Das Amt Werther war ein Amt im Kreis Halle (Westf.) in Nordrhein-Westfalen, Deutschland mit Sitz in Werther (Westf.). Durch das Bielefeld-Gesetz wurde das Amt am 1. Januar 1973 aufgelöst. Die historischen Vorläufer des Amtes waren die Vogtei Werther der Grafschaft Ravensberg und der Kanton Werther der Franzosenzeit.
Vorgeschichte Die Vogtei Werther Die Vogtei Werther war bis 1807 eine Verwaltungseinheit im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg. Sie umfasste die beiden Kirchspiele Dornberg und Werther. Zum Kirchspiel Dornberg gehörten das Kirchdorf Kirchdornberg, die Bauerschaften Babenhausen, Deppendorf, Großdornberg, Hoberge und Niederdornberg sowie das kirchliche Gut Uerentrup. Zum Kirchspiel Werther gehörten die Stadt Werther, die Bauerschaften Häger, Isingdorf, Rotenhagen, Rotingdorf, Schröttinghausen und Theenhausen sowie das adlige Gut Werther.
Der Kanton Werther im Königreich Westphalen Nachdem die Grafschaft Ravensberg 1807 an das Königreich Westphalen gefallen war, wurden neue Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild geschaffen. Dabei wurde im Distrikt Bielefeld im Departement der Weser des Königreichs auch der Kanton Werther gebildet. Dieser umfasste neben dem gesamten Gebiet der alten Vogtei Werther auch Niederjöllenbeck und Oberjöllenbeck.Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", mit: "Verzeichniß der Departements, Districte, Cantons und Communen des Königreichs" 1808 wurde der Kanton aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl in die beiden Munizipalitäten Dornberg und Werther untergliedert. Die Dornberger und Jöllenbecker Gemeinden bildeten die Munizipalität Dornberg und Kirchspiel Werther bildete die Munizipalität Werther. Der Kanton hatte im Jahr 1808 9.710 Einwohner.Johann Georg Hassel: Geographisch-statistischer Abriß des Königreichs Westphalen. Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs, Weimar 1809 Volltext bei Google Books, S. 249.
Der Kanton Werther im Kaiserreich Frankreich Nach der Annexion großer Teile Norddeutschlands durch Frankreich verlief die neue Staatsgrenze zwischen dem Königreich Westphalen und Frankreich quer durch den Kanton Werther, was zu den folgenden Gebietsänderungen führte: Im Arrondissement Minden des französischen Départements der oberen Ems wurde ein neuer Kanton Werther gebildet, der in vier Mairien gegliedert war und 11.471 Einwohner hatte: Mairie Werther mit Werther, Theenhausen, Rotingdorf, Rotenhagen, Häger, Schröttinghausen und Deppendorf Mairie Spenge mit Spenge, Lenzinghausen, Hücker und Aschen Mairie Wallenbrück mit Baringdorf, Düttingdorf, Helligen und Wallenbrück Mairie Halle mit Halle, Oldendorf, Hesseln, Eggeberg sowie Teilen von Ascheloh und Hörste
Isingdorf, Großdornberg, Kirchdornberg, Hoberge, Babenhausen, Niederdornberg und Uerentrup verblieben im Königreich Westphalen und kamen zum Kanton Schildesche im Distrikt Bielefeld des Departements der Fulda.
Nach der napoleonischen Niederlage fiel das Gebiet der Grafschaft Ravensberg zurück an Preußen und wurde zunächst der Regierungskommission Bielefeld des Generalgouvernements zwischen Weser und Rhein unterstellt, bevor es 1815 Teil der neuen Provinz Westfalen wurde und 1816 in Kreise gegliedert wurde. Die Kantone bzw. Bürgermeistereien aus der Franzosenzeit wurden als Verwaltungseinheiten unterhalb der Kreisebene teilweise beibehalten. Ihre Grenzen wurden insbesondere dort korrigiert, wo sie seit der französischen Annexion nicht mehr den Grenzen der Kirchspiele folgten. Der Verwaltungsbezirk Werther im neuen Kreis Halle umfasste das Gebiet der alten Vogtei Werther, also die Stadt Werther sowie Häger, Isingdorf, Rotenhagen, Rotingdorf, Theenhausen und Schröttinghausen.
Das Amt Werther
Bei der Einführung der westfälischen Landgemeinde-Ordnung von 1841 wurden die Verwaltungsbezirke unterhalb der Kreisebene, sofern es sich nicht um Städte gemäß der revidierten Städteordnung handelte, zu Ämtern. Im Kreis Halle wurde dadurch aus dem Verwaltungsbezirk Werther das Amt Werther.
Ämter waren die unterste Verwaltungsinstanz und wurden zunächst von durch die Regierung ernannten Amtmännern, später von Amtsbürgermeistern geführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hießen die Leiter der Ämter Amtsdirektoren.
Durch das Bielefeld-Gesetz wurde das Amt Werther zum 1. Januar 1973 aufgelöst und die Gemeinden bis auf den größten Teil von Schröttinghausen, der nach Bielefeld eingegliedert wurde, zur Stadt Werther (Westf.) zusammengeschlossen.Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Bürgerservice: Bielefeld-Gesetz
Amtsgliederung Folgende Gemeinden gehörten dem Amt Werther an:
GemeindeStand: 31. Dezember 1972 Fläche (ha) Gemeinden des Amtes Werther 300px|zentriert|Administrative Gebietsgliederung des Amtes Werther Häger (Gemeinde) 615 Isingdorf (Gemeinde) 753 Rotenhagen (Gemeinde) 539 Rotingdorf (Gemeinde) 402 Schröttinghausen(Gemeinde) 685 Theenhausen (Gemeinde) 437 Werther (Westfalen) (Stadt) 549
Einwohnerentwicklung 300px|mini|Bevölkerungsentwicklung im Amt Wertherzwischen 1817 und 1970 Jahr Einwohner Quelle 1817 5.597 Landkreis Halle (Westf.) 1816–1969, 150 Jahre Landkreis Halle (Westf.), S. 132 1843 6.963 1864 6.282 1871 5.761 Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966 1900 6.140 1910 6.157 Jahr Einwohner Quelle 1925 6.079 1939 6.120 1946 9.164 1961 9.200 Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen) 1965 9.900 1970 10.435
Literatur 150 Jahre Landkreis Halle (Westf.). 1816–1966. Eine Darstellung seiner Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte. Landkreis Halle/Westfalen, Halle 1966.
Einzelnachweise
Werther Kategorie:Werther (Westf.) Kategorie:Geschichte (Kreis Gütersloh) Werther Kategorie:Aufgelöst 1972