzer Schmalspurbahnen verschwanden die letzten Gleiskörper des ehemaligen Güterbahnhofes Quedlinburg. Anstelle dessen findet sich heute ein Parkplatz für Fahrräder, PKW und Busse. Von diesem wurde auch ein barrierefreier Übergang zum Mittelbahnsteig geschaffen. Davor war nur der Zugang durch den Tunnel möglich. Der 182 Meter lange Mittelbahnsteig wurde 2007 in drei Monaten saniert und im Juni 2007 übergeben. Insgesamt 450.000 € wurden aufgewendet, um die Bahnsteige anzuheben, die Pflasterung neu zu verlegen und einen Blindenleitstreifen einzubauen. Da das Bahnhofsensemble jedoch auch unter Denkmalschutz steht, wurde sowohl das Bahnsteigdach, die Fußgängertunnelabgänge als auch die originalen Natursteinbahnsteigkanten erhalten. Jedoch wurde der Teil des Bahnsteiges südwestlich des Tunnelzuganges entfernt, hier befand sich vor der Sanierung eine Bedarfs-Gleisüberquerung zwischen Bahnsteig 1 und 2/3.

Zukünftig soll das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes noch aufgewertet werden. Die Streckenverbindung nach Thale wird vor allem in touristischer Hinsicht aufrechterhalten bleiben. Die Zukunft des Fußgängertunnel wird dabei überlegt. Für die Sanierung der Gebäude sind unterschiedliche Träger zuständig, da ein Teil der Gebäude und das Erdgeschoss des Empfangsgebäudes von der DB Station&Service AG verkauft wurden.

zentriert|mini|hochkant=3|Rückseite des Bahnhofs, im Vordergrund das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes

Im Frühjahr 2009 wurde im Auftrag der Mitteldeutsche Baustoffe (MDB) GmbH (Sennewitz) das bereits stillgelegte und abgetrennte zweite Gleis zwischen dem Bahnübergang Magdeburger Straße und dem ehemaligen Anschluss Groß Orden saniert. Im Gebiet des ehemaligen Kohlebahnhofes wurde eine Bahnverladeanlage für Kies und Grauwacke gebaut. Hier werden die Güter vom zwei Kilometer entfernten Bode Kieswerk in Ditfurt und vom zwölf Kilometer entfernten Steinbruch bei Rieder vom LKW auf die Bahn verladen. Geplant war, nach der Wiederherstellung des Gleisanschlusses am 24. Juni 2009 und Neuverlegung von zwei Kilometer Gleisen ab Ende Juli 2009 den Betrieb wieder aufzunehmen, ein Probebetrieb konnte jedoch erst im Oktober 2009 starten, der Regelbetrieb begann am 12. Mai 2010. Es wird eine Jahrestonnage von etwa 200.000 t angestrebt. Dabei sollen bis zu 590 Meter lange Züge eingesetzt werden. Die dafür eingesetzte, 126 Tonnen schwere Diesellok (Bauart Voith Maxima 40 CC), wurde am 27. Mai 2011 auf den Namen Quedlinburg getauft.

mini|Bahnhofsschild aus Email am Bahnsteig 1 Seit dem 30. Mai 2011 ist die Bahnhofsmission in Halberstadt für die Betreuung des Bahnhofes in Quedlinburg mit zuständig.

mini|Blick auf den in Sanierung befindlichen Bahnhof Quedlinburg, 2022 Nachdem eine Sanierung des Bahnsteigs 1 samt Erneuerung der Unterführung mit Einbau von Fahrstühlen zunächst bis zum Jahre 2018 für rund 3 Millionen Euro geplant war, war Baustart im März 2020. In diesem Zusammenhang soll der Bahnsteig 1 von einer derzeitigen Baulänge von 151 m (derzeitige Nutzlänge 138 m) auf eine Nutzlänge von 180 m verlängert werden. Begründet wird dies mit regelmäßigen Sonderfahrten. Bahnsteige sind ansonsten im Bereich Halberstadt–Thale mit einer Länge von 140 m vorgesehen. Zunächst war von einer Sanierung der Personenunterführung abgesehen worden, da mit dem barrierefreien Zugang zu Gleis 3 der Mittelbahnsteig erschlossen war. Der Neubau der Personenunterführung und die erstmalige Errichtung von Fahrstühlen auf dem Haus- und Mittelbahnsteig werden nun doch umgesetzt. Im Zuge der Sanierung wird der Bahnsteig 1 auch auf eine Höhe von 55 cm angehoben. Daraus resultierend ist eine Trennung zum Bereich des Bahnhofsgebäudes notwendig, da dieser nicht mit angehoben wird. Eine Rampe soll beide Bereiche miteinander verbinden. Das Bahnsteigdach wird saniert und in der bisherigen Ausführung aufgrund des Denkmalschutzes beibehalten. Eine Erweiterung im Zuge der Bahnsteigverlängerung ist nicht vorgesehen. 2018 erhielt Bahnsteig 1 zunächst eine Asphaltdecke, damit zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 auch die neuen Triebwagen von Abellio halten können. Die weiteren Bauarbeiten, bestehend aus dem Neubau des Bahnsteigtunnels, dem Einbau von Aufzügen sowie der Sanierung des Hausbahnsteigs mit Überdachung, sind nun zwischen Februar 2020 und Dezember 2022 vorgesehen, rund 3,5 Millionen Euro werden hierfür investiert.

Architektur Gebäude Der Bahnhof besitzt ein nahezu geschlossenes Ensemble aus der Gründungszeit. Es besteht aus einem unter Denkmalschutz stehenden neugotischen Empfangsgebäude von 1862, einem Lokschuppen von 1862, 1889/1892, einem Güterschuppen, einer der ältesten erhaltenen Drehscheiben in Deutschland von 1889, einem Eilgutschuppen und einem Aborthaus. Weiterhin beinhaltet es einen Wasserturm der Bauart Schäfer von 1907/1908. Ein Aufenthaltsgebäude stammt aus dem Jahr 1906, die Stellwerke von 1907/1908, ein Toilettenhäuschen von 1908, ein Fahrkartenschalterhaus von 1909 und ein Wasserkran aus der Zeit um 1955.

Das neogotische Empfangsgebäude ist im Inneren mit 1906 neugestalteten Glasmalereien versehen. Diese wurden von der Firma Müller hergestellt und stellen Ansichten des Schlossberges und des Rathauses dar.Falko Grubitzsch: Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 7.1: Stadt Quedlinburg. Halle/Saale, 1998, S. 72. Der Bahnhof ist im Quedlinburger Denkmalverzeichnis eingetragen.

Stellwerke mini|Ehemaliges Stellwerk Qmf