mini|Arad (rotes Viereck) – Rumänien – Nachbarorte: Timișoara, Szeged (Ungarn), Békéscsaba (Ungarn) mini|Lage von Arad im Kreis Arad Arad () ist die Kreishauptstadt des Kreises Arad in Rumänien. Das Munizipium Arad befindet sich im Süden des Kreischgebietes (nördlich der Marosch) und im Norden des Banats (südlich der Marosch: VI. Bezirk Aradul Nou und XIII. Bezirk Sânnicolau Mic). In dem für den Westen des Landes bedeutenden Industriezentrum und wichtigen Verkehrsknotenpunkt befindet sich der Sitz des rumänisch-orthodoxen Erzbistums Arad.

Da Arad bis 1920 zum Königreich Ungarn gehörte, wird es innerhalb Rumäniens zu Transsilvanien gerechnet. Nach ungarischer und deutscher Tradition gehört die im historischen Grenzgebiet von ungarischer und rumänischer Sprache gelegene Stadt jedoch nicht zu Siebenbürgen. Der Fluss Marosch () grenzte hier vor 1920 das südlich gelegene Banat vom ungarischen Kernland ab.

Geographische Lage Arad liegt im äußersten Westen des Landes an der Kreuzung der Nationalstraßen Drum național 7, dem Drum național 7E mit dem Drum național 79, 20 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt und ist ein Verkehrsknoten- und Transitpunkt zwischen Ungarn und Rumänien. Die nächstgrößeren Städte sind Timișoara (40 km), Oradea (110 km), Belgrad (200 km) und Budapest (270 km). Arad befindet sich 17 Kilometer vom Grenzübergang Curtici, liegt 116 Meter über dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von 46,18 Quadratkilometern. Website der Stadt Arad (rumänisch) Im Jahr 2002 zählte Arad 172.827 Einwohner.

Arad liegt am Ostrand der Großen Ungarischen Tiefebene, am westlichen Rand des Siebenbürgischen Erzgebirges, hauptsächlich am rechten Ufer des Flusses Mureș (dt. Marosch bzw. Mieresch, ung. Maros) und besteht aus der eigentlichen Stadt und vier heute eingemeindeten Vororten. Am linken Flussufer liegt der im 17. Jahrhundert während der Türkenkriege gegründete Stadtteil Aradul Nou (Neu-Arad), der lange überwiegend von Deutschen bewohnt war, über Brücken mit Arad verbunden ist und 1948 nach Arad eingemeindet wurde. Die anderen drei eingegliederten Orte sind Micălaca, Mureșel und Sânnicolau Mic.

Klima Das Klima ist gemäßigt-kontinental mit Übergangscharakter. Die mittlere Sommertemperatur weist 21 °C, die mittlere Wintertemperatur −1 °C auf. Die aufgezeichneten Temperaturextrema in Arad waren am 19. August 1946 41,5 °C und am 5. Februar 1954 −30 °C.Karl Waldner, Anton Peter Petri: Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Kreises Arad. Homburg/Bexbach 1993.

Geschichte mini|Géza II. mini|hochkant|Johann Zápolya mini|hochkant|Mihai Viteazul, im Jahr 1601, Porträt von Egidius Sadeler dem Älteren Antike Die Region um die heutige Stadt war mit kurzen Unterbrechungen seit dem Neolithikum besiedelt. Während der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. gründeten die Daker auf beiden Maroschufern erste Siedlungen. Im 6. Jahrhundert v. Chr. ließ sich neben diesen eine kleine skythische Gemeinschaft nieder. Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. besiedelten Kelten beide Maroschufer. Kelten wie Skythen wurden von den Dakern assimiliert.

Die große dakische Siedlung, die sich am heutigen Südrand der Stadt befand, wurde während des ersten dakischen Krieges (101–102 n. Chr.) von der römischen Armee zerstört. Im Laufe des zweiten Dakerkrieges (105–106 n. Chr.) eroberte Trajan auch die Landstriche nördlich der Marosch und verleibte sie der Provinz Dacia ein. Auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Neu-Arad baute die römische Armee eine Festung, das Kastell Aradul Nou, in der Einheiten der Legio IIII Flavia Felix untergebracht waren. Kaiser Hadrian (117–138) überließ die Arader Gegend den freien Dakern und Sarmaten. Zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert existierten auf dem heutigen Stadtgebiet mehrere dakische und sarmatische Siedlungen, die enge Handelsbeziehungen mit den Römern pflegten. Während der Krise, die das Römische Reich um die Mitte des 3. Jahrhunderts erfasste, siedelten Provinzbewohner in das Barbaricum über. Hier gründeten sie die Töpferkolonien von Arad-Ceala, Horia und Vladimirescu-Pădurea vrabiilor.

Nach dem Rückzug der Römer aus der Provinz Dacia (271) zogen verschiedene Wandervölker, Goten, Hunnen, Gepiden, Awaren, durch die Gegend. Aus dem 6. Jahrhundert datieren die frühesten Spuren der slawischen Anwesenheit an der unteren Marosch.Kurze Monografie der Stadt Arad auf www.virtualarad.net.

Mittelalter Im 10. Jahrhundert begann die Expansion der Magyaren. Ein wichtiger Weg ihres Vordringens verlief entlang der Marosch. Diese geschichtliche Etappe ist durch das Grab eines ungarischen Ritters in Arad-Ceala archäologisch belegt. Um sich vor der ungarischen Gefahr zu schützen, baute die Bevölkerung aus der Arader Gegend eine Erdfestung bei Vladimirescu-Schanzen. Diese war dem Wojewoden Glad untergeordnet und wurde von den ungarischen Rittern in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zerstört. Später wurde die Festung auf Befehl des Wojewoden Ahtum wieder aufgebaut und im Jahre 1028 endgültig von den ungarischen Rittern zerstört.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts gewann das ungarische Königreich Kontrolle über das Gebiet. Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung Orod stammt aus einem Dokument, das zwischen den Jahren 1078 und 1081 ausgestellt wurde. König Géza II. rief deutsche Städtebauer, landsuchende Bauern und Bergleute nach Ungarn. König Andreas II. holte zur Abwehr der Kumanen den Deutschen Ritterorden ins Land. Als dieser den Versuch machte, einen selbstständigen Staat aufzubauen, wurde er vertrieben.

Nach der ersten Invasion der Mongolen in Ungarn im Jahr 1241 wurden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Burgen aus Stein, Burg Falkenstein, Festung Șiria und Festung Dezna (im Umland von Arad), errichtet.

Im Jahr 1331 wurde Arad in der Ungarischen Bilderchronik des Markus von Kált erwähnt.

Neuzeit Ab dem 15. Jahrhundert erscheint Arad als civitas oder oppidum in den Dokumenten. Im Jahre 1514 trat die leibeigene Bevölkerung der Stadt auf die Seite der von György Dózsa angeführten Aufständischen. Nach der Unterdrückung des Aufstands folgte die grausame Rache der Adligen. Ein neuer Aufstand brach 1526 aus, auch dieser wurde blutig niedergeschlagen. Nach der Schlacht von Mohács wählten die habsburgtreuen Adeligen Erzherzog Ferdinand von Habsburg (1526–1564) zum Herrscher des ungarischen Königreiches. Die ungarisch-türkisch Gesinnten hoben Johann Zápolya, den Wojewoden von Siebenbürgen (1526–1540), auf den Thron. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen fiel die Landeshauptstadt Ofen (1541), und Ungarn brach auseinander. Während Buda unter türkische Herrschaft (Paschalik Ofen) fiel (1541), wurden Siebenbürgen und das benachbarte Partium (Banat, Kreischgebiet) zum autonomen Fürstentum ausgerufen.

Osmanisches Reich 1552 eroberte ein osmanisches Heer die Arader Burg und richtete dabei große Zerstörungen an. Das Gebiet des ehemaligen Arader Komitats wurde in drei Sandschaks aufgeteilt, wobei jener von Arad die Stadt und weitere 113 Dörfer umfasste. In der Zeitspanne 1553 bis 1555 errichteten die Türken eine rechteckige Festung aus Backstein am nördlichen Maroschufer, in der Nähe der heutigen Trajan-Brücke, die Türkische Festung Arad.

Siebenbürgische Truppen eroberten im Jahre 1595 den unteren Lauf der Marosch zurück und konnten Arad wieder dem Fürstentum Siebenbürgen einverleiben. Nach der Schlacht von Schellenberg (1599) gelangte Arad unter die Herrschaft von Mihai Viteazul. Nach dessen Tod (1601) trat der Fürst von Siebenbürgen, Gábor Bethlen, Arad wieder an die Türken ab und erhielt im Gegenzug die Burg von Ineu.

Stephan Bocskai (1605–1606) eröffnete eine neue Epoche. Nach seiner Auffassung war ein friedliches Gleichgewicht zwischen dem Deutschen Reich und dem Osmanischen Reich lebenswichtig für Ungarn. Das Fürstentum Siebenbürgen sollte als Hort ungarischer Eigenstaatlichkeit unter dem Schutz des Sultans fortbestehen. Unter den Fürsten der Folgezeit war das Fürstentum nur mehr ein willenloser Satellit des Türkenreichs. Die Osmanen wagten 1683 nochmals einen Angriff auf Wien. Das Eingreifen eines deutsch-polnischen Entsatzheeres führte zur türkischen Niederlage.

Habsburgermonarchie mini|Das Temeschwarer Banat 1791 Nach der Schlacht bei Mohács (1687) begann die Habsburgermonarchie eine großangelegte Offensive in Richtung Osten. Arad wurde bereits im Jahre 1687 von der Türkenherrschaft befreit. Die Komitate Arad und Zaránd wurden aus Siebenbürgen ausgegliedert und Ungarn einverleibt. Die Marosch wurde Grenzfluss. Im Jahre 1689 arbeitete Prinz Eugen von Savoyen die Pläne zum Wiederaufbau der ehemaligen türkischen Festung aus. Die Bauarbeiten der Arader Festung wurden von Johann Georg Haruckern zwischen 1763 und 1783 geleitet. Der kaiserlichen Armee folgten deutsche Handwerker und Händler, die sich in der Nähe der Festung niederließen. Durch den Frieden von Karlowitz (1699) wurde die Grenze zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgischen Reich entlang der Marosch festgelegt. General Starhemberg legte die Pläne für die Errichtung der Marosch-Militärgrenze fest. Arad wurde zum Zentrum der österreichischen Militärgrenze. Im August des Jahres 1699 wurden die ersten Grenztruppen aus den Reihen der Serben rekrutiert und nach Arad abkommandiert. Franz Sigismund Graf Lamberg gründete am 6. Oktober 1702 den ersten Arader Stadtrat. Der Neuaufbau des Arader Komitats begann 1715.

Nach dem Frieden von Passarowitz (1718) gelangte auch das Banat unter habsburgische Herrschaft. Infolge des Impopulationspatents wurden auch in Neu-Arad Deutsche aus Franken angesiedelt. Die Bevölkerung der Stadt bestand aus Rumänen, Serben, Deutschen und Ungarn. Aus verwaltungsrechtlichem Standpunkt wurden die Komitate Arad und Zaránd Ungarn angeschlossen. Im Jahre 1732 wurde das Komitat Arad dem Grafen Rinaldo di Modena geschenkt. 1740 wurde die Schenkung rückgängig gemacht und das Komitat zur Staatsdomäne erklärt. mini|hochkant|Stadtplan von Arad, 1897 Durch die neue Festung wurde Arad Garnisonsstadt und neben Temeswar wichtigster Militärstützpunkt im südöstlichen Teil von Österreich-Ungarn.

Das Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. (1781) hob die bäuerliche Leibeigenschaft auf. Die Leibeigenenverordnung schreckte zwar die Grundherren, doch wagten diese nicht, die Vollstreckung zu verhindern, da der Bauernaufstand von Horia, Cloșca und Crișan (1782–1784) sie in Angst und Schrecken versetzte. Baron Günther, Kommandant der Württembergischen Legion in Arad, schlug schließlich bei Hellburg den Aufstand blutig nieder.

Die Französische Revolution von 1789 leitete das bürgerliche Zeitalter ein. Die Wiederherstellung der alten Verfassung (28. Januar 1790) weckte Arad zu neuer politischer Aktivität. Die Stadt kaufte sich von ihren feudalen Dienstleistungen los. 1834 erhielt sie in Anwesenheit von Kaiser Franz I. von Österreich den Titel einer königlichen Freistadt.

Die Stammgarnison der Festung war das 33. Infanterieregiment, eine Einheit, die an allen wichtigen Militärereignissen des Reiches teilgenommen hat. Im Gebäudetrakt neben der katholischen Kirche, die sich im Zentrum der Festung befand, wohnten franziskanische Mönche. Bis 1918 war die Festung eines der größten Militärgefängnisse des Reiches.

Revolution von 1848/49 mini|Hinrichtung der Märtyrer von Arad, Gemälde von János Thorma (1870–1937) mini|50. Jahrestag der Märtyrer von Arad am 6. Oktober 1899 in Arad Ungarn hatte auf dem Pressburger Reichstag 1790 die Anerkennung der Eigenstaatlichkeit erreicht. Aus dem ständischen Ungarn agrarischer Prägung entwickelte sich ein moderner parlamentarischer Industriestaat. Bahnbrechende Persönlichkeiten waren István Széchenyi und Lajos Kossuth, der einen revolutionären Umbruch anstrebte.