Rybnik (deutsch Reibnig) ist eine Großstadt in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Sie ist Zentrum des Rybniker Kohlenreviers (ROW), kreisfreie Stadt und Sitz des Powiat Rybnicki, dem es nicht angehört.

Geographie mini|Rybnik südsüdwestlich von Gleiwitz auf einer Landkarte von 1905

Rybnik liegt in der Region Oberschlesien nahe der Grenze zu Tschechien am linken Ufer der Ruda auf einer Höhe von 237 m über dem Meeresspiegel, etwa 25 Kilometer südsüdwestlich von Gleiwitz, 160 Kilometer südöstlich von Breslau und rund 100 Kilometer westlich von Krakau.

Stadtgliederung Die Stadt Rybnik gliedert sich in 27 Stadtteile (dzielnice):

Boguszowice Stare (Boguschowitz) Boguszowice Osiedle (Vorwerk Boguschowitz) Chwałowice (Chwallowitz) Chwałęcice (Chwallentzitz) Golejów (Golleow) Gotartowice (Gottartowitz) Grabownia (Grabownia) Kamień (Stein) Kłokocin (Klokotschin) Ligota – Ligocka Kuźnia (Ellguth – Karstenhütte) Meksyk Niedobczyce (Niedobschütz) Niewiadom (Birkenau) Maroko-Nowiny Ochojec (Ochojetz) Orzepowice (Orzupowitz) Paruszowiec-Piaski (Paruschowitz) Popielów (Poppelau) Radziejów (Radzieow) Rybnicka Kuźnia (Rybniker Hammer) Rybnik-Północ – Rybnik-Nord Smolna (Smollna) Stodoły (Stodoll) Śródmieście – Innenstadt Wielopole (Königlich Wielepole) Zamysłów (Königlich Zamislau) Zebrzydowice (Seibersdorf)

Geschichte Der Ortsname der Stadt bedeutet im Polnischen wie auch im Tschechischen „Fischteich“, abgeleitet von „Fisch“. Dieser Name verweist auf die große Bedeutung, die die Fischzucht im Mittelalter für die Wirtschaft der Stadt besaß, was sich bis heute in ihrem Wappen widerspiegelt.

Vorgeschichte und Mittelalter mini|hochkant|Wappen der Stadt von 1699 mini|Rybnik zu Beginn des 19. Jahrhunderts mini|Der Ring mit dem Alten Rathaus von 1822

Die Ursprünge der Stadt lassen sich bis in das 9. bzw. 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals existierten auf dem heutigen Stadtgebiet drei slawische Siedlungen, die sich schließlich zusammenschlossen. Das Gebiet gehörte zum Herzogtum Ratibor, das von den Schlesischen Piasten regiert wurde. Dessen Herzog Mieszko I. gründete in Rybnik das erste Kloster, das 1228 nach Czarnowanz verlegt wurde. Im Rahmen der mittelalterlichen deutschen Ostkolonisation erhielt Rybnik zwischen 1288 und 1300 Stadtrecht nach Magdeburger Recht. Zusammen mit dem Herzogtum Ratibor gelangte es 1327 als ein Lehen an die Krone Böhmen und lag seither in den Grenzen des Heiligen Römischen Reiches (HRR). Mit dem Tod von Herzog Lestko erlosch der Ratiborer Zweig der Piasten und Rybnik gelangte 1336 an den Troppauer Zweig der Přemysliden im Herzogtum Troppau. Während der Hussitenkriege richteten die Hussiten schwere Zerstörungen an, bevor sie 1433 in einer entscheidenden Schlacht auf einem Hügel bei Rybnik unterlagen. Nach weiteren Teilungen und Verpfändungen gelangte Rybnik zusammen mit Sohrau 1437 an den Jägerndorfer Herzog Nikolaus V., der u. a. die Titulatur Herzog von Rybnik führte und 1452 in Rybnik starb. Ihm folgte dessen jüngerer Sohn Wenzel von Rybnik, dem auch Sohrau und Pleß gehörten. Als Parteigänger des böhmischen Königs Vladislav II. wurde er 1474 vom Gegenkönig Matthias Corvinus gefangen genommen. Vermutlich nach Wenzels Tod 1479 gelangte Rybnik mit Sohrau und Loslau an Johann IV. von Jägerndorf-Loslau und nach dessen Tod 1483 wiederum an das Herzogtum Ratibor, das entsprechend einer Erbvereinbarung nach dem Tod des letzten Troppau-Ratiborer Přemysliden Valentin von Ratibor 1521 an den Oppelner Herzog Johann II. fiel. Da mit diesem 1532 der Oppelner Zweig der Schlesischen Piasten erlosch, fiel Rybnik zusammen mit dem Herzogtum Oppeln als erledigtes Lehen an Böhmen, dessen Landesherren seit 1526 die Habsburger in ihrer Eigenschaft als König von Böhmen waren.

Neuzeit 1575 wurde das nun landesherrliche Rybnik als Herrschaft Rybnik von Ladislaus II. Popel von Lobkowitz erworben. In dessen Familie verblieb die Herrschaft Rybnik, die aus der Stadt Rybnik und 13 Dörfern bestand, bis 1638. Weitere Besitzer waren die Grafen von Oppersdorf und die Grafen von Wengersky. Durch den Ersten Schlesischen Krieg gewann Friedrich II. 1742 den größten Teil Schlesiens einschließlich Rybnik für Preußen. 1788 erwarb König Friedrich Wilhelm II. die Herrschaft Rybnik.

18. und 19. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert gehörte Rybnik zur Steuerrätlichen Inspektion in Neustadt O.S. Die Stadt entwickelte sich zu einem regionalen Handelszentrum. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts gewann der Steinkohlenbergbau wirtschaftliche Bedeutung. Ab 1818 war Rybnik Sitz des preußischen Landkreises Rybnik.

Im Jahr 1893 befand sich mit 2003 m das weltweit tiefste Bohrloch im Stadtteil Paruschowitz. Karl Köbrich, der die bis dahin weltweit tiefste Bohrung bei Schladebach betreut hatte, war auch für diese Bohrung zuständig. 1914 wurde in Rybnik mit 2240 m Teufe ein neuer Tiefenrekord aufgestellt.Deutschland unter Kaiser Wilhelm II: Steine und Erden

20. Jahrhundert bis heute mini|hochkant|links|Neugotische St.-Antonius-Basilika, erbaut zwischen 1903 und 1907 mini|Die Rybniker Synagoge – 1940 zerstört mini|Das Teatr Ziemi Rybnickiej Theater des Rybniker Landes, Bauzeit 1958–1964 mini|Die Großwohnsiedlung Nowiny aus den 1970er Jahren

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Rybnik eine evangelische und drei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein jüdisches Waisenhaus, eine Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt, zwei Oberförstereien, zwei Eisenwerke (Silesia und Rybniker Hütte), eine Leder- und eine Metallwarenfabrik, eine Färberei, eine Bierbrauerei, eine Getreidemühle mit Brotfabrik, zwei Sägewerke, Ziegeleien und war Sitz des Amtsgerichts Rybnik.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Zweite Polnische Republik gegründet. Über die Zugehörigkeit des ethnisch gemischten Gebiets Oberschlesien wurde 1921 eine Volksabstimmung durchgeführt. In der Stadt Rybnik wurden 4714 Stimmen (70,8 %) für den Verbleib in Deutschland abgegeben, 1943 Stimmen waren für den Anschluss an Polen. Da jedoch im gesamten Kreis Rybnik nur 34,7 % für Deutschland und 65,5 % für Polen votiert hatten, wurde Rybnik und der größte Teil des Kreises Polen zugeschlagen. Drei Aufstände in Oberschlesien begleiteten die Aufteilung Oberschlesiens, wobei der erste 1919 sein Zentrum in Rybnik hatte.

Mit dem Überfall auf Polen gelangte Rybnik 1939 erneut unter deutsche Herrschaft. Zunächst der Provinz Schlesien angeschlossen, kam es 1941 zur wiedergebildeten Provinz Oberschlesien. Damit gehörte es dem Teil Polens an, der unmittelbar dem Reich angegliedert wurde. Seit der Eroberung durch die Rote Armee am 26. März 1945 gehört Rybnik wieder zu Polen. Die Einwohner wurden einer „Verifizierung“ unterzogen, die für die als deutsch kategorisierten die Vertreibung zur Folge hatte. Ein großer Teil der Rybniker Deutschen gelangte nach Bottrop und Dorsten im Kreis Recklinghausen. Seit 1994 ist Rybnik daher Partnerstadt von Dorsten.

In der Volksrepublik Polen wurde der Steinkohlenbergbau im südlichen Teil Oberschlesiens vorangetrieben und mit der Gründung des Rybniker Kohlenreviers „ROW“ ein Gegenstück zum Oberschlesischen Industriegebiet „GOP“ geschaffen. Rybnik als Hauptort des neuen Industrieraumes erlebte eine beschleunigte Entwicklung. Mit der Anlage von neuen Großwohnsiedlungen für zehntausende Bewohner, allen voran der Siedlung Nowiny östlich des Stadtgebietes, sowie der Eingemeindung der umliegenden Gemeinden Chwałowice 1973 sowie Boguszowice und Niedobczyce 1975 überschritt die Einwohnerzahl im selben Jahr die Grenze von 100.000 und Rybnik wurde zur Großstadt. In den 1970er Jahren entstand ein Steinkohlekraftwerk von überregionaler Bedeutung, das sein Kühlwasser aus einem eigens angelegten Stausee bezieht. 2002 wurde in Rybnik ein moderner Campus eröffnet, auf dem die Wirtschaftsakademie und die Schlesische Universität in Katowice sowie die Schlesische Technische Hochschule in Gliwice jeweils Außenstellen betreiben.

Demographie