Der FC Rot-Weiß Erfurt ist ein Fußballverein in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Am 26. Januar 1966 erfolgte die Gründung des Vereins unter dem heutigen Namen. Es vereinigten sich die Fußballabteilungen des SC Turbine Erfurt und der BSG Motor Optima Erfurt zum FC Rot-Weiß Erfurt.
In der letzten Saison der DDR-Oberliga erreichten die Erfurter den dritten Tabellenplatz. Sie qualifizierten sich damit für die 2. Bundesliga und den UEFA-Pokal. Nach Abstieg, Wiederaufstieg 2004 und erneutem Abstieg spielte der Verein, der nach der Wende zehnmal den Thüringer Landespokal gewann, bis 2018 in der 3. Liga und nahm bis zu diesem Zeitpunkt als einzige Mannschaft an allen Spielzeiten der 3. Liga teil. Aus dem Verein gingen einige Nationalspieler wie Jürgen Heun, Marco Engelhardt, Thomas Linke oder Clemens Fritz hervor.
Ende Januar 2020 stellte die erste Mannschaft den Spielbetrieb ein. Grund hierfür war die Insolvenz des Vereins.FC Rot-Weiß Erfurt stellt Spielbetrieb ein, rot-weiss-erfurt.de, 29. Januar 2020, abgerufen am 29. Dezember 2023. Zur Saison 2020/21 wurde der Spielbetrieb in der fünftklassigen Oberliga Nordost wieder aufgenommen.
Geschichte Vorgeschichte bis zur Gründung des FC Rot-Weiß mini|links|hochkant|Logo des SC Erfurt 1895 (1895–1945) Erste Wurzeln des Fußballs in Erfurt liegen bei dem am 25. Mai 1895 gegründeten Cricket Club Erfurt, der ein Jahr später in SC Erfurt 1895 umbenannt wurde. Der SC Erfurt war 1900 Gründungsmitglied des DFB und ein Pionier der Fußballbewegung im Thüringer Raum. 1904 trat der Verein dem Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine (VMBV) bei. Die Mitgliederzahl stieg von 50 im Jahr 1900 auf 419 im Jahr 1914 und erreichte Anfang der 1920er Jahre die 1000er-Marke. 1927 war der SC Erfurt mit 1256 Mitgliedern der zweitgrößte Verein im VMBV. Der Verein trug seine Spiele hauptsächlich im Sportpark Cyriaksburg auf dem heutigen egapark-Gelände aus. Der Sportplatz verfügte über eine Holztribüne mit 600 Sitzplätzen.
Der im Jahr 1904 gegründete FC Britannia Erfurt war später ebenfalls für die Entstehung des späteren Fußballclubs von Bedeutung. Der Verein wurde während des Ersten Weltkrieges wegen der Feindschaft zu Großbritannien im Jahre 1915 in VfB Erfurt umbenannt. Spielstätte des Vereins war der ehemalige Sportplatz „Am Franzosenlager“ am Johannesplatz.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats der Besatzungsmächte alle Sportvereine zum 1. Januar 1946 aufgelöst werden mussten und Sportverkehr nur noch auf Stadt- oder Kreisebene gestattet wurde, entstanden in Erfurt mehrere locker organisierte Sportgemeinschaften. Die SG Erfurt-West setzte sich zum kleinen Teil aus Spielern der aufgelösten ehemaligen Vereine SC Erfurt und VfB Erfurt zusammen. Die Spiele wurden im Sportpark Cyriaksburg ausgetragen.
Die SG wurde 1949 in Fortuna und nach Einführung des Systems der Betriebssportgemeinschaften (BSG) in BSG KWU (1950) und BSG Turbine (1951) umbenannt. Im November 1954, mitten in der zweiten Meisterschaftssaison, errichtete die Sportvereinigung Turbine ihr DDR-Leistungszentrum in Erfurt und die Betriebssportgemeinschaft wurde zum SC Turbine Erfurt. Am 26. Januar 1966 wurde die Fußballabteilung, im Rahmen einer Neuordnung des DDR-Fußballs, unter dem Namen FC Rot-Weiß Erfurt eigenständig. Ziel der Umstrukturierung war die Gründung reiner Fußballclubs, um das Niveau der DDR-Oberliga zu heben. So vereinigten sich die Fußballabteilungen des SC Turbine Erfurt und der BSG Motor Optima Erfurt zum FC Rot-Weiß Erfurt, während der Sportclub und die BSG und ihre anderen Sektionen weiter existierten. Nachdem der Klub zwei Spiele vor der offiziellen Gründung im Januar als FC Erfurt angetreten war, setzte letztlich Adolf Wicklein, der unter anderen für Sport zuständige 2. Sekretär der SED-Bezirksleitung, den Namen FC Rot-Weiß unter Hinweis auf das Aufgreifen der Erfurter Stadtfarben durch.
Sportlicher Werdegang Die Anfänge des Erfurter Fußballs – SC Erfurt und VfB Erfurt Das erste Fußballspiel des SC Erfurt fand 1895, im Jahr der Vereinsgründung, statt und wurde gegen den TV 1860 Gotha mit 0:2 verloren. Zwischen 1903 und 1910 war der Verein der führende Club im Thüringer Raum und gewann in diesen Jahren regelmäßig die Gaumeisterschaft von Thüringen, obwohl die Stadt Erfurt politisch nicht zum Land Thüringen gehörte. 1908 spielte der SC Erfurt erstmals in der Endrunde um die mitteldeutsche Meisterschaft und gewann diese ein Jahr später. Nach einem 7:2 im Halbfinale gegen den Dresdner SC besiegte die Mannschaft im Finale den Halleschen FC 96 mit 5:4. Mit diesem Sieg war der SC Erfurt für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifiziert und besiegte dort im Viertelfinale den SC Alemannia Cottbus mit 4:3. Im Halbfinale unterlag der Verein gegen den späteren Deutschen Meister Phönix Karlsruhe deutlich mit 1:9. In der folgenden Saison erreichte der Verein erneut das Finale um die mitteldeutsche Meisterschaft und unterlag dort dem VfB Leipzig mit 1:4. 1910 und 1911 schieden die Erfurter jeweils im Halbfinale gegen Wacker Halle aus. In den folgenden Jahren nahm der Verein insgesamt noch achtmal an der Endrunde um die mitteldeutsche Meisterschaft teil, wiederholte seinen Erfolg von 1909 jedoch nicht. Zwei Halbfinalteilnahmen in den Jahren 1917 und 1919 sollten die größten Erfolge bleiben. 1933 qualifizierten sich die Erfurter für die neu gegründete Gauliga Mitte, damals die höchste deutsche Spielklasse. 1936 stieg der SC Erfurt aus der Gauliga ab, schaffte aber den sofortigen Wiederaufstieg. Nach dem erneuten Abstieg 1938 dauerte es zwei Jahre bis zur Rückkehr in die oberste Spielklasse, der die Erfurter dann bis zur Einstellung des Spielbetriebes 1944 angehörten. Insgesamt konnte der Verein in der Gauliga nicht an die Erfolge seiner frühen Geschichte anknüpfen und verlor sogar die Vormachtstellung in der Stadt, die mittlerweile der VfB Erfurt und die SpVgg Erfurt innehatten.
Der Werdegang des VfB Erfurt verlief im Schatten des SC 95. Ab 1919 spielte der Verein in der Kreisliga Thüringen, der damals höchsten Spielklasse. Ab 1923 wurde die Kreisliga Thüringen aufgelöst und der VFB kam in die Gauliga Nordthüringen und wurde in der Saison 1927/28 Gaumeister. Das war der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Der SC 95 errang diesen Titel insgesamt zehnmal. In den Folgejahren rutschte der VfB Erfurt immer weiter ab und spielte bis zum Verbot 1945 lediglich zweit- oder drittklassig.
1946 bis 1965 – Turbine Erfurt Liga Saison Platz Punkte Tore Diff. Zuschauer Oberliga 1949/50 4. 35:17 58:30 +20 13.115 Oberliga 1950/51 2. 50:18 80:37 +43 19.235 Oberliga 1951/52 8. 39:33 58:47 +11 11.330 Oberliga 1952/53 7. 34:30 51:44 +7 13.350 Oberliga 1953/54 1. 39:17 58:36 +22 22.714 Oberliga 1954/55 1. 34:18 58:25 +33 20.692 Oberliga 1955 8. 13:13 16:18 −2 11.930 Oberliga 1956 12. 21:31 36:38 −2 16.538 Oberliga 1957 6. 27:25 37:33 +4 11.692 Oberliga 1958 11. 22:30 33:44 −11 10.923 Oberliga 1959 13. 18:34 27:45 −18 12.192 Liga 1960 1. 39:13 66:25 +41 10.000 Oberliga 1961/62 10. 35:43 66:69 −3 9.675 Oberliga 1962/63 8. 24:28 45:45 0 10.461 Oberliga 1963/64 14. 21:31 23:38 −15 12.076 Liga 1964/65 1. 42:18 53:26 +27 5.650
mini|links|hochkant|Logo der BSG KWU Erfurt (1950–1951) Im Sommer 1946 wurde der Spielbetrieb auf Kreisebene in Erfurt wieder aufgenommen. Ehemalige Spieler der beiden Vereine SC 95 und VfB sowie weitere Fußballbegeisterte trafen sich am Sportpark Cyriaksburg. Es fand eine komplette Neugründung unter dem Namen SG Erfurt-West statt. Die Spiele fanden zunächst im Sportpark Cyriaksburg statt. Erst ab 1948 wurde im Steigerwaldstadion, dem damaligen Georgij-Dimitroff-Stadion, gespielt.
Nach dem Gewinn der Thüringer Meisterschaft 1949 gegen die SG Altenburg-Nord nahm die SG Fortuna an der Endrunde um die Ostzonenmeisterschaft teil. Nach Siegen gegen die SG Wismar-Süd (10:0) und SG Meerane (4:3 n. V.) erreichten die Erfurter das Finale, unterlagen dort aber vor 50.000 Zuschauern im Dresdner Stadion am Ostragehege gegen ZSG Union Halle mit 1:4. Als 1949er Finalist waren die Erfurter eine von 14 Gründungsmitgliedern der ostdeutschen Zonenliga, die als DDR-Oberliga später die höchste Spielklasse im DDR-Fußball war, und erreichten in der ersten Saison 1949/50 als BSG KWU einen achtbaren vierten Platz. Am 30. September 1950 standen die Erfurter im Finale um den FDGB-Pokal, wo sie der BSG Eisenhüttenwerk Thale mit 0:4 unterlagen. In der Saison 1950/51 stand die BSG Turbine am Ende punktgleich mit der BSG Chemie Leipzig an der Tabellenspitze. Zwar hatten die Erfurter das bessere Torverhältnis, dies spielte aber damals noch keine Rolle. So musste ein Endspiel der beiden Tabellenführenden über die DDR-Meisterschaft entscheiden. Das Spiel fand am 20. Mai 1951 im Chemnitzer Ernst-Thälmann-Stadion vor der Rekordkulisse von 60.000 Zuschauern statt. Doch auch im dritten Finale innerhalb von nur drei Jahren verloren die Thüringer unglücklich mit 0:2.
mini|links|KWU Erfurt – Motor Dessau, März 1951 (1:2) Die erfolgreichsten Zeiten erlebte der Club in den folgenden Jahren unter Trainer Hans Carl. Mit Kapitän und Spielgestalter Helmut Nordhaus sowie mehreren Nationalspielern wie Gerhard Franke und Georg Rosbigalle gelang den Erfurtern 1954 und 1955 zweimal hintereinander der Titelgewinn. Treffsicherster Spieler dieser Zeit war Stürmer Siegfried Vollrath. 1954 wurde er gemeinsam mit Heinz Satrapa von Wismut Aue mit 21 Toren Torschützenkönig der DDR-Oberliga. Auch am zweiten Meistertitel hatte er gewichtigen Anteil, als er in 20 Spielen 16 Tore erzielte. Weitere Erfolgsgaranten waren die Abwehr der Thüringer sowie Torhüter Rolf Jahn. In beiden Meisterjahren ließen die Erfurter die wenigsten Gegentore aller Mannschaften der DDR-Oberliga zu.
Den ersten Meistertitel von 1954 holte folgende Stammelf mit einem Durchschnittsalter von 25,2 Jahren:
Heinz Grünbeck (24 Spiele/25 Jahre) – Wilhelm Hoffmeyer (28/29), Helmut Nordhaus (28/31), Gerhard Franke (27/20) – Karl-Heinz Löffler (20/26), Jochen Müller (28/28) – Lothar Weise (25/19), Georg Rosbigalle (26/27), Siegfried Vollrath (28/25), Rudolf Hermsdorf (25/27), Konrad Wallroth (23/20)
An die großen Erfolge konnte Turbine Erfurt in den folgenden Jahren nicht mehr anknüpfen. Trainer Hans Carl verließ die DDR in Richtung Hessen und trainierte dort in der Folgezeit den KSV Hessen Kassel und mehrere wichtige Spieler der Meistermannschaften beendeten ihre Karriere, sodass die Erfurter 1959 erstmals in die zweitklassige DDR-Liga abstiegen. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg spielten die Erfurter bis 1964 wieder erstklassig, bevor sie erneut ab- und sofort wieder aufstiegen.
1966 bis 1990 – FC Rot-Weiß Erfurt in der DDR-Oberliga Liga Saison Platz Punkte Tore Diff. Zuschauer Oberliga 1965/66 13. 19:33 26:42 −16 9.462 Liga 1966/67 1. 41:19 62:21 +41 6.407 Oberliga 1967/68 9. 23:29 34:39 −5 14.646 Oberliga 1968/69 8. 25:27 32:27 +5 9.538 Oberliga 1969/70 9. 24:28 32:40 −8 9.500 Oberliga 1970/71 13. 21:31 28:44 −16 11.308 Liga 1971/72 1. 40:4 87:14 +73 5.918 Oberliga 1972/73 12. 19:33 37:56 −19 8.846 Oberliga 1973/74 12. 19:33 27:39 −12 11.231 Oberliga 1974/75 9. 23:29 37:42 −5 11.577 Oberliga 1975/76 7. 26:26 44:36 +8 11.962 Oberliga 1976/77 6. 25:27 27:35 −8 13.000 Oberliga 1977/78 9. 23:29 23:35 −12 7.538 Oberliga 1978/79 7. 22:28 37:46 −9 10.760 Oberliga 1979/80 12. 18:34 33:38 −5 10.846 Oberliga 1980/81 7. 27:25 37:49 −12 12.962 Oberliga 1981/82 7. 28:24 55:44 +11 14.615 Oberliga 1982/83 5. 31:21 45:37 +8 15.423 Oberliga 1983/84 7. 28:24 36:39 −3 12.808 Oberliga 1984/85 6. 30:22 47:29 +18 11.692 Oberliga 1985/86 10. 24:28 41:34 +7 11.769 Oberliga 1986/87 7. 24:28 33:33 0 8.731 Oberliga 1987/88 12. 21:31 40:49 −9 7.577 Oberliga 1988/89 12. 21:31 27:39 −12 8.038 Oberliga 1989/90 11. 19:33 29:40 −11 5.504 Oberliga 1990/91 3. 31:21 30:26 +4 6.815
mini|links|hochkant=0.4|Logo des FC Rot-Weiß Erfurt (1966–1970) mini|links|hochkant=0.4|Logo des FC Rot-Weiß Erfurt (1971–1984)