mini|hochkant|Maria Farantouri, 2022 Maria Farantouri (; * 28. November 1947 in Athen) ist eine griechische Sängerin.
Leben und Karriere Maria Farantouri wuchs im Stadtteil Nea Ionia in Athen auf; ihr Vater stammte aus Kefalonia, ihre Mutter aus Kythira. In ihrer Kindheit erkrankte sie an Kinderlähmung. Ihre ersten musikalischen Schritte unternahm sie als Mitglied des Chors des Syllogos Filon tis Ellinikis Mousikis, aus dem zahlreiche griechische Musiker wie Yannis Markopoulos, Manos Loïzos und Dionysis Savvopoulos hervorgingen. Mit 16 Jahren wurde sie bei einem Auftritt von Mikis Theodorakis entdeckt, als sie eines seiner Lieder vortrug. In der Folge wurde sie zur wichtigsten Interpretin seiner Lieder. Sie wird oft in einem Atemzug mit Mikis Theodorakis genannt, da sie in vielen seiner Oratorien und Liederzyklen die weibliche Solostimme sang (Theodorakis nannte sie „seine Priesterin“). Internationalen Ruhm erlangte sie in den 1970er und 1980er Jahren vor allem durch den Canto General. Seit den 1990er Jahren widmet sie sich zunehmend auch eigenen Projekten. mini|Maria Farantouri mit Mikis Theodorakis Maria Farantouri, „die größte Stimme Griechenlands“, ist eine herausragende Gestalt der griechischen Musikszene. Seit den 1980er Jahren international erfolgreich, gilt sie bei ihren Musikerkollegen wie bei ihren Fans als authentischste Interpretin des Neuen Griechischen Liedes. In den 1960er und 1970er Jahren berühmt geworden als „ideale Interpretin“ der Lieder von Mikis Theodorakis, ist sie inzwischen eine „Diva“, die sich mit Leichtigkeit zwischen Tradition, World Music und Moderne bewegt.
Bekannt wurde sie 1965, als ihr mit ihrer ersten Langspielplatte, dem Mauthausen-Zyklus von Theodorakis, der Durchbruch gelang. 1967 verließ sie nach dem Militärputsch Griechenland, um bis 1974 in Hunderten von Konzerten auf der ganzen Welt gegen die Obristendiktatur zu protestieren. Die Kritiker feierten sie. The Guardian: „Ihre einzigartige Stimme ist ein Geschenk der olympischen Götter.“ Le Monde: „Farantouri ist die Joan Baez des Mittelmeers.“ François Mitterrand in seinem Buch Die Biene und der Architekt: „Maria ist für mich Griechenland. So stelle ich mir die Göttin Hera vor. Ich entsinne mich keines anderen Künstlers, der mir in solch einem Maße das Gefühl des Göttlichen vermittelt hätte.“
1982–83 trat sie bei mehreren Konzerten der westdeutschen Friedensbewegung auf, teilweise zusammen mit Theodorakis, teilweise gemeinsam mit dem türkischen Sänger Zülfü Livaneli – dies auch als bewusster Protest gegen die traditionellen Feindseligkeiten zwischen griechischen und türkischen Nationalisten.
Bei der Parlamentswahl 1989 unterstützte Theodorakis (als Parteiloser) die Bildung der ersten links-rechts-Regierung Europas zwischen der Kommunistischen Partei Griechenlands und der konservativen Nea Dimokratia, während Maria Farantouri für die sozialistische PASOK kandidierte, für die sie von 1990 bis 1993 im griechischen Parlament saß.
Maria Farantouri arbeitete auf der Bühne und im Studio mit John Williams, Manos Hadjidakis, Zülfü Livaneli, Leo Brouwer, Vangelis, Lucio Dalla, Zubin Mehta und vielen anderen zusammen. 1995 feierte sie ihr internationales Comeback mit Konzerten in Europa, den USA, Kanada und Australien. 1996 begann sie ihre Zusammenarbeit mit dem deutschen Komponisten und Arrangeur Henning Schmiedt, mit dem sie drei von der Kritik hoch gelobte Theodorakis-CDs, Poetica (1996), Asmata (1998) und Way Home (2007) produzierte. Am 16. Juli 2000 trat sie bei einem Konzert in Ferropolis bei Dessau zu einer Lichtshow von Gert Hof vor 8000 Besuchern auf.Thomas Schöne: In: mikis-theodorakis.org, 12. August 2004. Am 29. Juli 2000 nahm sie zusammen mit Milva, Petros Pandis und anderen namhaften Künstlern beim Konzert anlässlich des 75. Geburtstages von Theodorakis auf dem Münchner Königsplatz teil, einem Ereignis, das ein Jahr später bei Tropical als CD (Happy Birthday, Mikis!) erschienen ist. 2012 veröffentlichte das Münchner Label ECM die CD Charles Lloyd & Maria Farantouri: Athens Concert, die von der Kritik gefeiert wurde.Tyran Grillo: Reviews zu Charles Lloyd/Maria Farantouri: Athens Concert (ECM 2205/06). In: ecmreviews.com, 18. Dezember 2012 (englisch).Traumweber trifft Mutter des Universums – Charles Lloyd & Maria Farantouri. In: jazzecho.de, 25. August 2011.
Farantouri arbeitet auch mit jüngeren Komponisten zusammen, zum Beispiel mit Perikles Kukos, einem Komponisten klassischer Musik, und beschreitet neue Wege, ihre Beziehung zum traditionellen Musikgut jedoch weiter aufrechterhaltend. So interpretiert Maria Farantouri in letzter Zeit verstärkt demotische, rebetische und Insellieder sowie byzantinische Hymnen. Im Juni 2019 erschien bei ECM ihre CD mit Songs des türkischen Komponisten und Saz-Spielers Cihan Türkoğlu Beyond the Borders.Thomas Rothschild: In: Faust-Kultur.
Zu ihren bedeutendsten Interpretationen von Theodorakis-Werken zählen: Canto General nach dem gleichnamigen Poem von Pablo Neruda, Romancero gitano nach Texten von Federico García Lorca, bei dem sie vom australischen Komponisten und Gitarristen John Williams begleitet wurde, und die sinfonische Version der Mauthausen-Kantate, die 1991 das Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta aufführte.
Maria Farantouri ist mit dem griechischen Politiker und Lyriker Tilemachos Chitiris verheiratet und hat einen Sohn.
LP- und CD-Einspielungen (Auswahl) 1966: I ballada tou Mauthausen (The Mauthausen Ballad) / Mikis Theodorakis – Iakovos Kambanellis 1967: Enas Omiros (The Hostage) / Mikis Theodorakis – Brendan Behan 1970: Pnevmatiko Emvatirio (Marche of Spirit) / Mikis Theodorakis – Angelos Sikelianos 1970: Katastasi Poliorkias (State of Siege) / Mikis Theodorakis – Rena Chatzidaki 1971: Theodorakis diefthini Theodorakis 2 (Theodorakis Conducts Theodorakis 2) „Romancero Gitano“ & „Mythology“ / Mikis Theodorakis – Federico García Lorca und Giorgos Seferis 1971: John Williams & Maria Farantouri: Theodorakis Songs of Freedom «Romancero Gitano» / Mikis Theodorakis – Federico García Lorca 1974: Mikis Theodorakis & Maria Farantouri / Mikis Theodorakis – different 1974: Arkadia 6 & 8 / Mikis Theodorakis – Mikis Theodorakis & Manolis Anagnostakis 1974: I Ellada tou Miki Theodoraki (Greece of Mikis Theodorakis) / Mikis Theodorakis – different 1975: O ilios ke o Chronos (Sun and Time) / Mikis Theodorakis – Mikis Theodorakis 1975: I megali agripnia / Eleni Karaindrou – K. H. Myris 1975: Canto General / Mikis Theodorakis – Pablo Neruda 1975: Ta negrika / Manos Loizos – Giannis Negrepontis 1977: Tragoudia diamartirias / Victor Jara, Violeta Parra, Carlos Puebla, Franco Corliano und andere 1979: Farantouri sings Bertolt Brecht / Hanns Eisler und Kurt Weill – Bertolt Brecht 1979: I gitonies tou kosmou / Mikis Theodorakis – Jannis Ritsos 1979: Lieder aus Griechenland 1979: Maria Farantouri Live 1980: I agapi ine o fovos (The Love Is the Fear) / Michalis Grigoriou – Manolis Anagnostakis 1980: I epochi tis Melissanthis / Manos Chatzidakis – Manos Chatzidakis 1981: Canto General / Mikis Theodorakis – Pablo Neruda 1981: O epivatis / Mikis Theodorakis – Kostas Tripolitis 1982: Ensemble / Zülfü Livaneli – Lefteris Papadopoulos und Nazim Hikmet 1984: Maria Farantouri Söylüyor (Live) / Zülfü Livaneli – Lefteris Papadopoulos und Nazim Hikmet 1985: Maria Farantouri Live in Olympia Paris 1988: Skotini mitera / Manos Chatzidakis – Nikos Gatsos 1990: Greatest Hits 1991: 17 Songs / Vangelis, Nicola Piovani, Michel Legrand, Lucio Dalla, Kurt Weill und andere 1994: Veatriki stin odo Miden (Beatrice on the Zero Street) / Mikis Theodorakis – Dionissis Karatzas 1995: Maria Farantouri sings Lucio Dalla / Lucio Dalla – G. Spyropoulos 1996: Poetica / Mikis Theodorakis – Dionissis Karatzas 1997: Arkadies 1, 7 & 8 / Mikis Theodorakis – Mikis Theodorakis, Takis Sinopoulos, Manolis Anagnostakis 1998: Asmata / Mikis Theodorakis – different 1998: Serenates / Mikis Theodorakis – Lefteris Papadopoulos 2000: I triti porta (The Third Door) / Lena Platonas – Thodoros Poala 2000: Nostalgia / Different 2000: Rainer Kirchmann & Maria Farantouri: Sun & Time / Mikis Theodorakis – Mikis Theodorakis 2001: Enas aionas Elliniko tragoudi (100 Years of Greek Songs) / Different 2002: Passions of the Moon (Homage to F. G. Lorca with 3 works): Bodas de Sangre (Manos Hadzithakis – F. G. Lorca / Nikos Gatsos) & Canciones Populares by F. G. Lorca (sung in Spanish) & Romancero Gitano (Mikis Theodorakis – F. G. Lorca / Odysseas Elytis) 2003: The poetry in hellenic music / Different 2003: Blue / Michalis Grigoriou – Rinio Papanikola 2005: Erimia / Mikis Theodorakis – Lefteris Papadopoulos 2007: Way home / DifferentDie Stimme Griechenlands. In: Titel-Kulturmagazin, 28. Juni 2007; abgerufen am 25. Juli 2018.Michael Frost: "Gefühl des Göttlichen". In: cd-kritik.de, 1. Juli 2007.DENK–MAL50plus: »Qualität und Werte in der Musik«. In: openpr.de, 15. Juli 2007. 2007: Odysseia / Mikis Theodorakis – Kostas Kartelias 2010: Maria Farantouri mit Christos Thivaios: Tou erota kai tou thanatou / Mikis Theodorakis 2011: Maria Farantouri sings Taner Akyol – Different 2011: Charles Lloyd & Maria Farantouri: Athens Concert 2014: Chtes archisa na tragoudo / Different (Liveaufnahme zum 50. Jubiläum von M. F. als Sängerin, Odeion des Herodes Atticus, 2013) 2 CDs, DVD
Weblinks
Offizielle Website Mikis Theodorakis Homepage Peregrina Music Homepage Interview mit Maria Farantouri und deutsche Übersetzung einiger Lieder
Einzelnachweise
Kategorie:Interpret von Arbeiterliedern Kategorie:PASOK-Mitglied Kategorie:Abgeordneter (Griechenland) Kategorie:Griechischer Emigrant Kategorie:Alt Kategorie:Musiker (Griechenland) Kategorie:Grieche Kategorie:Geboren 1947 Kategorie:Frau