mini|hochkant=1.5|Ehemaliges Stammesgebiet der Sioux und benachbarter Stämme und heutige Reservationen

Sioux (franz.: [], engl.: [], deutsch: [], Dakota: Očhéthi Šakówiŋ /otʃʰeːtʰi ʃakoːwĩ/) ist sowohl die Bezeichnung für eine Gruppe von nordamerikanischen Indianervölkern als auch für eine Sprachfamilie. Als Sioux (im engsten Sinn) werden drei Gruppen nahe miteinander verwandter Sprachen bezeichnet: Lakota, Westliche Dakota und (östliche) Dakota. Das Volk der Dakota diente als Namensgeber für die beiden US-Staaten North Dakota und South Dakota. Um 1800 dominierten diese Gruppen der Sioux fast ganz Nord- und Süd-Dakota, Nord-Nebraska, Ost-Wyoming, Süd-Montana, Nord-Iowa sowie den Westen Minnesotas. Die Assiniboine, die sich von den Yanktonai-Sioux abgespalten hatten und deren Sprache als eigenes Idiom betrachtet wird, dominierten die südlichen kanadischen Prärieprovinzen sowie den Nordosten Montanas und den Nordwesten Nord-Dakotas. Die mit ihnen eng verwandten Stoney lebten meist nördlich und westlich der Assiniboine auf den Prärieprovinzen und streiften vom Süden British Columbias bis ins nördliche Montana. Sprachlich verwandt sind die Stämme der Absarokee, Hidatsa, Iowa, Kansa, Mandan, Missouri, Omaha, Osage, Oto, Ponca, Quapaw und Ho-Chunk (Winnebago).

Laut dem US-Zensus von 2010 bezeichneten sich 170.110 Personen in den Vereinigten Staaten als Angehörige der Sioux-Nation.

Name Die Bezeichnung Sioux ist eine kolonialfranzösische Kurzform des Ojibwa-Worts „Nadouessioux“ (kleine Schlangen), das seinerseits eine französische Schreibweise für das Algonkinwort „Natowessiw“, Plural „Natowessiwak“, mit dem französischen Plural Suffix -oux ist. Aus diesem Schimpfwort leitet sich „Nadowe-is-iw-ug“ ab, was „sie sind die geringeren Feinde“ bedeutet. In der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts wird daraus häufig die Bezeichnung Nadowessi[er], etwa in „Nadowessische Todtenklage“ von Friedrich Schiller.in Nadowessische Todtenklage (bei Wikisource Nadoweßische Todtenklage, Problem das ß, entstanden aus normalen und Schluss-S) „Nadowessier“ (siehe auch Original-Abbildung bei commons.wikimedia) „Nadowessi“ z. B. in Friedrich Ratzel: „Die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika...“ Band 2 München 1880, S. 143 Sioux ist die einzige Bezeichnung für alle sieben dieser Gruppe zugerechneten Stämme.

Das Lexem „Sioux“ ist eine abwertende Bezeichnung der Anishinabe für eine Anzahl Indianerstämme der Dakota-/Lakotagruppe und sprachlich verwandter Stämme, allesamt Feinde der Anishinabe. Allerdings haben einige Sprachwissenschaftler darauf hingewiesen, dass mit Rücksicht auf die Proto-Algonkin-Terminologie das Lexem auch umgedeutet werden kann als „Sprecher einer fremden Sprache“. Dagegen weisen andere Sprachwissenschaftler darauf hin, dass es durchaus typisch war, von seinen Feinden als „Schlangen“ zu sprechen. Dies ist auch der Grund, weshalb die Shoshone als „Schlangenindianer“ bezeichnet wurden. Ein weiteres Problem der Umdeutung des Begriffes liegt darin, dass das Proto-Algonkin lediglich eine rekonstruierte Sprache ist, die vor Tausenden von Jahren gesprochen wurde.

In jüngerer Zeit gibt es in einigen Gruppen Bestrebungen, die Bezeichnung „Sioux“, die auf eine verkürzte Schreibweise eines fremdsprachigen Ojibwa-Wortes zurückgeht, durch eigene Stammesbezeichnungen zu ersetzen.

Kultur und Lebensweise mini|hochkant|Frauenkleid der Sioux mini|hochkant|Babytrage der Sioux Die Sioux teilten viele kulturelle Merkmale mit anderen Plainsindianern. Sie lebten in Tipis, ein Wort aus der Siouxsprache. Die Lakota zogen ganzjährig in diesen Zelten umher, die Dakota nur während der Jagd im Sommer und im Winter. Die Männer erwarben Ansehen durch mutige Taten sowohl im Krieg, als auch bei der Jagd, durch Großzügigkeit und Weisheit. Das Erbeuten von Pferden und Skalps bei einem Überfall auf Feinde war ein Beweis für Mut, Tapferkeit und Geschick. Kriegsführung und übernatürliche Dinge wurden eng miteinander verknüpft, so dass ihnen in mystischen Visionen wahrgenommene Gestalten, Muster und Symbole auf die Schilde, die Pferde, die Tipis und schließlich auch (für Feierlichkeiten und Kriegszüge) ins Gesicht gemalt wurden, um die Träger vor ihren Feinden und bösen Geistern zu schützen. Die Sioux praktizierten eine sorgfältig ausgearbeitete Form des Sonnentanzes, den sie Häuptlings-Stammes-Fest (chief tribal festival) nannten.

Ihr religiöses System kannte vier Mächte, die über das Universum herrschten, und die wiederum in vier Hierarchien unterteilt waren. Grundlage dieser Mächte war wakan, die geheimnisvolle Lebens- und Schöpferkraft, die in der Summe als Weltseele Wakan Tanka (Großes Geheimnis) bezeichnet wurde. Dinge, Naturerscheinungen oder Menschen mit herausragenden oder ungewöhnlichen Eigenschaften waren ebenfalls wakan, denn darin offenbarte sich die Existenz der übernatürlichen Mächte (Animismus). Die Büffelgestalt hatte auch einen wichtigen Platz in ihrer traditionellen Religion. Bei den Teton war der Bär die wichtigste Figur; das Erscheinen des Bären in einer Vision wurde als Heilkraft angesehen. Die Santee Sioux veranstalteten eine zeremonielle Bärenjagd, um Schutz für ihre Krieger zu gewinnen, bevor sie zu einem Kriegszug aufbrachen.

Sioux-Frauen waren geschickt bei Handarbeiten mit Stachelschweinborsten und Perlenstickereien, die geometrische Muster zeigten. Polizeifunktionen wurden von militärischen Gesellschaften ausgeübt, deren wichtigste Aufgabe die Überwachung der Büffeljagden war. Andere Gesellschaften kümmerten sich um den Tanz und die spirituellen Rituale. Es gab auch Frauengesellschaften.

Jahreszeiten und ihre Tätigkeiten Die Monate eines Jahres wurden nach den wichtigsten Tätigkeiten und Ereignissen bezeichnet. Die Sommermonate trugen Namen der reifenden Früchte, wie „Monat der Erdbeere“ (Mai), „Monat der reifen Felsbirnen“ (Juni), „Monat der reifen Kirschen“ (Juli) und „Monat der reifen Pflaumen“ (August), die von den Sioux geerntet wurden. Einige Monate nannten sich nach jahreszeitlichen Erscheinungen, so der „Monat der gelben Blätter“ (September) und der „Monat der fallenden Blätter“ (Oktober). Der November war der „Monat der haarlosen Kälber“, weil in diesem Monat die Bisons geschlachtet wurden und deren Embryos unbehaart waren. Die Wintermonate wurden „Monat des Frosts im Tipi“ (Dezember) und „Monat, in dem die Bäume platzen“ (Januar) genannt. „Der Monat der entzündeten Augen“ bezog sich auf die Schneeblindheit, unter der viele im Februar litten. März war der „Monat, in dem der Samen sprießt“ und der April, der Jahresanfang, war der „Monat der Geburt der Kälber“.

Im Frühling verließen die Familiengruppen das Hauptlager, um Fleisch und Nahrung zu sammeln. Wahrscheinlich hatten die Sioux in dieser Zeit ein großes Angebot an Wapitis, Gabelböcken und Bisons. In den Frühlingsmonaten zapften Männer und Frauen der Dakota den Saft des Eschenahorn, um Sirup zu bereiten. In den wärmeren Monaten bezogen die östlichen Sioux-Völker kuppelförmige Wigwams, die mit Baumrinde gedeckt waren. Die Tipis wurden bei dieser Gelegenheit mit frischen Häuten erneuert oder ausgebessert. Zu Beginn des Sommers wurden die Häute geräuchert und zu Leggins oder Mokassins verarbeitet. Im Mai oder Juni zogen sie in ein höheres Gelände. Diese Wanderung war Tradition und wurde oft mit einer Jagd in Verbindung gebracht, wenn die Nahrung knapp wurde. Der größte Teil des Sommers wurde damit verbracht, Zeremonien zu veranstalten, z. B. Visionssuche, kultische Feiern, Stammeswahlen und Feste zu Ehren der weiblichen Tugenden. Höhepunkt der Feiern war der Sonnentanz. Danach entschied eine gewählte Gruppe über die Aktivitäten im Herbst. Am Ende des Sommers wurden Herbstjagden organisiert, die sie „Tates“ nannten. Der Herbst war eine arbeitsreiche Zeit für die Frauen, die Beeren und Nüsse sammelten und das Fleisch für den Winter trockneten, um Pemmikan zu bereiten. Wenn der Herbst zu Ende ging, zogen die Sioux in vor der Witterung geschützte Winterlager. Während die Lakota keinen Feldbau betrieben, kultivierten die Dakota Mais, Bohnen und Kürbisse.

Die Bisonjagd miniatur|Amerikanischer Bison miniatur|Sioux-Lager, 1894 Die Sioux waren ursprünglich Ackerbauern, die nur gelegentlich Bisons jagten. Erst als sie ab 1700 die von den Spaniern eingeführten Pferde übernahmen, sind sie als nomadische Bisonjäger anzusehen. Die Jagd war Aufgabe der Männer. In der Prärie und auf den Hochebenen gab es riesige Bisonherden, aber auch Gabelböcke, Wapitis, Kaninchen und Stachelschweine und an den Flussläufen Biber und Enten. Das die Großen Ebenen beherrschende Tier war der Bison. Obwohl archäologische Funde beweisen, dass dieses Tier in Nordamerika weithin verbreitet war, beschränkte sich sein Lebensraum im 19. Jahrhundert auf die Plains, die von etwa 60 Millionen Bisons bevölkert waren. Der Bison hat ein schlechtes Sehvermögen, dafür sind aber sein Geruchssinn und sein Gehör außerordentlich gut, so dass sich die indianischen Jäger gegen den Wind anschleichen mussten.

Die frühen unberittenen Indianer der Plains jagten den Bison, indem sie die Tiere in Panik versetzten. Die in wilder Flucht davonstürmenden Tiere wurden in eine V-Form gezwungen und zu einer Klippe getrieben, von der sie in die Tiefe stürzten. An derartigen Stellen wurden alljährlich Tausende Tiere getötet, so viele zur gleichen Zeit, dass es unmöglich war, das ganze Fleisch zu verbrauchen.Colin Taylor: Indianer, Die Ureinwohner Nordamerikas. Bertelsmann, Gütersloh 1992, S. 63.

Nach Ankunft des Pferdes auf den Großen Ebenen kultivierten die Sioux die Jagd zu Pferde. Entscheidend für den Jagderfolg war die Qualität des Pferdes. Es musste ausdauernd sein, denn selbst ein tödlich getroffener Bisonbulle konnte noch weit laufen, bevor er zusammenbrach. Es musste Mut besitzen und mit viel Geschick den nach ihm stoßenden spitzen Hörnern ausweichen. Ein derartiges Pferd wurde von der Familie behütet, und wenn Diebe aus feindlichen Stämmen in der Nähe waren, kam das Pferd ins Tipi und die Frauen mussten draußen schlafen. Zur Bisonjagd war der Jäger nur mit ledernem Lendenschurz und Mokassins bekleidet. Bewaffnet war er mit einer kurzen Lanze oder mit einem Bogen und etwa 20 markierten Pfeilen, an denen der Schütze später erkennbar war. War der Jäger nahe genug am ausgewählten Bison, versuchte er eine Stelle hinter der letzten Rippe zu treffen. Normalerweise waren mindestens drei Treffer nötig, um das Tier zu erlegen. Die Bisonjagd war eine gefährliche Angelegenheit, der manches Pferd und auch Jäger zum Opfer fielen.Benjamin Capps: Die Indianer. Reihe: Der Wilde Westen, S. 67. Time-Life Books (Netherland) B.V.