Bartelt Immer (* 3. November 1956 in Emden) ist Orgelbaumeister aus Ostfriesland, der durch die Restaurierung historischer Orgeln hervorgetreten ist und weit beachtete Orgelneubauten geschaffen hat. Er hat neue Techniken im Bereich der Traktur und Windversorgung entwickelt. Den Einfluss der Pfeifenwanddicke auf den Klang hat er wissenschaftlich untersucht, um durch eine entsprechende Manipulation des Materials eine Klangintensivierung zu erzielen.Homepage Bartelt Immer: Forschung, abgerufen am 14. März 2023. Neben Orgeln restauriert Immer auch historische Tasteninstrumente wie Harmonien und Klaviere.

Leben Immer entstammt einer alten reformierten Pastorenfamilie aus Emden. Von 1978 bis 1981 ging er in die Orgelbaulehre bei Gerald Woehl in Marburg. Dem Ideal gleichberechtigter Teamarbeit nachstrebend, war Immer 1985 bis 1990 Teilhaber der „Krummhörner Orgelwerkstatt“ in Greetsiel (zusammen mit Hero Bödeker, Martin und Wilfried Fooken und Regina Stegemann). Seine eigene Werkstatt wurde 1991 gegründet und befindet sich in Norden-Süderneuland auf dem historischen Pekelheringer Hof des Grafen zu Knyphausen Lütetsburg.

Werk Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Restaurierung historischer Orgeln, Immer hat aber auch neuere Werke renoviert. Kennzeichnend für seine Arbeitsweise ist die Ermöglichung der Reversibilität, die Verwendung alter Materialien und Erstellung ausführlicher Dokumentationen, um strengen musealen Prinzipien gerecht zu werden. Insbesondere ist er in der Orgellandschaft Ostfriesland tätig. Auf den kanarischen Inseln hat er bisher acht Orgeln restauriert, darunter drei englische Orgeln aus dem 19. Jh. und einige historische norddeutsche Orgeln. Die älteste ist eine Tischorgel aus dem Beginn des 17. Jh. Zudem hat Immer innovative Techniken entwickelt, wie etwa eine neue Art von Windlade oder eine Cembalo-Mechanik für Positive, bei der die Ventile oben liegen.

Daneben hat Immer, der im Jahr 2017 vier Angestellte hatte,Michael Hillebrand: Seit 1978 sorgt er für den richtigen Pfiff. In: Ostfriesen-Zeitung vom 8. Februar 2017, S. 10. auch Harmonien (u. a. Druckluft-Instrumente von Kannegießer, Schiedmayer und Alexandre Père et Fils) und Klaviere restauriert (u. a. Flügel von Steinweg/Nachfolger [1868/Nr. 916] und aus dem Vertrieb des Musikalienhandels Johann Anton André [„Mozart-Flügel“, um 1850] sowie ein pneumatisches Rollen-Klavier von Hupfeld).

Bartelt Immer ist Projektpartner in dem Forschungsprojekt „Entwicklung von Maßnahmen zur Verminderung von Bleikorrosion an Orgelpfeifen aus dem 17. und 18. Jhdt.“, das von 2016 bis 2018 durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Klosterkammer Hannover gefördert wird., abgerufen am 2. August 2026. Ihm wurde die Orgel von St. Wulphardi in Freiburg/Elbe zugeteilt, die er im Jahr 2013 restauriert hatte.

Werkliste Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ für ein angehängtes Pedal.

Neubauten

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Anmerkungen 1985 Canum Privatbesitz I 3 Op. 1, Positiv in Stollenbauweise mit „Klopfton“-Technik 1987–1988 Landschaftspolder Landschaftspolder Kirche 160x160px I/p 5 Orgel mit historischem Prospekt von Gerhard Janssen Schmid (1814) (Krummhörner Orgelwerkstatt) 1988–1989 Aurich-Kirchdorf St. Paulus zentriert|160x160px I/P 7 Traktur des Manuals nicht ausgetucht, was eine direkte Verbindung zwischen Taste und Ventil ermöglicht; Pfeifen mit der „Klopftonmethode“ gebaut und die Wanddicken entsprechend ausgedünnt (Krummhörner Orgelwerkstatt) 1994 Norden städt. Friedhofskapelle I 3 Hinterspieliges Meisterstück 1994/96 Stapelmoor Stapelmoorer Kirche 160x160px III/P 23 Replik der Clicquot-Orgel (Houdan, 1734) Gehäuse von Eike Schulte (1848) (zusammen mit Reinalt Johannes Klein und Claude Jaccard) 1997 Emden Ev.-ref. Gemeindehaus, Dollartstraße I 3 Positiv mit Mensuren nach Gottfried Silbermann; Ventile oben, mit Gewichten (cembaloähnliche Mechanik) 1997 Tokio, vormals Emden Johannes a Lasco Bibliothek Reformierte Gemeinde II 4 Positiv mit abnehmbarem und separat spielbarem Regal 8′ auf zweitem Manual 1999 Oldenburg-Bloherfelde Ev.-luth. Kirche zentriert|160x160px II/P 16 Mensuren nach der Grasberger Orgel von Arp Schnitger (1694) 2001 Lengerich Ev.-ref. Kirche I 3 Positiv, Schwester-Instrument zu dem 1997 für Emden/Johannes a Lasco Bibliothek entstandenen, heute in Tokio befindlichen Positiv 2002 Privatbesitz I 3 Truhe mit kurzer Oktave, vier Subsemitonien pro Oktave (zusammen mit Hendrik Dochhorn) 2003 Norden (Ostfriesland) Privatbesitz zentriert|160x160px Pedal mit Koppelanlage, 8-füßig und 16-füßig (Suboktavkoppel), zu einem zweimanualigen Cembalo von Dietrich Hein 2006 Norden Pekelheringer Hof, B. Immer 160x160px II/P 5 Positiv in Cembaloform (Flügelorgel) mit liegenden Pfeifen (16′, 8′, 8′, 4′, 4′) 2007 Privatbesitz I Positiv in Cembaloform (Flügelorgel) mit liegenden Pfeifen, Subsemitonien über Schleifen; zwei Tonhöhen; Eichenprinzipal 8′ (ab c, darunter Gedackt 8′) nach Arp Schnitger (Lübecker Domorgel) 2008 Hamburg Privatbesitz I 2 Eichenprinzipal nach Arp Schnitger (Hamburg, St. Jakobi); Truhenorgel mit dreistufiger Tastenverschiebung und einschiebbarer Tastatur 2009 Stade St. Wilhadi 160x160px I 3 Chororgel; zwei Tonhöhen 2009–2010/2013 Canum Canumer Kirche zentriert|160x160px II/P 18 Restaurierung/Rekonstruktion/Neubau hinter erhaltenem Prospekt mit den originalen Prospektpfeifen der Gerhard-von-Holy-Orgel aus Wetter (Ruhr) (1723), orientiert sich in der Disposition an der verloren gegangenen Holy-Orgel in Nesse (1709–1710),Orgel in Canum, abgerufen am 2. August 2026. sonst an der Orgel in Dornum und der Orgel in Marienhafe; drei vakante Register wurden in einem zweiten Bauabschnitt ergänzt. → Orgel der Canumer Kirche 2010–2011 Hamburg-Altona-Altstadt St. Pauli 160x160px II/P 20 Neubau in Anlehnung an Johann Heinrich Wohlien (1822) 2012 Weimar Privatbesitz 160x160px I 1 Truhenorgel 2012 Sondershausen Landesmusikakademie Sondershausen I 1 Truhenorgel (Gedackt 8′) 2012 Weimar Privatbesitz I 3 Truhenorgel (Prinzipal 8′, Gedackt 8′, Rohrflöte 4′) 2014–2015 Münster Ev. Jakobuskirche 160x160px II/P 16 2015–2016 Weimar Privatbesitz II/P 8 durchschobene Lade mit Wechselschleifen, in Bass und Diskant geteilt

Restaurierungen