Die 22. Vierschanzentournee 1973/74 fand zwischen dem 30. Dezember 1973 und dem 6. Januar 1974 in den deutschen Orten Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sowie in den österreichischen Wintersportzentren Innsbruck und Bischofshofen statt. Tourneesieger wurde der DDR-Springer Hans-Georg Aschenbach. Die DDR stellte das erfolgreichste Team, das neben Aschenbach noch vier weitere Springer unter die ersten Zehn brachte. Der gastgebende deutsche Skiverband hatte mit Alfred Grosche (7.) einen Aktiven in den Top 10, während die Österreicher leer ausgingen.
Nominierte Athleten Olympiasieger 1972: Normalschanze Yukio Kasaya (JPN); Großschanze Wojciech Fortuna (POL)
Die Tournee war die erste große Standortbestimmung vor den Nordischen Skiweltmeisterschaften, die im Februar 1974 im schwedischen Falun stattfanden. Daher nahmen alle führenden Skisprungnationen teil und insgesamt kamen 99 Springer zum Einsatz. Zu den Favoriten waren an erster Stelle die Springer aus der DDR zu zählen. Mit Rainer Schmidt stand der Vorjahrestourneesieger, mit Hans-Georg Aschenbach der amtierende Skiflugweltmeister von 1973 und Vorjahreszweite im Aufgebot. Hinzu kamen mit Dietrich Kampf und Heinz Wosipiwo weitere leistungsstarke Springer. Auch die tschechoslowakische Mannschaft mit den Altmeistern Raska und Matous sowie Rudolf Höhnl war zum Favoritenkreis zu zählen. Des Weiteren waren die Schweizer Schmid und Steiner und die sowjetische Mannschaft um den erfahrenen Gari Napalkow zu beachten. Bei den Japanern hatte der Rücktritt von Olympiasieger Kasaya eine große Lücke hinterlassen, allerdings hatte man mit dem Olympiazweiten Konno noch einen ernst zu nehmenden Springer mit an Bord. Sorgen gab es hingegen bei den großen Skisprungnationen wie Norwegen, Finnland, aber auch Österreich. Nachdem der letzte norwegische Tourneesieger Ingolf Mork 1972 seine Karriere beendet hatte, war kein neuer Wirkola in Sicht. Die Finnen versuchten, jungen Springern Erfahrungen zu ermöglichen, mit Tauno Käyhkö hatte man zumindest einen Spitzenspringer an Bord. Die Österreicher um Altmeister Reinhold Bachler suchten bei der Tournee schon seit Jahren nach Erfolgserlebnissen. Um eine neue Springergeneration aufzubauen, feierte in Garmisch der damals erst 15-jährige Toni Innauer sein Tourneedebüt. Nation Athleten Alfred Grosche, Ernst Wursthorn, Bernd Zapf, Klaus Boll, Toni Angerer, Rudi Tusch, Sepp Schwinghammer, Peter Dubb Henry Glaß, Rainer Schmidt, Heinz Wosipiwo, Hans-Georg Aschenbach, Dietrich Kampf, Bernd Eckstein, Jochen Danneberg, Dietmar Aschenbach Reinhold Bachler, Walter Schwabl, Rudi Wanner, Willi Pürstl, Hans Wallner, Hans Millonig, Sepp Gratzer, Toni Innauer, Walter Habersatter, Karl Schnabl Georgi Lasev, Tascho Sterev, Georgi Geliov, Ivan Schopov Kari Ylianttila, Esko Rautionaho, Jouko Törmänen, Tauno Käyhkö Gilbert Poirot, Jacques Gaillard, Yvan Richard, James Yerrly, Jean François Jacoberger Ermis Bontempelli, Lido Tomasi, Sandro Dalle Ave, Maurizio Duennhofer Hisayoshi Sawada, Akitsugu Konno, Kazuhiro Akimoto, Takao Itō, Hiroshi Itagaki, Masakatsu Asari, Yūji Katsuro Peter Štefančič, Janez Jurman, Marian Prelovsek, Branko Dolhar, Danilo Pudgar, Marjan Mesec Peter Wilson, Tom Reaper, Richard Graves, Knut Nordle, Richard Grady Odd Grette, Johan Sætre, Bjarne Næs, Arnfinn Henden Tadeusz Pawlusiak, Adam Krzysztofiak, Wojciech Fortuna, Czesław Janik, Stanisław Bobak Rolf Nordgren, Christer Karlsson, Anders Lundqvist, Thomas Lundgren, Lennart Elimä Hans Schmid, Walter Steiner, Ernst von Grünigen, Josef Bonetti, Sepp Zehnder, Eric Aubert Juri Kalinin, Wladimir Frolov, Gari Napalkow, Alexander Karapusow, Wladimir Napylow, Sergei Botschkow Jiří Raška, Leoš Škoda, Rudolf Höhnl, Jaromír Liďák, Josef Matouš, Karel Kodejška, Jerry Martin, Ron Steele, Arne Haugen, Jay Rand, Greg Windsperger, Jeff Wright
Oberstdorf Datum: 30. Dezember 1973 Land: Schanze: Schattenbergschanze Zuschauer: 10.000
Mit einem Paukenschlag begann bei strahlendem Sonnenschein das Auftaktspringen. Mitfavorit Hans-Georg Aschenbach aus der DDR gewann mit dem bis dahin größten, je bei einem Tourneespringen erreichten Vorsprung von über 20 Punkten souverän vor seinem Mannschaftskollegen Heinz Wosipiwo und dem Schweizer Hans Schmid. Dabei sprang Aschenbach im ersten Durchgang neuen Schanzenrekord von 110 m. Dies bewog die Jury dazu, den Anlauf im zweiten Durchgang um zwei Meter zu verkürzen. Dadurch sprangen nun alle Springer im Schnitt mindestens zehn Meter kürzer. Dennoch erreichte Aschenbach mit 99 m auch im zweiten Durchgang die höchste Weite, was zum ungefährdeten Sieg führte. Die zweithöchste Tagesweite von 108 m erzielte Mannschaftskollege Dietrich Kampf, er konnte sie allerdings im Auslauf nicht stehen. Mit einem 94-m-Sprung kämpfte er sich aber noch von Platz 58 auf Platz 22 vor. Etwas überraschend kamen mit Rautionaho und Ylianttila zwei Finnen unter den ersten Zehn ein. Auch der siebente Platz von Alfred Grosche von der bundesdeutschen Mannschaft zählte zu den positiven Überraschungen.Berliner Zeitung vom 31. Dezember 1973, S. 6. Am Rande des Springens führte Werner Herzog Dreharbeiten für seinen Dokumentarfilm Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner durch. Darin wird auch darauf eingegangen, dass Walter Steiner mit einer erst zwei Wochen zuvor erlittenen Verletzung an den Start ging. Pos. Springer Land Punkte 1 Hans-Georg Aschenbach 245,1 2 Heinz Wosipiwo 225,0 3 Hans Schmid 222,8 4 Esko Rautionaho 221,3 5 Juri Kalinin 218,9 6 Kari Ylianttila 217,8 7 Alfred Grosche 217,3 8 Stanisław Pawlusiak 211,8 9 Jochen Danneberg 210,5 10 Hisayoshi Sawada 210,4
Garmisch-Partenkirchen Datum: 1. Januar 1974 Land: Schanze: Große Olympiaschanze Zuschauer:25.000 Das Neujahrsspringen war von zwei Protagonisten geprägt, dem Schweizer Walter Steiner und dem Oberstdorf-Sieger Hans-Georg Aschenbach aus der DDR. Beide sprangen vor allem stilistisch in einer eigenen Liga, wobei der Schweizer am Ende mit 1,5 Punkten Vorsprung das Springen für sich entschied. Fast noch spannender war allerdings das Ringen um den dritten Platz. Am Ende lagen zwischen Platz drei und zehn nur etwas mehr als drei Punkte und der nach dem ersten Durchgang noch Zehntplatzierte Dietrich Kampf fing mit der Tageshöchstweite von 95,5 m den Schweizer Schmid noch ab. Mit hauchdünnen 0,2 Punkten Vorsprung belegte Kampf den dritten Platz. Das starke Auftreten der DDR-Mannschaft wurde noch durch die Plätze fünf, sechs und neun komplettiert. Auch Alfred Grosche konnte mit einem starken achten Platz erneut überzeugen. Sein Tourneedebüt gab der erst 15-jährige Österreicher Toni Innauer. In der Gesamtwertung baute Aschenbach seine Führung aus, dahinter lagen fast gleichauf die zwei starken Schweizer Vertreter Schmid und Steiner. Alfred Grosche belegte zur Halbzeit einen respektablen fünften Platz.Berliner Zeitung vom 2. Januar 1974, S. 11. Zwischenstand nach 2 Springen Pos. Springer Punkte1.Aschenbach484,52.Schmid450,53.Steiner449,04.Wosipiwo444,95.Grosche442,56.Danneberg435,3
Pos. Springer Land Punkte 1 Walter Steiner 240,9 2 Hans-Georg Aschenbach 239,4 3 Dietrich Kampf 227,9 4 Hans Schmid 227,7 5 Henry Glaß 227,3 6 Bernd Eckstein 226,7 7 Tauno Käyhkö 226,3 8 Alfred Grosche 225,2 9 Jochen Danneberg 224,8 10 Gari Napalkow 224,1
Innsbruck Datum: 2. Januar 1974 Land: Schanze: Bergiselschanze Zuschauer:22.468 Vor Rekordkulisse fand das letzte Springen auf der Bergiselschanze statt, bevor sie für die Olympischen Winterspiele 1976 erweitert wurde. Und einmal mehr lebte es vom Duell der DDR-Springer mit den Schweizern Schmid und Steiner. Hans-Georg Aschenbach war dabei wieder das Maß der Dinge und führte bereits nach dem ersten Durchgang trotz geringerer Weite durch seine sehr guten Haltungsnoten von durchgängig 19 Punkten. Diese Leistung konnte er auch im zweiten Durchgang wiederholen. Hans Schmid sprang zwar in jedem Durchgang einen Meter weiter als Aschenbach, verlor aber durch die schlechteren Haltungsnoten letztlich 6,7 Punkte auf den Thüringer. Erstmals zeigten auch die Tschechoslowaken mit Rudolf Höhnl auf Platz sechs und die Österreicher mit Reinhold Bachler auf Platz sieben, dass sie zu guten Leistungen in der Lage waren. In der Gesamtwertung bot sich auf den vorderen drei Plätzen das gewohnte Bild. Mit einem elften Platz in Innsbruck rückte Alfred Grosche zwischenzeitlich sogar auf den vierten Platz der Gesamtwertung vor.Neues Deutschland vom 4. Januar 1974, S. 4. Pos. Springer Punkte1.Aschenbach735,82.Schmid695,13.Steiner691,94.Grosche673,65.Eckstein672,66.Glaß666,6 Pos. Springer Land Punkte 1 Hans-Georg Aschenbach 251,3 2 Hans Schmid 244,6 3 Walter Steiner 242,9 4 Henry Glaß 240,5 5 Bernd Eckstein 239,2 6 Rudolf Höhnl 236,6 7 Reinhold Bachler 236,0 8 Juri Kalinin 235,7 9 Dietrich Kampf 235,6 10 Stanisław Pawlusiak 234,5
Bischofshofen Datum: 5. Januar 1974 Land: Schanze: Paul-Außerleitner-Schanze Vor dem letzten Springen war der Tourneesieg an sich schon vergeben, viele erwarteten daher eher Sicherheitssprünge des führenden Hans-Georg Aschenbach. Letztlich war es aber dennoch eine spannende Konkurrenz, die von einem neuen Schanzenrekord gekrönt wurde. Mann des Tages war aber diesmal Aschenbachs Mannschaftskollege Bernd Eckstein, der im ersten Durchgang mit 106 m den neun Jahre alten Schanzenrekord von Dalibor Moteljek um 1,5 m übertraf. Nur der Schweizer Walter Steiner, bis dahin Gesamtdritter, konnte mit 103,5 bei schlechteren Haltungsnoten einigermaßen folgen. Die Dominanz der DDR-Springer zeigte sich derart, dass der vier nach dem ersten Durchgang unter den besten Fünf zu finden waren. Nachdem für den zweiten Durchgang der Anlauf um zwei Meter verkürzt wurde, konnte der Schweizer Walter Steiner mit 100 Metern noch mal Boden gut machen, am Ende reichte es aber nur für Rang zwei hinter Eckstein. Hans-Georg Aschenbach kam durch 100,5 m im zweiten Durchgang knapp dahinter noch Platz drei ein. Erstmals zeigte sich mit Odd Grette auch ein Norweger in den Top Ten, Altmeister Gari Napalkow erreichte auch nochmal eine Top-Ten-Platzierung. Mit Platz 14 war der Youngster Toni Innauer bester Österreicher. Durch den Tagessieg Ecksteins und den zehnten Platz des bis dahin gesamtzweiten Hans Schmid wurde auch die Gesamtwertung noch einmal gehörig durchgewirbelt.Neues Deutschland vom 6. Januar S. 8. Pos. Springer Land Punkte 1 Bernd Eckstein 237,4 2 Walter Steiner 235,7 3 Hans-Georg Aschenbach 235,0 4 Dietrich Kampf 230,0 5 Henry Glaß 227,3 6 Odd Grette 223,7 7 Gari Napalkow 221,7 8 Hiroshi Itagaki 219,3 9 Heinz Wosipiwo 218,5 10 Hans Schmid 214,7
Gesamtstand mini|Hans-Georg Aschenbach