mini|hochkant=1.5|Die Altstadt von Quakenbrück und der Kirchturm von St. Sylvester

Die Geschichte der Stadt Quakenbrück im niedersächsischen Landkreis Osnabrück umfasst rund 775 Jahre und ist eng verbunden mit dem Artland zwischen Osnabrücker Nordland und Oldenburger Münsterland, dessen geschichtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt sie über die Jahrhunderte war und dessen Verwaltungssitz sie heute ist.

Die 1235 erstmals urkundlich erwähnte ehemalige Burgmann- und Hansestadt grenzt unmittelbar an die Landkreise Cloppenburg und Vechta und diente in früheren Zeiten dem Bistum Osnabrück als Sicherung nach Norden. Burgmannen verteidigten mit ihren Burgmannshöfen die ehemalige bischöfliche Landesburg an der Hase.

Namensherkunft Es gibt verschiedene Deutungen des eigenartigen Namens der Stadt, die schriftlich erstmals 1235 als quakenbrugge in Erscheinung trat. Die Auseinandersetzung um den Ursprung des Namens ist noch nicht abgeschlossen. Wenn auch die letzte Silbe als Bezeichnung eines Flussüberganges über die Hase offensichtlich ist, wirft der erste Teil umso mehr Probleme auf.

Eine alte Bezeichnung für Wacholder ist quakeln, und manche Forscher deuten daher den Namen als Brücke bei den Wacholdern. Es ist aber zu bezweifeln, dass es im früheren Sumpfgebiet der Hase um Quakenbrück jemals Wacholder gegeben hat, der sich auch heute dort nicht wild findet. Auch wird das altniederländische kwak für Steg in die Überlegungen einbezogen. Die meisten Forscher stimmen allerdings Rothert zu,Werner Dobelmann: Geschichte und Industrie im Kreis Bersenbrück. in: Mitteilungen des Kreisheimatbundes Bersenbrück, Bank 10/1962 der schrieb: „Der Name Quakenbrück, wie der der Chauken, ist zurückzuführen auf ein Wort, das dem angelsächsischen cvacian (zittern) entspricht (vgl. Quäker, der Zitterer). Im Englischen gibt es davon ein quagmire, im Jütischen ein kvag, die beide Bebemoor bedeuten. Die Chauken wohnten im Bebelande an der Küste, und Quakenbrück bedeutet die Brücke über dem schwankenden Stege oder wohl richtiger die Brücke über das bebende Sumpfgelände.“Hermann Rothert: Geschichte der Stadt Quakenbrück in älterer Zeit. in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück (OsnMitt), Bd 43, 1920, S. 3f.

Mit Kaulquappen oder dem Frosch, der in neuerer Zeit – aus Marketinggründen – zum Wahrzeichen der Stadt gemacht wurde, hat der Name jedenfalls nichts zu tun.

Anfänge und Stadtgründung mini|hochkant=2|Quakenbrück um 1800

Die Anfänge der Siedlung vermutet der Historiker Hermann Rothert in einem wehrhaften bischöflichen Meierhof, der einen wichtigen Straßenübergang an einer geographisch markanten Stelle über die Hase absicherte (schon der Ortsname weist in seinem zweiten Teil – brück, ursprünglich brugge – auf einen Übergang hin).

Die Stadt besitzt keine Gründungsurkunde mehr, ein Stadtbrand hat alle alten Unterlagen vernichtet. Doch im August des Jahres 1235 fertigte Edelherr von Velber, Bischof von Osnabrück und Urkundenschreiber des Bischofs Konrad I. († 1238Justus Möser: Osnabrückische Geschichte. Stettin, 1824. u. a. S. 27), auf Pergament einen in 12 Zeilen aufgegliederten lateinischen Text, der in Ausschnitten wie folgt lautet:

„Konrad, durch Gottes Gnade Bischof von Osnabrück entbietet allen Lesern dieser Urkunde seinen aufrichtigen Gruß. Da Wir zu Ehren des Hauses Gottes die Absicht haben, daß seine Verehrung zunehme und die Christen sich zur Entgegennahme der Gnaden- und Heilsmittel mehren, haben Wir zu Ehren der seligen und glorreichen immerwährenden Jungfrau Maria in Quakenbrück eine Basilika gebaut … und in dieser nach den kanonischen Vorschriften lebende Kanoniker angesetzt und die Mühlen des Ortes, die Wir auf unsere Kosten errichteten, den dort dienenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt übertragen.“Das Original dieser Urkunde in lateinischer Sprache befindet sich im Staatsarchiv Osnabrück. Die hier ausschnittweise wiedergegebene Übersetzung ins Deutsche stammt von August Schröder: Erläuterungen zu Schriftquellen des 13./14. Jahrhunderts. In: Methodisches Handbuch für Heimatforschung in Niedersachsen. Lax 1965

Diese zur Gründung des Quakenbrücker Stifts erlassene urkundliche Bestätigung ist nicht nur Zeugnis der erstmaligen Erwähnung des Kanonikerstifts, sondern auch Quakenbrücks als des Ortes, wo es gegründet wurde. Sie erwähnt ihn als villa, also Bauerschaft beziehungsweise Dorf. Der Originaltext lautet: … et molendina eiusdem ville, que nostris sumptibus edificavimus (… und die Mühlen des Ortes, die wir auf unsere Kosten errichteten). Von einem bischöflichen Vorwerk in oder neben der dörflichen Siedlung ist keine Rede, so dass davon ausgegangen werden kann, dass Vorwerk und Dorf bereits miteinander verschmolzen waren, das Dorf also geraume Zeit vor dem Stift gegründet wurde.August Schröder: Quakenbrück und die Anfänge der Osnabrücker Territorialbildung. In: Jarck (Hrsg.): Quakenbrück. Von der Grenzfestung zum Gewerbezentrum. S. 112ff. Diese Gründung wurde 1236 von Papst Gregor IX. in einer Urkunde bestätigt, in der auch der zum Kapitel gehörende Ort als Bauerschaft (villa) erwähnt wurde. 1257 wurde Quakenbrück in einem anderen Dokument als oppidum bezeichnet.

Die Gründung dieses Stiftskapitels durch eine Korporation Geistlicher, die nach augustinischen Regeln lebten, war ein Akt planmäßiger Kirchenpolitik, die von militärischen Interessen begleitet war, ging es in dem Grenzgebiet um Quakenbrück doch um die Landeshoheit und um eine Grenzbildung im Nordwesten des Osnabrücker Raums. Es war wohl die Absicht des Bischofs, Quakenbrück als nördlichstes Bollwerk seines Bistums gegen die Grafen von Tecklenburg, Ravensberg und Oldenburg zu bilden.Hermann Rothert: Die Besiedelung des Kreises Bersenbrück. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte Nordwestdeutschlands. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Westfalen. Quakenbrück 1924, S. 64. Für die weitere Sicherung des Osnabrücker Herrschaftsgebiets entstanden rund 20 Kilometer südlich von Quakenbrück bei Schwagstorf die Ettenfelder Landwehr und gut 10 Kilometer südöstlich bei Grönloh die Bünner Landwehr. Knapp 20 Kilometer südwestlich bei Bippen zog sich eine natürliche Grenze bis hinauf zum Hahnenmoor.Werner Delbanco: Anfänge und frühe Geschichte von Grönloh. In: 750 Jahre Grönloh. Herausgegeben vom Festausschuß zur Gestaltung der 750-Jahrfeier in Zusammenarbeit mit dem Kreisheimatbund Bersenbrück. 1990.

Die erste Urkunde, die im Stadtarchiv Quakenbrück erhalten blieb, datiert vom 24. Januar 1353 und ist ein Schutzbrief des Osnabrücker Bischofs Johan Hoet für die Bürgerschaft von Quakenbrück. Aus der Urkunde spricht Mitleid für die Opfer eines Brandes, der vermutlich Ende 1352 ausgebrochen war. In einem anderen Brief vom 1. Oktober 1383 – also 30 Jahre später – garantierte der Landesherr, Bischof Dietrich von Horne (1377–1402), den Wiederaufbau der abgebrannten Stadt, bekräftigte seinen Schutz und dehnte diesen ausdrücklich auf die Vorstädte aus, die damals also auch bereits vorhanden gewesen sein mussten.Kuhlmann: Das Artland und die Stadt Quakenbrück in ihrer historischen Entwicklung. S. 4f. Ob es sich um zwei Brände in einem Zeitraum von 30 Jahren gehandelt hat oder ob es in beiden Schriftstücken um dasselbe Unglück ging, konnte trotz 1984 vorgenommener Grabungen nicht abschließend festgestellt werden.

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort zu einer Stadt, deren Rechte nach dem Muster des Osnabrücker Stadtrechts festgelegt wurden und damit das Bürgertum stärkten. Die Stadtbuchchronik Quakenbrücks beginnt 1462, verfasst vom Chronisten Johannes Dene von Hamelen, bezeugt vom nachfolgenden Chronisten Vicar Hinrik van Glandorpe um 1470, der die Stadtbuchchronik fortsetzte. Johannes Dene von Hamelen erscheint in Urkunden von 1474, 1492, 1510 und 1535 als Notar und Stadtschreiber.

Burg, Burgmannen und Burgmannshöfe 1276 hatte das Stiftskapitel Quakenbrück vorläufig verlassen; als Gründe werden geringe Einkünfte und vor allem das Anwachsen der Burgmannschaft angenommen. Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg in Quakenbrück stammt von 1279, es kann aber angenommen werden, dass sie gleichzeitig mit der Stiftsgründung oder sogar schon vorher errichtet wurde.

Die Burg lag auf einer natürlichen Anhöhe zwischen der Kleinen Hase und der Großen Mühlenhase, welche damals die beiden Hauptarme des Flusses bildeten.

Die Verteidigung der Burg hatte der Bischof Burgmannen übertragen, die 1248 erstmals urkundlich genannt wurden und deren Höfe innerhalb der Stadt lagen.Osnabrücker Urkundenbuch, Bd. 2, Nr. 536 Befehlshaber war ein Drost als bischöflicher Beamter, 1279 bestand die Burgmannschaft aus 13 Rittern, angeführt von Helenbert von der Horst und seinen fünf Knappen. Sie führten ein Siegel mit einer Burg in gotischer Architekturform, 1279 traten sie dem Bündnis der Osnabrücker Dienstmannen und Schöffen bei.Osnabrücker Urkundenbuch, Bd. 2, Nr. 488 und 500 Ab dem frühen 13. Jahrhundert wurde der Codex Quakenbrugensis entwickelt und in seiner Fassung von 1230 von Eike von Repgow verfasst. Der Codex stellt ein Lehrbuch des Landrechts als glossierter Quakenbrücker Spiegel der Sachsen dar, ein Rechtsbuch, in dem die Rechte und Pflichten der Burgmannen festgelegt sind. Er griff auf das sächsische Landrecht zurück, wobei ihm aber das Lehnsrecht fehlt. Er ist in dem Exemplar von 1422 im Quakenbrücker Stadtarchiv erhalten, das 1507 dem Rat und den Burgmannen von dem Osnabrücker Domvikar Hinrich Meppis übergeben wurde. Nach diesem Codex hatten die Burgmannen die Pflicht, auf der Burg zu wohnen, sie für ihren Herrn zu verteidigen und Urteil nach Burgrecht zu fällen. Dafür erhielten sie ein Burglehen, das aus Kapital, Rente oder Grundbesitz bestand, ferner aus einem Grundstück in der Nähe der Burg zur Errichtung eines befestigten Burgmannshofes als Wohnhaus. Diese Burgmannshöfe waren strategisch so gelegen, dass sie an den gefährdetsten Stellen der Befestigung eine Sicherung übernehmen konnten.

Ab Ende des 13. Jahrhunderts verbanden sich die Burgmannen zu einer Rechtsgenossenschaft und entzogen Burg und Ort der unmittelbaren landesherrlichen Führung. Nachdem 1397 ein Feldzug gegen die feindliche Feste Cloppenburg stattgefunden hatte und sich die Front nach Südwesten verlagerte, verlor die Burg an Bedeutung. In der Folgezeit wurde die Verteidigung des Osnabrücker Landes zunehmend von der Burg Fürstenau übernommen. Mit dem Aufblühen der Bürgerschaft im 15. und 16. Jahrhundert und dem Wegfall der Verteidigungserfordernis ging die Bedeutung der Burgmannen beständig zurück. Gleichwohl waren zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Quakenbrücker Burgmannen auf 38 angewachsen. Die Burgmannschaft blieb dem Namen nach noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestehen, bildete aber nur noch einen Teil der Osnabrücker Ritterschaft; die Zugehörigkeit war abhängig vom Besitz eines Burgmannshofes.

Quakenbrück entwickelte sich zwischen den Polen kirchenpolitischer und militärischer Interessen zu einer Bürgerstadt mit großem Marktplatz, der den Turnierplatz der Burgmannen verdrängte und zu einem Mittelpunkt des Handels wurde. Es entstanden Handwerkervereinigungen und es wurden Handelsbeziehungen zur weiteren Umgebung geknüpft; Quakenbrück wurde Mittelpunkt des Speditionshandels zwischen Binnenland und Küste. Hatten zunächst allein die Burgmannen die Rechtsprechung ausgeübt, war seit 1469 auch die Bürgerschaft im Rat vertreten. Burgmannen und Stadt führten ab dieser Zeit dasselbe Siegel. Ab 1492 bildeten vier Burgmannen und vier Bürger den Rat, der ab dem späten 16. Jahrhundert nur noch aus sechs Bürgern bestand.Horst-Rüdiger Jarck: Quakenbrück. Von der Grenzfestung zum Gewerbezentrum. S. 10/11