mini|hochkant=1.5|Stadtpfarrkirche Perg (Februar 2009) Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche Perg in Perg im oberösterreichischen Mühlviertel ist eine dreischiffige, gotische Hallenkirche, steht als einziges Gebäude auf dem verhältnismäßig großen Hauptplatz und ist dem Hl. Jakob geweiht.

An Stelle einer nicht mehr nachweisbaren Holzkirche errichteten die Bürger von Perg 1416 eine Jakobskapelle aus Stein, die bereits einen Friedhof besaß. Um 1500 beziehungsweise 1528 wurde die Kapelle zur Jakobskirche ausgebaut und am 15. Oktober 1542 entstand die Pfarre Perg durch Abtrennung von der Altpfarre Naarn.

Die Perger Stadtpfarrkirche wurde zuletzt 1972/73 innen und 1987 außen gründlich renoviert. Geographie mini|Pfarr- und Gemeindegrenzen in Perg, Nachbarpfarren Die Stadtpfarrkirche Perg ist die Pfarrkirche der Pfarre Perg, einer römisch-katholischen Pfarre im Dekanat Perg in der Region Mühlviertel in der für das Bundesland Oberösterreich zuständigen österreichischen Diözese Linz in der Kirchenprovinz Wien. Die unter der Pfarrnummer 4281 geführte Pfarre betreut 5.062 Katholiken, Pfarre 4281, abgefragt am 6. November 2011. die sich auf Teile der Gemeindegebiete von Allerheiligen im Mühlkreis, Perg und Windhaag bei Perg verteilen.Pfarre Perg im Kulturatlas Doris – Land Oberösterreich, abgefragt am 6. November 2011 (auf der Karte Grenzen der Gemeinden und Katastralgemeinden dazu schalten).

Zur Pfarre gehören in der Stadtgemeinde Perg im Wesentlichen das Stadtzentrum von Perg und die Ortschaften bzw. Ortsteile Aisthofen, Karlingberg mit der Poschachersiedlung, Kickenau, Lanzenberg, Pasching, Weinzierl und Zeitling, in der Gemeinde Allerheiligen im Mühlkreis die Ortschaften Judenleiten und Niederlebing und in der Gemeinde Windhaag die Ortschaften Karlingberg und Kuchlmühle.Statistik Austria: Ortsverzeichnis Oberösterreich 2001, Wien 2005, Bezirk Perg, S 205ff PDF abgefragt am 6. November 2011.

Mit der Gründung der Pfarre Allerheiligen im Jahr 1891 verlor die Pfarre Perg Ortschaftsteile von Aisthofen an Schwertberg und die Ortschaften Allerheiligen und Oberlebing an Allerheiligen. Sie bekam dafür von der Pfarre Pergkirchen den Ortsteil Untervormarkt und Teile der Ortschaften Kranewitt und Hochtor (Hoadara).

Die Pfarre ist Teil des Seelsorgeraumes Perg, dem die Pfarren Allerheiligen, Münzbach, Pergkirchen, Perg und Windhaag angehören.

Nachbarpfarren sind Naarn, Mitterkirchen, Arbing, Pergkirchen, Windhaag bei Perg, Allerheiligen bei Perg und Schwertberg im Dekanat Perg.

Geschichte Geschichte der Pfarre mini|hochkant|Spätgotisches Rotmarmor-Taufbecken aus 1514 mit Rokoko-Aufsatz Das Christentum kam vermutlich über Lorch in die Ebene, die später Machland genannt wurde. Eine von vier Mutterpfarren des heutigen Mühlviertels war die Pfarre Naarn.

König Ludwig der Fromme restituierte dem Bistum Passau die Orte Nardinum (Naarn), Reode (Ried in der Riedmark) und Saxina basilica duas (Saxen) bereits 823. Naarn war damals Filialpfarre von Mistelbach bei Wels und Hauptort der Riedmark, die damals auch das Machland umfasste.

In dem noch dünn besiedelten Gebiet dürften lange Zeit nur wenige Christen gelebt haben, denn in dem aus dem 9. Jahrhundert stammenden Gräberfeld auf dem Hausberg des Klammbauerngutes in Auhof bei Perg auf dem Gebiet der Pfarre Pergkirchen gab es kaum christliche Funde. Wahrscheinlich wurden die dort wohnenden Christen auf dem christlichen Friedhof in Naarn bestattet, bis es 1142 zur Pfarrgründung in Pergkirchen kam.

Eine dem Heiligen Martin geweihte Kirche bestand in Pergkirchen schon ab 1088 als Eigenkirche der Herren von Perg. Im Gegensatz dazu können christliche Bauwerke auf dem Gebiet der Pfarre Perg mit der Erwähnung eines Marienaltars im Gotteshaus zu Perg (Filialkirche der Pfarrkirche Naarn) im Jahr 1363 erst verhältnismäßig spät belegt werden, obwohl die Bürger der Ortschaft schon am 27. Juli 1269 von König Ottokar II. von Böhmen Marktrechte eingeräumt bzw. bestätigt wurden.

Hieronymus Vereallus, Bischof und päpstlicher Legat (ident mit Girolamo Verallo, * 1497; † 1555), erteilte am 15. Oktober zu Wien der Filialkirche Perg pfarrherrliche Rechte und es finden seither Taufen, Trauungen und Begräbnisse für die Perger in dieser Kirche statt. Die genaue Lage der Pfarrgrenzen, wie sie damals festgelegt wurden, ist nicht mehr bekannt.

Die Pfarre Perg gehörte ab 1823 zum Dekanat Pabneukirchen. Fallweise wurde der Dekanat auch Bergkirchen (=Pergkirchen) genannt, weil die Dechanten zeitweilig aus einer der beiden Pfarren kamen. Von den Nachbarpfarren gehörten damals Mitterkirchen, Pergkirchen und Windhaag ebenfalls zu diesem Dekanat, während Allerheiligen und Naarn dem Dekanat Wartberg angehörten. Nach diversen Bemühungen 1878 und 1925 wurde mit Wirkung 1. Jänner 1974 der Dekanat Perg errichtet, zu dem 12 Pfarren gehören.

Die Liste der Namen von Perger Pfarrern ist unvollständig. Die Reformation spielte in Perg keine Rolle, es gab nie protestantische Pfarrer. Mit 1. November 1750 wurde ein zweiter Priester angestellt.

Geschichte der Pfarrkirche Die Holzkirche(n) von Perg

Die erste an dieser Stelle im Markt Perg errichtete Kirche dürfte eine Holzkirche gewesen sein, weil bei der Renovierung der jetzt dort befindlichen Kirche keinerlei Fundamente eines älteren Kirchenbaues gefunden wurden. Wie aus einer urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 1363 hervorgeht, befand sich in der Kirche neben dem Hauptaltar ein Marienaltar: Friedrich, der Fäustling, Bürger zu Perg, und Kunigunde, seine Hausfrau, stifteten ein ewiges Licht, welches Tag und Nacht zu brennen hat in einer Lampe vor unserem Marienaltar im Gotteshaus zu Perg.

Die Jakobskapelle von Perg mini|hochkant|Gotisches Sakristeisportal an der Stelle der Priestersitznische

Um 1416 bauten die Perger Bürger an der Stelle, wo sich heute das Presbyterium befindet, ein erstes Gotteshaus aus Stein, eine Jakobskapelle, im weichen Stil der französischen Kapellengotik. Die Bewohner des Marktes Perg gehörten damals und noch bis 1542 zur Pfarre Naarn. Am 1. Mai 1416 stiftete der Rat des Marktes Perg und Konrad Pestel, Bürger in Freistadt, mit Zustimmung des Pfarrers von Naarn eine ewige Frühmesse in der Jakobskapelle zu Perg.

Bei der Jakobskapelle handelte es sich um zwei breitrechteckige kreuzrippengewölbte Joche mit 5/8 Schluss, reich skulptierte Kapitelle und Schlusssteine mit Laubwerk (Lamm Gottes, Hl. Jakobus der Ältere, Rose). Sechs einfache schmale Fenster ohne Maßwerk reichten ursprünglich einen Meter tiefer.

Bemerkenswert ist die Priestersitznische an der Südwand, wo sich seit 1880 das gotische Sakristeiportal befinde.

Die Jakobskirche von Perg mini|Sternrippengewölbe des Langhauses, erste Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Heiligem Geist als Schlussstein Um 1500 wurde ein dreijochiges Langhaus errichtet, das 1528 um die beiden Seitenschiffe erweitert wurde. Zwei hineingestellte Pfeilerpaare bildeten eine dreischiffige Halle als Kirchenraum, wobei das Mittelschiff ein reiches Sternrippengewölbe hat, während die beiden Seitenschiffe netzrippengewölbt sind.

Der Ausbau der Kapelle zur Kirche um 1500 und 1528 umfasste Seitenemporen, die von bereits innen liegenden Strebepfeilern getragen werden. Die Ostpfeiler der dreischiffigen Halle sind gekehlt, die Westpfeiler, auf denen die massive Empore steht, haben glatte Schaftflächen. mini|hochkant|Orgelempore mit schmalen Seitenemporen In jener Zeit wurde ein erster Friedhof um den vorderen Teil der Kirche angelegt. Bei den Straßenarbeiten Anfang der 1960er Jahre wurden dort Mauer- und Knochenreste gefunden. Weitere Informationen zu den Perger Friedhöfen finden sich im

Die Renovierungen der Stadtpfarrkirche Perg Der Zeitraum 1416 bis nach dem verheerenden Brand von 1708

In der Jakobskapelle und späteren -kirche stand ein gotischer Flügelaltar, der wahrscheinlich nach dem großen Brand vom 16. Juli 1708, bei dem innerhalb kurzer Zeit die Kirche, ein Teil des Pfarrhofes, die Schule und weitere 108 Häuser abbrannten, herausgenommen wurde.

Dieser um 1500 von einer Bürgerfamilie gestiftete Altar bestand aus vier Tafelbildern mit den Motiven: Geburt Christi, Begegnung der Frauen, Hl. Jakobus der Ältere auf apostolischer Wanderung und Enthauptung des Hl. Jakobus.

Die beiden Jakobsbilder (Ölbilder, Tafelbilder, 91 × 67 cm groß) kamen im 19. Jahrhundert im Kunsthandel wieder zum Vorschein, wurden vom Bundesdenkmalamt angekauft und befinden sich heute im Linzer Schlossmuseum. Die beiden Marientafeln sind verschollen. Die Bilder wurden später Perger Tafeln genannt. Theodor Bohdanowicz, Maler, Bildhauer und akademischer Restaurator aus Linz (* 1925; † 1977), hat die Tafel Hl. Jakobus der Ältere auf apostolischer Wanderung = Jakobus als Pilger kopiert und diese wurde zu Ostern 1975 in der Apsis der Stadtpfarrkirche Perg angebracht.

Nach dem Brand im Jahr 1708 hatte die Perger Pfarrkirche zwei Jahre kein Dach. Das Gewölbe drohte einzustürzen, weil die hölzernen Schließen ausgebrannt waren. In einem Gesuch um eine ergiebige Brandsteuer schrieb der damalige Pfarrer, dass diese Kirche das ärmste Gotteshaus im Land sei, denn sie besitze nichts. Wir waren bis jetzt nicht einmal im Stande, auf die Kirche einen Dachstuhl aufzusetzen.

Daraufhin wurden von den Städten und Märkten Oberösterreichs und den Klöstern Niederösterreichs so viel gespendet, dass in Passau 14000 Dachziegel bestellt werden konnten. Die Bauern der Umgebung spendeten Holz, sodass die Kirche vor Einbruch eines weiteren Winters wieder einen Dachstuhl und ein Dach erhielt. Die Schäden dieser langen dachlosen Zeit war der Kirche noch bis zu den Renovierungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anzumerken. Eine damals im Bereich der Empore eingezogene Eisenschließe trägt die Jahreszahl 1710.

Der Zeitraum nach dem Brand von 1708 bis 1958

In der Folge wurde die Kirche nur allmählich notdürftig eingerichtet. Der Hauptaltar, ein sehr einfacher Bretterkasten wurde erst im Jahr 1802 eingebaut, 1844 wurden größere Sanierungsarbeiten am Mauerwerk durchgeführt, um vor allem das Gewölbe zu stützen. 1849 wurde die ganze Kirche mit Kalk getüncht der Dachstuhl des Turmes erneuert. 1851 erhielt der Turm auf das 33 Meter hohe Mauerwerk das nach wie vor bestehende 12 Meter hohe Pyramidendach und die vier Erkertürmchen. Der Turm hat einschließlich des 3 Meter hohen Turmkreuzes mit Kugel eine Höhe von 48 Metern.

Jakob Wöß, Pfarrer von Perg von 1871 bis 1890, führte 1880 eine erste große Innenrenovierung durch. Die übertünchten Rippen und Säulen wurden wieder freigelegt, das äußerst schadhafte Gewölbe saniert, eine neue Sakristei an der Südseite angebaut. An Stelle des Bretterkastens von 1802 wurde der bis zur Innenrenovierung 1972 verwendeten neugotischen Hochaltar und eine Kanzel bei Engelbert Westreicher, Linz, in Auftrag gegeben. Die Kanzel wurde gegenüber der vorherigen südseitig angebracht und von der neuen Sakristei aus leicht zugänglich gemacht. Die alte Turmsakristei wurde Beichtkapelle. 1882 folgten noch die ersten beiden gemalten Fenstergläser aus Innsbruck für die Fenster links und rechts des neuen Hochaltars.

1911 ließ Johann Ev. Stauchner, Pfarrer von Perg von 1900 bis 1928, das elektrische Licht in die Kirche einleiten und im Juli jenes Jahres begann eine neue große Innenrenovierung. Die Wangen der neugotischen Bänke schuf der Holzbildhauer, Politiker, Bürgermeister, und Ehrenbürger von Perg, Josef Dirnberger (* 1872; † 1937), nach dem in Perg eine Straße benannt ist. Die Kirche erhielt ein neues Terrazzopflaster, neue Beichtstühle, weitere sieben bemalte Fenster und die noch heute in Verwendung stehende Kirchentüre am Hauptportal.