Hilmar Kopper (* 13. März 1935 in Oslanin, Powiat morski, Polen; † 11. November 2021 in Rothenbach, Deutschland) war ein deutscher Bankmanager und von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank.

Leben Hilmar Kopper wurde als drittes von vier Kindern des mennonitischen Landwirts Erich Kopper und dessen Frau Erika, geb. Peschken, in Oslanin (heute Osłonino, Polen) in Pommerellen im Gebiet der früheren preußischen Provinz Westpreußen geboren.Who’s Who in Germany, Bd. 1: A-L, Ausg. 1976, S. 689. Bis zum Kauf eines eigenen Guts in der Größe von 2000 Morgen war sein Vater Verwalter auf einem Gut der Krockows.Die Zeit Nr. 28, 4. Juli 2013, S. 30. Bis zur Annexion Westpreußens 1939 war Hilmar Kopper polnischer Staatsangehöriger.Die Zeit Nr. 28, 4. Juli 2013, S. 30.

Nach dem AbiturDie Zeit Nr. 28, 4. Juli 2013, S. 30. begann er 1954 als Lehrling bei der Rheinisch-Westfälischen Bank (ab 1957 wieder Deutsche Bank) und blieb dort sein ganzes Berufsleben lang. 1969 wurde er Leiter der Filiale Leverkusen, 1977 Mitglied des Vorstands. Nach dem tödlichen Mordanschlag auf Alfred Herrhausen 1989 wurde Kopper zum Sprecher des Vorstands bestellt und avancierte dadurch zu einem der wichtigsten Manager im deutschen und internationalen Bankgeschäft. Getrübt wurde sein Erfolg durch die Insolvenz des Bauunternehmers Jürgen Schneider, dem die Deutsche Bank auch aufgrund persönlicher Beziehungen übermäßige Kredite gewährt hatte. Koppers Nachfolger im Amt wurde 1997 Rolf-E. Breuer.

Kopper hatte aus erster Ehe drei Kinder, darunter den Historiker Christopher Kopper.Pflüger Rechtsanwälte GmbH: Autorenlesung Christopher Kopper: „Bankiers unterm Hakenkreuz“; abgerufen am 11. August 2010 Kopper trennte sich 1999 von seiner Ehefrau Irene;Deutsche Bank: Kopper liebt Brandt-Witwe. In: Spiegel Online. 11. Juli 1999, abgerufen am 13. November 2021. er war in zweiter Ehe seit 2003 mit Brigitte Seebacher (* 1946), der dritten Ehefrau und Witwe Willy Brandts, verheiratet. Mit ihr wohnte er im Westerwald.Die Zeit Nr. 28, 4. Juli 2013, S. 30.

Kopper war Mitglied im Steering Committee der Bilderberg-Konferenzen. In: bilderbergmeetings.org. Abgerufen am 12. November 2021 (englisch).

Am 11. November 2021 starb Kopper nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Familie.

Aufsichtsratsvorsitzender Hilmar Kopper gehörte unter anderem dem Aufsichtsrat der HSH Nordbank an. Im Dezember 2010 vereinbarte Kopper in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender mit dem damaligen HSH-Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher einen Aufhebungsvertrag und kündigte an, dass Nonnenmacher noch Anspruch auf Boni habe. Er sagte: „In den alten Verträgen gab es Formulierungen, die sogar mich sprachlos gemacht haben.“HSH-Affären: Aufsichtsratschef Kopper rechnet mit Politik und Justiz ab. In: Spiegel Online. 18. Dezember 2010, abgerufen am 12. November 2021.

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte Ende 2012, Kopper sei beim Vereinbaren der Abfindung von 4 Millionen Euro eindeutig zu weit gegangen: „Hier besteht sogar ein Anfangsverdacht der Untreue. Es kann nicht sein, dass die HSH Nordbank im Fall einer Verurteilung einem Arbeitnehmer Millionen zahlt, dem eine Straftat nachgewiesen worden ist.“ Auch der Hamburger Strafrechtler Gerhard Strate sah 2012 darin einen klaren Pflichtverstoß Koppers: „Der Vertrag wahrt nur die Interessen von Herrn Nonnenmacher, aber nicht die der Bank oder der Länder.“

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass Kopper sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank vorzeitig niederlegen werde.Landesbank: HSH-Nordbank-Aufsichtsratschef Kopper wirft hin. In: Welt.de. 11. Januar 2013, abgerufen am 11. Januar 2013.

Sonstiges Im Winter 2003 wirkte Kopper in dem Theaterstück Kölner Devisen mit, einer theatralischen Umsetzung der Vorgänge um den Zusammenbruch der Kölner Privatbank Herstatt in den 1970ern, die in Frankfurt-Bockenheim aufgeführt wurde.

In Mexiko traf Hilmar Kopper im Jahr 1958 zufällig den Nobelpreisträger Ernest Hemingway und blieb zeitlebens ein Fan des Schriftstellers.

„Peanuts“ mini|Künstlerische Auseinandersetzung mit der Peanuts-Affäre durch Sabine Krämer-Schramm an der East Side Gallery

Hilmar Kopper bezeichnete am 25. April 1994 auf einer Pressekonferenz die Schadenssumme von etwa 50 Millionen DM, die den von Immobilien-Pleitier Jürgen Schneider beauftragten Handwerkern entstanden war und die die Deutsche Bank bezahlen würde, als Peanuts.Jürgen Schneider – Die „Peanuts“-Pleite. In: Focus.de. Abgerufen am 28. Februar 2014., Auszug bei Google Books mit Wortlaut der Erklärung. Kopper bezog sich damit auf die Relation zu den Gesamtforderungen in Höhe von fünf Milliarden DM (1:100). In der deutschen Öffentlichkeit wurde die Formulierung als überheblich empfunden; Peanuts wurde in der Folge das Unwort des Jahres 1994.Deutsche Sprachpreise: Ein Jahr, ein (Un-)Wort! … 1994: Peanuts. In: einestages. 31. Oktober 2011, abgerufen am 12. November 2021.

Das Wort ist im englischen Sprachraum ein gängiger metaphorischer Begriff.Substantiv: peanuts. In: leo.org. Abgerufen am 13. November 2021. Der Deutschen Bank wurde ein Mitverschulden an der Milliardenpleite vorgeworfen.

Für die Werbekampagne Dahinter steckt immer ein kluger Kopf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ließ sich Kopper auf einem Berg Erdnüsse ablichten.Hilmar Kopper: Zum 65. nochmal in turbulente Zeiten. In: Manager Magazin. 9. März 2000, abgerufen am 13. November 2021.Antje Homburger: Banker-Geburtstag: „Mr. Peanuts“ hängt an der Macht. In: Spiegel Online 10. März 2005, abgerufen am 13. November 2021.

Aufsichtsratsmandate Akzo Nobel N. V., von 1990 bis zum 1. Mai 2003 Daimler-Benz, anschließend DaimlerChrysler AG, jetzt Daimler AG (Vorsitzender) bis April 2007 HSH Nordbank (Vorsitzender des Aufsichtsrates bis 28. Februar 2013) Solvay S. A. Unilever N. V. Xerox Company, Stamford

Ehrungen Auszeichnungen 1992: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen 2006: Verdienstorden des Freistaats Thüringen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Großes Verdienstkreuz)

Ehrenämter Vorsitzender des Vorstands der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main e. V. von Oktober 2001 bis März 2010. Seit 22. September 2010 Ehrensenator der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Werke Hilmar Kopper u. a.: Die Bank lebt nicht vom Geld allein. Beiträge zu Kultur und Gesellschaft 1994–1997. Piper, München 1997, ISBN 3-492-22584-5.

Weblinks

Historische Gesellschaft der Deutschen Bank: Kurz-Biografie Hilmar Koppers UnwortDesJahres.org: „Peanuts“ – Das Unwort des Jahres 1994 Interview in Die Zeit vom Juli 2013

Einzelnachweise

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