mini|Das Papiamentu-Wort Dushi auf Englisch erklärt. Papiamentu oder Papiamento ist eine Kreolsprache mit circa 263.000 Sprechern,ethnologue.com: „Papiamentu“ (englisch), zuletzt abgerufen am 13. Juni 2014 die in der Karibik auf den zum Königreich der Niederlande gehörigen ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curaçao) leben. Auf den übrigen niederländischen Inseln in der Karibik, Sint Eustatius, Sint Maarten und Saba, spricht die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Englisch.
Sprachbezeichnung Papiamentu gehört zu den Kreolsprachen.
Der Wortschatz des Papiamentu setzt sich aus spanischen (60–65 %), portugiesischen (15–20 %) und niederländischen (10–15 %) Wörtern zusammen. Sowohl die Schreibweise Papiamentu als auch Papiamento, mit der ursprünglich portugiesischen Endung auf -o, die genauso ausgesprochen wird, sind legitim.
Der Name der Sprache der „ABC-Inseln“ Aruba, Bonaire und Curaçao geht auf das portugiesische Verb „papear“ zurück, was „plaudern“ bedeutet. In Suriname wurde die dortige Kreolsprache Sranan oft abwertend als Taki-Taki bezeichnet, was so viel wie „Blabla“ bedeutet. Beide Begriffe spiegeln eine geringe Wertschätzung dieser Sprachen wider. Papiamentu und Sranan sind so verschieden, dass sich die Sprecher der jeweiligen Sprache nicht verstehen. Heute genießt Papiamentu jedoch eine deutlich höhere Wertschätzung, es gilt als Ausdruck kultureller Identität und Stolz der Bevölkerung auf den ABC-Inseln. Es wurde standardisiert und ist auf Curaçao und Aruba als Amtssprache anerkannt.
Ursprung des Papiamentu
Papiamentu entstand auf Curaçao während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Erst 1700 wurde die Sprache auf die Inseln Bonaire und Aruba transferiert. Die eigentliche Entwicklung des Papiamentu beginnt erst mit der Besiedelung Curaçaos durch die Niederländer und der Etablierung des größten Marktes für aus Afrika entführte Sklaven im karibischen Gebiet. Als Grund für seine Herausbildung wird die restriktive Sprachpolitik der niederländischen Kolonialverwaltung angesehen, die die Ausbreitung ihrer eigenen niederländischen Sprache in den Kolonien bremste. Die Sklaven durften kein Niederländisch lernen und die Plantagenbesitzer wohnten relativ isoliert von den Zwangsarbeitern. Der Bedarf für eine gemeinsame Sprache war groß, weil sie aus verschiedenen Gebieten in Westafrika stammten.
Der Erste, der Papiamentu erwähnt hat, war der böhmische Jesuit Michael Schabel, der auf dem Weg von Venezuela nach Amsterdam auf Curaçao drei Tage lang (3.–6. August 1698) auf sein Schiff warten musste und später (1705) der erste jesuitische Seelsorger auf der Insel wurde. Schabel stellte fest, dass die schwarze Bevölkerung „eine Art verballhorntes Spanisch“ sprach. Die Jesuiten beauftragten ihre Missionare, die Landessprache zu lernen. Für Schabel war das noch Spanisch (die Sprache des zuständigen Bischofs in Venezuela) und Niederländisch, die Sprache der Inselverwaltung.Christine W.M. Schunck Intolerante tolerantie – De geschiedenis van de katholieke missionering op Curaçao 1499-1776, Doktorarbeit 2019 Nijmegen, ISBN 978 90 5625 504 6, S. 224 Ehe das gerade entstehende Papiamentu als Sprache wahrgenommen würde, sollte es noch ca. 30 Jahre dauern. Das geschah durch einen Nachfolger Schabels, siehe weiter unten im Absatz Papiamentu in Religion und Kultur.
Das Papiamentu ist das Ergebnis des Kontaktes zwischen folgenden unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen: Afrikanische Sklaven, die vor allem afrikanische Sprachen beherrschten und eventuell ein afro-portugiesisches Pidgin sprachen Niederländer und andere Europäer, Sprecher von Niederländisch, Deutsch und anderen europäischen Sprachen. Sephardische Juden, die Ladino, Portugiesisch und/oder Spanisch bzw. auch andere iberoromanische Dialekte sprachen.
Später wurde Papiamentu immer mehr auch zur Verkehrssprache zwischen den aus Europa stammenden Protestanten und Juden und löste das Niederländische als Sprache des öffentlichen Lebens weitgehend ab. Der Autor Frank Martinus Arion, der sich für das Papiamentu einsetzt, nimmt an, dass die Sprache aus dem Primärdialekt „Guene“, einem portugiesischen Pidgin, entstand, das durch die afrikanischen Sklaven benutzt wurde. Einen bedeutenden Anteil an der Sprachentwicklung hatte die jüdisch-portugiesische Bevölkerung der niederländischen Kolonien. Sie war ursprünglich aus dem brasilianischen Pernambuco geflohen.
Im 19. Jahrhundert erfuhr das Papiamentu eine Hispanisierung des Wortschatzes, da das Spanische durch die katholische Mission, zahlreiche lateinamerikanische Emigranten und insbesondere durch die Nähe zum spanischsprachigen Festland immer mehr an Bedeutung gewann. Der portugiesische Einfluss hingegen geht immer mehr zurück.
Bis zum heutigen Tag gibt es verschiedene Theorien, um den ungewöhnlich starken iberoromanischen Charakter des Papiamentu zu erklären. Mögliche Quellen des (afro)portugiesischen Elementes dieser Kreolsprache sind: Die afrikanischen Sklaven, die ein afroportugiesisches Pidgin oder Kreol beherrschten, Niederländer und sephardische Juden, die nach dem Ende von Niederländisch-Brasilien (1654) nach Curaçao kamen. Sepharden aus Spanien und Portugal, deren Sprache Ladino war.
Es wurde festgestellt, dass während der Zeit der Herausbildung des Papiamentu die spanischen Elemente vor allem durch die sephardischen Juden beigesteuert wurden. Diese Bevölkerungsgruppe wurde ab 1492 durch die katholischen Könige aus Spanien und Portugal vertrieben und siedelte sich unter anderem auf den ABC-Inseln an. Es hat sicherlich auch einen Beitrag der venezolanischen Priester gegeben. Der Einfluss des Kastilischen ist teilweise noch da, hauptsächlich durch die Medien. Da es aber keine nennenswerte legale Einwanderung von Spanischsprechern gibt, hat das Papiamentu seinen eigenständigen Charakter bemerkenswert beibehalten.
Sprachgenese Bei kaum einer Sprache sind sich Forscher so uneinig, was ihre Entstehung betrifft, wie bei Papiamentu. Es gibt im Wesentlichen drei Theorien, wie die Sprache entstanden ist:
Monogenetische Hypothese:Diese Theorie glaubt, dass alle Kreolsprachen, also auch Papiamentu, aus einem „afroportugiesischen Protokreol“ (APPK) hervorgegangen sind. In den Küstengebieten Westafrikas entwickelte sich dieses APPK aufgrund der jahrzehntelangen Handelskontakte zwischen den Portugiesen und den Afrikanern. Später wurden die portugiesischen Merkmale zum Teil durch französische, spanische, englische beziehungsweise niederländische Elemente und Worte ersetzt. Dadurch entstanden die verschiedenen Kreolsprachen der Karibik. Dazu gehören neben Papiamentu auch Jamaika-Englisch, Haiti-Französisch sowie Spanisch-Kreol auf Kuba, in Venezuela und Kolumbien. Polygenetische Hypothese:Bei dieser Theorie wird angenommen, dass jede Kreolsprache ausschließlich von anderen unabhängig aus einer europäischen Sprache entstanden ist. So sei Papiamentu aus dem Spanischen/Portugiesischen beziehungsweise anderen iberischen Sprachen entwickelt worden. Die dritte Hypothesebehauptet, dass Papiamentu auf einer spanischen Grundlage mit einem portugiesischen Substrat entstanden ist. Sowohl Papiamentu, als auch die Kreolsprachen Palenquero-Spanisch (Kolumbien) und Bozal-Spanisch (Kuba, Puerto Rico) sind aus diesem Protokreol im 16. und 17. Jahrhundert entstanden.
Momentan gewinnt allerdings eine vierte Hypothese Popularität, laut welcher das Papiamentu ein relexifizierter Ableger einer frühen Varietät der Kreolsprache Oberguineas ist, wie es auf den Kapverdischen Inseln und in Guinea-Bissau und Casamance gesprochen wird (vgl. Jacobs 2009).
Lexik des Papiamentu So uneinig sich die Forscher bei der Entstehung des Papiamentu sind, so sind sie sich aber sicher, dass zwei Drittel des Wortschatzes iberoromanischen Ursprungs sind, also aus dem Portugiesischen oder aus dem Spanischen stammen. Zu 28 Prozent besteht Papiamentu aus niederländischen und zu sechs Prozent aus Wörtern anderen Ursprungs wie etwa Englisch und Französisch. Der hohe Anteil der niederländischen Wörter beweist den gemischten Charakter des Papiamentu. Vereinzelt trifft man in Papiamentu auf afrikanisches Wortmaterial und auf Wörter indigener Sprachen. Die Wörter afrikanischen Ursprungs sind meist im Bereich der Ernährung, der Fauna angesiedelt oder direkt mit der afrikanischen Kultur verbunden. Natürlich gibt es den Wortschatz betreffend Unterschiede zwischen den Inseln: Ist der Einfluss des Niederländischen auf Curaçao am stärksten, so ist es der des Spanischen auf Aruba. Bei den Wörtern mit iberoromanischem Ursprung ist es meist schwer zu bestimmen, aus welcher Varietät sie entlehnt wurden, da sich die Sprachen der iberischen Halbinsel im 17. Jahrhundert, als sich das Papiamentu ausbildete, noch näher standen, als das heute der Fall ist. Von den iberoromanischen Wörtern sind etwa 60 Prozent entweder spanisch oder portugiesisch, 25 Prozent eindeutig spanisch und vier Prozent eindeutig portugiesisch. Ein geringer Anteil stammt aus dem Galicischen oder könnte aus allen drei Sprachen entstammen.Vgl. hierzu: Papiamentus Swadesh-100 Wortliste (PDF; 76 kB)
Deutsch Portugiesisch Papiamentu Guineabissauisches Kreol Kapverdisches Kreol* ** Spanisch NiederländischWillkommen Bem-vindo Bon biní Bô bim drito Bem-vindo*** Bienvenido welkomGuten Tag Bom dia Bon dia Bon dia Bon dia Buenos días GoedendagDanke Obrigado Danki Obrigadu Obrigadu Gracias Dank uWie geht’s dir? Como vais? Kon ta bai? Kumá ku bo na bai? Módi ki bu sa ta bai? ¿Cómo estás? Hoe gaat het met jou?sehr gut Muito bom Mashá bon Mutu bon Mutu bon Muy bien Zeer goedmir geht’s gut Eu estou bom/bem Mi ta bon N' sta bon N sta dretu Estoy bien Het gaat goed met meja, ich bin Sim, eu estou Si, mi ta N', mi i N, mi e Sí, yo estoy Ja, ik benhab einen guten Tag Passa um bom dia Pasa un bon dia Pasa un bon dia Pasa un bon dia Pasa un buen dia Een prettige dag verdersehe dich später Vejo-te depois, até logo Te aweró N' ta odjá-u dipus N ta odjâ-u dipôs, Te lógu Te veo después Tot ziensEssen Comida Kuminda Bianda Kumida Comida VoedselBrot Pão Pan Pon Pon Pan BroodSaft Suco, Sumo Djus Sumu Sumu Zumo / Jugo Sap (wobei z. B. für Orangensaft auch das französische jus d’orange verwendet wird)ich liebe Curaçao Eu gosto de Curaçao Mi stima Kòrsou N' gosta di Curaçao N gosta di Curaçao Amo (oder: Estimo) Curazao Ik hou van Curaçao *Variante des Kreolisch von Santiago**Schreibweise dieses Beispiels: ALUPEC***Portugiesischer Ausdruck, der im Kreolischen benutzt wird.
Grammatik Die Grammatik des Papiamentu weist alle für Kreolsprachen typischen Merkmale auf: Einfachheit, Konsequenz sowie nur selten Unregelmäßigkeiten: Subjekt und Prädikat bleiben immer gleich: Mi ta lesa – Ich lese; Mi ta lesa? – Lese ich?; Awe mi ta lesa – Heute lese ich. Verben werden nie konjugiert, sondern von einer Zeit- und Aspektpartikel begleitet: Mi ta lesa – Ich lese; Bo ta lesa – Du liest; Nos ta lesa – Wir lesen usw. Das Geschlecht wird nicht unterschieden: feminin = maskulin = neutrum. Pluralbildung durch Anhängung des Pronomens der 3. Person Plural (nan): kos – kosnan; yu – yunan (außer bei Zahlwörtern: 4 kos, 2 yu)
Papiamentu ist eine tonale Sprache, Tonhöhe und Akzentuierung sind bedeutungsunterscheidend: Brua (Ton: tief-hoch) = verwirren Brua (Ton: hoch-tief) = schwarze Magie Bruá (Ton: tief-hoch) = verwirrt, verrückt (Partizip Perfekt)
Unterschiede zwischen Papiamentu und anderen Kreolsprachen Am auffälligsten unterscheidet sich die Kreolsprache der ABC-Inseln von den anderen durch ein außergewöhnlich hohes Prestige und die große Akzeptanz des Papiamentu in allen Kontexten und Gesellschaftsschichten. Ihr Prestige stieg umso mehr, als im Laufe der Zeit alle Bevölkerungsschichten das Papiamentu als Umgangssprache verwendeten. Unter anderem aus diesem Grund verfügt die Sprache über eine ungewöhnlich lange und intensive literarische Tradition. Auch wirtschaftliche Faktoren müssen beachtet werden: