Nord () ist der 13. Stadtbezirk in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Er hat 32.987 Einwohner (15.631 Frauen und 17.356 Männer) und besteht aus den Stadtteilen Nordstadt (17.872 Einwohner), Hainholz (7.796 Einwohner), Brink-Hafen und Vinnhorst (zusammen 7.319 Einwohner) (Stand 31. Dezember 2022).

Nordstadt Die Nordstadt erstreckt sich auf einem rund 2,5 km² großen Areal zwischen der Bahnstrecke Hannover–Minden im Norden und Osten, dem Berggarten und dem Großen Garten im Westen, der Steintormasch und der Leine im Süd-Westen und dem über Schloßwender und Arndtstraße führenden Cityring im Süd-Osten. An vorgenannter Bahnstrecke liegt auch eine gleichnamige S-Bahn-Station.

Der Engelbosteler Damm trennt als Hauptgeschäftsstraße die Nordstadt in einen im Krieg stark zerstörten, nach 1946 wiederaufgebauten Ostteil mit örtlich viel Gewerbenutzung und einen nach 1985 sanierten Altbaubereich mit überwiegender Wohnnutzung. Daran schließt sich im Westen eine durch einen Gürtel aus Universitäts-, Friedhofs- und Krankenhausflächen abgetrennte ruhige Villengegend an. Im Südwesten bieten der Welfengarten und der Georgengarten sowie die daran anschließenden Kleingärten und Sportanlagen Flächen für Naherholung.

Mit dem Klinikum Nordstadt befindet sich ein Krankenhaus des Klinikums Region Hannover im Stadtteil. Nahe der Bahnlinie im Osten ist seit 2014 die neue Feuer- und Rettungswache 1 der Feuerwehr Hannover in Dienst.

Geschichte

mini|hochkant|Das zur Universität gehörende Hochhaus an der Appelstraße wurde 1972 fertiggestellt.

Im Gebiet der heutigen Nordstadt erinnern die Straßennamen „Am Puttenser Felde“ und Schöneworth an mittelalterliche Wüstungen. Die Nordstadt hat sich aus der „Steintor-Gartengemeinde“ entwickelt, einer einst zum Amt Langenhagen gehörigen, ländlich strukturierten Verwaltungseinheit, die 1793 zum Amt Hannover kam. Eine Keimzelle des heutigen Stadtteils erkennt man noch rund um den um 1650 angelegten Alten Jüdischen Friedhof, wo mit der 1742 gegründeten „königlich privilegierten Wachstuchmacherey vor dem Steinthore“ Hannovers ältester Industriebetrieb entstand – außerhalb der damaligen Stadtmauer. Hier steht Hannovers letztes erhaltenes Gartenhaus, ein klassizistischer Fachwerkbau von 1820 und zugleich das älteste Haus der Nordstadt.

Nachdem die Einwohnerzahl zwischen dem Dorf Hainholz und der ehemaligen Stadtgrenze von Hannover im heutigen Gebiet der Nordstadt auf über 7.000 Menschen angestiegen war, genehmigte das königliche Ministerium die Gründung einer neuen evangelisch-lutherischen Gemeinde. Als Gotteshaus diente ab dem 28. August 1859 übergangsweise die Nikolaikapelle am Klagesmarkt. Nach langen Diskussionen und der Einsicht, dass die Gemeinde kaum Mittel für einen Kirchenbau aufbringen konnte, schüttete man am nördlichen Ende des Klagesmarkts den inzwischen versandeten „Ochsenpump“ zu und baute mit dem Geld und unter dem Patronat von König Georg V. 1859–64 die Christuskirche, die als Residenzkirche nahezu zeitgleich mit dem Welfenschloss entstand.

Nach der Schlacht bei Langensalza 1866 und der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen wurde nun verstärkt das Militär zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor in der Nordstadt. Anstelle der vorgesehenen Paläste rund um Königsworther Platz, Georgengarten und Welfenschloss für den Hofstaat der an den Wiener Hof geflohenen Familie Georg V. sollten nun weitere Militäreinrichtungen und Fabriken entstehen.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte die Nordstadt einen rasanten Anstieg ihrer Bevölkerungszahl, der eine sehr dichte geschlossene Blockbebauung notwendig machte.

Der Erste Weltkrieg brachte einen großen Rückschritt. Viele der hier angesiedelten kleinen Fuhrunternehmen mussten wegen Auftragsmangels schließen. Der Wegfall preiswerter Importe aus den deutschen Kolonien und die galoppierende Inflation belasteten die hier ansässige Konsumgüterindustrie, wie die Schokoladenfabrik Sprengel.

Durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg wurde vor allem das Gebiet östlich des Engelbosteler Damms zerstört, bedingt durch unmittelbare Nähe zum Hauptgüterbahnhof Hannover und die angrenzende Continental AG. Die Fliegerbomben sollten vor allem die kriegswichtige Gummiproduktion und die Transportmöglichkeiten der Eisenbahn treffen.

Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren zeigte anfangs große wirtschaftliche Erfolge, die mit einem erneuten Anstieg der Bevölkerungszahl einhergingen. Ab 1972 setzte ein schleichender wirtschaftlicher Niedergang ein, der zu zahlreichen Firmenschließungen und Arbeitsplatzverlusten führte. Lediglich die Universität konnte ihren dominierenden Einfluss auf den Stadtteil weiter ausbauen. So wurde im gleichen Jahr das städtebaulich prägende Hochhaus an der Appelstraße bezogen, in dem Institute des Bauingenieurswesens und der Elektrotechnik untergebracht sind.Wolfgang Pietsch: Jedes Jahrzehnt eine neue Architektur: die Beispiele Hochhaus Appelstraße 9A, Hauptmensa und Chemie-Erweiterung.. In: Sid Auffarth, Wolfgang Pietsch: Die Universität Hannover. Ihre Bauten. Ihre Gärten. Ihre Planungsgeschichte. Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2003. S. 203. 1972 gründete sich im Stadtteil das Unabhängige Jugendzentrum Kornstraße als autonomes Jugendzentrum, das neben dem UJZ Glocksee als das älteste seiner Art in Deutschland gilt.

Im Zuge der Umnutzung des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs wurden auf dem großen Brachgelände zwischen Bahnstrecke und der neu geschaffenen Gertrud-Knebusch-Straße Gewerbebauten errichtet. Die umgebauten Hallen beherbergen heute Lebensmittelgroßhandel und Sporteinrichtungen. Vor allem im nördlichen Bereich zwischen Weidendamm und Engelbosteler Damm haben sich kleine und mittelständische Unternehmen gehalten. Hier finden sich auch mehrere Moscheen verschiedener Religionsgruppen.

Um dem Verfall der alten Bausubstanz entgegenzuwirken und den Stadtteil insbesondere für junge Familien wieder attraktiver zu machen, wurde 1985 ein umfangreiches Stadtteilsanierungsprogramm gestartet. Im Zuge dieser Maßnahmen kam es auch zu spektakulären Grundstücksverkäufen und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Hausbesetzern aus der autonomen Szene, die sich dadurch in der Nordstadt mehrere Zentren erkämpft haben. Besonders die Chaostage 1995 hatten das Sprengelgelände in der Nordstadt als wesentlichen Standort von Auseinandersetzungen zwischen Punks und Polizei.

Historische Bauten und Denkmäler mini|Das Gartenhaus Am Judenkirchhof von 1820 mini|Wilhelminische Architektur in der Callinstraße

Das Gartenhaus Am Judenkirchhof 11c ist das letzte Zeugnis der ursprünglich ländlichen Besiedelung außerhalb der Stadtbefestigung Hannover. Das heute denkmalgeschützte Gebäude wurde um 1820 als schlichter klassizistischer Fachwerkbau mit hohem Zwerchhaus über drei mittleren Achsen errichtet. Der ehemals ebenfalls symmetrisch angelegte Garten wird zur Straßenseite hin von einer etwa gleich alten Mauer mit hohem geschmiedeten Eisenzaun begrenzt. Das Gebäude ist das älteste erhaltene Wohngebäude im Stadtteil Nordstadt. Es war Eigentum des Landes Niedersachsen und stand im Besitz der Leibniz Universität Hannover. Bis Anfang 2010 befand sich im Gebäude die Iranische Bibliothek Hannover. Ende 2010 wurde das Objekt an eine Privatperson verkauft.

Seitlich am Gartenhaus vorbei führt ein unbefestigter Fußweg über ein großes, Jahrzehnte brachliegendes Grundstück. Darüber ist zwischen dem Brüggemannhof und den Villen an der Wilhelm-Busch-Straße die Rückseite der ehemaligen Geschäftsbücherfabrik J. C. König & Ebhardt zu erreichen. Dort befindet sich der Hintereingang des Leibniz Universität IT Services der Leibniz Universität Hannover.

Direkt gegenüber dem Gartenhaus liegt auf einer baumbestandenen Sanddüne der Alte Jüdische Friedhof, einer der ältesten jüdischen Begräbnisplätze in Norddeutschland.

Das Welfenschloss wurde 1857–1866 von Christian Heinrich Tramm und dessen Nachfolger Eduard Heldberg als neue Residenz König Georgs V. von Hannover geplant und gebaut. Die Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen führte 1866 zur vollständigen Einstellung aller Baumaßnahmen. Nach einem von Hermann Hunaeus geplanten Umbau konnte der Bau ab 1879 als Hauptsitz der Technischen Hochschule genutzt werden, dem Vorläufer der heutigen Leibniz Universität Hannover.

Vor der Südfassade des Schlosses steht das um 1876 von Albert Wolff errichtete Niedersachsenross, das als Vorlage für das 1946 eingeführte, niedersächsische Landeswappen diente.

Von dem 1863–1866 durch Eduard Heldberg errichteten Marstallgebäude ist nur einer von ehemals vier Seitenflügeln erhalten geblieben, der heute als Teil der 1963–1965 errichteten Universitätsbibliothek genutzt wird.

Die Christuskirche wurde 1859–1864 von Conrad Wilhelm Hase als Residenzkirche König Georgs V. geplant und gebaut. Sie ist als erster Kirchenneubau Hannovers im 19. Jahrhundert ein Beispiel für die durch Hase begründete Hannoversche Architekturschule und europäisches Kulturdenkmal.

An der Strangriede liegt der 1864 eröffnete Neue Jüdische Friedhof, auf dem sich mit der Predigthalle der einzig erhaltene Sakralbau des Architekten Edwin Opplers befindet. Opplers bedeutendster Sakralbau, die neue Synagoge an der Burgstraße in der Calenberger Neustadt, wurde in der Reichspogromnacht 1938 durch Brandstiftung schwer beschädigt und noch vor Kriegsende gesprengt und vollständig abgetragen.

Ebenfalls an der Strangriede liegt der neue St.-Nikolai-Friedhof, auf dem einige bekannte hannoversche Unternehmer bestattet wurden.

Nördlich davon befindet sich das 1891–1895 errichtete Nordstadtkrankenhaus, welches mit seinem Pavillonsystem einen für die damaligen Verhältnisse höchst fortschrittlichen Krankenhaustyp einführte und heute eines der größten Krankenhäuser der Region Hannover ist.

Die katholische St.-Marien-Kirche entstand 1885–1890 (Architekt Christoph Hehl). Das Kirchenschiff wurde nach der Kriegszerstörung 1953/1954 in moderneren Formen neu gebaut.

Die Nordstadt wird von den S-Bahn-Linien 1, 2, 4 und 5 und den Stadtbahnlinien 4, 5, 6 und 11 erschlossen.

Im zentralen Bereich der Nordstadt ist ein konsequentes Konzept zur Beruhigung des motorisierten Verkehrs umgesetzt worden. Mit dem Taschenkonzept wird Durchfahrts-Verkehr weitgehend vermieden, indem Fahrzeuge etwa dort wieder aus dem Wohngebiet ausfahren müssen, wo sie auch hereingefahren sind. Die Durchfahrt wird durch Sperrungen verhindert.

Hainholz

mini|links|Die ev.-luth. Kirche St. Marien im Stadtteil Hainholz mini|hochkant|Hainholz-Stele des Künstlers Siegfried Neuenhausen mini|Kulturhaus Hainholz

Der Stadtteil Hainholz liegt nördlich der Bahnstrecke Hannover–Minden, im Westen wird er begrenzt durch den Burgweg und den Vinnhorster Weg, im Norden durch die Schulenburger Landstraße und den Erlenweg, im Osten durch den Rübenkamp und die nördliche Fenskestraße.

Grabungsfunde weisen auf eine frühe Besiedelung der Gegend von Hainholz hin. Der Name Heynholtz wird dabei als Hinweis gedeutet, dass hier in vorchristlicher Zeit eine heilige Stätte zur Verehrung heidnischer Götter existierte. Im Zuge der Christianisierung entstand an dieser Stelle eine Kapelle mit einem steinernen Marienbild, welches 1394 in einer Urkunde von Otto II. von Braunschweig-Lüneburg erstmals erwähnt wurde. Während das Marienbild verloren ging, sind Reste des aus der gleichen Zeit stammenden Kirchenchors erhalten geblieben. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Heynholtz datiert aus dem Jahr 1425.

Während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ließ David Meyer, seinerzeit Pastor an der Marktkirche in Hannover, eine Gedenktafel für 21 bei Hainholz gefallene Bürger anfertigen. Die Tafel findet sich heute im Bödekersaal der Marktkirche.Dirk Böttcher: MEYER, (2) David (auch Meier). In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 252.