mini|Profilansicht eines Basstölpels mini|Basstölpel bei der Balz, der Paarung und der Brut auf Helgoland mini|Nistende Basstölpel auf Helgoland mini|Basstölpel begrüßen sich
Der Basstölpel (Morus bassanus) ist ein gänsegroßer Meeresvogel aus der Familie der Tölpel. Innerhalb dieser Familie ist er die am weitesten im Norden brütende Art und die einzige, die auch in Europa brütet. Seit 1991 ist der Basstölpel auch Brutvogel auf Helgoland. Typisch für den Basstölpel sind große Kolonien, in der mehrere tausend Brutpaare ihr jeweiliges Junges heranziehen. Basstölpel präferieren für die Anlage ihrer Nester steile Felsinseln, die vor der Küste liegen.
Wie die meisten Tölpelarten hat der Basstölpel sich eine Nahrungsnische erschlossen, in der er nur mit wenigen anderen Arten konkurriert. Seine bevorzugten Beutefische sind fetthaltige Fische wie Heringe und Makrelen. Innerhalb der Ordnung der Suliformes entfernt er sich während seiner Nahrungssuche am weitesten von seiner Brutkolonie. Eine vergleichbare Flugleistung während des Nahrungserwerbs weist nur noch der Graufußtölpel auf. Der Basstölpel ist ein Stoßtaucher, der in schnellem Sturzflug ins Meer eintaucht, um so nach Fischen zu jagen. Zu seinen anatomischen Merkmalen gehört dementsprechend ein stromlinienförmiger Körper, lange schmale Flügel, ein in der vorderen Hälfte fein gezähnter Schnabel sowie große Schwimmfüße.
Name Die große Brutkolonie auf der vor der schottischen Küste gelegenen Felseninsel Bass Rock, die bereits 1448 in Schriftstücken erwähnt wurde, hat zu dem deutschen Begriff Basstölpel geführt.
Seefahrer bezeichneten Vögel dieser Familie auf Portugiesisch als „Bobo“ oder „Dummkopf“, weil die Seevögel gern auf Schiffen landeten und dort aufgrund ihrer Zutraulichkeit oft zur leichten aber schmackhaften Beute der Seeleute wurden. Auch in ihren Brutkolonien zeigen die Vögel kaum Furcht und sind deshalb sehr einfach zu fangen. Der Gattungsname Morus stammt vom altgriechischen moros, ebenfalls mit der Bedeutung dumm, tölpelhaft.
Von Bobo abgeleitet bürgerte sich in England zunächst für die Arten der Gattung Sula der Begriff „Booby“ ein. Dieser wurde 1750 von dem Danziger Ornithologen Jacob Theodor Klein als „Tölpel“ ins Deutsche übersetzt und hat sich zunehmend als Bezeichnung für die Familie dieser Ruderfüßer durchgesetzt.
Noch bevor sie sich auf Helgoland als Brutvogel niederließen, waren Basstölpel regelmäßig in den Gewässern rund um diese Insel sowie an den Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu beobachten. Entsprechend gibt es eine Reihe volkstümlicher deutscher Namen. Zu diesen zählen in Anlehnung an die bekannte Kolonie auf Bass Rock die Namen Tölpel von Bassan, bassanscher Tölpel oder Bassaner Pelikan. Der große und weiß gefiederte Vogel wurde sehr häufig als Gans bezeichnet und hieß dann entsprechend Bassaner Gans, schottische Gans oder Soland-Gans. Auch die im Englischen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung „northern gannet“ enthält den Stamm gan, der sich auch in Gander oder Gans findet. Wegen ihrer rauen Rufe wurden Basstölpel gelegentlich auch als Seeraben bezeichnet.Reinsch, 1969, S. 7, Nelson, 2002, S. XV – XVII und Nelson, 2005, S. 308.
Erscheinungsbild Körpergröße und Gefieder mini|Brütender Basstölpel mini|Jungvogel im dritten Kalenderjahr – auf der Körpervorderseite weist er bereits das Federkleid adulter Vögel auf Der Basstölpel ist die größte und schwerste Art unter den Tölpeln. Brütende Vögel wiegen zwischen 3 und 3,4 Kilogramm.Für eine ausführliche Darstellung aller relevanten Maße s. Reinsch, 1969 S. 15 und Nelson, 2005, S. 587. Der Vogel ist ca. 81 – 110 Zentimeter groß und die Spannweite liegt zwischen 165 und 180 Zentimeter. Der Schnabel ist von der Stirnbefiederung ab gemessen zwischen 9 und 11 Zentimeter lang. Ein Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist nicht feststellbar.
Adulte Basstölpel haben ein überwiegend reinweißes Körpergefieder. Ein Geschlechtsdimorphismus besteht beim Gefieder nicht. Das Gefieder ist wasserabweisend, was Basstölpeln erlaubt, sich für längere Zeit auf dem Meer schwimmend aufzuhalten. Sie fetten es mit der wachsartigen Absonderung der Öldrüsen ein, indem sie das Sekret entweder mit dem Schnabel im Gefieder verteilen oder ihren Kopf erst an der Öldrüse und dann am übrigen Gefieder reiben. Die Handschwingen und die Handdecken der langen schmalen Flügel sind bräunlich bis schwarz gefiedert. Der Kopf, der Nacken und die Seiten des Halses unterscheiden sich vom übrigen Körpergefieder durch einen je nach Individuum und Jahreszeit hellgelben bis kräftig dunkelgelben Farbton. Bei einzelnen Individuen kann diese Gelbfärbung vollständig fehlen. Am Kopf sind Zügel und Kinn nicht befiedert. Die sichtbare Haut weist eine schwarze Färbung auf und gibt den Basstölpeln einen markanten Gesichtsausdruck.
Da die Spitzen der Federn weiß sind, wirken Jungvögel, die gerade flügge werden, weiß gepunktet. Am Kopf und Rücken sind die weißen Tupfen dabei besonders dicht. Am Rückenende findet sich bei ihnen eine v-förmige weiße Stelle.Nelson, 2002, S. 9. Das Federkleid einjähriger Jungvögel kann dagegen nahezu vollständig braun sein. Da die Vögel im zweiten Lebensjahr zwei bis drei Mauserzyklen gleichzeitig durchlaufen, variiert bei älteren Jungvögeln die Farbe des Gefieders sehr stark. Jungvögel können auf der Körpervorderseite bereits das weiße Federkleid und die gelbliche Kopffärbung adulter Vögel zeigen, während sie auf dem Rücken noch ein überwiegend braunes Federkleid haben.Reinsch, S. 14f. Das Gefieder ausgewachsener Vögel zeigen sie erst ab einem Alter von fünf Jahren.
Die frisch geschlüpften Küken sind zunächst nackt und haben eine blauschwarz bis schwarz gefärbte Haut. Bis zum zweiten oder dritten Tag sind sogar ihre Augen vollständig oder teilweise geschlossen. Bis zur zweiten Lebenswoche ist ihnen ein weißes Dunenkleid gewachsen, das ihnen ein wolliges Aussehen verleiht.Reinsch, 1969, S. 61. Dieses Dunenkleid weicht bereits ab der fünften Lebenswoche allmählich einem dunkelbraunen und weißgefleckten Gefieder.
Weitere Merkmale des Erscheinungsbildes
Der Schnabel des Basstölpels ist lang, kräftig und konisch geformt. Er läuft in eine etwas nach unten gekrümmte Spitze aus. In der vorderen Hälfte verfügt er über scharfe Schneiden. Bei ausgewachsenen Basstölpeln ist der Schnabel blaugrau gefärbt und weist dunkelgraue bis schwarze Schnabelrillen auf. Bei frisch geschlüpften Küken ist der Schnabel grau und bei noch nicht geschlechtsreifen Jungvögeln weist er eine bräunliche Farbe auf.
Die Augen sind groß und nach vorn gerichtet. Die Iris ist hellblau bis hellgrau und außen von einem schwarzen dünnen Ring umgeben. Die vier Zehen sind wie bei allen Arten der Ordnung Suliformes zur Gänze mit Schwimmhäuten verbunden. Beim Basstölpel ist die Farbe der Schwimmhäute schwarzbraun bis schwarzgrau. Die auffälligen gelbgrünen Linien, die auf den Zehen entlanglaufen und sich auf den Beinen fortsetzen, spielen vermutlich eine Rolle beim Paarungsverhalten. Die Hinterzehe ist stark nach innen gewendet und tief angesetzt. Diese anatomische Anpassung, die bei allen Tölpelarten zu finden ist, erlaubt den Basstölpeln einen guten Halt auf steilen Klippen.Reinsch, S. 9.
Anatomische Besonderheiten
Basstölpel sind Stoßtaucher, die mit bis zu 100 km/h Geschwindigkeit in das Wasser eintauchen. Sie weisen in ihrem Körperbau einige Anpassungen auf, die diese Tauchleistung unterstützen. Basstölpeln fehlen beispielsweise äußere Nasenlöcher. Sie haben aber sekundäre Nasenlöcher, die beim Tauchen durch bewegliche Klappen verschlossen werden können. Die Ohrenöffnung ist sehr klein, von Federn bedeckt und kann durch Muskeln noch weiter geschlossen werden. Das Brustbein der Basstölpel ist kräftig und so lang, dass es wie ein Schild über den Eingeweiden liegt und in der Lage ist, die Eingeweide vor der Wucht des Aufpralls auf dem Wasser zu schützen.Reinsch, S. 16.
Auch die Luftsäcke, die beim Basstölpel stärker entwickelt sind als bei anderen Vogelarten, haben vermutlich gleichfalls die Funktion, den Körper beim Stoßtauchen zu schützen. Subkutane Luftsäcke finden sich an der Körperunterseite und an den Körperseiten. Innere Luftsäcke liegen zwischen der Brustmuskulatur und dem Brustbein sowie am Ende der Brustmuskulatur und den Rippen. Die Luftsäcke sind über Kanäle mit der Lunge verbunden und füllen sich beim Einatmen mit Luft. Muskelkontraktionen dagegen pressen die Luft aus den Luftsäcken heraus.Reinsch, 1969, S. 16.
Als die am weitesten im Norden brütende Tölpelart muss sich der Basstölpel vor Unterkühlung schützen.Der Australtölpel ist die am weitesten im Süden brütende Art. Dieser Tölpel brütet aber im Vergleich zum Basstölpel in klimatisch bevorzugteren Regionen. Basstölpel weisen daher eine subkutane Fettschicht, dickes Daunengefieder und ein sich dicht überlappendes Federkleid auf. Den Verlust von Körperwärme über die Schwimmhäute kann der Basstölpel dadurch reduzieren, dass sie nur während der Nistzeit stark durchblutet sind.Nelson, 2005, S. 134.
Flugbild, Schwimmverhalten und Gang mini|Flugbild (Oberseite) mini|Flugbild (Unterseite) Basstölpel haben lange und schmale Flügel, die weit hinten am Körper ansetzen. Dies führt dazu, dass Basstölpel hervorragende Gleitflieger sind, die Luftströmungen effizient ausnutzen können. Bei ruhigem, windstillem Wetter beträgt ihre Fluggeschwindigkeit etwa 55 bis 65 km/h.Nelson, 2002, S. 27. Ihre Flugmuskulatur ist verhältnismäßig schlecht ausgebildet. Die meisten Vogelarten weisen einen Anteil der Flugmuskulatur am Gesamtgewicht von etwa 20 Prozent aus. Bei Basstölpeln dagegen beträgt der Anteil lediglich 13 Prozent.Nelson, 2005, S. 130. Der Pectoralis minor, mit dem Vögel beim Fliegen die Flügel anheben, ist bei Basstölpeln besonders klein ausgebildet.Nelson, 2002, S. 27. Das trägt dazu bei, dass Basstölpel immer eine Anlaufstrecke benötigen, um abheben zu können. Da Basstölpel gleichzeitig schlechte Läufer sind, ist es ihnen nicht möglich, vom flachen Land aus zu starten. Vom Wasser aus starten sie gleichfalls mit Anlauf. Sie wenden sich dazu gegen den Wind und fliegen mit schweren Flügelschlägen auf. Bei windstillem Wetter, aber verhältnismäßig hohem Wellengang sind Basstölpel gelegentlich außerstande zu starten. Es kann dann passieren, dass sie an Land gespült werden.Nelsons, 2002, S. 27. Ähnlich wie Albatrosse nutzen Basstölpel während des Fliegens die an der Vorderseite der Wellen entstehenden Aufwinde aus. Über dem Festland sind Basstölpel nur zu beobachten, wenn sie durch Stürme dahin verdriftet wurden.
Auf dem Wasser landen Basstölpel normalerweise mit einem flachen Tauchstoß. Landemanöver, bei denen Basstölpel ähnlich wie Pelikane oder Kormorane mit nach vorne gestreckten Füßen auf dem Wasser landen, kommen beim Basstölpel selten vor. Auf dem Wasser liegen sie sehr weit oben auf. Der Schwanz ragt in der Regel halbschräg nach oben. Die Landung auf dem Land wirkt schwerfällig und kann mit Stürzen enden, da die schmalen Flügel in der Luft keine wendigen Manöver erlauben. Als Manövrierhilfe setzen Basstölpel sowohl den Schwanz als auch ihre Füße ein. Zu Fuß- und Laufverletzungen kommt es bei nicht durch Wind unterstützten Landungen verhältnismäßig häufig.Reinsch, S. 63. Bei den Tölpeln der Gattung Morus sind gebrochene oder gezerrte Flügel nach Landeunfällen sogar eine wesentliche Todesursache bei ausgewachsenen Vögeln.Nelson, 2005, S. 158. Nelson weist allerdings auch darauf hin, dass diese Aussage vor allem auf Untersuchungen einer Kolonie basieren. Da die Beine weit hinten am Körper ansetzen, hat der Basstölpel an Land einen watschelnden, entenartigen Gang. Die Flügel werden beim Gehen etwas aufgestellt.
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