mini|Arthus Quellinus, Andries de Graeff, Marmorbüste, Rijksmuseum Amsterdam Unterschrift: rahmenlos|centre
Andries de Graeff (* 19. Februar 1611 in Amsterdam; † 30. November 1678 ebenda), Ritter des Heiligen Römischen Reichs,Nederlands adelsboek 1914, S. 15 war ein Regent und Bürgermeister von Amsterdam und holländischer Staatsmann des Goldenen Zeitalters.
Er entstammte dem Geschlecht De Graeff, welches gemeinsam mit der verschwägerten Familie Bicker die politische Macht in Amsterdam, Holland, und letztlich in der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen innehatte.Biografie von Andries Bicker in der DBNL In der Ersten Statthalterlosen Periode war Andries de Graeff gemeinsam mit seinem Bruder Cornelis de Graeff einer der einflussreichsten republikanisch und staatsgesinnten Regenten der Republik und ein Gegner der politischen Ambitionen des Hauses Oranien. ()
Andries de Graeff war einer der führenden Persönlichkeiten, die einen Beendigung des Achtzigjährigen Krieges zwischen den Vereinigten Niederlanden und dem Königreich Spanien anstreben.Amsterdam: a brief life of the city. Von Geert Mak, Harvill Press (1999), Seite 123 Dieser vollzog sich 1648 beim Frieden von Münster.Oliver Krause: Die Variabilität frühneuzeitlicher Staatlichkeit. Die niederländische „Staats“-Formierung der Statthaltosen Epoche (1650–1672) als interkontinentales Regiment (Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018)Buitenplaatsen in de Gouden Eeuw: De rijkdom van het buitenleven in de Republik. Herausgegeben von Y. Kuiper, Ben Olde Meierink, Elyze Storms-Smeets, S. 71 (2015) Nach seines Bruders Tod im Jahr 1664 übernahm er die Leitung der Fraktion De Graeff und setzte dessen liberale, auf Ausgleich bedachte Politik fort.Pieter C. Vies: (PDF; 2,7 MB) Seine politische Haltung war charakteristisch für seine Familie: Einerseits Libertin und staatsgesinnt, andererseits, wenn auch nur bedingt, loyal gegenüber den Oraniern.Pieter C. Vies: (PDF)
De Graeff war des Weiteren im Namen der Stadt Amsterdam Ambachtsherr von Urk und Emmeloord.
Leben und Werk Gesellschaftspolitischer Hintergrund Im Laufe des Goldenen Zeitalters der Niederlande standen die Mitglieder der Familie De Graeff in harscher Kritik zum sich immer mehr ausbreitenden Einfluss des Hauses Oranien-Nassau. Gemeinsam mit den führenden republikanischen Staatsmännern, den Gebrüdern Bicker und den De Witt, waren sie für eine Aufhebung der Statthalterschaft, zumindest in der Provinz Holland. Weiters beanspruchten sie den Erhalt einer (ihrer) Souveränität als Stadtregenten.
Familie De Graeff Andries de Graeff wurde 1611 als jüngster Sohn des Amsterdamer Regenten (übergeordneter Begriff für Bürgermeister sowie Mitglied der Stadtregierung) Jakob Dircksz de Graeff und von Aaltje Boelens Loen im „Huis De Keyser“ (benannt nach der außerhalb des Gebäudes angebrachten „Keizerskroon“) geboren. Seine Mutter war eine Ur-Urenkelin des bedeutenden spät mittelalterlichen Amsterdamer Stadtregenten Andries Boelens. Einer seiner älteren Brüder war Cornelis de Graeff, der bedeutende Staatsmann und Amsterdamer Regent. Sein Vater war von freidenkender, republikanischer Gesinnung, aber auch für seine Ruhmsüchtigkeit bekannt.Pieter C. Vies: (PDF) Er war einer der führenden Remonstranten und staatsgesinnten Patrizier,Google Buchsuche: Geschiedenis van Holland, Teil 2, Band 2, von Eelco Beukers der trotzdem kein prinzipieller Anti-Orangist (Haus Oranien) war. Er hielt das Erbe seines Vaters Dirck Jansz Graeff, das diesen freundschaftlich mit Wilhelm dem Schweiger von Oranien verband, in Ehren. Die jungen De Graeffs wurden durch diese antagonistische Haltung ihres Vaters in politischen Fragestellungen beeinflusst.
mini|150px|Elisabeth Bicker van Swieten, Ehefrau des Andries de Graeff
Zu De Graeffs Verwandten gehörten Hollands großer Literat Pieter Corneliszoon Hooft, die bestimmenden Amsterdamer Bürgermeister Andries, Cornelis, Johan Bicker, Frans Banning Cocq, Johan Huydecoper van Maarsseveen (GroßcousinRembrandt's Universe: His Art, His Life, His World, Seite 193, von Gary Schwarz (Thames & Hudson, 2006)) sowie Hollands Ratspensionär Johan de Witt und dessen Bruder Cornelis de Witt. Er selbst ehelichte wohl im Jahr 1649 seine Großnichte Elisabeth Bicker van Swieten (1623–1656; Tochter seines Cousins Cornelis Bicker), mit der er vier Kinder hatte: Cornelis de Graeff, Reichsritter (1650–1678), verheiratet 1675 mit Agneta Deutz (Tochter von Cornelis’ Onkel, dem bedeutenden Financier Jean Deutz und seiner durch Verwandtschaft mehrfachen Tante Geetruida BickerJohan Engelbert Elias, De Vroedschap van Amsterdam, 1578-1795, Deel 1, Seite 632); sie verstarben einen Tag nach dem Frieden von Nimwegen. Alida de Graeff, Vrijvrouwe der Hohen Herrlichkeit Jaarsveld (1651–1738), verheiratet 1678 mit Diederik (Theodorus) van Veldhuyzen, Herr von Heemstede (1651–1716), Stadtregent von Utrecht, Präsident und Ratsherr der Staaten von Utrecht Arnoldina (Aertje) de Graeff, Vrijvrouwe von Jaarsveld (1652–1703), verheiratet 1681 mit Transisalanus Adolphus Baron van Voorst tot Hagenvoorde van Bergentheim, Vrijheer von Jaarsveld, Mitglied der Ritterschaft von Holland, Vertrauter und Hofmeister von Wilhelm III. und Leutnant-Statthalter von Gorinchem Jakob de Graeff, früh verstorben
Andries de Graeff war auch versucht, seine Kinder mit Personen diverser gesellschaftlicher Kreise zu verheiraten. Die Ehen seiner Töchter, besonders die drei Jahre nach seinem Ableben zustandegekommene Ehe von Arnoldina mit Baron Van Voorst, zeigten auch nach seinem politischen Ende eine bewusste Annäherung an das oranische Lager in der Republik. Andries de Graeff war auch wohl nicht so antiorangistisch, wie es seine Politik vermuten lässt.Pieter C. Vies: (PDF) Der Historiker Rob van der Laarse beschaut diese beiden Verbindungen, diese bewusste Annäherung an das oranische Lager, aber als gezwungene Ehen.De 500 Rijksten van de Republiek: Rijkdom, geloof, macht en cultuur, von Kees Zandvliet (siehe #16, Johan de Graeff)
Feudalität Im Jahr 1627 erbte Andries de Graeff das Gut Vredenhof (nahe Voorschoten) von seinem Onkel Jan Dircksz Graeff (?–1627). Dort hatte er das herrschaftliche Recht, Schwäne zu züchten inne.Burgemeesters van Amsterdam in de 17e en 18e eeuw, von J. F. L. de Balbian Verster und Jan François Leopold Balbian Verster, Seite 60
De Graeff kaufte auch große Gründe in der Gegend von Oud-Naarden (Naarden) und baute so sein Landgut Graeffenveld. Er ließ dort einen Hügel errichten, den Venusberg, auf dessen Spitze eine Löwenstatue errichtet wurde, und der damals Leeuwenberg hieß.'t Graeveveldt. Valkeveenselaan 56, Naarden
1660 erhielt De Graeff das Ambachtslehen Urk und Emmeloord von den Staaten von Holland im Namen der Stadt Amsterdam.Amsterdam, in zyne opkomst, aanwas, geschiedenissen, voorregten ..., Band 1, p 299, by Jan Wagenaar Seltsamerweise erhielt er das Lehen als Erblehen (tot eenen erfleenen binnen nach zusters kindt, niet te versterven, ende althoos te commen op den oudsten ende naesten, alzoo wel van manhooft als van wijfhoofde).Geschiedenis van het eiland Urk, Cornelis de Vries, Dr. fa. P. Zalsman, p 190 (1962) Er hatte diese Verwaltung bis zum Rampjaar 1672 inne.
Wappen Das Stammwappen [welches er von seinem Vater übertragen bekam] von Andries de Graeff ist geviert und zeigt in den Wappenfeldern 1 und 3 die silberne Schaufel (Spaten) auf rotem Grund der Herren von Graben und in den Wappenfeldern 2 und 4 die silbernen Falken die für das Gut Valckeveen (Valkenburg) stehen. Nach dem Tod seines Onkels Pieter Dircksz Graeff im Jahre 1645 erbte er dessen Gut Vredenhof bei Voorschoten. Er führte nun anstatt der Falken in den Wappenfeldern 2 und 3 die silbernen Schwäne auf blauem Grund. Der Schwan im Wappenfeld 2 steht für die herrlichen Rechte von Vredenhof. Dort hatte die Familie unter anderem das grundherrliche Privileg Schwäne zu züchten inne,Google Buchsuche: De werken van Vondel in verband gebracht met zijn leven, en voorzien van ... Von Joost van den Vondel. S. 245 und 246 ein Recht, das Andries de Graeff 1648 den Grafen von Ligne aus der Masse der konfiszierten Besitzungen der Familie Van Wassenaer abkaufte.Buitenplaatsen in de Gouden Eeuw: De rijkdom van het buitenleven in de Republik. Herausgegeben von Y. Kuiper, Ben Olde Meierink, Elyze Storms-Smeets, Seite 83 (2015) Der zweite Schwan im Wappenfeld 3 ist ein Erbe von Volkert Overlander [der auch Schwiegervater von Andries Bruder Cornelis de Graeff war], seit 1618 Herr der Hohen Herrlichkeit Purmerland und Ilpendam, der 1620 auch dieses Wappenbild in seinem englischen Adelsbrief verliehen bekam. Dieser „Holländische resp. Egmondsche“ Schwan rührt von den Grafen von Egmond, die von 1483 bis 1582 Besitzer dieser Herrlichkeit waren (diesen Schwan führte hernach auch Overlanders Schwiegersohn und Erbe sowie De Graeffs Schwager Frans Banninck Cocq).Buitenplaatsen in de Gouden Eeuw: De rijkdom van het buitenleven in de Republik. Herausgegeben von Y. Kuiper, Ben Olde Meierink, Elyze Storms-Smeets, Seite 83 (2015) 1677 wurde De Graeffs Wappen durch den Erwerb der Reichsritterschaft mit einer Laubkrone versehen, und auch die beiden Schaufeln im Wappen wurden hiermit behängt.Reichsritterdiplom vom 19. Juli 1677 für Andries de Graeff und dessen Sohn Cornelis (Österreichisches Staatsarchiv, Wien)
Gesellschaftspolitisches Erbe 150px|mini|left|Übersicht über die maßgeblichen Familienbeziehungen der Amsterdamer Oligarchie um die Geschlechter Boelens Loen, De Graeff, Bicker (van Swieten), Witsen sowie Johan de Witt im Goldenen Zeitalter.
Andries' Bruder Cornelis de Graeff sagte, dass die alten Amsterdamer keine Gewohnheit hatten, genealogische Aufzeichnungen über ihre Familien zu führen, und über die vorherigen Generationen nicht mehr wussten als das, was sie von ihren Vätern und Großvätern gelernt haben. Die Daten seiner eigenen Familie in Amsterdam reichen nicht sehr weit zurück: Und zunächst beginne ich mit der Familie der Graven, von der ich väterlicherseits abstamme. Dies ist eine Familie aus Amsterdam, die aus dem Haus 'de Keijser' stammt, das sich am Waeter befand (= jetzt Damrak Nr. 91). Dieses Haus zeigt den Eindruck seines gewölbten Aussehens, im Besitz von Jan Pieters de Graeff und dann von Dirck Jans de Graeff, der dieses Haus auch verkaufte. Auch mein Vater Jacob de Graeff und seine Brüder wurden hier geboren.DBNL, Amsterdamse burgemeesters zonder stamboom. De dichter Vondel en de schilder Colijns vervalsen geschiedenis, by S.A.C. Dudok van Heel, p 146 (1990)
Die Familie De Graeff hat daher nie mit dem Alter ihrer eigenen Familie in Amsterdam geprahlt. Aber Andries und sein Bruder Cornelis de Graeff sahen sich zusammen mit ihren Cousins Andries und Cornelis Bicker als politische Erben der alten Regentenfamilie Boelens an, deren katholisch gebliebene Hauptlinie 1647 in männlicher Linie ausgestorben war. Sie hatten von ihren Boelens-Vorfahren die sehr bedeutsamen Vornamen „Andries“ und „Cornelis“ erhalten. Wie in einer echten Dynastie heirateten im 17. Jahrhundert häufig Mitglieder der Familien Bicker und De Graeff, um ihr politisches und wirtschaftliches Kapital zusammenzuhalten. Cornelis’ großer historischer Vorfahre war Andries Boelens (1455–1519), der einflussreichste mittelalterliche Bürgermeister der Stadt. Beide Familien, De Graeff und Bicker, stammen in weiblicher Linie von Boelens ab. Er durfte fünfzehn Mal das Bürgermeisteramt von Amsterdam bekleiden.DBNL, Amsterdamse burgemeesters zonder stamboom. De dichter Vondel en de schilder Colijns vervalsen geschiedenis, von S.A.C. Dudok van Heel, Seite 147 (1990)
Politische Karriere Schritte in die Politik, Friede von Münster Andries de Graeff beendete 1634 sein Studium des Rechtswesens in Poitiers.Burke, P. (1974) Venetië en Amsterdam. Een onderzoek naar de elites in de zentiende eeuw. 1646 wurde er Schöffe (niederländisch: schepen) und Mitglied der Vroedschap von Amsterdam, wobei er die letzte Funktion bis 1650 behielt.