Matsuyama (dt. „Kiefernberg“; ) ist das Verwaltungszentrum der Präfektur Ehime. Die größte Stadt auf Shikoku liegt im Westen der Takanawa-Halbinsel und umfasst auch mehrere vorgelagerte Inseln. Sie besitzt seit 1923 eine Universität.

Geschichte

Der Ursprung der Stadt liegt in dem Dorf bei der Burg Matsuyama-jō, dem Zentrum der Feudalherrschaft (Han) Iyo-Matsuyama. Nach der Meiji-Restauration wurde der Han 1871 aufgelöst und 1889 die Stadt Matsuyama gegründet. Nach und nach wurden ihr umliegende Ortschaften eingegliedert, zum Beispiel das Thermalbad Dōgo-Onsen () im Osten und der Hafen Mitsuhama () im Westen.

Nachdem das deutsche Pachtgebiet Kiautschou im November 1914 gegenüber Japan kapitulierte, wurden in Matsuyama von 1914 bis 1917 deutsche Kriegsgefangene interniert.

Am 12. Juli 2024 kam es nach Niederschlägen zu einem Erdrutsch, durch den Menschen vermisst gingen. – Video.

Sehenswürdigkeiten Die Burg Matsuyama-jō wurde zu Beginn der Edo-Zeit (1602) auf und zu Fuß des 132 Meter hohen Hügels Katsuyama errichtet. 1784 wurde der Burgturm (Tenshu) durch Blitzschlag zerstört, von 1820 bis 1854 jedoch in der ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt, in der man ihn seither – trotz einiger Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg – erhalten hat. Damit stellt er einen der nur 12 original erhaltenen Tenshu Japans aus der Edo-Periode dar. Der obere Teil der Burg mit ihrem großzügigen Park ist mit der Stadt durch eine Seilbahn verbunden.

Von den 88 Stationstempeln des traditionsreichen buddhistischen Shikoku-Pilgerweges liegen acht, Nr. 46–53, in Matsuyama: Jōruri-ji, Yasaka-ji, Sairin-ji, Jōdo-ji, Hanta-ji, Ishite-ji, Taisan-ji und Enmyō-ji. Erwähnenswert ist auch der nicht dazugehörende Taihō-ji (). Bedeutendstes Shintō-Heiligtum der Stadt ist der 1664 errichtete Isaniwa-Schrein.

Berühmt ist Matsuyama auch als Stadt des Masaoka Shiki (1867–1902), des Begründers der modernen Haiku-Dichtung. In Erinnerung an ihn wird jedes Jahr ein Haiku-Symposium abgehalten und ein internationaler Preis (, Masaoka Shiki Kokusai Haiku-shō) vergeben. Wettbewerbe, an denen sich jeder beteiligen darf, ziehen jedes Jahr 3.000 Amateurdichter mit etwa 50.000 Einsendungen an. Eine Liste der örtlichen Universitätsbibliothek führt über 200 Orte in der Stadt auf, die mit der Haiku-Dichtung oder einzelnen Haikus in besonderer Weise verbunden sind.

Natsume Sōseki, der Shiki 1887 als Mitschüler in Tokio kennengelernt hatte, lebte 1895/96 etwa ein Jahr lang als Lehrer in Matsuyama. Er verarbeitete dieses Erlebnis in seinem 1906 erschienenen Roman Botchan. Gern besucht der Titelheld, ein junger Mathematiklehrer, der aus Tokio in die Provinz geschickt wurde, wie es Natsume Sōseki selbst geschehen war, in seiner Freizeit das berühmte Dōgo Onsen. Es gilt als das älteste Thermalbad (Onsen) in Japan, das schon Prinz Shōtoku im Jahr 596 besucht haben soll.

Verkehr mini|Straßenbahn des Betreibers Iyotetsu in Matsuyama Der Personennahverkehr wird von Bussen und Straßenbahnen des Unternehmens Iyo Tetsudō () sowie seinen drei Schnellbahnlinien Takahama, Yokogawara und Gunchū bedient. Dem Fernverkehr stehen die Yosan-Linie von JR Shikoku nach Takamatsu oder Uwajima, die Matsuyama-Autobahn (), die Nationalstraßen 11 nach Tokushima sowie 33 und 56 nach Kōchi und der Flughafen Matsuyama zur Verfügung. Fährverbindungen mit Hiroshima bietet die Reederei Setonaikai Kisen () zehnmal am Tag per Fährschiff (Fahrzeit 3 Stunden) und vierzehnmal am Tag per Schnellboot (Fahrzeit 75 Minuten) an.

Wirtschaft Wirtschaftlich sind neben dem Tourismus der Maschinenbau, die Papier-, Textil- und chemische Industrie, eine Erdölraffinerie und der Hafen von Bedeutung. Im Umland werden unter anderem Zitrusfrüchte angebaut.

Sport Matsuyama ist die Heimat des Fußballvereins Ehime FC. Die Baseballmannschaft Ehime Mandarin Pirates () aus der Shikoku Island League Plus (plus) spielt im Matsuyama Chūō Kōen Yakyūjō (), Spitzname Botchan Stadium, mit 30.000 Plätzen. Dort und im benachbarten Madonna-Stadium wurden die Spiele der Baseball-Weltmeisterschaft der Frauen 2008 ausgetragen. Westlich des Bahnhofs Ichitsubo () der Yosan-Linie und zwischen den Flüssen Ishite-gawa und Shigenobu-gawa () gruppieren sich die beiden Baseballstadien mit dem Matsuyama-Keirin-Velodrom, dem Schwimmstadion und der Ehime-ken-Budokan-Halle um den „Zentralpark Matsuyama“ (Matsuyama Chūō Kōen).

Angrenzende Städte und Gemeinden Imabari, Tōon

Städtepartnerschaften Freiburg im Breisgau, seit 1988 Pyeongtaek Sacramento

Söhne und Töchter der Stadt Akiyama Yoshifuru (1859–1930), Armeegeneral und Bruder von Akiyama Saneyuki Masaoka Shiki (1867–1902), Dichter, Literaturkritiker und Essayist Akiyama Saneyuki (1868–1918), Stabsoffizier der Marine Kawahigashi Hekigotō (1873–1937), Haikuist, Essayist Takahama Kyoshi (1874–1959), Dichter und Schriftsteller Aibara Shirō (1880–1911), Marineoffizier und Luftfahrtpionier Abe Yoshishige (1883–1966), Philosoph Mansaku Itami (1900–1946), Drehbuchautor und Regisseur Tadao Tannaka (1908–1986), Mathematiker Katsutsugu Sekiya (* 1938), Politiker Yasuhisa Shiozaki (* 1950), Politiker Rieko Matsuura (* 1958), Schriftstellerin Manichi Yoshimura (* 1961), Schriftsteller Mika Saiki (* 1971), Volleyball- und Beachvolleyballspielerin Chiaki Kusuhara (* 1975), Beachvolleyballspielerin Makoto Tamada (* 1976), Motorradrennfahrer Reiko Tosa (* 1976), Langstreckenläuferin Kazuhito Watanabe (* 1986), Fußballspieler Takanori Maeno (* 1988), Fußballspieler Riki Nakaya (* 1989), Judoka und Olympionike Ryō Aono (* 1990), Snowboarder Hideki Matsuyama (* 1992), Profigolfer Tsubasa Kubo (* 1993), Fußballspieler Kanako Murata (* 1993), Ringerin Yoshiki Fujimoto (* 1994), Fußballspieler Yoshiki Matsushita (* 1994), Fußballspieler Yutaka Soneda (* 1994), Fußballspieler Nagi Hanatani (* 1995), Tennisspielerin Sasuga Kiyokawa (* 1996), Fußballspieler Maki Shiomi (* 2000), Tischtennisspielerin Shūma Mihara (* 2001), Fußballspieler Koshiro Shimada (* 2001), Eiskunstläufer Kandai Goto (* 2003), Volleyballspieler

Literatur S. Noma (Hrsg.): Matsuyama. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 939.

Weblinks

deutsche Tourismus-Website der Stadt Haiku Monuments in Matsuyama (englisch) (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Präfektur Ehime Kategorie:Ort mit Seehafen Kategorie:Japanische Präfekturhauptstadt