Die Einwohner der Stadt Hamburg sind mehrheitlich konfessionslos.Deutschland: Der evangelische Norden, fowid vom 22. Februar 2018 (Zahlen aus Zensus 2011) Im Unterschied zu den Katholiken, die ihren Anteil an der Bevölkerung durch Zuwanderung lange gut halten könnenAllochthone Katholiken, verliert die evangelische Landeskirche in Hamburg kontinuierlich Kirchenmitglieder und ProzentanteileHamburg: Religionsgemeinschaften 1867-2017, fowid vom 12. Juni 2019 , dennoch ist mit fast 19 % der Einwohner der Gesamtbevölkerung (Stand 2025)Kirchenmitglieder in den Bundesländern, 2001-2020, fowid vom 27. September 2021, abgerufen am 29. März 2024 Hamburgs größte christliche Glaubensgemeinschaft die Evangelisch-lutherische Kirche.Nordkirche Statistiken
Durch seine Stellung als wichtige Hafenstadt ist Hamburg schon lange offen für andere Konfessionen. Die ersten Aktivitäten von Methodisten werden urkundlich 1817 belegt. In Hamburg entstand 1834 die erste deutsche Baptistengemeinde. Die jüdische Gemeinde hat eine lange Tradition. Durch Immigration am Ende des 20. Jahrhunderts sind auch andere religiöse Traditionen, vor allem Muslime, in Hamburg ansässig geworden. mini|Ruine der Hamburgischen Dom-Kirche 1806
Konfessionsstatistik Am Stichtag 31. Dezember 2023 waren nach Recherchen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland 20 % der Einwohner der Stadt evangelisch, 8,3 % römisch-katholisch und 71,7 % waren konfessionslos oder gehörten einer sonstigen Religionsgemeinschaft an.Großstädte: Kirchenmitglieder Ende 2023, Tabelle 1, Auswertungen von Carsten Frerk und Eberhard Funk FOWID, abgerufen am 30. Juli 2024. Ende 2020 waren 23,6 % der Einwohner evangelisch, 9,4 % katholisch und 66,9 % gehörten entweder einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an. Die Zahl der Protestanten und Katholiken sank in den letzten Jahrzehnten.Die Nordkirche im Überblick Statistik 2019, abgerufen am 29. März 2024 Kirchliche Statistik 2018, Erzbistum Hamburg, Katholikenzahlen Downloads 2005-2022, abgerufen am 29. März 2024. Bei der Volkszählung 2022 gaben 22,0 % der Einwohner an, evangelisch zu sein, 8,5 % römisch-katholisch und 69,5 % machten keine oder andere Angaben.
Christentum Die Stadt Hamburg gehörte anfangs zum Bistum Verden. Im Jahre 834 wurde Ansgar, Leiter der Klosterschule in Corvey, von Kaiser Ludwig dem Frommen zum Erzbischof mit Sitz in Hamburg ernannt. 845 wurde der Erzbischofssitz von Hamburg nach Bremen verlegt. Danach erfolgte von Bremen aus die Mission Norddeutschlands und ganz Nordeuropas. Das Erzbistum Bremen umfasste im 11. Jahrhundert ganz Norddeutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island und Grönland.
Evangelische Kirche Reformation mini|Johannes Aepinus Superintendent in Hamburg
Ab 1522 hielt die Reformation Einzug (erste evangelische Predigt durch Stephan Kempe). Seit 1526 war fast die gesamte Bürgerschaft, ab 1528 auch der Rat der Stadt vollständig vom lutherischen Bekenntnis überzeugt und 1529 führt die Freie Reichsstadt Hamburg unter Mitwirkung von Johannes Bugenhagen eine neue Kirchenordnung ein. Diese gilt als Geburtsstunde der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate. Sie war in den folgenden Jahrhunderten für das kirchliche Leben in Hamburg zuständig. Geleitet wurde die Kirche von einem Superintendenten, der bereits 1532 eingesetzt wurde. Die katholischen Klöster wurden aufgehoben und die Spitäler in evangelische Stiftungen umgewandelt. Nichtlutheraner konnten keine Bürgerrechte mehr erhalten. Auch das reformierte Bekenntnis wurde nicht geduldet. Daher gilt Hamburg bis heute als traditionell evangelisch-lutherisch geprägte Stadt.
Die Hamburger Stadtverfassung war auf das engste mit der Kirchenverfassung verbunden. So bildeten die Kirchspiele der vier, später fünf Hauptkirchen auch die politische Gliederung der Stadt, und die Pastoren wirkten bei der Schulaufsicht mit. Der Hamburger Dom unterstand weiter dem Domkapitel mit Bindung an das Bistum Bremen. Er nahm die Reformation bis 1561 an und blieb bis zum Reichsdeputationshauptschluss exterritorial. Er gehörte nicht zur Hamburger Stadtkirche.
Neuzeit Andere Konfessionen konnten ihre Gottesdienste lange Zeit nur im benachbarten holsteinischen Altona abhalten. Bereits 1601 gründete sich hier unter dem Schutz des Grafen Ernst von Holstein-Schaumburg die noch heute bestehende Mennonitengemeinde Altona. Ein Jahr später folgte die Reformierte Gemeinde. 1658 gestattete der dänische König Friedrich III. in seiner Eigenschaft als holsteinischer Herzog auch den Bau einer katholischen Kirche, aus der die noch heute bestehende St.-Josephs-Kirche hervorging. Die Straßennamen Kleine und Große Freiheit erinnern noch heute an die Handels- und Glaubensfreiheit in Altona. In Hamburg selber erlaubte der Rat der Stadt erst 1785, in privaten Bereichen auch nicht-lutherische Gottesdienste zu halten. Doch konnte sich bereits seit dem 17. Jahrhundert im Schutze des holländischen Gesandten eine kleine reformierte Gemeinde etablieren, die ab 1710 auch einen ständigen Geistlichen hatte. 1744 entstand eine französisch-reformierte Gemeinde.
Der Anschluss an Frankreich 1811 brachte grundsätzlich die unbegrenzte Religionsfreiheit. Das Gewicht der Katholiken wurde gestärkt. Der Staat trat allen zugelassenen Glaubensgemeinschaften in betonter Neutralität gegenübertreten. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege wurde die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz allerdings wieder abgeschafft.Helmut Stubbe da Luz: Säkularisierung? – Der Pariser Staat und Hamburgs Kirchen während der Herrschaft Napoleons (1811–1814). In: Säkularisierung – ein weltgeschichtlicher Prozess in Hamburg. Staat und Kirchen von Napoleon bis zum Reformationsjubiläum (2017). (= Hamburg, Europa und die Welt. Band 4). Hrsg. von Isa Lübbers, Martin Rößler, Joachim Stüben. Peter Lang GmbH, Frankfurt/M. 2017, ISBN 978-3-631-67547-2, S. 140–150.
Eine vollständige Gleichstellung aller Konfessionen konnte jedoch erst im 19. Jahrhundert erreicht werden. Damals entstand auch wieder eine katholische Gemeinde, die 1811 bzw. 1824 die kleine Michaeliskirche zur Nutzung erhielt.
mini|Der „Kleine Michel“ von Osten mit dem Turm des „Großen Michel“ Die Verwaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate oblag bis 1918 dem Senat als Kollegium. Geistliche Leiter waren zunächst Superintendenten. Seit Ende 16. Jahrhundert wurde das Amt nicht wieder besetzt und die Leitung der Kirche lag bei den Pastoren der Hauptkirchen, der rangälteste führte den Titel „Senior“. 1923 erhielt die Kirche eine neue Verfassung, welche die Kirchenverfassungen von 1870 und 1896 bzw. die Notverordnung von 1919 ablöste. An der Spitze der Hamburgischen Kirche stand fortan der von der Landessynode aus der Reihe der Hauptpastoren (die Pastoren der Hauptkirchen St. Petri, St. Nikolai, St. Katharinen, St. Jacobi und St. Michaelis) gewählte „Senior“, der ab 1933 den Titel „Landesbischof“ erhielt. Spätestens seit 1938, als die Stadt Hamburg durch das Groß-Hamburg-Gesetz erheblich vergrößert wurde, war das Kirchengebiet nicht mehr mit dem Staatsgebiet identisch. Doch dauerte es noch fast 40 Jahre, bis diese Situation wieder ausgeglichen wurde. Denn 1977 schloss sich die Evangelisch-Lutherische Kirche im Hamburgischen Staate mit anderen Landeskirchen auf dem Gebiet Schleswig-Holsteins zur Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammen. Hier wurde Hamburg Sitz einer der drei Sprengel (Bischofsbezirke), der sich in die Kirchenkreise Alt-Hamburg, Altona, Blankenese, Harburg, Niendorf und Stormarn gliedert und somit alle protestantischen Kirchengemeinden der heutigen Stadt Hamburg umfasst, sofern es sich nicht um Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Evangelisch-reformierten Kirche oder der evangelischen Freikirchen handelt. Neben den bereits genannten Kirchen bestehen in der Neustadt die evangelisch-lutherischen Seemannskirchen der nordischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland sowie die Englische Kirche am Zeughausmarkt.
Bereits 1953, 1981 und 1995 waren evangelische Kirchentage in Hamburg zu Gast.
Evangelisch-reformierte Kirchen Im 16. Jahrhundert kamen die ersten reformierten Christen nach Hamburg. Es waren vor allem Flamen, Wallonen und Holländer, die aus den vereinigten Niederlanden vor der Schreckensherrschaft des Herzogs von Alba flohen. Aus Frankreich kamen die sogenannten Hugenotten hinzu. Eine freie Religionsausübung war in den ersten Jahren im lutherischen Hamburg kaum möglich. Die erste reformierte Gemeinde musste daher im holsteinischen, damals noch zum dänischen Gesamtstaat gehörenden Altona gegründet werden, wo 1602 die Glaubensfreiheit eingeführt wurde. Gepredigt wurde damals sowohl in Deutsch, Holländisch und Französisch. Erst 1785, im Zeitalter der Aufklärung, bekamen die Reformierten auch im eigentlichen Hamburg das umfassende Recht der freien Religionsausübung. Die deutschen und französischen reformierten Gemeinden in Hamburg und Altona schlossen sich 1976 zur Evangelisch-Reformierten Kirche in Hamburg zusammen, welche dem Bund Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands angehört und in den Stadtteilen Altstadt und Altona-Altstadt über Kirchen und über eine zusätzliche Gottesdienststätte im der Kirche gehörenden Altenhof (einem Alten- und Pflegeheim) im Winterhuder Weg in Barmbek-Süd verfügt.
Katholische Kirche mini|St. Marien-Dom (Hamburg)
Die letzten katholischen Geistlichen Hamburgs, die Domkapitularen, mussten ihre örtliche Tätigkeit am 15. August 1529 einstellen, als die Domkirche auf Senatsbeschluss wegen Unruhen geschlossen wurde.
Ende des 16. Jahrhunderts erhielt der Florentiner Alexander della Roccha erstmals von Graf Adolf XI. die Genehmigung, in Altona einen katholischen Gottesdienst halten zu lassen. Dieser Messstandort sollte auch fortbestehen bis zur Erbauung der St.-Joseph-Kirche an selbigem Ort. Am 29. Juni 1623 kam es bei dieser Kapelle zu Altona zu einem Terroranschlag während der Messe, bei welchem bewaffnete Reiter drei Messbesucher töteten, 26 weitere verletzten und das Gebäude verwüsteten.
Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde den Botschaftern des Kaisers des Heiligen Römischen Reich und der Könige von Frankreich in ihren Botschaften erlaubt, für sich und ihre Angehörigen Messen zelebrieren zu lassen. Diese aber ließen, ungeachtet der Missbilligung des Senats, die Hamburger Öffentlichkeit zu diesen Messen zu, wo unter der Verwaltung von Missionaren der Jesuiten die Seelsorge stattfand. Aufgrund der diplomatischen Illegalität dieser Missionstätigkeit ließ der Senat häufig, wenn der zuständige Botschafter außerhalb Hamburgs war, diese Botschaftskapellen schließen, wobei er deren stetige Wiedereröffnung bei Rückkehr derselben dulden musste. Diese Botschaftskapellen blieben den Katholiken so lange erhalten, bis sie den kleinen Michel erhielten.