mini|Schloss Wiesentmini|Pfarrkirche Wiesent Wiesent (bairisch: Wiesnd) ist ein Kirchdorf und eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Regensburg in Bayern (Ostbayern). mini|Wiesent von Westen Das Dorf liegt am Fuß des Hermannsberges und war bereits um die Zeit Karls des Großen ein Adelssitz.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt etwa 20 Kilometer östlich von Regensburg an den Ausläufern des Bayerischen Waldes. Der Ort Wiesent wird von der Wiesent, hier auch Höllbach genannt, durchflossen, die fünf Kilometer weiter östlich in die Donau mündet. Das Dorf liegt etwa drei Kilometer von der Donau und einen Kilometer von der nächstgelegenen Stadt Wörth an der Donau entfernt.

Bevölkerung Der einwohnerstärkste Gemeindeteil der Gemeinde ist Wiesent mit 1998 Einwohnern, gefolgt von: Kruckenberg 213 Einwohner, Ettersdorf 197 Einwohner, Dietersweg 53 Einwohner sowie Rupertsbühl und Petersberg mit jeweils 35 Einwohnern. (Angaben der Gemeindeverwaltung, Stand: 31. Dezember 2010)

Nachbargemeinden Wiesent grenzt im Süden und Osten an die Stadt Wörth an der Donau, im Nordosten an die Gemeinde Rettenbach im Landkreis Cham, im Westen an die Gemeinde Bach an der Donau und im Norden an die Gemeinde Brennberg.

Gemeindegliederung mini|Dorfplatz Wiesent Es gibt 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte Ortsname Der Ortsname dürfte germanischen oder keltischen Ursprungs sein.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich dieser Name: Wisint/Wysunt (780) → Wysenndt → Wisent (1433) → Wissent (1666) → Wiesendt (1700) → Wiesent.

Vor- und Frühgeschichte Um Wiesent sind vor- und frühgeschichtliche Fundstellen gesichert. Vor ca. 60.000 Jahren, am Anfang der letzten Eiszeit, dürften sich erste Menschen in dieser Gegend aufgehalten haben. Aus dieser Zeit wurden Steinwerkzeuge der Neandertaler gefunden. Auch vom Ende der Altsteinzeit sind Spuren gesichert. Im Gemeindeteil Rupertsbühl fand man ein Steinbeil aus der Zeit um 4000 v. Chr.

Mittelalter Erstmals wurde Wiesent im Jahr 780 erwähnt. Ein Ritter „Hito von Wisint“ schenkte seinerzeit dem Kloster Niederaltaich 36 Tagewerk Grund bei dem Weiler Wysunte. 1133 wird ein bischöflicher Dienstmann Ulrich von Wysenndt in einer Urkunde erwähnt. Der Ort gehörte damals zur Pfarrei Wörth und 1433 bestand bereits eine Kirche. Wiesent war Sitz einer eigenen Herrschaft mit besonderer Gerichtsbarkeit, die seit 1505 zum Fürstentum Pfalz-Neuburg gehörte. In der Zeit der Reformation und im Dreißigjährigen Krieg wurde unter Pfalzgraf Otto 1544 Wiesent lutherisch.„Die Anfänge der Reformation in der Gemeinde Wiesent“ in: Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, abgerufen am 10. November 2016. Im Jahr 1570 wird erstmals eine Schule erwähnt. Der Ortsteil Dietersweg wird 1422 in einem Lehenbuch genannt. mini|Hauptportal Schloss Wiesent 1620 wird Wiesent zur eigenen Pfarrei erhoben. Um 1625 wird der Ort von der Pest getroffen und 1633 durch die Schweden gebrandschatzt. 1639 wird der Grundstein für den Neubau der abgebrannten Kirche gelegt sowie 1695 das Wiesenter Schloss von Thimon von Lintelo erbaut.

Einsiedelei

Am 6. November 1696 erhielt Thimon von Lintelo vom bischöflichen Ordinariat die Erlaubnis zur Errichtung einer Klause bei Wiesent. Erster Einsiedler war Frater Johann Andreas Sierach. Ihm folgten zahlreiche Einsiedler bis 1787, mit Fr. Onuphrius und Fr. Johann Nadler, die letzten die Klause besetzten. Noch heute erinnern die „Einsiedlerbrücke“ sowie das angrenzende Grundstück „Einsiedlerwiese“ auf dem Weg nach Dietersweg an die Einsiedelei.

Neuzeit 1707 erfolgt der Abbruch der baufälligen alten Kirche und der Neubau einer neuen Pfarrkirche. Am 23. April 1801 wird diese durch ein Feuer zerstört und war erst nach 18 Jahren wieder aufgebaut. Wiesent gehörte ab 1505 zum Landgericht Burglengenfeld, später kam es zum Landgericht Regenstauf. In Wiesent bestand zudem ein Patrimonialgerichte I. Klasse. Dieses wurde zeitweise vom Patrimonialgericht I. Klasse (Herrschaftsgericht) in Schönberg der Fürsten von Thurn und Taxis aus verwaltet. Diese letzten Reste der Adelsherrschaft wurden in der Revolution 1848 aufgehoben.Diethard Schmid: Altbayern Reihe I Heft 66: Regensburg II. Das Landgericht Haidau-Pfatter und die pfalzneuburgische Herrschaft Heilsberg-Wiesent. München, 2014, aus der Reihe: Kommission für bayerische Landesgeschichte (Hrsg.): Historischer Atlas von Bayern, ISBN 978-3-7696-6558-1, S. 599. 1836 kam Wiesent verwaltungstechnisch zum Landgericht Stadtamhof und 1848 zum Landgericht Wörth. Seit 1862, der Errichtung der Bezirksämter, gehört es zum Bezirksamt Regensburg, entsprechend dem jetzigen Landkreis Regensburg. Im Jahr 1858 bemühte sich Wiesent um eine neue Schule, deren Standort die heutige Bahnhofstraße wurde. 1895 wurde das Kriegerdenkmal eingeweiht.

Altes Kunsthandwerk In Wiesent war im 19. Jahrhundert Kunsthandwerk heimisch. Von etwa 1802 bis 1812 lebte hier Orgelbauer Ludwig Ehrlich und 1850 der Orgelmacher Johann Rödl. Beachtenswert sind die heute noch um die Pfarrkirche erhaltenen schmiedeeisernen Grabkreuze eines früheren Dorffriedhofs. Sie wurden durch das damals im Ort tätige Kunstschmiedehandwerk hergestellt.

Friedhof 1892 wurde ein neuer Friedhof errichtet und der bis dahin um die Kirche angelegte Friedhof aufgegeben.

Ehemalige Walhallabahn Am 1. Mai 1903 bekam die Gemeinde durch die Verlängerung der Walhallabahn von Donaustauf nach Wörth eine Anbindung an das bayerische Eisenbahnnetz. Die Gesamtkosten der Bahnerweiterung betrugen 900.000 Reichsmark, die Gemeinde Wiesent steuerte 10.000 RM bei. Am 31. Dezember 1968 verließ der letzte Güterzug Richtung Regensburg den Bahnhof.

20. Jahrhundert Nach dem Abbruch der Heilbergmühle 1912 wird die Wasserkraft zur Stromerzeugung genutzt, wodurch Wiesent eine Stromversorgung bekam. Im Jahr 1905 war der Ort bereits an das bayerische Telefonnetz angeschlossen worden. Am 3. August 1913 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der den Neubau und Umbau der Pfarrkirche vorantrieb und mit der Konsekration des Gotteshauses am 15. August 1973 endete.

Zeit von 1914 bis 1945

Wiesent litt wie alle Gemeinden unter der Last der beiden Weltkriege. Im Ersten Weltkrieg fielen 53 Männer aus dem Gemeindebereich. Von Bombardierungen und größeren Zwischenfällen blieb der Ort im Zweiten Weltkrieg verschont, und NSDAP-Ortsgruppenleiter Lehrer Muggenthaler verbrannte am Kriegsende 1945, zwei Tage vor Einmarsch der Amerikaner, alle Akten über das Dritte Reich von Wiesent. Während des Kriegs waren zahlreiche Wiesenter Bürger, die dem NS-Regime skeptisch gegenüberstanden und Widerstand leisteten, unterdrückt worden.Wiesent im Dritten Reich: Erinnerung an den Widerstand, abgerufen am 1. Dezember 2014. Besonders zu leiden hatte der Pfarrer von Wiesent, Tiberius Burger, der vom damaligen Wörther Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP, Friedrich Horkheimer, 1940 angezeigt wurde, und einen langen Verhandlungskampf mit Berufungsmaßnahmen und die Angst vor Entzug der Unterrichtserlaubnis durchstehen musste. Der Wiesenter Bürgermeister Wolfgang Kehrer bildete dagegen eine Ausnahme. Er setzte seine Macht und seinen Spielraum ein, um unwürdige Befehle zu unterlaufen.„Widerstand und Verfolgung in Wiesent in der NS-Zeit“ in: Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, abgerufen am 10. November 2016.

Nachkriegszeit und Moderne

Es dauerte einige Zeit, bis sich der Ort nach dem Krieg erholte. Im Jahr 1960 wurde der Neubau einer Schule begonnen, in der seit 1961/62 bis heute unterrichtet wird; die Schule wurde ab 1993 erweitert und generalsaniert. In den weiteren Jahren wurde 1975 ein neuer Kindergarten eingeweiht, 1981 ein neues Feuerwehrhaus bezogen und 1984 ein neues Schulsportbetriebsgebäude eröffnet. Im Rahmen des Städtebauförderprogramms wurde 1994 der Dorfplatz neu gestaltet. Ende des 20. Jahrhunderts wurden durch die Gemeinde Wiesent zahlreiche Neubaugebiete, wie Wiesent-Nord, Am Grubweg sowie Schmiedfeld geschaffen.

21. Jahrhundert mini|links|Dorfbrunnen – Hintergrund Schloss In den vergangenen Jahren hat sich Wiesent weiter vergrößert, und es wurde in Infrastrukturprojekte investiert. Es entstanden weitere Neubaugebiete und die Gemeinde hat sich vor allem durch innovative Ideen, wie einem Ökopaket für Baugebiete, einer Energiebox für Mietshäuser, Kindergarten und Verwaltung sowie dem freiwilligen Schulzusammenschluss und der interkommunalen Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Stadt Wörth weiter gut entwickelt. Wichtige Weichenstellungen der Gemeinde liegen derzeit bei Investitionen in regenerative, umweltfreundliche Energie, energiesparende Technik sowie in der Breitbandversorgung und Weiterentwicklung der Infrastruktur. Als eine der Ersten im Landkreis hat die Gemeinde ein Klimaschutzkonzept entwickelt.

Im Jahr 2008 wurde der Ort Wiesent zum Kreissieger für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“ gewählt und vertrat damit den Landkreis Regensburg beim Bezirksentscheid 2009.Kreissieger Unser Dorf soll schöner werden: , abgerufen am 14. November 2014.

Eingemeindungen und Ausgliederungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Dietersweg und Kruckenberg jeweils mit allen ihren Gemeindeteilen eingegliedert. Dietersweg brachte die Gemeindeteile Dietersweg, Eckenzell, Eidenzell, Grafenöd, Heilsberg, Hermannsöd, Höhenberg, Kirnberg, Mitterroith, Neuhaus, Pangerlhof, Pinklhof (Oberroith), Ponhof, Rupertsbühl, Sandweg und Wiedenrös ein, Kruckenberg und Lehmhof stammen aus der ehemaligen Gemeinde Kruckenberg. Mit der Gebietsreform erfolgte die Eingliederung in die Verwaltungsgemeinschaft Wörth. Am 1. Januar 1980 erlangte Wiesent aber erneut die Selbstständigkeit. Zum 1. Juli 2014 wurden 4,6262 km² (Stand 1. Januar 2022) aus dem gemeindefreien Gebiet Forstmühler Forst in die Gemeinde Wiesent umgegliedert.

Bis 1949 war Wörthhof ein Gemeindeteil von Wiesent, der am 23. März 1949 nach Oberachdorf ausgegliedert wurde. Von 1945 bis 1948 kam die Gemeinde Kiefenholz, von der US-amerikanischen Militärregierung veranlasst, vorübergehend zu Wiesent. Am 1. April 1948 war Kiefenholz wieder selbständig.

1946 gehörte die Gemeinde Dietersweg, durch die US-amerikanische Militärregierung veranlasst, kurzzeitig zur Gemeinde Wiesent, danach wurde sie wieder selbständig. Zum 1. Januar 1972 wurde sie mit allen Ortsteilen nach Wiesent eingegliedert.

Von 1945 bis 1948 wurde die Gemeinde Kruckenberg kurzzeitig durch die US-amerikanische Militärregierung nach Wiesent eingemeindet, anschließend war sie wieder selbständig. Zum 1. Januar 1972 wurde sie mit allen Gemeindeteilen nach Wiesent eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2063 auf 2625 um 562 Einwohner bzw. um 27,2 %.

Religionen Wie in der gesamten Oberpfalz ist auch in Wiesent der größte Teil der Bevölkerung römisch-katholisch. Die Katholiken gehören der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Wiesent und somit dem Dekanat Donaustauf, das dem Bistum Regensburg zugeordnet ist, an.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus dem Ersten Bürgermeister und 14 Gemeinderäten. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 2.159 Stimmberechtigten 1.398 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 64,75 % lag.https://wahlen.landkreis-regensburg.de/kommunal2020/20200315/09375209/html5/Gemeinderatswahl_Bayern_66_Gemeinde_Gemeinde_Wiesent.html

Bürgermeister Erste Bürgermeisterin ist seit dem 24. Oktober 2010 Elisabeth Kerscher (CSU). Sie wurde bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 mit 93,19 % der Stimmen wiedergewählt.https://wahlen.landkreis-regensburg.de/kommunal2020/20200315/09375209/html5/Buergermeisterwahl_Bayern_67_Gemeinde_Gemeinde_Wiesent.html Schellerer (1876–1888) Sauerer (1888–1900) Gold (1900–1906) Rösch (1906–1919) Schweiger (1919–1933) Fichtl (1933–1934) Kehrer (1935–1946) Deml (1946–1948) Kehrer (1948–1952) Deml (1952–1970) Kiener (1970–1983) Walchshäusl (1983–1990)