Die Triebzüge Alstom Coradia Continental sind modulare Regionaltriebzüge des Herstellers Alstom Transport Deutschland, vormals Alstom LHB, Salzgitter. Die Endwagen der Alstom-Coradia-Continental-Triebzüge werden im Deutschen Fahrzeugeinstellungsregister als Baureihen 0440 und 1440 geführt. Die Mittelwagen werden in die Baureihen 0441, 0841, 1441 und 1841 eingeordnet.

In Deutschland sind 432 Triebzüge in 26 Varianten bei 16 Betreibern im Einsatz (Stand: 2023).

Entwicklung Aus dem Konzept des auf radial einstellenden Einzelachsfahrwerken fahrenden LIREX entstand durch Fortentwicklung eine Familie von vollständig niederflurigen Triebzügen mit konventionellen Enddrehgestellen und Jakobs-Drehgestellen zwischen den Mittelwagen. Dabei wurde zuerst die für den Betrieb in nordischen Ländern geeignete Unterfamilie Alstom Coradia Nordic entwickelt und später daraus die Unterfamilie Coradia Continental für den Betrieb in Mitteleuropa abgeleitet. Von den Coradia Nordic unterscheiden sich die Coradia-Continental-Fahrzeuge durch neue, dem deutschen Umgrenzungsprofil angepassten Wagenkästen mit geraden Seitenwänden.

Von 2009 bis 2010 fanden Testfahrten mit Coradia-Continental-Triebzügen auf dem Eisenbahnversuchsring Velim statt. Website des Forschungsinstituts der Eisenbahn (englisch), abgerufen am 15. Februar 2015.

Technische Eigenschaften Die Züge der Fahrzeugfamilie werden aus einem Baukasten standardisierter Einzelfahrzeuge gebildet, die die Traktionsausrüstung und die Hilfsbetriebe mit Ausnahme der Fahrmotoren auf dem Dach tragen. Die Endwagen gibt es in zwei Längen; sie tragen jeweils einen Haupttransformator, einen Traktions- und einen Hilfsbetriebeumrichter. Die Mittelwagen tragen die Stromabnehmer, die Einrichtungen für die Druckluftversorgung und bei den Fahrzeugen der BR 440 die Batteriekästen. Mittig auf jedem Fahrzeug ist das Klimagerät für den Fahrgastraum angeordnet. Bei den Fahrzeugen der Baureihe 0440 steht auf den Endwagen ein separater Motorkühler, bei den Einheiten der Baureihe 1440 ist dieser mit dem Kühler des Haupttransformators zusammengefasst und an den Platz des separaten Motorkühlers wandert der Batteriekasten.

Der Fahrzeugkopf kann mit Knautschzonen ausgeführt werden; bei den Fahrzeugen der Baureihe 0440 sind diese nicht installiert, um die Fahrzeuglänge zu verringern und Kosten zu sparen. Entsprechend den Kundenvorgaben sind auch die bei den Coradia Nordic vorhandenen seitlichen Führerstandstüren und ein zweiter PZB-Dateneinsteller entfallen. Bei agilis im E-Netz Regensburg, im E-Netz Augsburg und auf der Mainfrankenbahn sind die Züge mit ausfahrbaren Trittstufen ausgerüstet. Bevor sich die Türen öffnen, fahren diese unter dem Zug aus. Die Züge für das Elektro-Netz Niedersachsen Ost sind zusätzlich zur PZB mit LZB ausgerüstet, um auf der Lehrter Bahn zwischen Lehrte und Wolfsburg den LZB-Teilblockbetrieb unter CIR-ELKE nutzen zu können.https://www.regionalverband-braunschweig.de/fileadmin/user_upload/30_Themen/RGB/ENNO/Datenblatt_Enno.pdf Für die Ausrüstung mit ETCS gibt es Überlegungen, wonach für die Umrüstung der insgesamt 16 Varianten mit insgesamt 432 Triebzügen wenigstens 17 Triebzüge prototyphaft auszurüsten wären, um auf dieser Grundlage die übrigen Züge in Serie umzurüsten.

Die Fahrzeuge sind zu mindestens 95 % recyclebar.

Technische Probleme Motor Ende 2014/Anfang 2015 gab es bei den Augsburger Zügen starke Verschleißerscheinungen der Antriebsmotoren, die entgegen den Erwartungen zwei Jahre vor dem fälligen Revisionsdatum auftauchten. Da Ersatzteile in der erforderlichen Menge nicht kurzfristig beschaffbar waren, mussten im November 2014 drei Elektrotriebzüge komplett aus dem Verkehr gezogen werden. Ab Februar 2015 wurde die gesamte Fahrzeugflotte zum vorzeitigen Motorentausch in die Werkstätten gerufen.

Radsätze Im Dezember 2016 wurden an 20 von 29 Einheiten der Mitteldeutsche Regiobahn Flachstellen und „Ausbröckelungen“ an den Laufflächen der Radsätze festgestellt.

Mitte 2017 wurden einige Triebzüge aufgrund „unüblichem erhöhten Verschleiß“ an den Spurkränzen außer Betrieb genommen.

Bei der Breisgau-S-Bahn führen die vorzeitig verschlissenen Radsätze seit 2023 zur völligen Überlastung der DB-Werkstatt und in der Folge zu einer erheblich reduzierten Zahl einsatzfähiger Fahrzeuge.Breisgau-S-Bahn: Ein Drittel in der Werkstatt. Verspätungen, kaputte Züge und ganz viel Frust. ReblandKurier, 21. Februar 2024, abgerufen am 24. Mai 2024

Kuppeln Nach Beginn des regulären Einsatzes der Fahrzeuge auf der Breisgau-S-Bahn ab Mitte Dezember 2019 wurde über Probleme beim Kuppeln der Zugteile berichtet. Die DB Regio und der Hersteller Alstom bestritten, dass es ein generelles Kupplungsproblem gebe. Im zuständigen Landes-Verkehrsministerium wurde das im Herbst 2020 anders gesehen: „Dieses Kuppelproblem ist derzeit eine Hauptproblematik.“ Der Fahrplan sah täglich 120 Kupplungsmanöver der Züge bei Flügelungen in den Bahnhöfen Gottenheim und Titisee vor. Tatsächlich wurde Ende März 2020 ein Übergangsfahrplan mit stark reduzierter Zahl der Kupplungsvorgänge eingesetzt, nachdem der sehr ambitionierte erste Taktfahrplan auf der Ost-West-Achse der Breisgau-S-Bahn gescheitert war. Auch in Zukunft sollen die Kupplungsmanöver „auf das notwendige Minimum“ reduziert werden.

Varianten Die Triebzüge können drei- bis sechsteilig bestellt werden. Dazu wird die Anzahl der Mittelwagen (Reihe (1)441 mit Antriebsausrüstung, (1)841 nicht angetrieben) variiert. Zusätzlich wurden die Endwagen (Baureihe (0)440) in zwei verschiedenen Längen geliefert. Dieser Unterschied macht sich durch ein zusätzliches Fenster im Niederflurbereich bemerkbar. Die Fahrzeuge können zudem mit unterschiedlichen Fußbodenhöhen bestellt werden.

Die Triebzüge der Baureihe 1440 (S-Bahn Rhein-Ruhr, Breisgau-S-Bahn, teilweise S-Bahn Nürnberg, Zweckverband Großraum Braunschweig, Verkehrsverbund Mittelsachsen und Elektronetz Saar RB Los 1) erhalten einen modifizierten Kopf nach Norm EN 15227, dessen Länge nur unwesentlich kürzer ist als die ehemalige längere Variante. Folgende Konfigurationen wurden bisher verkauft:

Wagennummern AnzahlWagen End-wagen Länge Fahr-motoren Betreiber (Netz) 440.0 – 441.0 – 441.5 – 440.5 4 kurz 70.900 mm 8 DB 440.1 – 441.1 – 441.6 – 440.6 4 lang 74.200 mm 8 agilis 440.2 – 441.2 – 841.2 – 441.7 – 440.7 5 kurz 87.300 mm 8 DB (Passau), NWB 440.3 – 441.3 – 440.8 3 kurz (DB),lang (NWB) 54.500 mm/57.800 mm 6 DB (Würzburg),NWB 440.4 – 441.9 – 440.9 3 lang 57.800 mm 8 agilis 1440.1 – 1441.1 – 1441.6 – 1440.6 4 neuer Kopf 73.300 mm 8 ZGB (ENNO)HLB (RMV-Südhessen-Untermain) 1440.2 – 1441.2 – 1841.2 – 1441.7 – 1440.7 5 neuer Kopf 89.700 mm 8VMS (EMS)DB Regio NRW (RE 8 / RB 33) 1440.3 – 1441.3 – 1440.8 3 neuer Kopf 56.900 mm VMS (EMS) 1440.3 – 1441.3 – 1440.8 3 neuer Kopf 56.900 mm 8 DB Regio NRW (S-Bahn und RE 8 / RB 33)HLB (RMV-Südhessen-Untermain)1440.0 – 1441.0 – 1441.5 – 1440.54neuer Kopf73.300 mm8DB Regio Mitte (RB-Netz Saarland)DB Regio Bayern (S-Bahn Nürnberg)1440.1 – 1441.1 – 1441.6 – 1440.64neuer Kopf, lang76.600 mm8Breisgau S-Bahn

Akkumulatorausführung (BEMU) mini|Triebzug 1440 408 beim Verlassen des Bahnsteiggleises 23 im Bf Leipzig Hbf im Akkumulatorbetrieb, 28. Februar 2026 Anfang Februar 2020 bestellte der VMS 11 dreiteilige Coradia-Continental-Einheiten der Baureihe 1440.4 für den Betrieb auf der Strecke Leipzig – Chemnitz. Da diese Strecke noch nicht elektrifiziert ist, erhalten die Züge Batterien mit einem Energieinhalt von 840 kWh im Dachraum, welche eine Reichweite von 120 Kilometern fahrdrahtloser Strecke ermöglichen. Die Züge sind bis auf die zusätzlichen Traktionsbatterien fast baugleich mit den 29 Zügen des Elektro-Netzes Mittelsachsen. Die Akkumulatortriebzüge, welche mit Unterstützung des Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig gekauft werden, sollen nach erfolgter Streckenelektrifizierung zwischen Chemnitz und Leipzig durch das Entfernen der Traktionsbatterien als elektrische Triebzüge im reinen Fahrleitungsbetrieb weiter eingesetzt werden.

Im Sommer 2022 wurden die ersten Versuchsfahrten im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath unternommen. Im August 2023 wurde der erste Zug in Annaberg-Buchholz-Süd präsentiert.Erste Ankunft des Alstom-Akku-Triebzugs Coradia Continental BEMU an der Ladestation Annaberg-Buchholz Süd 22. August 2023, abgerufen am 9. Mai 2024 Dort wurde von Smart Rail Connectivity Campus eine Ladestation mit Fahrleitungsschiene errichtet, die bei einer Spannung von 15kV mit der im Mittelspannungsnetz üblichen Frequenz von 50Hz statt der Fahrleitungsfrequenz von 16,7Hz gespeist wird und damit auf eine Frequenzumrichtung verzichtet.50-Hz-Nachladestation mit Symmetrierumrichter für batterieelektrische Züge in Annaberg-Buchholz Süd Smart Rail Connectivity Campus. Abgerufen am 9. Mai 2024 Da die Züge erst im Dezember 2025 zugelassen wurden bedienten Dieselersatzfahrzeuge im Kulturhauptstadtjahr 2025 die Verbindung Leipzig–Chemnitz. Der erste planmäßige Zug verkehrte am 2. Februar 2026.

Betrieb Neben der DB Regio AG haben die NordWestBahn für die Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen, agilis für das E-Netz Regensburg, der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) für das Elektronetz Mittelsachsen II und der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) für das Elektro-Netz Niedersachsen Ost (ENNO) Fahrzeuge bestellt.

Im Dezember 2015 bestellte die Hessische Landesbahn für das RMV-Netz Südhessen-Untermain 30 Fahrzeuge. Im April 2018 hat Alstom von der Hessischen Landesbahn GmbH (HLB) einen Auftrag über die Lieferung von fünf Coradia Continental Regionalzügen erhalten. Die Fahrzeuge werden bis Ende 2019 am Alstom-Produktionsstandort in Salzgitter gebaut.

Übersicht Auftraggeber Einsatzgebiet Einsatzbeginn Einsatzende 440.0vierteilig 440.1vierteilig 440.2fünfteilig 440.3dreiteilig 440.4dreiteilig 1440.0vierteilig 1440.1vierteilig 1440.2fünfteilig 1440.3dreiteilig1440.4dreiteilig Gesamt DB Regio AG E-Netz Augsburg teilweise 12/2008 12/2022 37 – – – – – – – –– 37 DB Regio AG Würzburg Mitte 2010 5 – – 26 – – – – –– 31 DB Regio AG München 12/201012/20246 – 6 – – – – – –– 12 NordWestBahn Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen 12/2010 – – 17 18 – – – – –– 35 agilis E-Netz Regensburg 12/2010 – 8 – – 18 – – – –– 26 DB Regio AG S-Bahn Rhein-Ruhr 12/2014 – – – – – – – – 28– 28 Zweckverband Großraum Braunschweig (enno) Elektro-Netz Niedersachsen Ost 12/2015 – – – – – –24 – ––24 Verkehrsverbund Mittelsachsen Elektro-Netz Mittelsachsen II 06/2016 – – – – – – – 16 13– 29 Hessische Landesbahn (HLB) RMV-Netz Südhessen-Untermain 12/2018 – – – – – – 17+5 – 13– 35 DB Regio AG Breisgau-S-Bahn 2020 12/2019 – – – – – – 15 – 11– 26 DB Regio AG Elektro-Netz Saar RB Los 1 12/2019 bzw. 12/2020 – – – – – 25 – – –– 25 DB Regio AG S-Bahn Nürnberg 06/2020 – – – – – 27 – – –– 27 DB Regio AG NRW & Rheinland-Pfalz RE8/RB33 12/2019 – – – – – – – 16 10– 26DB Regio AGKarlsruhe Netz 7b EBO12/2022––––– – –136–19Verkehrsverbund MittelsachsenLeipzig – Chemnitz02/2026–––––––––1111Hessische Landesbahn (HLB)Mittelhessen-Express05/2024––––––1220––32Zweckverband Großraum Braunschweig (enno)Elektro-Netz Niedersachsen Ost04/2026––––––5–––5 48 8 23 44 18 52 73 6581 11428

DB Regio AG mini|Fahrgastraum DB 2. Klasse mini|Fahrgastraum DB 1. Klasse

Die ersten Bestellungen der DB Regio AG ab Spätsommer 2006 umfassten 76 elektrische Triebzüge aus der Fahrzeugfamilie Alstom Coradia Continental. Diese teilen sich in vier Einzelaufträge für den Raum Augsburg, für den Raum Würzburg, für den Raum Nürnberg und für die Verbindung München–Passau auf. Die achtzig Einheiten teilen sich in 26 dreiteilige, 48 vierteilige und 6 fünfteilige Züge auf. Die Auslieferung war für den Zeitraum zwischen Mitte 2008 und Ende 2010 vorgesehen.