Die Theologische Hochschule Elstal ist die theologische Ausbildungsstätte des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG). Sie wurde 1880 in Hamburg-Horn als Predigerseminar der deutschen Baptisten gegründet und trug später den Namen Theologisches Seminar des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. 1997 verlegte die Ausbildungsstätte ihren Sitz nach Wustermark-Elstal bei Berlin. 2015 erhielt sie die unbefristete Anerkennung als private Hochschule. Eng mit ihr verbunden ist das Oncken-Archiv des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Geschichte mini|Studenten und Lehrer um 1865; sitzend v. l. n. r.: Julius Braun, Johann Gerhard Oncken, Julius Köbner mini|Predigerseminar Hamburg-Horn um 1888 mini|Sogenannte „Halle“ des Predigerseminars (vor 1922) mini|Gedenktafel am ehemaligen Standort des Theologischen Seminars in Hamburg-Horn, Rennbahnstraße 115 mini|Theologische Hochschule Elstal mini|Studentenwohnungen auf dem Campus des Theologischen Seminars Die Vorgeschichte des 1880 gegründeten Predigerseminars beginnt 1849, als die erste Bundeskonferenz der deutschen Baptistengemeinden die Ausbildung von so genannten „Missionsarbeitern“ beschloss.

Hamburg, Böhmkenstraße Im September 1849 begann der erste Kurs mit fünf Studierenden. Über Bedingungen und Inhalt eines Missionsarbeiterkurs, der Ende Februar 1859 begann, berichtete der Missionsschüler Eduard Scheve in seinen Tagebuchaufzeichnungen:Eduard Scheve (überarbeitet und neu herausgegeben von Günter Balders): Dem Herrn vertrauen. Wuppertal/Kassel 1979, ISBN 3-7893-7119-X, S. 30 ff. Die 18 Schüler des Kurses bewohnten ein kleines Gartenhaus auf dem Grundstück der Baptistenkirche an der Hamburger Böhmkenstraße, wobei sich jeweils zwei ein Bett teilen mussten. Der Lehrsaal im ersten Stock des Gebäudes diente auch als Frühstücks- und Abendbrotmensa. Mittags aß man in einem nahen Speisehaus. Josef LehmannVerfasser der ersten Geschichte der deutschen Baptisten war für den Unterricht in Kirchengeschichte und „verschiedenen anderen Fächern“ verantwortlich. Johann Gerhard Oncken gab in seinem Gartenhaus in Hamburg-Altona „von 10 bis 12 Uhr“ eine Einführung in das Matthäus-Evangelium. Sein Sohn Gerhard Oncken unterrichtete die englische Sprache und Jakob Braun Noten- und Gesangskunde. Ein Lehrer namens Hunde lehrte die deutsche Sprache und andere allgemeinbildende Fächer. Am 18. September 1859 wurde der Kurs mit einer Feier beschlossen. Von den 18 Schülern ordinierte Oncken zwölf Missionsschüler, fünf mussten eine weitere Probezeit absolvieren und einer kehrte in seinen Schuhmacherberuf zurück.

Die Baptistenkirche an der Böhmkenstraße wurde 1870 aufgestockt, wodurch zwei Lehrsäle und zehn Schlafräume entstanden. Rechtlich gegründet wurde das Prediger- und spätere Theologische Seminar 1880.

Hamburg-Horn Im September 1888 zog das Seminar in ein neues Gebäude in Hamburg-Horn an der Rennbahnstraße 115, nachdem bereits 1868 der Deutsch-Amerikaner August Rauschenbusch den Bau eines Seminargebäudes angeregt hatte. Das Grundstück war ein Geschenk des amerikanischen Industriellen John D. Rockefeller. Inzwischen gab es 44 Studenten, und die zweijährige Missionsarbeiter-Ausbildung war in ein vierjähriges Studium umgewandelt worden.

1915 öffnete nach zweijähriger Bauzeit ein neues Lehrgebäude seine Pforten. Bereits ein Jahr später musste das Seminar kriegsbedingt schließen. Erst im Januar 1919 konnte es seinen Lehrbetrieb wieder aufnehmen. 1926 wurden offizielle Abschlussprüfungen eingeführt. Im September desselben Jahres wurde die Studiendauer auf fünf Jahre verlängert. Die ersten beiden dienten vor allem dem Erlernen der alten Sprachen (Hebräisch und Griechisch) und der Einführung in die theologischen Wissenschaften, die nächsten drei dem Theologiestudium.

Im März 1935 musste das erste Seminargebäude (siehe Bild) dem Bau der Autobahn weichen. Zwei weitere Gebäude wurden dafür ersatzweise errichtet: das Studentenwohnheim und die Aula. 1936 erfolgte die Einweihung. Zum Sommersemester 1940 wurde ein slawischsprachiger Kurs für baptistische Studenten aus den von Deutschen besetzten Teilen Osteuropas eingerichtet. 11 Studenten nahmen daran teil.

1941, 1942 und 1943 trafen bei Luftangriffen mehrere Bomben das Seminargebäude. Bei der „Operation Gomorrha“, den Großangriffen der Alliierten auf Hamburg, wurde das Gebäude in den Tagen und Nächten vom 25. bis zum 29. Juli 1943 total zerstört.

Wiedenest Im September 1943 verlegte das Theologische Seminar seine Unterrichtsarbeit nach Wiedenest in die Bibelschule der Brüdergemeinden. Die Gestapo schloss 1944 die Wiedenester Einrichtung; die Studenten und Bibelschüler wurden als Arbeiter in der Bergneustädter Rüstungsindustrie dienstverpflichtet.

Neuanfang in Hamburg 1948 kehrte das Seminar nach Hamburg-Horn zurück. Mit Unterstützung des britischen Baptistenbundes wurden die Kriegsschäden beseitigt. Das Theologische Seminar stellte sich in den Dienst der Völkerverständigung und lud zu internationalen Studententagungen ein. Zwischen der Evangelischen Fakultät der Universität Hamburg und dem Theologischen Seminar entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit.

1959 wurde für die DDR ein eigenes Theologisches Seminar eröffnet. Acht Studierende sowie zwei hauptamtliche Lehrkräfte begannen am 14. Oktober 1959 mit dem Unterrichtsbetrieb in der Kleinstadt Buckow in einem Haus des Diakoniewerks Bethel.

Studenten aus der UdSSR erhielten Ende der 1960er Jahre die Möglichkeit, mit einem theologischen Aufbaukurs am Seminar Hamburg zu beginnen; in der Zeit des Kalten Krieges war dies ein außergewöhnliches Ereignis.

Zusammenlegung der Seminare Hamburg und Buckow Nach der deutschen Wiedervereinigung vereinigten sich auch die getrennten freikirchlichen Gemeindebünde, darunter auch die Theologischen Seminare Buckow und Hamburg-Horn, was eine Erweiterung des Raumangebotes notwendig machte.

Wustermark-Elstal Nach langjährigen Überlegungen entschloss sich der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, die Kirschsteinsiedlung in Elstal aufzukaufen, zu einem Bildungszentrum umzubauen und 1997 dann schließlich dorthin umzuziehen. Die alten Hamburger Seminargebäude an der Rennbahnstraße wurden abgebrochen; an ihrer Stelle entstand ein neuer Discountmarkt. mini|Ehemaliges Logo des Theologischen Seminars Elstal (Fachhochschule) Vom Beginn des Wintersemesters 1997 bis Ende des Wintersemester 2015 nannte sich die Einrichtung Theologisches Seminar Elstal. Am 1. Oktober 2003 wurde sie als Fachhochschule staatlich anerkannt.

Die zunächst auf fünf Jahre befristete Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat erfolgte auf dessen Sitzung vom 11. bis zum 13. Juli 2007., Sonderinfobrief im Juli ́07 (PDF; 268 kB)Stellungnahme des Wissenschaftsrates zur Akkreditierung vom 13. Juli 2007Pressemitteilung des Wissenschaftsrates zur Akkreditierung vom 16. Juli 2007 Die Befristung entsprach nach den damals geltenden Akkreditierungsregeln des Wissenschaftsrates der höchstmöglichen Akkreditierungsdauer für „neuerrichtete Hochschulen“.Leitfaden der Institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen, S. 12. Das Theologische Seminar war zuvor nicht als Hochschule tätig. Gemäß Wissenschaftsrat bildet das Theologische Seminar Elstal „vorrangig pastorales Personal für die eigene Kirche aus“; die „theologische Arbeit“ sei „auf die Erfordernisse der freikirchlichen Gemeindepraxis fokussiert“.Vgl. Stellungnahme des Wissenschaftsrates (PDF; 834 kB), S. 26. Am 28. Januar 2013 reakkreditierte der Wissenschaftsrat das Theologische Seminar Elstal für weitere fünf Jahre, mit der Option einer Verlängerung auf zehn Jahre, sollte es die im Akkreditierungsbescheid genannten Auflagen innerhalb von drei Jahren erfüllen.Wissenschaftsrat: Stellungnahme zur Reakkreditierung des Theologischen Seminars Elstal (Fachhochschule), Drucksache 2844-13, Januar 2013, S. 13. Das Akkreditierungsverfahren war abgeschlossen, als Sabine Kunst, die Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, der Elstaler Einrichtung als erster privaten Hochschule des Landes am 22. Oktober 2015 eine Urkunde über die unbefristete staatliche Anerkennung überreichte.Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden: Theologische Hochschule Elstal unbefristet staatlich anerkannt. Ministerin Sabine Kunst überbringt den Bescheid persönlich, Pressemitteilung vom 23. Oktober 2015, abgerufen am 28. März 2023.

Seit dem Wintersemester 2010/11 gibt es einen neuen Masterstudiengang „Freikirchliche Diakonie“. Dieser soll Studierende, die bereits über einen berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss im sozialwissenschaftlichen Bereich verfügen, auf den diakonischen Dienst in freikirchlichen Gemeinden vorbereiten. auf www.baptisten.de

Nach der erneuten Anerkennung durch den Wissenschaftsrat als Fachhochschule wurde die Ausbildungsstätte der Freikirche im April 2015 in Absprache mit deren Präsidium in die heutige Bezeichnung umbenannt. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg in Potsdam genehmigte diese Entscheidung.Studenten zu Botschaftern der Liebe Gottes ausbilden, idea.de, Meldung vom 7. April 2015.

Studium In seiner Stellungnahme zur Akkreditierung bezog sich der Wissenschaftsrat auch auf die theologische Arbeitsweise der Hochschule: „Die Hochschule nimmt zudem eine offene Position hinsichtlich der Rezeption allgemein anerkannter wissenschaftlicher Methoden in die eigene theologische Arbeit ein. Dies betrifft beispielsweise das Einbeziehen historisch-kritischer Fragestellungen bei der Analyse der biblischen Schriften.“Stellungnahme des Wissenschaftsrats zur Akkreditierung als Hochschule

Fächer Altes Testament Neues Testament Kirchengeschichte Systematische Theologie Praktische Theologie Missiologie und Diakonik

Studiendauer und Abschlüsse Studierende können innerhalb von sechs Semestern einen Bachelorabschluss in Evangelischer Theologie erwerben. Darauf aufbauend kann ein viersemestriger Masterstudiengang in Evangelischer Theologie absolviert werden. Der Erwerb des Masterabschlusses ist eine der Voraussetzungen, um Pastorin bzw. Pastor des BEFG werden zu können. Daneben wird ein viersemestriger Masterstudiengang in Diakonie und Sozialtheologie angeboten, der gemeinsam mit einem sozialwissenschaftlichen Bachelorabschluss zur Tätigkeit als ordinierte Diakonin oder Diakon im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sowie anderen Freikirchen befähigt.

Studienkosten Die Semestergebühren belaufen sich pro Semester auf 360,– Euro. Studierende der Hochschule haben die Möglichkeit einen ehrenamtlichen „Campusdienst“, zum Beispiel als Hilfskraft in der Bibliothek, im Archiv, für die Öffentlichkeitsarbeit oder Dozierende, zu absolvieren. Dieser wird als Ehrenamtspauschale verrechnet und mit 12,- Euro pro Stunde vergütet. Wer in Vollzeit studiert, kann somit bis zu 30 Stunden im Semester arbeiten, um die Semestergebühr komplett zu refinanzieren. Darüber hinaus sind alle Studierenden im B.A.- und M.A.-Studiengang zur Abnahme des Semestertickets der BVG verpflichtet. Das Semesterticket kostet etwa 205,20 Euro pro Semester (Stand Sommersemester 2022).

Studienvoraussetzungen mini|180px|Voraussetzungen für das baptistische Predigtamt (um 1900) Zum Erwerb theologischer Fachkompetenz: Fachhochschul- bzw. Hochschulreife oder Mittlere Reife plus abgeschlossene Berufsausbildung mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung entsprechend § 8 Abs. 3 BbgHG. Zum Erwerb von Handlungskompetenz: Ehren- oder hauptamtliche Mitarbeit in einer Ortsgemeinde des BEFG oder einer anderen christlichen Konfession, zu der der Bewerber gehört. Zum Erwerb personaler und sozialer Kompetenz: Eine Aufnahmekommission beurteilt aufgrund eines Aufnahmegesprächs, das in der Regel im Rahmen eines Bewerbertreffens stattfindet, ob sie ein erfolgreiches Studium erwartet.

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