mini|300px|Bürgerhaus Spremberg 2025 Das Bürgerhaus Spremberg ist ein aus dem Umbau eines DDR-Plattenbaus entstandenes modernes Gebäude direkt am Marktplatz der Stadt Spremberg. Es zeichnete sich im ersten Umbau durch moderne, innovative Architektur und effiziente Bewirtschaftung aus. Besonders auffällig und so in Deutschland noch nicht umgesetzt war, dass Wand- und Dachflächen ineinander übergingen, im selben Material ausgeführt und farblich gleich behandelt waren.Mit Farbe Höhe gewinnen. In: LR-Online. 16. Juli 2008. Am Umbau des ehemaligen Arbeiterwohnheimes (AWH) zum „Bürgerhaus“ nahm die Bevölkerung auf Grund des sensiblen Standortes in bisher nicht gekanntem Ausmaß Anteil. Im Jahr 2019 traten am Bürgerhaus solch gravierende Baumängel auf, das es leer gezogen werden musste und abermals komplett, in seiner jetzigen Form, umgebaut wurde.

Geschichte mini|Arbeiterwohnheim (AWH) 2002 Durch Kriegseinwirkungen und Zerstörung während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren 70 Prozent der Bebauung der zur Festung erklärten Stadt Spremberg in Mitleidenschaft gezogen worden. Besonders schwer betroffen davon war der Marktplatz der Stadt. Lediglich die Westseite mit dem dort befindlichen Rathaus und einzelne Gebäude auf der Ostseite des Marktplatzes blieben erhalten. Alle sechs Geschäfts- und Wohnhäuser, die an der Marktplatz-Südseite, dem jetzigen Standort des Bürgerhauses, standen, fielen dem Krieg zum Opfer. Die meisten anderen Gebäude wurden, bis auf wenige Ausnahmen, abgerissen und vorerst durch großflächige Grünflächen ersetzt.

Durch den Status als Bergbauschutzgebiet, den Spremberg bis etwa 1968 innehatte, waren größere Bauvorhaben eher die Ausnahme als die Regel. Anfang der 1970er Jahre wurde beschlossen, ein neues Verwaltungsgebäude des Kreises Spremberg zu errichten. Da Spremberg zu dieser Zeit Kreisstadt war, fiel die Wahl für die zu bebauende Fläche auf die noch immer unbebaute Südseite des Marktplatzes der Stadt.

Es entstand ein dreigeschossiger, rechteckiger Skelettbau mit Fensterbändern und vorgehängter Betonplattenbekleidung, der die gesamte Südseite des Marktplatzes einnahm. 1972 wurde Richtfest gefeiert. Noch vor der endgültigen Fertigstellung des Gebäudes entschied man sich, dieses nicht wie geplant für die Kreisverwaltung zu nutzen, sondern als Arbeiterwohnheim (AWH) für Fachkräfte für die in unmittelbarer Nähe angesiedelten Großbetriebe wie das Gaskombinat Schwarze Pumpe oder dem Bau- und Montagekombinat Welzow (BMK Welzow). Am 29. April 1974 fand die offizielle Übergabe des AWH statt. In den folgenden Jahren bis in das Jahr 2006 wurde das Gebäude dann auf die unterschiedlichste Weise genutzt. Zuletzt zum Beispiel als örtliche Zentrale einer großen Volkspartei, als Sportstudio, aber auch in Teilen als Fremdenverkehrsbüro der Stadt.

Erster Umbau Planung und Bau mini|Umbau zum Bürgerhaus mini|Bürgerhaus Spremberg 2008 Im Jahr 2002 wurde entschieden, die Marktplatz-Südseite völlig neu zu gestalten. Ein zunächst erwogener Abriss des bestehenden Gebäudes wurde aus zwei wichtigen Gründen dann jedoch nicht weiterverfolgt: Erstens befanden sich unter dem Gebäude, durch die erste vorgesehene Nutzung, Kellerräume, die als Bunker konzipiert und in Teilen so ausgeführt worden waren. Ein Abriss dieser würde nicht nur äußerst zeitintensiv, sondern vor allem kostspielig sein. Zweitens würde laut der gültigen Förderrichtlinie des Landes Brandenburg lediglich ein Umbau, nicht aber ein Neubau an dieser Stelle gefördert. Im März 2003 wurde die Altstadtsanierungsgesellschaft (ASG) damit beauftragt, eine Quartiersplanung (Umbau AWH, Anlage für einen Bürgergarten, Umgestaltung angrenzende Töpferstraße, Neugestaltung der entstehenden Freiflächen) zu erstellen.

Im Jahr 2004 schrieb die Stadt Spremberg einen bundesweiten Architektenwettbewerb zum Umbau des AWH aus. Die dabei durch eine eigens einberufene Fachjury gekürten Siegerentwürfe stießen dabei jedoch in der Bevölkerung der Stadt auf massive Ablehnung, so dass man sich seitens der Stadt gezwungen sah, den Wettbewerb im November 2005 erneut als offenen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Auch der zweite Wettbewerb war von ähnlichen Problemen wie die vorangegangene Ausschreibung begleitet. Von den letztendlichen drei Siegerentwürfen entsprach keines den gemachten Vorgaben des Auftraggebers, der Stadt Spremberg. Da aber eine erneute Ablehnung auch die Gefahr barg, die Förderung des Landes Brandenburg zu verlieren, entschied die Stadtverordnetenversammlung am 4. Juli 2006, den Entwurf des regionalen Architektenbüros „Keller & Wittig“ aus Cottbus umzusetzen. Der angesetzte Kostenrahmen sollte ohne nutzungsspezifische Ausbaukosten des Gebäudes und ohne angedachte Freiflächengestaltung 1,65 Millionen Euro betragen. Besonderen Wert legte der Auftraggeber auch auf die Installation eines intelligenten Gebäudeautomatisierungssystems sowie eines innovativen Heizungssystems. Ziel war, „....das Gebäude (ist) zu sanieren und dabei die Bedeutung des ehemaligen Rathauses am Marktplatz hervorzuheben, sich von großmaßstäblichen Planungen der achtziger Jahre zu verabschieden, den Maßstab der historischen Bebauung wieder aufzunehmen und die historischen Wegebeziehungen aufzuzeigen.“

mini|links|Bürgerhaus Spremberg 2008 Am 7. März 2007 erhielt die Stadt Spremberg die offizielle Um- und Ausbaugenehmigung für das ehemalige AWH. Am 25. April 2007 war offizieller Baubeginn.Baustart am AWH In: LR-Online. 26. April 2007. Zuerst wurde das bestehende Gebäude vollständig entkernt, die oberen beiden Geschosse abgetragen und der Rest des Gebäudes bis auf seinen Stahlbetonrahmen und Stahlbetondecken zurückgebaut. Bei der Entkernung wurde auf die vorhandene „Kunst am Bau“ nur begrenzt Rücksicht genommen. Während ein am Ostgiebel des Gebäudes angebrachtes großflächiges Emaille-Mosaik des regionalen Künstlers Georgios Wlachopulos geborgen und eingelagert wurde, zerstörte und beseitigte man ein am Ostgiebel angebrachtes Fliesen-Mosaik des regionalen Künstlers Horst Ring unwiederbringlich.Ein Stück Lebensarbeit kaputt In: LR-Online. 19. Januar 2008.

Durch den enormen Zeitdruck, gemachte Zugeständnisse, aber auch Planungsfehler kam es während der Bauphase immer wieder zu Kostenerhöhungen der im April 2007 ursprünglich veranschlagten Bausumme (für das Gesamtquartier Bürgerhaus, Bürgergarten und angrenzender Töpferstraße) von 4,4 Millionen Euro. Im November 2007 rechnete man mit 5,6 Millionen Euro, im April 2008 bereits mit 6,2 Millionen Euro.Bürgerhaus, Kosten für Bürgerhaus steigen In: LR-Online. 4. April 2008. Aber auch völlig unvorhergesehene Dinge brachten den gestellten Zeitplan durcheinander. So musste zum Beispiel die Ausschreibung der Fenster wiederholt werden, da auf die erste Ausschreibung kein Anbieter ein Los abgegeben hatte.

Am 26. Oktober 2007 wurde Richtfest gefeiert. Am 5. Mai 2008 wurde durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass das ehemalige AWH nach seiner Fertigstellung, dem Willen der Einwohner folgend, Bürgerhaus heißen soll. Am 27. September 2008 wurde das Bürgerhaus mit der 40. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung feierlich eingeweiht. Im Bürgerhaus befanden sich bis zum Leerzug 2020 unter anderem das Bau- und Planungsamt der Stadt, der Ratssaal, die Touristinformation sowie ein Backshop.

Vor ihrer 2. Sitzung im neuen Ratssaal wurden durch Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung Mängel an der technischen Ausstattung, den technischen Möglichkeiten, sowie an der Enge der Räumlichkeiten in dem von ihnen geforderten und dessen Vorgaben gebauten Ratssaal öffentlich gemacht. Die Sitzungen wurden daraufhin bis zur Beseitigung der Mängel an den alten Sitzungsort, dem Spremberger Bergschlösschen verlegt.Bürgerhaus Spremberg, Rückkehr ins Bergschlösschen. In: LR-Online. 15. Dezember 2008. Am 25. März 2009 kehrte die Spremberger Stadtverordnetenversammlung in den neuen Ratssaal zurück, nachdem für noch einmal 50.000 EUR Unzulänglichkeiten beseitigt und neue Kameratechnik zur Übertragung der Stadtverordnetenversammlungen im örtlichen Stadtkanal installiert wurden.

In der 28. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im Mai 2012 werden die Gesamtkosten der Umgestaltung des ehemaligen AWH zum „Bürgerhaus Spremberg“ mit 6.223.653 Euro angegeben.

Baumängel mini|Bürgerhaus im Dezember 2017

Wenige Monate nach Übergabe des Bürgerhauses gab es bereits Probleme am Bau, deren Ursachen in einer unsachgemäßen Bauausführung liegen könnten. Im Jahr 2011 beantragte die Stadt Spremberg deshalb mehrere Beweissicherungsverfahren beim Landgericht Cottbus.Kein Fortschritt beim Bürgerhaus-Dilemma. In: LR-Online. 15. November 2013.

In einem Artikel der örtlichen Presse wird im Mai 2015 darüber berichtet, dass die Schäden am Bürgerhaus so gravierend seien, dass dieses nach nur sieben Jahren umfassend saniert werden müsse. Hauptkritikpunkt bildet dabei eine „unsichtbar“ verlegte Dachentwässerung, durch die es bei Starkregen immer wieder zu Feuchtigkeitsproblemen innerhalb des Gebäudes kommt.Streit um Spremberger Bürgerhaus. In: LR-Online. 29. Mai 2015.Streit um Bürgerhaus bald beendet?. In: LR-Online. 4. Juni 2015. Bis zur Beendigung des Rechtsstreits zwischen der Altstadtsanierungsgesellschaft (ASG) und dem verantwortlichen Architektenbüro können jedoch keine Schritte zur Beseitigung der Mängel veranlasst werden.

Am 22. Juni 2017 wird in einem Presseartikel der Lausitzer Rundschau berichtet, dass sich die ASG und das ausführende Architektenbüro auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt haben. Details darüber werden jedoch nicht genannt, lediglich die Zahlung einer bestimmten Summe des Architektenbüros an die Stadt Spremberg wird erwähnt. Sämtliche Besprechungen und Diskussionen über diesen Rechtsstreit wurden stets im nichtöffentlichen Teil der Stadtverordnetenversammlung behandelt. Durch diese Einigung ist es der Stadt Spremberg nun möglich, die dringende Reparatur der entstandenen Feuchtigkeitsschäden zu veranlassen.Bürgerhaus Schaden bleibt offen. In: LR-Online. 22. Juni 2017.

Im Dezember 2017 wurde durch die Fraktion „Die neue Generation“ angeregt, einen Komplettabriss des Bürgerhauses in Betracht zu ziehen. Grund dafür war, dass im Haushalt für das Jahr 2018 bereits etwa 500.000 Euro eingestellt werden mussten, die etwa ein Drittel der Kosten ausmachen, die eine dringend erforderliche Instandsetzung der gröbsten Mängel am Bürgerhaus kosten würde. Die veranschlagten Gesamtkosten dieser Maßnahme werden mit ca. 1,5 Millionen Euro beziffert.Stadtparlament debattiert über Restaurierung des Bürgerhauses am Markt. In: Märkischer Bote 15. Dezember 2017.

Gravierende Mängel am Gebäude/Leerzug mini|Sicherungsmaßnahmen am Bürgerhaus Spremberg

Im Mai 2019 wurde mit Untersuchungen begonnen, welche Schäden am Bauwerk durch die seit Jahren eindringende Feuchtigkeit entstanden sind. Beim Öffnen der Fassade wurden massiver Pilzbefall an der Holzkonstruktion festgestellt. Es handelt sich dabei um Hausporling und den Weißen Porenschwamm. Eine Beseitigung wird von Fachleuten als aufwendig und schwierig eingestuft. Mitarbeiter der Stadtverwaltung die in angrenzenden Büros arbeiten, werden wegen nicht auszuschließender Gesundheitsgefahr andere Büroräume zugewiesen.Zwei Pilzarten im Bürgerhaus-Holz . In: LR-Online 10. Mai 2019. Sämtliche Kosten für die Sanierung trägt, wegen des im Jahr 2017 zwischen der Stadt und dem Architekturbüro geschlossenen Vergleichs, die Stadt Spremberg.