mini|Frühling im Stadtpark, im Hintergrund die Gastronomie im Stadtpark Bochum, 2002Der Bochumer Stadtpark ist nach dem Essener Stadtgarten der älteste Stadtpark und erste Landschaftsgarten im Ruhrgebiet, der von einer Kommune angelegt wurde. Mit seinen rund 31 ha gilt er als einer der größten seiner Art. Park und das umgebende Stadtparkviertel stehen zusammengehörig unter Denkmalschutz. Der Stadtpark wird 2027 ein Teil der Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr.

Geschichte und Gestalt Geschichte der Gründung Früher befand sich im Bereich des Stadtparks die kleine Vöde, ein Teil der Bochumer Allmende. Diese wurde 1863 aufgeteilt. Schon damals regte der damalige Bochumer Bürgermeister Max Greve an, den Teil, welcher der Gemeinde zufällt, für einen öffentlichen Garten vorzusehen.Eintrag des Stadtparks in die Denkmalliste der Stadt Bochum (A 156) Um das Jahr 1870 trieb das letzte Mal ein Kuhhirte Tiere auf die Vöde. Dieses ist verbunden mit der lokalen Legende und der falschen Zuordnung von Fritz (Heinrich) Kortebusch als letzten Kuhhirten.

Das Anlegen wurde in einem Magistratsbeschluss von 1869 beschlossen und eine Parkkommission gegründet. Als Vorsitzender der Parkkommission setzte sich Phillip Würzburger, zweiter Mann im Magistratsrat nach Greve und zeitweise kommissarischer Bürgermeister, vehement für die Schaffung des Stadtparks ein, trotz erheblicher Widerstände. Er hatte die Vision, einen Ausflugsort für die ärmere Arbeiterklasse zu schaffen, was ihm letztendlich auch gelang. Sein Einsatz ist zu würdigen, da es zu jener Zeit Stimmen gab, die argumentierten, Bochum könne entweder das geplante Gas- und Wasserwerk oder den Stadtpark leisten, aber nicht beides. Würzburger setzte beides durch. Ohne sein Engagement ist es unsicher, ob der Stadtpark Bochum existieren würde. Im Rahmen des Stelenwegs zum jüdischen Lebes soll für ihn eine Stele im Stadtpark aufgestellt werden.Philipp Würzburger, der Stadtpark und das Jubiläum (Vorlage 20220155)

Der geplante Stadtgarten entstand damals ein Stück vor den Toren der Stadt, und nicht direkt in oder an der Innenstadt. Somit konnte ein Park ganz im Grünen entstehen. Im Jahr 1876 wurden zwischen der Bergstraße und der Castroper Straße 13 Hektar und 22 Are den Pächtern gegen eine Entschädigung abgenommen.Bericht des Magistrats zu Bochum über die Verwaltung und den Stand der Gemeinde-Angelegenheiten pro 1876/77, IV. Grundbesitz, 2. Vöde-Verpachtung, S. 15 Mit den Arbeiten wurde ab Mai 1876 begonnen, die Erdarbeiten waren Ende des Jahres abgeschlossen. Das Jahr gilt als Gründungsdatum.„100 Jahre Stadtpark“ in: Bochumer Jahresschau 1976, Filmbericht über die Arbeit des Rates und der Verwaltung„125 Jahre Bochumer Stadtpark“ in: Bochumer Themen 2001 - Jahresschau der Stadt Bochum

Anlage des Parks und Erweiterungen

Der „alte“ Stadtpark mini|Der Stadtpark im Jahr 1884. Noch ist der Nordteil als städtische Weide bezeichnet. mini|Der Stadtpark 1898 mit der ersten Erweiterung. Das Stadtparkviertel wird teilweise angelegt. Der obere Teil ist noch die selbstständige Gemeinde Grumme. mini|Der Stadtpark 1905 nach der zweiten Erweiterung mit dem großen Gondelteich. Den Entwurf lieferte der Kölner Stadtgärtner Anton Strauß (1823–1888). Der Park wurde im Stil eines englischen Gartens angelegt. Im Mittelpunkt stand die Möglichkeit, sich beim Spazierengehen an einer pittoresken Stadt-Landschaft zu erfreuen. Die Größe des ersten Teils war 13 ha.

Im Oktober 1878 wurde im Park ein Restaurant in Holzbauweise eröffnet.Bericht des Magistrats zu Bochum über die Verwaltung und den Stand der Gemeinde-Angelegenheiten pro 1877/78, B. Öffentliche Bauwerke, d. Stadtpark, S. 19 Dies war der Vorläufer der späteren repräsentativen Gastronomie Parkhaus (siehe unten) nach den Plänen von Karl Elkhart, welche 1915 eröffnete.Restauration im alten Stadtpark auf www.ruhr-bauten.de, abgerufen am 24. Januar 2023 Das Parkhaus war eines der Herzstücke des Parks und lange Zeit die gute Stube Bochums. Alle Hochbauten des ersten Parkteils stammten von dem Bochumer Stadtbaumeister Hermann Bluth. Darunter das Gärtnerhaus, welches im November 1877 von dem angestellten Parkgärtner bezogen wurde. Es befand sich mit der Gärtnerei in der damals nordöstlichen Ecke. Hier gab es seit April 1878 Ausschank von Milch und Mineralwasser. Um 1900 kam ein eigenes Gebäude, als Milchkuranstalt hinzu.

Ein anderes wichtiges Element war der große Teich, welcher von Quellen aus dem Fiegen-Kämpchen (auf der Höhe, wo heute die Stahlskulptur von Vesely steht) gespeist wurde. Hier war auch eine Verbindung vom Parkhaus zu der damals größten Restauration, dem Schützenhof, geplant. Das Wasser der Quellen floss in einen kleinen Teich, um dann über verschiedene Wasserfälle und Cascaden in den großen Teich zu fließen. Am Teich gab es die Futterbrücken, einen Holzsteg, von dem aus man das Wassergeflügel beobachten konnte. Von Zeit zu Zeit wurde eine kleine Fontäne aus wasserbiologischen und auch optischen Gründen betrieben.

Bereits in der Anfangsphase wurde der Park von vielen Bochumern besucht und sehr positiv aufgenommen. Die Verwaltung bewertete es, dass es ein dringendes Bedürfnis für die Stadt war, diese Anlage zu schaffen. Der Park sollte, nach den Gedanken von Carl Bollmann, Oberbürgermeister ab 1877, allen gesellschaftlichen Schichten des preußischen Ständesystems, also auch der Arbeiterbevölkerung, zur Verfügung stehen und als Treffpunkt dienen und eine Schule für bürgerliche Tugenden sein. Auch wenn in Zeiten von Kulturkampf und Sozialistengesetzen sicherlich zu keiner Verbrüderung der verschiedenen Schichten kam, so lassen doch Vorgänge und Maßnahmen der Verwaltung auf ein gemischtes Publikum schließen. Im Winter fand auf dem zugefrorenen See Schlittschuhlaufen statt, im Sommer gab es im Park Veranstaltungen von Schauturnen.

Im Jahre 1887 wurden im Bochumer Stadtpark mehr als 700 verschiedene Baum- und Straucharten und -sorten ermittelt. Im Rahmen des 36. Katholikentag 1889 in Bochum kamen die Berichterstatter zu einem sehr wohlwollenden Urteil:

Erste und zweite Erweiterung mini|Stadtpark mit Parkhaus und Bismarckturm, ca. 1926 bis 1935. Anstelle des Tierparks ist rechts noch die Gärtnerei zu sehen. Die erste Erweiterung fand 1889–1894 statt, mit welcher der Park auf über 23 h wuchs. Sie erfolgte ohne externe Planer und bildete einen waldartigen Teil. Neben Laubbäumen werden an den Alleen Nadelbäume gepflanzt, welche sich aufgrund der Industrieabgase aber nicht vernünftig entwickeln können. Die Kritik am „englischen Stil“ zeigte sich unter anderem in einer anderen Art der Wegeführung und der Errichtung von Denkmälern. Der Park sollte auch kommunale und nationale Identität stärken.

Zwischen den beiden Erweiterungen wurde um 1899 die Gasbeleuchtung durch elektrisches Licht modernisiert. Weiterhin wurde die Einfriedung durch Hecken durch eine Mauer mit verziertem Eisengitter ersetzt und ein zweiter Parkzugang als Haupteingang mit großem Tor an der Bergstraße/Ecke Kurfürstenstraße eingerichtet.

1903 wurde von der damals noch eigenständigen Gemeinde Grumme Land für eine geplante Erweiterung gekauft. Die zweite Erweiterung fand 1904–1905 statt. Da sowohl die Reformbewegung als auch Militarismus in der Zeit stark ausgeprägt waren, kam es auch zur Anlage von Spiel- und Sportflächen. Als markantes Element wurde ein neuer Teich (später Gondelteich) von ca. 1,8 ha angelegt, zusammen mit einem Wasserfall, Aussichtspunkt und einer Bastion als Aussichtsarchitektur.

Für die zweite Erweiterung war der Gartenarchitekt Ernst Finken verantwortlich. Seine Arbeit bestand maßgeblich in der harmonischen Vereinigung von Altem und Neuen Park. In der zweiten Erweiterung befand sich wahrscheinlich von 1895 bis 1912 auf der dortigen höchsten Erhebung (heute wäre die Lage ca. 40 Meter südlich des später errichteten Bismarckturms) die erdmagnetische Warte der Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK).Historische Postkarte, gelaufen 1899

Wandel und Umgestaltungen mini|Gondelteich im Stadtpark Bochum mit neuen Tretbooten und neuer Fontäne Der Ruderbootverleih auf dem „Neuen Stadtparkteich“ wurde um 1910 aufgenommen. 1912 konnte man Kahnfahrten für 50 oder 75 Pfennig machen. Es war ein recht beliebter Zeitvertreib. In dem Jahr wurden 9254 Karten verkauft.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum, 1912, S. 189

Am 16. Oktober 1910 wurde am höchsten Punkt des Parks der Bochumer Bismarckturm eingeweiht. Von der Aussichtsplattform des 34 Meter hohen Turms hat man einen guten Überblick über den Stadtpark, die Innenstadt und die umliegenden Stadtteile. Er wurde mehrfach saniert. Zwischen 1985 und 2001 war er geschlossen. Zurzeit (Sommer 2026) erfolgt eine weitere Sanierung.

Die Milchkuranstalt wurde in den Jahren 1913–1915 durch einen festen Bau ersetzt. Es wurde später das Restaurant am Tierpark. Das denkmalgeschützte Gebäude wird noch heute gastronomisch genutzt. Der Architekt war Karl Elkart, der damals in der städtischen Bauverwaltung arbeitete. Er errichtete im gleichen Zeitrahmen eine neue Gastronomie im Stadtpark (siehe Parkhaus).

Ab 1929 entstand der Dahliengarten mit Wasserbecken auf der Fläche des ehemaligen Spiel- und Sportplatz.mini|Kriegerdenkmal im Stadtpark, 1935Die Umzäunung des Parks wurde in der NS-Zeit um 1935 entfernt. Dabei wurde auch der Eingangsbereich im Rahmen der Errichtung des Kriegerdenkmals am Stadtpark Bochum umgestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Stadtpark auch durch Luftangriffe beschädigt. Über 150 Sprengbomben und Minen vernichteten wertvollen Baumbestand, Kanalisation, Wege und mehrere hundert Bänke. Die Rasenfläche musste auf Anordnung der Militärregierung in Gemüseland umgewandelt werden. Es entstanden 990 Parzellen von 20 ha Größe. Bis 1948 konnte der Stadtpark in wesentlichen wieder instand gesetzt werden.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum, 1938–1948, S. 148

Entwicklung seit der Wiederherstellung Der Stadtpark verfügt heute über 311.402 m² Fläche und gehört zu den größten seiner Art in Nordrhein-Westfalen.mini|Wasserspiel (um 1980)Zum 75-jährigen Bestehen des Stadtparks wurde 1951 ein großes Parkfest mit über 200.000 Besuchern gefeiert. In den 1950er Jahren erfolgten Umgestaltungen und Neuanlagen von Parkbereichen. So wurde 1954 der Dahliengarten, in dem vorübergehend Musterkleingärten angelegt waren, umgestaltet, und bekam neben anderen baulichen Veränderungen einen Teich mit der Bronzefigur eines Schwans. Weiterhin erfolgten neben anderen Projekten die Erweiterung und Umgestaltung des Rosengartens (ab 1952), ein Rhododendrengarten wurde angelegt (ab 1955), eine Rodelbahn wurde angelegt und eine ständige Parkbeleuchtung (1957) und eine Anlage eines Staudengartens (ab 1960).

In den beiden Teichen wurden Fontänenanlagen eingebaut, im alten Stadtparkteich 1964 und eine Hochfontäne am Gondelteich 1965. Im Jahr 1970 wurde bei der Aktion „Schöneres Bochum“ ein Naturlehrpfad angelegt. Um 1987 wurde der Wasserfall, welcher 1945 zerstört wurde, wieder errichtet mit Steinen aus dem U-Bahn-Bau der Linie U35.

Zu Beginn der 1980er sollte auf der Wiese vor der Lutherkirche ein Hotel entstehen. Getragen von der Kortum-Gesellschaft Bochum gab es einen großen Widerstand in der Bevölkerung. In diesem Rahmen entstand die Grundlage zur Doktorarbeit von Erika Schmidt (siehe Literatur), welche viele Argumente zum Erhalt der gesamten Fläche des Stadtparks lieferte. Der Plan wurde aufgegeben, und es kam 1990 zu dem Eintrag des Stadtparks in die Denkmalliste der Stadt Bochum.Projekte der Kortum-Gesellschaft, hier das Jahr 1981

Seit 2003 ist der Stadtpark ein Teil des European Garden Heritage Network. Weiterhin ist der Stadtpark Teil der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. Im Mai 2016 wurde die Auszeichnung Denkmal des Monats in Westfalen-Lippe vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe verliehen. Der Park wurde gewürdigt, weil er als historischer Freiraum ein besonders gutes Beispiel für konservatorischen und nachhaltigen Umgang mit grünen Denkmalen bietet.