Die Geschichte des Quäkertums beginnt Mitte des 17. Jahrhunderts im Nordwesten Englands, zur Zeit des republikanischen „Commonwealth“ nach dem Englischen Bürgerkrieg. Als wichtigste Gründerpersönlichkeit des Quäkertums wird George Fox (1624–1691) angesehen, ein Handwerker und Laienprediger. Zusammen mit den Mennoniten und der Church of the Brethren zählen die Quäker zu den drei „historischen Friedenskirchen“. Die Religiöse Gesellschaft der Freunde ist eine christliche Religionsgemeinschaft, die ihre meisten Mitglieder heute in Großbritannien, Nordamerika und Afrika hat.

Überblick Die Geschichte des Quäkertums lässt sich grob in folgende Phasen einteilen: Ursprünge der Frühen Freunde, 1642–1658 (auch vorkonstitutionelle Periode genannt). In den Turbulenzen des Bürgerkriegs und der Nachkriegszeit des Commonwealths gab es eine Vielzahl von Wanderpredigern, die alle die Autorität der Anglikanischen Kirche ablehnten und eine Rückkehr zu den, aus ihrer Sicht, wahren Wurzeln des Christentums predigten. Daraus entstanden sowohl heute noch verbreitete Glaubensgemeinschaften wie die Baptisten und Quäker als auch nicht mehr existierende Gemeinschaften wie Fifth Monarchy Men oder Muggletonianer. Diese Phase war von antinomistischen und chiliastische Ideen geprägt, was die ersten Quäker aber noch nicht von damals verbreiteten Strömungen absetzte.Siehe hierzu Claus Bernet: Gebaute Apokalypse. ISBN 978-3-8053-3706-9, Seite 361: „Die wichtigsten Vertreter dieser Denomination [der Quäker] waren in den Anfängen George Fox (1624–1691), James Nayler (1618–1660) und William Penn (1644–1718). Bei allen dreien lässt sich ein chiliastisch-utopisches Potential aufzeigen, das jedoch unterschiedlich gelagert und von divergierenden Intentionen gekennzeichnet ist.“ Die Zeit der Verfolgung, 1659 bis zirka 1690 (auch erste Periode genannt), war nach der Wiederherstellung der Monarchie unter Karl II. stark durch Verfolgung, aber auch durch starke Missionsarbeit geprägt. In dieser frühen Phase breitete sich das Quäkertum in England und den späteren USA aus.Angefangen mit dem Quaker Act von 1662.Die aktive Verfolgung wurde durch die Toleranzakte und die Glorious Revolution beendet.Gleiche Zivilrechte für Dissenter wie Quäker wurden jedoch erst durch den Sacramental Test Act von 1828 gegeben. Die Zeit des Quietismus, zirka 1690 bis zweite Hälfte 18. Jahrhundert (auch zweite Periode genannt), war geprägt durch inneren Rückzug, Separation, Stagnation und Erstarrung, aber auch durch den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg.Da Dissentern das Studium an der Universität und die Ausübung von Berufen verboten war, konzentrierten sie ihre Energien auf dem Handel. Zwei der drei heutigen größten britischen Banken, Lloyds Banking Group und Barclays Bank, wurden von Quäkern gegründet. Die Zeit der Wiedererweckung, ab der zweiten Hälfte 18. Jahrhundert bis heute (auch dritte Periode genannt), ist diejenige, die bis heute das Bild von den Quäkern prägt: der friedliche aber radikale Kampf vieler Quäker für Gerechtigkeit an Frauen, Sklaven und Gefangenen; der Einsatz für Frieden und die Linderung von Hunger und Ausbeutung. Die Zeit der Aufspaltungen (ab Mitte 19. Jahrhundert bis heute) ist die der Schismen, Aufspaltungen und Wiedervereinigungen, hervorgerufen durch diverse evangelische, konservative und liberale Strömungen im Quäkertum.

Vereinigtes Königreich mini|Eine Geschäftsversammlung der britischen Jahresversammlung 2005 in der University of York

Die Geschichte der Quäker beginnt im England des 17. Jahrhunderts. Ursprünglich hatten diese sich selbst nicht als Glaubensgemeinschaft verstanden und waren eine lose Gruppierung. Der Name Quäker (englisch: to quake „beben, zittern“) resultiert aus einer abfälligen Bezeichnung ihrer Gegner, weil die Quäker bei ihrem ersten Auftreten mit Zittern und Entzücken von der Größe und dem Glanz des göttlichen Lichtes redeten, von welchem sie überschüttet würden. Ein Satz von George Fox, den dieser vor einem englischen Gericht ausgesprochen haben soll, gibt dem verbreiteten Namen Quäker einen anderen Ursprung: „Zittere vor dem Worte des Herrn!“ . Zunächst eint die Quäker lediglich ihre Opposition gegen die etablierte anglikanische Staatskirche und gegen die von ihnen als unaufrichtig empfundenen Puritaner.

Einer der geistigen Führungspersönlichkeiten dieser oppositionellen Bewegung war George Fox, der gleich bei seiner ersten öffentlichen Ansprache 1649, in einer Kirche in Nottingham, verhaftet wurde. Im Laufe seines weiteren Lebens verbüßte Fox insgesamt acht Gefängnisstrafen, in der Regel wegen Blasphemie.

Die Gruppe von Quäker-Wanderprediger, die sich schnell zusammenfand und die ihre Ideen untereinander austauschten und verbreiteten, wurden später als die „Valiant Sixty“ bezeichnetHistorical Dictionary of the Friends (Quakers), M.P.Abbott, M.E. Chijioke, P. Dandelion, J. W. Oliver Jr, The Scarecrow Press, 2012, Seite 311 & 355, . Diese Quäker-Missionare waren zu ihrer Zeit sehr ungewöhnlich. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Predigten dieser Zeit, die fast ausschließlich männlichen, gut und akademisch ausgebildeten und formal ordinierten waren, waren die meisten Mitglieder der Valiant Sixty einfache Bauern, Handwerker, und zum Teil Frauen. Einige Mitglieder wie George Whitehead, Elizabeth Fletcher, Elizabeth Leavens Jane und Dorothy Waugh waren sogar Teenager, als sie zu predigen anfingen. Die Gegend, aus der sie kamen, der Norden Englands, galt zudem als rückständig.

Da sie sich gegen die bestehende Kirchenstruktur stellten, wurden viele von ihnen inhaftiert und körperlicher misshandelt. Als die Praktiken der Quäker verboten wurden, verstießen sie formal gegen das Gesetz. Ihr Verhalten könnte als frühe Form des zivilen Ungehorsams angesehen werden. Mitglieder der Valiant Sixty bereisten nicht nur England, sondern auch den Rest Großbritanniens, Europa und Nordamerika. Eine von ihnen, Mary Fisher, reiste zu Missionszwecken bis in die Türkei, um den Sultan zu bekehren. Sie wurde freundlich und respektvoll empfangen, im Gegensatz zu John 'Love' Luffe, der seinerseits mit John Perrot zusammen, nach Rom zum Papst reise, um ihn für sein Lebensstil anzuprangern. Für John 'Love' Luffe endete die Reise tödlich und John Perrot konnte nur mit großer Mühe vor dem Tod bewahrt werden.

Eine weitere charismatische und kontroverse Persönlichkeit der Valiant Sixty war James Nayler, der zeitweilig in Konkurrenz zu George Fox trat. Höhe- und Wendepunkt für James Nayler und seine Anhängerschaft war seine Verhaftung wegen Blasphemie in Bristol im Jahr 1656.

Als eine wichtige Figur im Hintergrund der frühen Missionstätigkeit wirkte Margaret Fell (* 1614; † 23. April 1702) mit. Sie vernetzte und organisierte die Hilfs und Missions-tätigkeiten. Die spätere Frau von George Fox (Heirat 1669) gilt auch als die eigentliche Autorin des berühmten Friedenszeugnisses, auch wenn sie die Erklärung selbst nicht unterschrieben hat.

Die gesellschaftliche und politische Haltung zu den Quäkern im 17. Jahrhundert war kontrovers. Noch 1651 bot Oliver Cromwell George Fox den Dienst in seiner Armee im Rang eines Hauptmanns an (was dieser ablehnte), aber schon zu Beginn der 1660er Jahre hatte die Quäker-Verfolgung in England ihren Höhepunkt erreicht. Hunderte Quäker wurden gelyncht, misshandelt, eingesperrt und enteignet.Siehe hierzu George Fox - Aufzeichnungen und Briefe des ersten Quäkers, Übersetzerin: Margrit Stähelin, Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1908.

In den Jahren 1667 bis 1669 wurden von George Fox Monats-, Vierteljahres- und Jahresversammlungen eingerichtet, die bis heute die Struktur der Quäker in der ganzen Welt prägen.

Auch nach Ende der Verfolgungen (Toleranzakte des englischen Parlaments 1689) blieben öffentliche Ämter, politische Mandate und Universitäten noch lange Zeit für Quäker verschlossen – unter anderem, weil sie den Amtseid ablehnten. Viele der Anhänger wanderten deshalb aus, vor allem nach Nordamerika und die Westindischen Inseln oder nach Holland und Friesland.

Die vierte bekannte und für das Quäkertum prägende Persönlichkeit war der Engländer William Penn. Er wurde 1681 Gouverneur von Pennsylvania und ist untrennbar mit der US-amerikanischen (Quäker-)Geschichte verbunden. Penn trat aber auch engagiert für die Völkerverständigung in Europa ein, etwa mit seinem visionären Towards the Present and Future Peace of Europe.Deutsch als: William Penns Friedensplan für Europa. Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker); Bad Pyrmont 1991; ISBN 3-929696-02-9 (Neudruck der deutschen Erstausgabe von 1920).

Nach Abklingen der Verfolgung in England zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Quäker auf wirtschaftlichem Gebiet erfolgreich. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass sie durch das „Zeugnis der Integrität“ (Testimony of Integrity) als ehrliche Geschäftspartner einen guten Ruf genossen. Einige Firmen sind immer noch tätig und bekannt, etwa Clarks (Schuhe), Barclays (Bank) und Cadbury Limited (Schokolade, Lebensmittel; 1969 fusioniert zu Cadbury Schweppes).

Mit dem beginnenden wirtschaftlichen Erfolg und der gesellschaftlichen Integration gegen Ende des 17. Jahrhunderts endeten die bis dahin regen Missions-Reisen und -Aktivitäten. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts kam es zu einer (inneren) Erstarrung.C. Bernet: „[...] die Zeit von 1690 bis 1760 als eine Periode der Erstarrung anzusehen ist. Die Quäker beschäftigten sich mehr mit sich selber, zeigten für die ‚äußere Welt‘ kaum Interesse und stellten auch ihre Missionsbemühungen gänzlich ein.“ Aus 400 Jahre Mennoniten in Krefeld, ISBN 978-3-921881-26-2, Seite 57. Das karitative Bild des unermüdlich um Gerechtigkeit kämpfenden Quäkers, entstand erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als vor allem US-amerikanische Quäker, aber auch Briten begannen, sich aktiv in der Sklavenfrage zu betätigen und um Frauenrechte zu kämpfen. Bei den zum Teil heftigen Auseinandersetzungen knüpften sie an die Traditionen der ersten Jahre an und sparten dabei nicht selten an Polemik, um ihre Gegner moralisch bloßzustellen, nur dass sie diesmal nicht um ihr eigenes Leben kämpften, sondern um das von anderen.

Vereinigte Staaten mini|Ausdifferenzierung von Quäkerströmungen in den USA, 1800 bis heute.

Schon früh siedelten sich Quäker in den heutigen USA an. In einigen Teilen der britischen Kolonien in Nordamerika wurde das Quäkertum per Gesetz verboten, so etwa 1657 in Boston. Die Quäkerin Mary Dyer wurde bei Protestaktionen gegen dieses Gesetz in Boston mehrmals verhaftet und zweimal zum Tode verurteilt. Beim zweiten Mal wurde das Urteil vollstreckt; Dyer starb am 1. Juni 1660 am Galgen.

Von 1671 an reiste William Penn in viele europäische Länder und warb für die Quäker-Kolonien in der „Neuen Welt“. Die größte Einwanderungswelle nach Nordamerika kam ab 1681, als Charles II. von England den Quäkern ein großes Landgebiet an der damaligen Westgrenze der besiedelten Gebiete überließ und William Penn zum Gouverneur des später Pennsylvania genannten Gebietes ernannte. Das „heilige Experiment“, wie es Penn nannte, war der einzige jemals existierende Quäker-Staat.

Pennsylvanias Verfassungssystem war mit dem ungewöhnlich liberalen Wahlrecht und der vollen Religionsfreiheit für alle Konfessionen seiner Zeit weit voraus. Aufgrund der Tatsache, dass Penn die Indianer vor Alkohol und ausbeuterischen Weißen schützte und sich strikt an die Landabtretungsverträge hielt, blieb Pennsylvania von indianischen Überfällen verschont. Penn hatte intensiven Kontakt mit den benachbarten indianischen Stämmen, wie den Lenni Lenape oder den Irokesen, er sprach sogar ihre Sprachen. Die Siedlung Philadelphia entwickelte sich schnell zum Zentrum der Quäkerkolonie.