Oligosaccharidosen, in einigen Veröffentlichungen auch als Glykoproteinosen oder Glycoproteinosen bezeichnet, sind eine Gruppe von äußerst seltenen autosomal-rezessiv vererbten lysosomalen Speicherkrankheiten. Der Phänotyp der betroffenen Patienten ähnelt dem der Mukopolysaccharidosen. Ätiologie und Symptomatik sind jedoch verschieden. In der angelsächsischen Fachliteratur wird für die Oligosaccharidosen meist der Begriff Glycoproteinosis verwendet.
Die Oligosaccharidosen Bisher sind folgende Oligosaccharidosen bekannt: α-Mannosidose β-Mannosidose Fucosidose Aspartylglukosaminurie Morbus Schindler Typ I Galaktosialidose (Goldberg-Syndrom) Sialinsäure-Speicherkrankheit infantil (ISSD) Sialinsäure-Speicherkrankheit adult (Salla-Krankheit)
Ätiologie Die Ursache der Oligosaccharidosen sind Mutationen im Genom, welches für bestimmte Enzyme codiert. Dies führt zu Fehlfunktionen im Stoffwechsel von glykosylierten Proteinen (Glykoproteinen), wie beispielsweise Membran- oder Strukturproteinen.C. P. Speer und M. Gahr: Pädiatrie. Verlag Springer, 2004, ISBN 3-540-20791-0, S. 148. Diese Glykoproteine können durch den Aktivitätsverlust der Enzyme nicht mehr abgebaut werden. Abhängig vom betroffenen Enzym häufen sich unterschiedliche Produkte intrazellulär an. Dies führt zu ähnlichen, allerdings im Verlauf und im Phänotyp unterschiedlichen, Krankheitsbildern.M. J. Lentze und K. Heyne: Pädiatrie. Verlag Springer, 2003, ISBN 3-540-43628-6. S. 310–313.
Im Fall der Sialinsäure-Speicherkrankheit ist dagegen ein Aktivitätsverlust eines Anionen-Transporters, der Sialinsäure aus dem Lysosom durch die lysosomale Membran ausschleust, ursächlich für die Erkrankung.
Die Oligosaccharidosen werden autosomal-rezessiv vererbt.
Symptome Oligosaccharidosen sind meist schon bei Neugeborenen symptomatisch. Grobe Gesichtszüge, skelettale Dystrophien, Minderwuchs, neurodegenerative Erkrankungen und Vergrößerungen von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie) sind die häufigsten Symptome. Die Erkrankungen verlaufen progredient.
Diagnostik Über die erhöhte Konzentration von Oligosacchariden im Urin und über die Bestimmung der enzymatischen Aktivität lassen sich die Oligosaccharidosen diagnostizieren. Eine molekularbiologische Diagnose (DNA-Analyse) ist möglich.
Therapie Es sind bisher keine kausalen Therapien für Oligosaccharidosen bekannt. Die Behandlung erfolgt meist symptomatisch. Enzymersatztherapien (ERT) befinden sich in der Erprobung beziehungsweise in der Entwicklung.D. Wang u. a.: Short-term, high dose enzyme replacement therapy in sialidosis mice. In: Mol Genet Metab 85, 2005, S. 181–189. PMID 15979029 Für Oligosaccharidosen gibt es derzeit keine zugelassene ERT.E. J. Bonten u. a.: Targeting macrophages with baculovirus-produced lysosomal enzymes: implications for enzyme replacement therapy of the glycoprotein storage disorder galactosialidosis. In: FASEB 18, 2004, S. 971–973. PMID 15084520 Die noch im Bereich der Grundlagenforschung angesiedelte Gentherapie könnte bei Oligosaccharidosen zukünftig eine Heilung ermöglichen.V. Gieselmann u. a.: Gene therapy: prospects for glycolipid storage diseases. In: Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci 358, 2003, S. 921–925. PMID 12803926
Einzelnachweise
Literatur H. J. Galla und V. Gieselmann: Die Blut-Hirn Schranke und die Therapie lysosomaler Erkrankungen. In: Biospektrum 5, 2008, S. 460–464. H. Denk u. a.: Pathologie der Leber und Gallenwege. Verlag Springer, 2000, ISBN 3-540-65501-8, S. 252–253. W. Hort: Pathologie des Endokard, der Kranzarterien und des Myokard. Verlag Springer, 2000, ISBN 3-540-65326-0, S. 1350–1352.
Kategorie:Lysosomale Speicherkrankheit