Oberndorf ist ein Stadtteil von Solms im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis und bildet zusammen mit Burgsolms die Kernstadt.
Geographische Lage Oberndorf liegt in einem Talkessel am Solmsbach, der sich hier zwischen bewaldeten Berghängen tief in die letzten Ausläufer des Hintertaunus am Lahntal eingegraben hat. Auf dem Bergrücken im Südwesten ist das hochgelegene Braunfels nur wenige Hundert Meter von Oberndorf entfernt, während die Gemarkung im Osten die bewaldeten Berghänge mit der ehemaligen Grube Ferdinand und die 289 Meter Höhe erreichende Kammlinie bis kurz vor Laufdorf einschließt. Nördlich von Oberndorf ist die Bebauung mit Burgsolms zusammengewachsen und südlich befindet sich in etwa vier Kilometer Entfernung der Braunfelser Stadtteil Bonbaden.
Geschichte Ortsgeschichte Die Ortsgeschichte von Oberndorf ist eng mit der Burgsolmser verwurzelt. So beanspruchen beide Ortschaften im Jahr 788 im Lorscher Codex durch eine Kirche erstmals erwähnt zu werden. Da von der Burgsolmser Mutterkirche die Rede ist, ist vermutlich von Oberndorf auszugehen. 1128 werden die Orte als Solmesso genannt, aber bereits um 1300 differenziert. So wird nun der Ortsname Superior Sulmisse, also Obersolms, dem späteren Oberndorf, erwähnt.
Bedeutend für Oberndorf war die Eisenverarbeitung im Dorf in der Oberndorfer Hütte, wo das Erz aus den umliegenden Gruben verhüttet wurde. Ihre Gründung geht auf Graf Heinrich Trajektin von Solms-Braunfels im Jahr 1666 zurück. 1859 wurde die Hütte aufgegeben.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 1. Juli 1971 die bis dahin eigenständigen Gemeinden Oberndorf und Burgsolms freiwillig zur neuen Gemeinde Solms. Diese Gemeinde wurde am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz mit den Gemeinden Bielhausen und Niederbiel zur neuen Großgemeinde Solms zusammengeschlossen. Die Großgemeinde erhielt am 11. April 1978 die Stadtrechte. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Oberndorf unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Sulmissa, super fluvio (788) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3089 = 3708 a] Sulmissam, super fluvium (788) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3089 = 3708 a] Sulmisheimer, in marca (803) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3091 = 3722e] Sulmissere, in marca (803) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3091 = 3722e] Sulmisheimer, in marca (811) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3090 = 3726] Sulmissere, in marca (811) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3090 = 3726] Sulmisheimer, in marca (817) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3092 = 3729a, 3094] Sulmissa, in (817) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3092 = 3729a, 3094] Sulmissa, in villa (855) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3039 = 3735] Solmesso (1128) [Mainzer Urkundenbuch 1, Nr. 554] Sulmese, de (1129) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3, Nr. 1329] Oberndorf, de (1228) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, Nr. 12] Oberndorff, de (1261) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, Nr. 99] Solmß, in villa que vulgariter Oberndorff nuncupatur (1283) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 2, Nr. 133] superior Solmisse (1319) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, Nr. 949] Obernsolmisse, zu (1332) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, Nr. 1196]
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Oberndorf angehört(e):
788: Lahngau (in pago Logenehe) vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, Anteil der Grafschaft Solms, Amt Braunfels ab 1806: Herzogtum Nassau,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Amt Braunfels1815: Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Braunfels). ab 1816: Königreich Preußen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar1849: Endgültige Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar, Gemeinde SolmsAm 1. Juli 1971 wurden Burgsolms und Oberndorf zur neu gebildeten Gemeinde Solms zusammengeschlossen. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Solms ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Solms
Einwohnerentwicklung
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1834: 334 evangelische, 12 katholische, 12 jüdische Einwohner • 1961: 1401 evangelische (= 79,02 %), 354 katholische (= 19,97 %) Einwohner
Wappen mini|Evangelische Kirche Am 8. Mai 1968 wurde der Gemeinde Oberndorf im damaligen Landkreis Wetzlar ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In goldenem, mit blauen Schindeln bestreuten Feld ein rotbezungter und -bewehrter blauer Löwe, belegt mit einem silbernen Schild, darin ein roter Hammer und Schlägel schräggekreuzt.
Kulturdenkmäler
Verkehr mini|Bahnhof Braunfels-Oberndorf Durch Oberndorf führt die L 3283, die nördlich von Burgsolms von der Bundesstraße 49 kommend, Richtung Bonbaden verläuft, sowie die L 3451, die von Wetzlar kommend, nach Braunfels führt.
Oberndorf lag mit einem Haltepunkt Burgsolms-Oberndorf und einem Bahnhof Braunfels-Oberndorf seit 1912 an der Bahnstrecke Friedrichsdorf–Albshausen. Mit der abschnittsweisen Stilllegung der Strecke 1985 wurde die Bahnanlagen weitgehend abgebaut. Trotzdem lässt sich auch heute der Bahndamm und die Trassenführung in der Umgebung der Ortschaft erkennen. Ein Bahnhof besteht heute in Albshausen sowie ein Haltepunkt in Burgsolms (beide an der Lahntalbahn).
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Lahn-Dill-Kreis Kategorie:Geographie (Solms) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Lahn-Dill-Kreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971