mini|Napoléon wurde nach der Schlacht von Brienne beinahe von Kosaken gefangen genommen, wurde aber vom französischen General Gourgaud davor bewahrt. mini|Die Stellungen der beteiligten Armeen am Abend des28. Januar 1814 in der Darstellung von Loraine Petre

Die Schlacht bei Brienne wurde am 29. Januar 1814 während des Winterfeldzuges der Befreiungskriege in Frankreich zwischen einer französischen Armee unter Napoleon und russischen Korps der Schlesischen Armee unter Feldmarschall Blücher ausgetragen.

Die Schlacht fand nahe Brienne-le-Château statt, wo Napoleon studiert hatte. Als die Heere der Verbündeten aus drei Richtungen auf die französische Armee zumarschierten, plante Napoleon, jeden Teil einzeln anzugreifen und zu besiegen. Seine erste Absicht war, die preußischen und russischen Soldaten der Schlesischen Armee unter Blücher auseinanderzutreiben. Napoleon hatte mehr als 30.000 Soldaten, aber viele kamen gerade erst aus den Rekrutierungslagern und hatten keinerlei Kriegserfahrung.

Während der Kämpfe um das Schloss entgingen Blücher und sein Chef des Stabes August Neidhardt von Gneisenau nur knapp der Gefangenschaft. Seinerseits wurde Napoleon während heftiger Gefechte beinahe von russischen Kosaken gefangen genommen.

In älterer Literatur werden vereinzelt diese Schlacht und die darauf folgende Schlacht bei La Rothière am 1. Februar 1814 als ein gemeinsames Ereignis betrachtet, das dort insgesamt als Schlacht bei Brienne bezeichnet wird.

Vorgeschichte Die linksrheinischen Stellungen der französischen Truppen zum Jahreswechsel 1813/1814 Nach ihrer Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig hatten sich die Reste der französischen Armee vollständig nach Westen zurückgezogen. Am 1. und 2. November 1813 ging das Gros der Armee bei Mainz über den Rhein. Auf der rechten Rheinseite wurde von den Franzosen danach nur noch Mainz-Kastel und bis zum 9. November 1813 Hochheim am Main gehalten.

Es waren noch circa 70.000 Mann, die sich über den Rhein hatten retten können. Von diesen fielen aber viele den Krankheiten zum Opfer, die sich unter den Soldaten, aber auch der Zivilbevölkerung, ausbreiteten. Am schrecklichsten wütete das Fleckfieber (Typhus ambulatorius), der Typhus de Mayence.

Seine verfügbaren Truppen positionierte Napoleon im November 1813 in folgender Weise:Vgl. Beitzke, Petre und Marmont, 19. Buch.

+ Die Napoleonische Armee linksrheinisch im Dezember 1813 Abschnitt Kommandant Hauptquartier Truppenstärke Oberrhein: Basel bis Landau Marschall Victor Straßburg 10.000 Mittelrhein: Landau bis Koblenz Marschall Marmont Mainz 13.000 Festung Mainz: General Morand Mainz zunächst 30.000, fast alle erkrankt, weniger als 15.000 Überlebende Mittelrhein: Koblenz bis zur Lippe General Sebastiani (unter dem Oberbefehl von MacDonald) 4.500 Niederrhein: von der Lippe bis Nijmegen Marschall MacDonald Köln 10.000 Summe kampffähiger Truppen 37.500

Die rechtsrheinischen Koalitionstruppen der Schlesischen Armee im Dezember 1813 mini|Die Schlacht von Brienne in einer Darstellung von Jean-Baptiste Madou Die Koalitionstruppen hatten ihr Hauptquartier am 5. November 1813 nach Frankfurt am Main verlegt. Dort begannen intensive Beratungen zwischen den verbündeten Mächten über den weiteren Fortgang des gemeinsamen Heerzuges. Am 1. Dezember 1813 wurde in Anwesenheit von Zar Alexander und dem österreichischen Kaiser Franz beschlossen, einen Winterfeldzug nach Frankreich hinein zu führen. Im gemeinsamen Operationsplan wurde festgelegt, dass die Schlesische Armee zum Jahreswechsel am Mittelrhein den Fluss überschreiten solle. Dann sollte sie bis zum 15. Januar 1814 die Festung Metz erreicht und eingeschlossen haben.

Die Truppenteile der Schlesischen Armee zum Jahresausgang 1813 waren:Vgl. Thielen.

+ Die Schlesische Armee rechtsrheinisch im Dezember 1813 Truppenteil Herkunftsland Truppenstärke Stellung Ende Dezember 1813 Korps Sacken Russland 26.600 von Darmstadt bis Heidelberg Korps Langeron Russland 23.000 westlich von Frankfurt am Main Korps Saint-Priest(unter dem Oberbefehl von Langeron) Russland 4.000 bei Lahnstein Korps Yorck Preußen 19.000 von der Lahnmündung bis zur Mündung des Mains Korps Kleist Preußen 20.000 Erfurt Summe kampffähiger Truppen ca. 92.600

Feldmarschall Blüchers Hauptquartier befand sich in Frankfurt am Main. In Geheimbefehlen hatte er die Silvesternacht als Zeitpunkt des Rheinübergangs festgelegt.

Die Truppen der Schlesischen Armee waren schlecht versorgt und verpflegt. Es mangelte vor allem an Lebensmitteln. Die militärische Führung war rat- und hilflos und griff nicht ein, wenn sich die Truppen mit Gewalt selbst versorgten. Auch in der Schlesischen Armee gab es Fälle von Fleckfieber, das sich lokal auch in der Zivilbevölkerung ausbreitete.Vgl. Leggiere.

Der Rheinübergang der Schlesischen Armee Der Rheinübergang des russischen Korps Sacken bei Mannheim mini|Karte von Mannheim mit der Neckarmündung aus dem Jahre 1794 Vgl. Damitz, Sporschill, Beitzke, Plotho. Der Rheinübergang des russischen Korps Sacken begann in den frühen Morgenstunden des 1. Januars 1814 in Anwesenheit des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. an der bei Mannheim. Auf dem Neckar war eine Schiffsbrücke vorbereitet worden, die über den Rhein geschoben werden sollte. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite hatten aber französische Truppen eine Schanze errichtet, die so genannte er Redoute, die stark gesichert, mit sechs Geschützen bestückt und mit 300 Mann besetzt war. Ab 3:00 Uhr morgens setzten bei Dunkelheit mehrere russische Jäger-Regimenter in Kähnen über den Fluss. Gegen 6:30 Uhr wurden die Russen von den Franzosen bemerkt und die in der Schanze aufgestellten Geschütze begannen zu feuern. Darauf stürmten die russischen Jäger die Schanze: Sie zu nehmen gelang nach 30 Minuten, im vierten Versuch bei eigenen Verlusten von 400 Mann.Die Generale Talisin und Sass wurden verletzt.Der preußische König folgte den russischen Jägern sofort in einem Boot über den Rhein und war einer der Ersten am linken Rheinufer.

Die Russen stellten in den folgenden Stunden aus Kähnen Schleppzüge zusammen und begannen nach 14:00 Uhr, Karpows Kosaken und die Reiter des Prinzen Biron von Curland mit ihren Pferden über den Rhein zu setzen. Der Bau der vorbereiteten Schiffsbrücke über den Rhein war bis 18:00 Uhr am Neujahrstage 1814 erledigt. Das Korps setzte noch in der Nacht geschlossen an das linke Rheinufer über, erste Kontingente besetzten Worms und Speyer und Prinz Biron zu Curlands Reiter erreichten Alzey, ohne auf nennenswerten Widerstand zu treffen. Nur bei Mutterstadt gab es ein Reitergefecht, in dem sich 2.000 Karpowsche Kosaken gegen acht französische Schwadronen unter General Audenarde durchsetzten und 200 Reiter und 25 Offiziere gefangen nahmen.

Der Rheinübergang Blüchers bei Kaub mini|Die Rheininsel Falkenau, auf der Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub im Rhein steht, diente als Stütze für die Pontonbrücke über den Rhein Vgl. Damitz, Sporschill, Beitzke, Plotho. Der Übergang der Korps Yorck und Langeron erfolgte in Anwesenheit Blüchers und seines Generalstabs bei am Rhein unter Nutzung der kleinen Rheininsel Falkenau, auf der die Burg Pfalzgrafenstein steht. Die preußischen und russischen Truppen hatten sich in der sternklaren Winternacht dicht gedrängt aufgestellt, die Preußen am Rheinufer und seiner unmittelbaren Nähe, die Russen in den Seitentälern zum Taunus hin, das Gros zwischen und .dieser Ort wurde von den durchziehenden Soldaten geplündert, die den wehrlosen Einwohnern das Fleckfieber als Andenken zurückließen, das in den nächsten Wochen 70 Einwohnern den Tod brachte Nach Mitternacht trafen die russischen Leinenpontons zum Brückenbau ein und man begann von Süden her, rheinabwärts, Kähne möglichst lautlos heranzubringen, in denen ab 2:30 Uhr 2.000 Brandenburger Füsiliere über den Rhein setzten, die Rheininsel Falkenau mit Scharfschützen bemannten und die französische Wache aus einem Zollhäuschen auf dem linken Rheinufer vertrieben. mini|Der Rhein bei Kaub, in der Mitte die Burg Pfalzgrafenstein

Während der Brückenbau ungestört fortschritt, wurden auf allen verfügbaren Kähnen preußische Truppen übergesetzt, die zunächst die Höhen über dem linken Rheinufer, dann die nächstgelegenen Orte und besetzten. Bis 8:00 Uhr morgens tauchten wiederholt kleinere Kontingente französischer Truppen in der Stärke bis zu einigen hundert Mann auf, die aber von den preußischen Scharfschützen auf der Rheininsel Falkenau und den preußischen Truppen auf dem linken Rheinufer vertrieben werden konnten.

Um 9:00 morgens war die Pontonbrücke vom rechten Rheinufer bis zur Rheininsel fertiggestellt. Damit verkürzte sich der Weg, den die Kähne beim Übersetzen über den Fluss zurückzulegen hatten, und man begann nun, auch die ersten Pferde und kleineren Geschütze auf diesen Kähnen hinüber zu schaffen. mini|Durch die Insel Falkenau wird der Rhein etwas verengt und seine Strömungsgeschwindigkeit steigt an, was den russischen Pionieren zu schaffen machteVgl. auch Rheinlotse.

Um 16:00 Uhr nachmittags rissen Anker des bereits fertiggestellten Teils der Pontonbrücke und zwangen die russischen Pioniere dazu, ihre Arbeit aufwendig nachzubessern. Die bereits übergesetzten preußischen Truppen schoben ihre Posten bis und vor.

Am 2. Januar 1814 um 9:00 morgens war die Pontonbrücke in ganzer Länge fertig. Vom rechten Rheinufer bis zur Rheininsel hatte man 27 Pontons verbaut, von der Insel bis zum linken Rheinufer weitere 44 Pontons. Damit begann ein weit zügigerer Übergang der preußischen Truppen, der sich aber noch 24 Stunden hinzog, da die schweren Geschütze und Wägen einzeln hinübergefahren werden mussten. Bei Tagesanbruch des 3. Januar 1814 begann der Übergang des russischen Korps Langeron.

Die Truppen Langerons marschierten nach dem Rheinübergang sofort nach Süden auf Bingen zu und vertrieben dort ein französisches Kontingent aus 1.000 Mann Infanterie und einer Kavalleriebrigade der Ehrengarde (Gardes d’Honneur) unter General Choisy. Die französischen Infanteristen retteten sich vor der russischen Übermacht in die Festung Mainz, die Kavalleristen schlugen sich bis zur Saar durch und stellten sich dort unter den Befehl des französischen Marschalls Marmont. Langerons Korps bewegte sich weiter auf zu. Bereits am 5. Januar 1814 schlossen die Russen Mainz nach teils hartnäckigen Gefechten mit französischen Truppen ein. Die Preußen unter Yorck marschierten über nach , wohin Blücher am Abend des 4. Januar 1814 sein Hauptquartier verlegte. Ein preußisches Kontingent unter Henckel von Donnersmarck bewegte sich auf zu und zwang morgens am 3. Januar 1814 zwischen 2:00 Uhr und 4:30 in einem Nachtgefecht in die Nachhut der französischen Division Ricard, die Stadt zu räumen und sich zurückzuziehen.

Der Rheinübergang des russischen Korps Saint-Priest bei Koblenz mini|Koblenz um 1700: Das Stadtgebiet war auch 1814 noch eingezwängt in den Winkel zwischen Rhein und Mosel. Da die Umwallung durch den Bau des Schlosses inzwischen aufgelassen worden war, konnte die Stadt von Süden her besetzt werdenVgl. hierzu auch Festung Koblenz. Vgl. Damitz, Sporschill, Beitzke, Plotho. In der Silvesternacht von 1813 auf 1814 setzten die ersten Infanteristen des russischen Korps Saint-Priest auf 82 Kähnen, die auf der Lahn requiriert worden waren, bei über den Rhein und stürmten die Schanze, die französische Truppen gegenüber der Lahnmündung errichtet hatten. Bereits um 4:00 Uhr morgens konnten die Russen die Stadt Koblenz, die noch in der Nacht von den Franzosen geräumt worden war, besetzen, wobei einige hundert französische Soldaten in Gefangenschaft gerieten. Die französische Division Durutte, die bei und in Koblenz gestanden hatte und dort erst am 30. Dezember 1813 eingetroffen war, zog sich über den Hunsrück an die Saar zurück.

Da an den folgenden Tagen Eisgang auf dem Rhein einsetzte, wurde die Überfahrt weiterer Truppenteile des Korps Saint-Priest verzögert.