mini|Bautischkreissäge mini|hochkant=1.2|Von einem Traktor mit gekreuztem Treibriemen angetriebene Kreissäge ohne Schutzhaube
Eine Kreissäge ist eine Werkzeugmaschine zur spanenden Trennung von Werkstücken. Sie dient zum Sägen von Holz, Nichteisenmetalle, Kunststoff und anderen Baustoffen.
Antrieb Der Antrieb der Kreissägewelle erfolgt bei stationären Maschinen oft durch Keil-, Zahn- oder Flachriemen über Riemenscheiben. Mit polumschaltbaren Drehstrommotoren werden unterschiedliche Drehzahlen erreicht. Viele elektrisch betriebene Kreissägen werden heute direkt angetrieben, der Durchmesser des Sägeblattes kann dann aber nicht so gut ausgenutzt werden, weil der Motor mehr Platz braucht als eine Keilriemenscheibe.
Durch Drehzahl und Durchmesser des Sägeblattes ergibt sich dessen Schnittgeschwindigkeit, mit der Bewegung des Schnittguts (z. B. eines Bretts) ergibt sich die Vorschubgeschwindigkeit. Die ideale Schnittgeschwindigkeit und die Vorschubgeschwindigkeit sind abhängig vom zu schneidenden Material. Viele Maschinenhersteller bieten auch frequenzgesteuerte Drehstrommotoren an, deren Drehzahl stufenlos eingestellt werden kann (häufig im Bereich von 1500 bis 6000 min−1).
mini|Hartmetallbestücktes Kreissägeblatt beim Sägen von Holz
Kreissägeblätter Neben den traditionellen aus einem Stück Blech gefertigten Kreissägeblättern wird heute überwiegend mit Verbundkreissägeblättern gearbeitet, deren Schneiden aus Hartstoffen bestehen. Einteilige Kreissägeblätter werden aus einem Stück Bandstahl herausgestanzt, geschränkt und durch Feilen oder Schleifen geschärft. Verbundkreissägeblätter bestehen aus einem Tragkörper aus Metall, auf den Schneiden aus Hartmetall oder polykristallinem Diamant aufgelötet werden. Da die Schneiden breiter sind als der Metalltragekörper, ist ein Schränken der Zähne nicht notwendig.
Der Einsatzbereich des Sägeblattes hängt von Material und Schneidegeometrie des Sägezahns sowie der Anzahl der Zähne (Zahnteilung) ab. Neben dem zu schneidenden Material sind Drehzahl und Schnittgeschwindigkeit, Vorschubgeschwindigkeit, Motorleistung, die gewünschte Schnittgüte und die Standzeit des Blattes zu beachten, bei Holz zusätzlich die Schnittrichtung längs oder quer zur Faser sowie die Holzfeuchtigkeit.
Ein universelles Kreissägeblatt für Handkreissägen mit einem Sägeblatt-Durchmesser von 150 bis 200 mm hat 48 Hartmetall-Zähne oder mehr in Wechselzahnung (WZ) und kann für Platten- und Verbundwerkstoffe, Kunststoffe und Aluminium sowie für Querschnitte in Massivholz verwendet werden. Für Längsschnitte in Massivholz ist vorzugsweise ein Sägeblatt mit gröberer Zahnung zu verwenden, z. B. mit 16 bis 24 Zähnen. Manche Hersteller bieten hartmetall-bestückte Kreissägeblätter zum Schneiden von vernageltem Bauholz an. Durch das Schneiden von Stahl-Nägeln erhöht sich jedoch der Verschleiß deutlich. Moderne Schrauben sind gehärtet und führen zum Ausbrechen der Hartmetallzähne, ebenso das Schneiden von Trapezblech.
Werkzeug-Aufnahme Kreissägeblätter besitzen ein Mittelloch zur Aufnahme in der Maschine. Der Durchmesser dieser zentralen Bohrung beträgt bei Sägeblättern für Handkreissägen in der Regel 12,7, 16, 20 oder 30 mm und kann durch Reduzierringe der Aufnahme der Maschine angepasst werden.
Kreissägeblätter für professionelle stationäre Maschinen besitzen teilweise Nebenlöcher für Arretierungsbolzen.
Kennzeichnungen Kreissägeblätter werden häufig durch die Angabe von Durchmesser, Schnittbreite, Durchmesser der Aufnahme-Bohrung (jeweils in mm), Zähnezahl und maximaler Drehzahl gekennzeichnet. Beispiel: 216 × 2,4 × 30 / 40 / max. 7000.
HW Hartmetall-Zähne PD oder DP Zähne aus polykristallinem Diamant CV Kreissägeblatt aus Chrom-Vanadium-Stahl
Zahnformen und Anwendungsbereich Je nach Einsatzbereich werden unterschiedliche Zahnformen verwendet, die auch miteinander kombiniert werden (Gruppenverzahnungen).Wood Tec Pedia: Zahnformen bei Kreissägeblättern, Höchsmann GmbH. In: wtp.hoechsmann.com
Flachzahn für Rohzuschnitte in Faserrichtung (Längsschnitte)Tisch- und Formatkreissägemaschine – Handhabung und sicheres Arbeiten, Abschnitt Kreissägeblatt, Seite 3, BGI 5074, Holz-Berufsgenossenschaft (HBG), Ausgabe 1/2007 ( im Internet Archive). In: sichere-schule.de
Wechselzahn (W, WZ) – wenig Zähne für Längsschnitte in Massivholz, bei größerer Zähnezahl auch für Querschnitte Wechselzahn (W, WZ) – viele Zähne Universalblätter für Massivholz quer zur Faserrichtung (Querschnitte) sowie furnierte Platten (Schichtholz) und Holzwerkstoffplatten Wechselzahn mit Fase / angefaster Wechselzahn (WS) für papier-, melamin- oder kunststoffbeschichtete Holzwerkstoffplatten sowie Kunststoffe wie Acrylglas
Hohlzahn (H, HZ) für trockenes Massivholz und furnierte Platten Hohlzahn mit Fase, angefaster Hohlzahn (HZ/FA, HS) für kunststoffbeschichtete Holzwerkstoffplatten sowie Kunststoffe wie Acrylglas Hohl-Dachzahn (HZ/DZ, H-D), Hohl-Trapezzahn (HZ/TZ, HZ/TR, H-T) für saubere Schnitte in beschichteten Holzwerkstoffplatten (z. B. an vertikalen Plattensägen ohne Vorritzer)
Flachzahn (F, FZ) trockenes Massivholz (bis ca. 15 % Holzfeuchte) in Faserrichtung, bei Handvorschub mit Spandickenbegrenzung (SDB); nasses, gefrorenes oder langfaseriges Massivholz mit Räumerschneiden, größeren Spanräumen und vergrößerten seitlichen Zahnüberständen; mit Vorritzer auch für beschichtete Holzwerkstoffplatten Flach-Trapezzahn / Trapez-Flachzahn (F-T, T-F) robust und universell (häufig in Verbindung mit Vorritzern), für furnierte Platten, beschichtete Holzwerkstoffplatten, (faserverstärkte) Kunststoffe, Mineralwerkstoffe, Bauplatten (Gipskarton, Faserplatten) sowie sonstige Verbundwerkstoffe und Aluminium Flachzahn konisch (F kon) / Wechselzahn konisch (W kon) – auch mit Achswinkel (AW) für Vorritzer in Verbindung mit Hauptsägeblatt mit Trapez-Flachzahn (T-F) oder Flachzahn (F) für beschichtete Holzwerkstoffplatten (auf Formatkreissägen oder Plattenaufteilsägen)
Seltenere Zahnformen Trapez-Trapezzahn (TT) Trapez-Flach-Flach (TFF) Hohl-Dach-Flachzahn (HDF) Hohl-Flachzahn (HF) Hohl-Flach-Trapezzahn (HFT) Hohl-Flach-Flach-Trapezzahn (HFFT) Wechselzahn mit Achswinkel – Wechselzahn mit Achswinkel – Flachzahn (W-W-F)
Geräusch- und Schwingungsdämpfung Viele Sägeblätter enthalten feine Einschnitte (Laserschnitte), die auch als Dehnungsschlitze bezeichnet werden. Sie dienen der Lärm- und Schwingungsdämpfung und verlaufen meist vom äußeren Rand wenige Zentimeter geradlinig oder geschwungen in Richtung des Zentrums und enden in einer Kreisform oder als Lochkreis. Insbesondere geschwungene Schlitze, die nicht am Rand, sondern in der Fläche des Blatts liegen werden auch als „Laser-Ornamente“ bezeichnet. Manche Blättern enthalten Kupfernieten, die in kreisförmige Einschnitte gepresst wurden.
Der Geräuschminderung dienen auch spezielle Schneidzahngeometrien, die Anordnung der Schneidzähne in Gruppen oder in unregelmäßiger Verteilung oder die Verkleinerung der Zähne. Wenn die Späne auf andere Weise abgeführt werden, kann auch auf Spanräume verzichtet werden. Der Körper hochwertiger Sägeblätter (u. a. für die Kunststoff-, Metall- und Steinverarbeitung) kann teilweise oder vollständig einen Sandwich-Aufbau erhalten. Dabei wird in Vertiefungen oder zwischen zwei Blechlagen eine Dämpfungsfolie einlaminiert.
Stationäre Kreissägen mini|hochkant=1.5|Stationäre Tischkreissäge, hier als Formatkreissäge mit Schiebetisch
Auf dem Maschinenständer der Tischkreissägemaschine ist der Arbeitstisch befestigt. Dieser weist eine Durchtrittsöffnung für das Kreissägeblatt auf. Im Inneren sind die Maschinenaggregate zum Antrieb der Sägewelle sowie die Mechanik zur Höhen- und Schrägstellung des Kreissägeblattes untergebracht. Schwenk- und Höhenverstellbewegung erfolgen über ein Handrad oder elektromotorisch. Die Schrägverstellung erlaubt das präzise Ansägen von Winkeln zwischen 0° und 45° (Vielfach auch von −1,5° bis + 46,5°). Einige Maschinenhersteller bieten seit ca. 2006 auch Formatkreissägen mit einem Schwenkbereich von 92° (2× 46°) an. Je nach Hersteller und verwendetem Schwenkmechanismus kann der max. Sägeblattüberstand beim Schwenken von +46° auf −46° unterschiedlich ausfallen. Auf einer Seite des Maschinentisches befindet sich der Parallelanschlag. Er ermöglicht Werkstückschnitte auf Breite, wobei das gewünschte Maß auf einer Skala voreingestellt wird. Bei Formatkreissägen ist auf der gegenüberliegenden Maschinenseite ein Rolltisch befestigt. Dieser nimmt den winkelverstellbaren Queranschlag auf. Werkstücke werden auf den Rolltisch aufgelegt und am Kreissägeblatt vorbeigeführt. Auch hier können gewünschte Maße und Winkel auf entsprechenden Skalen voreingestellt werden. Den Queranschlag kann man aus Platzgründen entfernen.
Bei anderen Sägen wie Zug-, Kapp- oder Plattensägen ist das Werkstück fixiert und das Sägeaggregat beweglich. Manche Kappsägen besitzen zusätzlich zum Kippgelenk zwei Führungsstangen, an denen die herabgekippte Säge vorgezogen werden kann, um noch breitere Werkstücke ablängen zu können. Plattensägen bestehen häufig aus einem annähernd vertikalen Gestell, an das die zu bearbeitende (Werkstoff-)Platte aufrecht angelehnt wird und einem kompakten Sägeaggregat, welches auf einem Schiebeschlitten montiert ist, durch den sie sowohl horizontal wie vertikal verfahren werden kann.
Unterflur-Zugsägen sind kompakte Tischkreissägen, die aus Platz- und Gewichtsgründen -etwa für den mobilen Einsatz- ohne außen angesetzten Schiebeschlitten auskommen und stattdessen mit einem verfahrbaren Sägeblatt ausgestattet sind. Das an Führungsstangen montierte Sägeaggregat ermöglicht es, auch an schmalen und langen Werkstücken relativ präzise Quer- und GehrungsschnitteGehrungsschnitte sind möglich, wenn das Sägeblatt durch Kippen des Aggregats oder der Führung schräg gestellt werden kann. auszuführen, die mangels Schiebeschlitten sonst kaum möglich wären.Heiko Rech: ; In: Holzwerkerblog.de
Varianten stationärer Kreissägen: Furnierkreissäge Kappsäge, z. B. als Untertischkappsäge Radial-Arm-Kreissäge Kaltkreissäge, langsamlaufend, zum Sägen von Metallen mithilfe von Kühlschmiermittel Steinkreissäge, auch Trennschneider, zum Schneiden von Stein und Keramik mit diamantbesetzten Trennscheiben Längskreissäge Mehrblattkreissäge, z. B. als Besäumkreissäge Pendelkreissäge Plattensäge (siehe oben) Rolltischsäge Tischkreissäge/Unterflurkreissäge, z. B. als Unterflurzugkreissäge (siehe oben) Formatkreissäge mit Schiebtisch bzw. Schiebeschlitten auf dem das Werkstück liegt, um präzise am Sägeblatt vorbei geführt zu werden Wippkreissäge SchindelsägeYouTube-Video einer Schindelsäge
Innenlochtrennen Das Innenlochtrennen ermöglicht hoch präzise Schnitte mit sehr dünnen Sägeblättern oder -folien. Die Schneidkante befindet sich an der Innenseite einer runden Aussparung im Zentrum des kreisförmigen Sägeblatts. Das Sägeblatt wird an seiner Außenkante eingespannt und vibriert beim Sägen kaum. Mit einer Mindest-Schnittbreite von 0,3 mm werden u. a. Halbleiterrohlinge zu Wafern geschnitten.
Handkreissägen Während bei stationären Kreissägen das Arbeitsstück über den Arbeitstisch geführt wird, wird bei einer Handkreissäge das Werkzeug über das Arbeitsstück geführt. Im Vergleich zum Arbeitstisch einer stationären Kreissäge ist die Grundplatte der Handkreissäge relativ klein. Das Sägeblatt ist nach oben hin verdeckt, um Verletzungen und das Umherfliegen von Spänen zu vermeiden. Der untere Teil des Sägeblattes ist mit einem beweglichen Schutz verdeckt (außer bei der Tauchsäge), der erst beim Eindringen in das Werkstück durch dieses zurückgeschoben wird.