Die CDU Thüringen ist ein Landesverband der Christlich Demokratischen Union Deutschlands und mit 6.932 Mitgliedern (Stand: Mai 2026) der größte Landesverband aller Parteien im Freistaat. Er entstand 1990 aus der zuvor mit der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands und dem Demokratischen Aufbruch vereinigten CDU der DDR im Gebiet der Bezirke Erfurt, Gera und Suhl. Von 1990 bis 2014 und seit 2024 stellt die CDU den Thüringer Ministerpräsidenten, wobei sie zehn Jahre lang mit absoluter Mehrheit regierte. Landesvorsitzender ist seit 2022 Mario Voigt, der seit 2024 auch Ministerpräsident ist.
Organisation Landesverband Der Landesverband Thüringen der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) ist der Zusammenschluss aller Mitglieder der CDU im Freistaat Thüringen. Er hat die Aufgabe, durch seine Organe, Kreis- und Ortsverbände und Vereinigungen, die politische Willensbildung in der CDU und im öffentlichen Leben zu fördern und dessen Mitglieder über alle wichtigen politischen Entscheidungen zu unterrichten und sie zur Teilnahme an der Politik anzuregen. Der Landesparteitag ist dabei das oberste politische Organ der CDU Thüringen. Er wird vom Landesvorstand einberufen und tritt mindestens einmal jährlich zusammen. Er ist insbesondere zuständig für alle die CDU Thüringen berührenden Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung.
Der Landesverband der CDU Thüringen unterhält eine Landesgeschäftsstelle. Sie ist für die politische, administrative und finanzielle Organisation der Partei auf Landesebene zuständig. Dazu gehört auch die strategische und konzeptionelle Vorbereitung von Wahlkämpfen und Kampagnen.
Landesvorstand Der Landesvorstand vertritt den Landesverband nach außen und führt dessen Geschäfte auf Landesebene. Er wird alle zwei Jahre von einem Landesparteitag neu gewählt. Zuletzt wurde der Vorstand auf dem 41. Landesparteitag in Eisenach am 22. August 2026 gewählt.
Vorsitzender Mario Voigt Stellvertretende Vorsitzende Beate Meißner, Thadäus König, Christian Hirte, Marion Frant, Wolfgang Weisskopf Schatzmeister Christian Herrgott GeneralsekretärNiklas Waßmann Mitgliederbeauftragte Claudia Heber Digitalbeauftragter Thomas Gottweiss Beisitzer Michael Brodführer, Lennart Geibert, Carolin Gerbothe, Ulrike Jary, Jessica Kellner, Christian Klein, Lilly Krahner, Caroline Lösche, Kristina Nordt, Stefan Schard, Rita Spies, Erik Thürmer, Jonas Urbach, Lilli von Wrede, Guntram Wothly
Kreisverbände Die CDU Thüringen gliedert sich entsprechend der Verwaltungsstruktur des Freistaates Thüringen in 22 Kreisverbände. Diese setzen sich aus einzelnen Stadt- und Ortsverbänden zusammen.CDU Thüringen: Kreisverbände. Diese sind: Altenburger Land, Eichsfeld, Erfurt, Gera, Landkreis Gotha, Landkreis Greiz, Landkreis Hildburghausen, Ilm-Kreis, Jena, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Landkreis Schmalkalden-Meiningen, Landkreis Sömmerda, Landkreis Sonneberg, Suhl, Unstrut-Hainich-Kreis, Wartburgkreis, Weimar und Landkreis Weimarer Land.
Programm Grundsatzprogramm Auf Initiative des damaligen Generalsekretärs der CDU Thüringen Mike Mohring wurde auf dem 22. Landesparteitag vom 15. bis 17. Juni 2007 in Saalfeld das Grundsatzprogramm der CDU Thüringen „Was uns verbindet“ einstimmig beschlossen. Es beschreibt die Grundwerte der CDU Thüringen, wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Weiterhin lassen sich im Programm Rahmenstellungen für viele politische Thematiken ausmachen und ein Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung, zur Sozialen Marktwirtschaft, zum Föderalismus und zur kommunalen Selbstverwaltung. Im Zuge der Ausarbeitung des Programms fanden mehrere Foren unter Beteiligung der Mitglieder und bekannter Referenten statt. So diskutierte man unter anderem mit dem damaligen Präsidenten des Deutschen Bundestages Norbert Lammert über das Thema „Heimat und Patriotismus“.cdu-thueringen.de:
Thüringen 2020 Die CDU Thüringen startete im Jahr 2010 unter dem Titel „Thüringen 2020“ einen Diskussionsprozess zur Zukunft des Freistaats Thüringen. Den Auftakt bildete der ZukunftsDIALOG im Jenaer Zeiss-Planetarium am 8. Oktober 2010, zu dem Mitglieder, Abgeordnete, Mitglieder der Landesregierung und Kommunalpolitiker zusammenkamen. Im Rahmen des Programms konnten sich alle Mitglieder im Rahmen von ZukunftsWERKSTÄTTEN zu verschiedenen Themen aktiv in die inhaltliche Arbeit einbringen. In den Werkstätten wurden Perspektiven, Ideen und Konzepte in einzelnen Politikfeldern für das Jahr 2020 entwickelt.
Thüringenplan 2014–2019 Der Thüringenplan war das Regierungs- bzw. Wahlprogramm der CDU Thüringen für die Jahre 2014 bis 2019 und spiegelte die wichtigsten inhaltlichen Standpunkte der Partei wider. So sprach man sich unter anderem dafür aus, bürgernahe Strukturen im Land zu erhalten, Noten und Kopfnoten verbindlich festzuschreiben, mindestens 2.500 neue Lehrer in Thüringen bis 2019 einzustellen, einen Meisterbonus einzuführen wie auch die Generationengerechtigkeit als Staatsziel in die Thüringer Verfassung zu schreiben.Thüringenplan der CDU Thüringen:
Geschichte Gründung 1945 Die CDU Thüringen wurde am 20. Juli 1945 in Weimar gegründet. Erster Landesvorsitzender wurde Max Kolter, vertreten von Georg Grosse.SBZ-Handbuch, Seite 538–539 Max Kolter wurde im Juli 1945 durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) zum Vizepräsidenten der Landesregierung unter Ministerpräsident Rudolf Paul ernannt. Der erste Konflikt, den die CDU mit der Besatzungsmacht austrug, war der um die Bodenreform. Die CDU stand den Enteignungen kritisch gegenüber. Max Kolter musste den Widerstand gegen die Bodenreform mit seinem Leben bezahlen. Am 4. Dezember 1945 wurde er von der SMAD aus seinen Ämtern entlassen und verhaftet. Am 22. Dezember 1945 starb er in Haft.
Ab dem 1. Mai 1946 konnte die CDU Thüringen mit dem Thüringer Tageblatt eine eigene Zeitung herausbringen. Durch geringe Zuweisungen von Papier und Druckkapazitäten wussten SED und SMAD jedoch Auflage und Wirkung gering zu halten.
Bei der halbfreien Landtagswahl 1946 erreichte die CDU mit 18,9 Prozent und 19 Mandaten nur den dritten Platz nach SED und LDP.
Gleichschaltung und Blockpartei Mit der Absetzung Jakob Kaisers als Vorsitzender der CDU in der SBZ im Dezember 1947 wurden auch in Thüringen die Möglichkeiten der Parteiarbeit weiter eingeschränkt. Ab Februar 1948 durften in Thüringen nur noch CDU-Versammlungen durchgeführt werden, wenn die SMAD die Reden und Erklärungen vorher genehmigt hatte. Hierdurch sollten Solidaritätsadressen zu Kaiser verhindert werden.Richter: Die Ost CDU, Seite 49–54 Auch waren bei Vorstands- und Fraktionssitzungen der CDU Thüringen immer Offiziere der SMAD anwesend. Eine freie Meinungsbildung war hierdurch unmöglich geworden. So nahm der Landesvorstand am 23. Dezember 1947 in Anwesenheit von Sowjetmajor Popolowski in offener Abstimmung eine gegen Kaiser gerichtete Entschließung an. Eine „Säuberungswelle“ führte zur Absetzung oder dem erzwungenen Rücktritt vieler CDU-Funktionäre. Nachdem bereits 1946 Hans Lukaschek zur Flucht in den Westen veranlasst wurde, forderte die SMAD am 14. Februar 1948 Versorgungsminister Georg Grosse zum Rücktritt auf. Bis zum 5. März 1948 waren zwölf der 25 Kreisvorsitzenden der CDU abgesetzt oder zum Rücktritt gezwungen worden.Richter: Die Ost CDU, Seite 54–65 Auf dem Landesparteitag vom 21. bis 24. Mai 1948 kam es zu einer Kampfabstimmung um den Landesvorsitz. Georg Grosse, der sich zu Kaiser bekannte, erhielt 149 Stimmen, Siegfried Trommsdorff nur 69. Die SMAD untersagte Grosse die Annahme des Amtes und Trommsdorff blieb Landesvorsitzender.Richter: Die Ost CDU, Seite 85.
Im Sommer 1948 kam es im Landtag zum letzten Versuch der demokratischen Parteien, parlamentarische Spielregeln einzufordern. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Karl Magen, kritisierte die einseitige Besetzung der Polizei mit SED-Mitgliedern und kündigte eine Ablehnung eines Gesetzesentwurfs der SED an, mit dem die Verwaltungsgerichtsbarkeit faktisch abgeschafft werden sollte. Nachdem er durch tägliche Verhöre und Kontrollen der SMAD deutlich vor Augen geführt bekam, dass eine Oppositionsarbeit von den Machthabern nicht geduldet werden würde, floh er im Juni 1948 nach Westdeutschland.
Sein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender, Johannes Mebus, kritisierte gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden der LDPD, Hermann Becker, am 23. Juli 1948 erneut die totalitären Machtansprüche der SED und die einseitige Besetzung der Schulratsposten mit SED-Anhängern. Noch in der Landtagssitzung wurde Becker (ungeachtet seiner parlamentarischen Immunität) verhaftet und in ein Arbeitslager in der Sowjetunion deportiert. Mit dieser Maßnahme gelang es SED und SMAD, den Widerstand der demokratischen Parteien zu brechen.Richter: Die Ost CDU, Seite 94–95.
Am 4. März 1949 entschied der Landesvorstand der gleichgeschalteten CDU die Einführung des „Demokratischen Zentralismus“, also der Abschaffung der innerparteilichen Demokratie. Wahlen zu Parteiämtern bedurften nun der Zustimmung.
Eine weitere „Säuberungswelle“ lief durch die Partei. Der Chefredakteur des Thüringer Tageblattes, Heinz Baumann, wurde zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt und durch den linientreuen August Bach ersetzt. Die Kreisvorstände in Erfurt, Eisenach und Saalfeld wurden abgesetzt, die Kreisvorsitzenden Johann Panther und Peter Mölken zur Flucht in den freien Westen gezwungen. Auch Grosse musste im August 1949 in den Westen fliehen.Richter: Die Ost CDU, Seite 174–176.
In der Thüringer Landesregierung stellte die CDU neben dem Amt des Vizepräsidenten (Juli 1945 bis 4. Dezember 1945: Max Kolter) die Minister für:
Forstwirtschaft (1946: Hans Lukaschek; 25. Februar 1950 bis 21. November 1950: Herbert Wetzstein) Handel und Versorgung (9. Oktober 1947 bis 14. Februar 1948: Georg Grosse; 14. Februar 1948 bis 6. Juli 1950: Heinrich Gillessen; 6. Juli 1950 bis 21. November 1950: Walter Rücker; 21. November 1950 bis 23. Juli 1952: Willy Rutsch) Kultur und Volkserziehung (4. Dezember 1945 bis 1. September 1947: Wilhelm Wolf) Verkehr (9. Oktober 1947 bis 25. Februar 1950: Wilhelm Bachem; 25. Februar 1950 bis 15. Oktober 1950: Hellmut von Oertzen)
mini|CDU-Parteitag Erfurt 1964 mini|CDU-Parteitag Erfurt 1968 Mit der Abschaffung der Länder 1952 traten an die Stelle des Landesverbandes die CDU-Organisationen in den neugeschaffenen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl. Wie in der übrigen DDR gehörte die CDU bis 1990 als Blockpartei zur Nationalen Front. Deshalb war sie in den Bezirkstagen sowie in den Kreistagen und Gemeindevertretungen jeweils durch eine vorher festgelegte Zahl von Abgeordneten vertreten. Gleiches galt für die DBD, die 1990 in der CDU Thüringen aufging. Die Blockparteien waren auch an den Regierungsorganen der verschiedenen Ebenen beteiligt, bis hin zum Ministerrat und dem Staatsrat der DDR. So war der CDU-Politiker Luitpold Steidle, der unter anderem am Aufbau der NVA mitgewirkt hat, nicht nur von 1949 bis 1971 Mitglied der Volkskammer, sondern von 1949 bis 1958 DDR-Gesundheitsminister und von 1960 bis 1969 Oberbürgermeister von Weimar. Die CDU stellte von 1946 bis 1989 durchgängig die Oberbürgermeister von Weimar. Gerhard Baumgärtel, der dieses Amt von 1982 bis 1989 innehatte, war von 1986 bis 1990 zugleich Abgeordneter der Volkskammer und von November 1989 bis März 1990 Bauminister der DDR. Sieben der 17 Parteitage der Ost-CDU fanden in Thüringen (Weimar bzw. Erfurt) statt. Die CDU verfügte in der DDR unter anderem über eigene Immobilien, Produktionsbetriebe, Ferieneinrichtungen und Verlage. Im November 1990 verzichtete die CDU endgültig auf das nicht rechtsstaatlich erworbene Vermögen der Ost-CDU und der DBD.
Nach der Wende und Deutschen Wiedervereinigung 1989/1990 mini|Das erste Kabinett des Landes Thüringen am 8. November 1990 (von links): Jentsch, Böck, Sieckmann, Fickel, Axthelm, Zeh, Lieberknecht, Sklenar, Schultz, Lengemann, Duchač