Obersorbische Vornamen sind Vornamen, die im obersorbischen Kulturraum gebräuchlich sind. Sie werden also, anders als Germanische Namen oder Slawische Vornamen, in erster Linie nicht linguistisch, sondern kulturell definiert.Vergleiche die entsprechende Handhabung in Abhandlungen zu Vornamen anderer Kulturräume, etwa den ostfriesischen Vornamen in

Irma Raveling, Die ostfriesischen Vornamen: Herkunft, Bedeutung und Verbreitung, 3., neugestaltete Auflage, Aurich: Verlag Ostfriesische Landschaft, 1988, ISBN 3-925365-27-3, oder den deutschen Vornamen in

Wikipedia, Anthroponymie. Aufgrund der vielfältigen äußeren Einflüsse, denen die obersorbische Kultur ausgesetzt ist, ist auch der Namensbestand vielfältig und orthografisch wie phonologisch variantenreich.

Beispiele für beliebte weibliche Vornamen sind:

Bernadet, Borbora, Božena, Dana, Franciska, Hanka, Hańža, Christina, Jana, Jěwa, Katka, Julija, Lejna, Lenka, Lubina, Ludmila, Madlena, Marhata, Marja, Měrana, Pawlina, Rejza, Ruzalka, Sofija, Weronika, Wórša, Zusana

und für männliche:

Beno, Bjarnat, Bosćij, Dawid, Feliks, Handrij, Horisław, Jakub, Jan, Jurij, Korla, Klaws, Křesćan, Maćij, Marko, Měrćin, Michał, Mikławš, Pawoł, Pětr, Radoměr, Roman, Sćěpan, Stanisław, Syman, Tomaš.

Herkunft Die ursprünglichen sorbischen Vornamen waren ausschließlich westslawischen Ursprungs; etliche davon haben sich bis heute erhalten. Einige sind originär sorbisch, das bekannteste Beispiel ist Lubina. Andere, wie Božena, sind weiter verbreitet und finden sich auch in anderen westslawischen Kulturen.

Die Christianisierung brachte dann eine Vielzahl kirchlicher Namen zu den Sorben. Hierunter finden sich biblische Namen wie Hilža und Mato sowie Heiligennamen wie Weronika und Měrćin.

Immer wichtiger für die Vornamensgebung wurde im Laufe der Zeit die deutsche Kultur, aus der Vornamen germanischen wie nichtgermanischen Ursprungs übernommen wurden und werden. Beispiele hierfür sind Robert, Dytar und Helga sowie Andrea, Diana und Tobias.

Schließlich finden sich auch einige nicht-sorbische slawische Namen wie Bogna oder Andrej. Ein möglicher Grund hierfür könnte ein allgemeines Interesse an slawischer Kultur im Zuge der Besinnung auf die slawischen Wurzeln der Sorben sein.

Eine strikte Trennung zwischen den Namensquellen ist nicht immer möglich. So ist Jadwiga ein nicht-sorbischer slawischer Name germanischen Ursprungs, während Maria zwar aus dem Deutschen übernommen ist, seine Beliebtheit aber christlichen Gründen verdanken dürfte. Wieder andere Namen sind in mehreren Formen aus unterschiedlichen Quellen übernommen worden, so findet sich neben der sorbischen Jěwa auch die deutsche Eva und die polnische (oder sorbisch-deutsche) Ewa, und zwischen der sorbischen Borbora und der deutschen Barbara findet sich die Übergangsform Barbora.

Weiter vergrößert wurde der sorbische Namensreichtum durch die Diminutive. Ursprünglich nur eine Abwandlung von Taufnamen für den privaten Gebrauch konnten sie zu eigenständigen Taufnamen werden. So entstanden beispielsweise aus den Namen Jana und Daniel die Namen Janka und Janika sowie Danko.

Orthografie und Deklination

Orthografie

Der Einfluss der verschiedenen Kulturen wirkt sich auch auf die Schreibweise der Namen aus.

Einige ausländische Namen, wie Angelique, Bianca oder Solveig sowie Enrico, Marcel oder René, sind in Schreibweise und Aussprache unverändert übernommen worden, vermutlich nicht direkt aus dem Ursprungsland, sondern mit Umweg über die deutsche Kultur.

Die meisten Namen liegen jedoch in sorbischer oder deutscher Schreibweise vor. Diese sind häufig identisch. Einordnen lassen sie sich, wenn orthographische Besonderheiten der jeweiligen Sprache auftreten, wie zum Beispiel sorbische Diakritika (č, ě, ł usw.) oder deutsche Doppelkonsonanten oder -vokale (tt, nn, au, ie usw.) Von vielen Namen finden sich sorbische wie deutsche Schreibweisen, so bei Aleksander/Alexander, Andreja/Andrea, Dytmar/Ditmar/Dietmar, Juta/Jutta, Rajnar/Reiner oder Weronika/Veronika. Bei einigen Namen finden sich auch Zwischenformen, so bei Lucaš oder bei Klawdija/Clawdija/Claudija/Klaudia/Claudia.

Deutsche Namen in sorbischer Schreibweise wie Pawlina finden sich relativ häufig, sorbische Namen in deutscher Schreibweise wie Bronislaw kommen dagegen kaum vor.

Bei Namen, die im Deutschen ein kurzes i (gesprochen wie sorbisch y) oder ein stimmhaftes s (gesprochen wie sorbisch z) enthalten, kann die sorbische Schreibweise der deutschen Schreibweise oder der deutschen Aussprache folgen. Daher finden sich in sorbischer Schreibweise hier oft mehrere Formen, wie bei Silka und Sylka oder bei Jósef und Józef.

Deklination Ursprünglich endeten weibliche obersorbische Namen in der Grundform auf -a und männliche waren endungslos oder endeten auf -o oder -a. Diese Namen werden im Obersorbischen wie die entsprechenden Substantive dekliniert. → Měrana, Měrany, Měranje, Měranu, … → Rodźisław, Rodźisława, Rodźisławej, Rodźisława, … → Měrko, Měrka, Měrkej, Měrka, … → Ota, Oty, Oće, Otu, …

Neuere Namensformen, die nicht mehr diesen Paradigmen entsprechen, können im Extremfall undekliniert gelassen werden. Im Normalfall können sie jedoch dekliniert werden, unter Umständen werden sie dazu leicht angepasst.

Bei weiblichen Namen wie Andrea, deren Stamm auf einen Vokal endet, wird in der Deklination ein -j- eingeschoben:Vergleiche Pawoł Völkel, Timo Meškank: Prawopisny słownik hornjoserbskeje rěče. Hornjoserbsko-němski słownik/Obersorbisch-deutsches Wörterbuch. 5., bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Bautzen: Domowina Verlag, 2005. ISBN 3-7420-1920-1. Eintrag „Andrea“, Seite 24. → Andrea, Andreje, Andreji, …

Weibliche Namen wie Katrin, Berbel oder Beatrix, die in der Grundform endungslos sind, werden wie die entsprechenden Substantive dekliniert:Vergleiche Pawoł Völkel, a.o.a.O, Eintrag „Doris“, Seite 96. → Katrin, Katriny, Katrinje, … → Berbel, Berbele, Berbeli, … → Beatrix, Beatrixy, Beatrixy, …

Bei männlichen Namen wie Wyli, deren Stamm auf einen Vokal endet, wird in der Deklination ein -j- eingeschoben:Vergleiche Pawoł Völkel, a.o.a.O, Eintrag „handy“, Seite 139. → Wyli, Wylija, Wylijej, …

Anhang: Liste obersorbischer Vornamen

Diese Liste enthält nur Vornamen, die in obersorbischer Schreibweise geschrieben sind (z. B. Sofija, aber nicht Sophia) und deren Verwendung durch Quellen oder bekannte Namensträger belegt ist. Sie enthält keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Quellen zum Anhang finden sich am Ende des Anhangs.

Inhalt: Weibliche Vornamen Männliche Vornamen Aus literarischen und historischen Quellen Legende

Weibliche Vornamen

  Name Quellen und/oder bekannte NamensträgerinnenAgnisa WenzelAleksandra SgBAlena SgBAndreja SgBAna WenzelAnemarija SgBAnerose SgBAneta SgBAntonija SgBBerbel SgBBernadet SgBBorbora SgB, VölkelBožena SgB – Božena Nawka-KunyszBrigita SgBDana SgBDobysława SgBDorotejaDoroteja ŠołćinaEdita SgB, VölkelElka SgB – Elka ČernokožewaElwira SgBElžbjeta SgBEwelin SgBFranciska SgBGerša SgB, WenzelGiza SgBGizela SgBGreta WenzelHabeta WenzelHalena SgBHana SgB, Völkel, WenzelHanaliza SgBHanamarja SgBHanelora SgBHanka SgB, Völkel – Hanka Fascyna, Hanka Jenčec, Hanka KrawcecHańža SgB, Völkel – Hańža Bjeńšowa, Hańža Budarjowa, Hańža Winarjec-OrsesowaHańžka SgB, VölkelHapula WenzelHelena SgBHerta SgB, Wenzel – Herta WićazecHila WenzelHilža SgB, VölkelHilžka WenzelHilžbjeta VölkelChrista SgB, VölkelChristina SgB, VölkelChrystina SgBIlza WenzelIrena SgBIrina SgBJadwiga SgBJadźa SgBJana SgBJanka SgBJěwa SgB – Jěwa-Marja Čornakec, Jěwa Wórša LanzynaJozefa SgBJudit SgBJulija SgBJuta SgBKaca WenzelKata SgB, Völkel, Wenzel – Kata MalinkowaKatarina SgB, WenzelKati SgBKatja SgB, VölkelKatka Katka BaierowaKatrin SgBKatyrna VölkelKatyržinka VölkelKlara WenzelKlawdija SgBKonstanca SgBKristina SgBKrysta SgBKuna WenzelLejna SgB – Lejna TheurigowaLenka SgB – Lenka NoackLeńka SgBLubina SgB – Lubina Hajduk-Veljkovićowa, Lubina Holanec-RawpowaLucija SgBLudmila SgB – Ludmila BudarjowaMadlena SgB, Wenzel – Madlena NasticcynaMadlenka SgB, WenzelMadleńka Madleńka ŠołćicMaja SgB – Maja NagelowaMajka SgB – Majka KowarjecMarhata SgB – Marhata Cyžec-KorjeńkowaMarija SgB, Völkel, WenzelMariš WenzelMarja SgB, Völkel – Marja Grólmusec, Marja Krawcec, Marja Kubašec, Marja Ludwiga Michałkowa, Marja Młynkowa, Marja Simonowa, Jěwa-Marja ČornakecMarjana SgBMarka SgB, Völkel – Marka Maćijowa, Rut-Marka RawpowaMarša WenzelMaruša SgB, WenzelMarta WenzelMěrana SgB – Měrana CušcynaMěrka SgB – Měrka Mětowa, Měrka KozelowaMila SgBMilena SgBMilenka SgBMirijam SgBMječisława SgBMonikaSgB, VölkelMónikaVölkelOrta WenzelOrtej WenzelPatricija SgBPawlina SgBRejza SgB, VölkelRejzka SgBRela WenzelRelka WenzelRenata SgB, VölkelReta WenzelRodźisława SgBRozalka SgBRóža SgB, Völkel – Róža DomašcynaRóžamarja SgBRut Rut-Marka RawpowaRuta SgB, VölkelRuzalka SgBSabina SgBSara SgBSilka SgBSilwija SgBSimona SgBSofija SgB, Völkel – Sofija NatuškecStefani SgBStefi SgBSusana SgBSybila SgBSylka SgBSylwija SgBSylwja SgBTeres SgBTeresa SgBTerez SgBTereza SgBTrudla SgB – Trudla MalinkowaUršel WenzelUršula WenzelWera SgBWerina SgBWeronika SgB, VölkelWita SgBWojćisława SgBWorša WenzelWórša SgB, Völkel – Jěwa Wórša Lanzyna, Wórša Šołćic, Wórša WićazowaWoršula PreußlerWuršula WenzelWurta WenzelZala SgB – Zala CyžowaZusana SgB

Männliche Vornamen