Nied ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Die Einwohnerzahl beträgt .

Geografische Lage mini|Altes Rathaus Nied liegt etwa 9,5 km westlich der Frankfurter Hauptwache, nördlich des Mains am Unterlauf des Flusses Nidda auf einer Höhe von 98 m über NN. Die Siedlung lässt einen regelhaften Grundriss im Flusswinkel von Main und Nidda mit der Christuskirche in zentraler Lage erkennen. Die moderne Siedlungsentwicklung hat sich ostwärts in Richtung Griesheim und Frankfurter Innenstadt vorgeschoben. Nachbarstadtteile von Nied sind im Westen Höchst, im Norden Sossenheim, im Osten Griesheim und im Süden jenseits des Mains Schwanheim.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|Brennofen der römischen Zentralziegelei in Nied Um 3000 v. Chr. gab es jungsteinzeitliche Siedlungen an Main und Nidda, so auch in Nied (bandkeramische Zeit). Um 800 v. Chr. bestand eine keltische Besiedlung mit nachfolgender germanischer Landnahme etwa um die Zeit von Christi Geburt. In vorrömischer Zeit verlief hier eine Altstraße – die Antsanvia (Antiana Via), die dem Verlauf der späteren Rödelheimer Straße und Oeserstraße entsprechend durch den Nieder Wald führte.

Die erste römische Ansiedlung in Nied geht auf die Chattenkriege des Kaisers Domitian zurück, in der die römische Provinz Germania superior (Provinz Obergermanien) mit der Hauptstadt Mogontiacum (Mainz) geschaffen wurde. Die Römer drangen in den Jahren 83 und 84 (Chattenkrieg, Revolte des Saturninus, Kaiser Domitian) die Nidda aufwärts in die Wetterau vor und gründeten als Civitas die Stadt Nida (Bezirkshauptort). In Nied wurden die Reste einer römischen Niddabrücke und großer Zentralziegeleien gefunden, die die ganze Wetterau und den Limes versorgten (siehe den Straßennamen Im Ziegelfeld, bis 1928 Römerstraße genannt). Betrieben wurden die Ziegeleien von Angehörigen dreier römischer Legionen: Legio VIII Augusta, Legio XXI Rapax und Legio XXII Primigenia Pia Fidelis. In Nied sind die römischen Legionärsnamen Q.Cornelius Aquinus und L.Cornelius Arator nachgewiesen. Auch wurde Töpferware für die regionale Versorgung der Civitas Taunensium mit deren Hauptort Nida hergestellt. Der Ton wurde von den Römern aus den Gruben in Kelkheim-Münster gewonnen und auf Karren nach Nied transportiert. Öllampen für den regionalen Bedarf wurden in den Werkstätten des Lucius fabriziert. Der Transport dieser Ware wurde mit Lastkähnen entlang der Nidda bis zu dem kleinen Hafen in Nida – damals Umschlagplatz für den gesamten Handel der Region – durchgeführt.

Militärisch wurde die römische Siedlung (vicus) durch das nahe gelegene Römerkastell in Frankfurt-Höchst geschützt. Auch sind einzelne villae rusticae (römische Gutshöfe) entlang der Nidda und eine mansio (römische Raststätte) im Nieder Wald nachgewiesen. Dieser an der späteren Via Regia gelegene römische Gebäudekomplex wurde als „Heidenschloß“ bezeichnet. Auf der Gemarkungskarte von 1870 sind Spuren römischer Bauten auf den Fluren „Römerberg“, „Im Kremser“, „Am Heidenschloss“ und an der Nidda ein „Römerthurm“ in der Flur „Lange Wiesen“ verzeichnet. Viele antike Funde aus Nied landeten in den Museen in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt-Höchst. Ein besonderer Fund ist ein Fortuna-Altar, der sich heute im Wiesbadener Museum befindet. Bei Ausgrabungen im Nieder Kirchweg wurden im Jahr 2003 römische Gräber entdeckt. 2012 wurden bei Baumaßnahmen weitere wertvolle Ziegel mit römischen Schriften und ein sehr gut erhaltener Brennofen archäologisch freigelegt. 2018 wurden in der Baugrube am „Nieder Loch“ in Alt-Nied „Unmengen römischer Tonziegel gefunden und auch eine Art Falschmünzer-Werkstatt aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert, als die Macht der Römer im heutigen Rhein-Main-Gebiet schon bröckelte“. Bei Ausgrabungen in Frankfurt-Heddernheim (Nida) haben Archäologen im Jahr 2023 Terra Sigillata „Wetterauer Ware, die in Nied produziert wurde“ gefunden. Sie „habe eine hohe Qualität: fein marmoriert, dünnwandig und bemalt mit Ornamenten und Figuren in orange-roter Farbe.“

Um 260 n. Chr. kam es im sogenannten Alemannensturm zum Limesfall und zur Eroberung des Hauptortes Nida. Die Spuren des römischen Nied verloren sich in den darauf folgenden Jahrhunderten. Eine archäologische Kommission forschte erstmals 1834 an der Wörthspitze nach dem antiken Denkmal „Monumentum Trajanum“, dessen Überreste am Zusammenfluss von Nidda und Main gelegen haben sollen.

Mittelalter mini|Stereographische Projektion des Gebietes zwischen Main und Nidda zwischen 1536 und 1552 mini|„Die Dörfer Nied und Griesheim“ (Hoffmann’s Blatt 4 als Blatt 2 des Kartenbandes Grenz- und Grundrisse des Amtes Bergen) – Karte von 1583 des vereidigten Landmessers und Kartographen Elias Hoffmann (gest. 1592) aus Frankfurt Um 500 n. Chr. vollzog sich die Fränkische Landnahme, 770 n. Chr. wurde erstmals der Niddagau erwähnt, zu dem Nied im Hochmittelalter zählte. Um 817 n. Chr. wurde ein Fiscus Franconofurt, ein königlicher Herrschaftsbereich erwähnt, zu dem auch Nied gehörte.

Seit dem Jahr 1105 n. Chr. waren die Familien Diehl als Landwirte in Nied ansässig. Eine Pfarrei wurde in Nied erstmals 1160 n. Chr. erwähnt. Um 1200 n. Chr. zerfiel der Fiskus Frankfurt. Aus den Reliktgebieten bildete sich auch das Gericht Bornheimerberg und das spätere Amt Bornheimerberg, zu dem Nied gehörte. Die älteste erhalten gebliebene Urkunde des Ortes stammt von Erzbischof Siegfried II. von Mainz vom 21. Februar 1218, wobei auch eine Kirche im Dorf erwähnt wird. Zum Kirchspiel gehörten Griesheim, Sossenheim, Breitenloch – ein 1619 untergegangenes Dorf zwischen Sossenheim und Rödelheim  – und 1274 auch die Wüstung Biegen, ein 1295 untergegangenes Dorf mit Burg der Herren von Biegen. Das Dorf soll einst nördlich des Römerhofs gelegen haben. „Als Quelle für die ehemalige Existenz von Biegen wird der folgende Text angegeben: Das Mainzer geistliche Gericht beurkundet, dass Heinrich, Sohn des Frankfurter Bürgers Siegfried von Gisenheim, Pfarrer zu Massenheim, (Heinricus, filius Sifridi de Gisenheim, civis Frankenfordensis, rector ecclesie in Mussenheim) auf einen von ihm und seinen Miterben widerrechtlich angesprochenen Zehnten einer Hufe5 in Bigen in der Pfarrei Nied für das Stift Mariengreden zu Mainz verzichtet habe. Mainz, 1274 Juni 14...Der letzte Ritter Friderich Stayl (Stahl) von Bigen verkauft als letzte Güter seine Anteile an einem Kloster in Hattersheim (1285) und an dem Dorf Igstadt (1288). 1329 bekennt er sich schuldig Frankfurter überfallen zu haben (sotan bruche und ubirgriffe). 1360 ist in nassauischen Urkunden nachzuweisen, in welchem Jahre der letzte Ritter des Geschlechts mit Hermann von Bigen ausstirbt. Etwa 1295 soll Biegen bereits zur Wüstung und das Land an die umliegenden Gemeinden verteilt worden sein.“

„Breitenloch ist in verschiedenen Schreibweisen in 18 mittelalterlichen Urkunden (LAGIS, Arcinsys) zuerst als karolingische Siedlung nachgewiesen. Sie liegt im Stadtteil Sossenheim in der Nähe der Ausfahrt der A 648 Richtung Rödelheim. Sie bestand aus dem Gutshof mit Adelssitz der Edlen (Ritter) zu Breitenloch wie Waltherus von Sozenheim. Der Gutshof und die Anwesen der ansässigen Hübner hatten wahrscheinlich 200 ha Land und 50–60 Einwohner...Ernteausfall im 14. Jahrhundert führte zu Hungersnöten, der Bevölkerungsrückgang wurde durch Pestepidemien 1518–1525, 1547–1550, 1625/1635 und 1664–1666, die damals auch in Sossenheim ausgebrochen waren, verschärft. Zwischen 1637 und 1719 gab es zudem eine kalte Phase der Kleinen Eiszeit, in der Breitenloch zur Wüstung wurde.“

Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn. 1268 hatte das Stift St. Maria ad Gradus in Mainz die Dorfherrschaft inne. 1268 verpachtete das Stift St. Mariengraden seinen Hof in Nied mit Zubehör und dem Schultheißenamt auf 9 Jahre an Folzo von Durencheim. Ab 1269 hält das Stift St. Mariengraden in Nied jährlich 1–2 Mal Hofgericht. 1474 und nochmals 1485 übergab das Stift die Dörfer Nied und Griesheim mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit an das Mainzer Erzstift.

Nach Absetzung des Kaisers Friedrich II. fand am 5. August 1246 die Schlacht an der Nidda bei Nied statt. Friedrichs Sohn Konrad IV. und dessen Gegenkönig Heinrich Raspe von Thüringen kämpften um die Thronfolge.

Im Jahr 1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg – und so auch Nied – an Ulrich II. von Hanau. 1351 erneuerte Kaiser Karl IV. diese Pfandschaft für Hanau. Bereits 1364 bis 1366 kam es zu Streitigkeiten zwischen Philipp dem Älteren von Falkenstein und Ulrich III. von Hanau um die Einkünfte aus dem Bornheimer Berg und dem Dorf Nied (Reichskrieg). Viele Ritter der Umgebung wurden zu Überfällen auf Kaufleute verleitet, die zur Frankfurter Messe unterwegs waren. Daraus resultierte das sogenannte Raubrittertum. 1389 kam es zur Kronberger Fehde, einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Rittern von Kronberg und der Reichsstadt Frankfurt; die Stadt Frankfurt ließ die Niddabrücke in Nied zum Schutz vor den Kronbergern abreißen. 1434 wurde Graf Reinhard II. von Hanau von Kaiser Sigismund mit dem Bornheimerberg belehnt. Bei der Teilung der Grafschaft Hanau im Jahr 1458 kam der Bornheimerberg zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. Die Ortsherrschaft war damit zwischen dem Kurfürstentum Mainz und der Grafschaft Hanau umstritten. Das Kurfürstentum ordnete das Dorf seinem Amt Höchst zu. 1489 wurde der Bau einer steinernen Kirche verfügt.

Für das Jahr 1275 liegt eine erste urkundliche Erwähnung einer Holzbrücke über die Nidda vor. Ab 1342 wurde Brückenzoll erhoben. Um 1410 bestätigte Kaiser Sigismund der Stadt Frankfurt ihre Rechte an dieser Brücke, die sie zur Sicherheit des Reiseverkehrs zur Messe Frankfurt unterhielt. Durch die Brücke wurde das Fischerdorf auch zu einem Rastplatz auf dem Handelsweg von Mainz nach Frankfurt.

Das Dorf war von Gräben mit Zäunen und zwei mächtigen Falltoren geschützt. Der wehrhafte Kirchturm prägte das Ortsbild. Unterhalb der Niddabrücke (heutiger Kerbeplatz) befand sich damals der Bildstock zu St. Wolfgang. In Richtung Höchst lagen einst Weinfelder, am Mainufer zwischen Nied und Griesheim ein Wäldchen auf der Heide und ein jüdischer Friedhof – heute Industriegelände. Ab 1438 besaß Nied Burgrecht in Frankfurt, das heißt, seine Bewohner fanden in unruhigen Zeiten Zuflucht hinter dessen Stadtmauer.

Historische Namensformen mini|hochkant|Katholische Markuskirche an der Mainzer Landstraße

Der Ortsname stammt ursprünglich aus dem Keltischen und steht in Zusammenhang mit dem Fluss Nidda. Nide (1035, Zuordnung zweifelhaft) Nitha (um 1150) Nithe (1218) Nithe (1223) Niede (1268) Nyeda (1271) Niede (1274) Nide (1274)

Frühe Neuzeit mini|Nied auf einer Gemarkungskarte von 1810 Im Jahr 1592 verpfändete das Erzstift seinen Anteil an den Dörfern Griesheim und Nied an die Grafen von Hanau. 1684 tauschten Kurmainz und Hanau eine Reihe von Rechten in Kondominaten und Gebieten ähnlich gemischter Ansprüche. Dabei fiel Nied an Mainz.