mini|Luftbild von Murrhardt mini|Murrhardt mini|Rathaus Murrhardt mini|Stadtkirche Murrhardt mini|Walterichskirche mini|Marktplatz Murrhardt mini|Detail des Türschmucks der Walterichskapelle mini|hochkant|Albino-Tierpräparate im Carl-Schweizer-Museum Murrhardt ist eine Kleinstadt im Rems-Murr-Kreis, ca. 40 km nordöstlich von Stuttgart im Schwäbisch-Fränkischen Wald, die an der Idyllischen Straße und der Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental liegt. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Die am Oberlauf der Murr gelegene Stadt ist Sitz des Naturparkzentrums Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Geographie
Geographische Lage Das Stadtgebiet von Murrhardt hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge sowie Schurwald und Welzheimer Wald. Der Siedlungsschwerpunkt liegt in der zentralen Kleinstadt Murrhardt in der breiten Talachse des Murrtals, an das sich nördlich der südliche Teil des Mainhardter Waldes („Vorderer Mainhardter Wald“) anschließt und südlich der nach der Kleinstadt benannte Murrhardter Wald, im östlichen Teil der Kirnberger Wald, alle vier sind Unterräume der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge.
Nachbargemeinden Von Süden beginnend grenzen im Uhrzeigersinn Kaisersbach, Althütte, Auenwald, Sulzbach an der Murr, Großerlach und im Landkreis Schwäbisch Hall Oberrot und Fichtenberg sowie Gschwend im Ostalbkreis.
Höhenangaben Bahnhof Murrhardt: , Kläranlage Murrhardt: , Bahnhof Fornsbach: , Waldsee Fornsbach: , Riesberg: , Kirche in Kirchenkirnberg: , Hoblersberg: , Steinhäusle: .
Stadtgliederung Stadtteile sind Murrhardt, Fornsbach und Kirchenkirnberg. Diese entsprechen den Gemarkungen und den ehemaligen Gemeinden bzw. der Stadt Murrhardt in ihren Grenzen vom 30. Juni 1971:
Gmkg.- schl. Gemarkung Flächegeoindex.io in ha BevölkerungErgebnisse des Zensus 2011 zum Download - erweitert, Bevölkerung im 100 Meter-Gitter (aggregiert nach Gemarkungen) Zensus 2011-05-09 WGS84 Anzahl Fluren 081200 Murrhardt 4.480,26 10.937 15 081201 Fornsbach 1.519,32 1.752 4 081202 Kirchenkirnberg 1.107,8 923 5
Die drei Gemarkungen werden in insgesamt 24 Fluren untergliedert, die in jeder Gemarkung ab 0 fortlaufend nummeriert sind, aber auch Namen tragen:Gemeinde-, Gemarkungs- und Flurverzeichnis. lgl-bw.de Gemarkung Murrhardt Gemarkung Fornsbach Gemarkung Kirchenkirnberg Murrhardt Harbach Hausen Hinterbüchelberg Hintermurrhärle Hördthof Käsbach Karnsberg Kieselhof Klingen Köchersberg Siebenknie Siegelsberg Steinberg Vorderwestermurr Waltersberg Fornsbach Hinterwestermurr Mettelberg Schloßhof Kirchenkirnberg Gänshof Mettelbach Oberneustetten Unterneustetten
Auf dem Gebiet der Stadt Murrhardt liegen 76 separate Ortsteile (Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser).
Vor der Gemeindereform Zur Stadt Murrhardt im Gebietsstand vom 30. Juni 1971 gehörten neben der Stadt selbst die Weiler Eulenhöfle (früher auch Prommersberg genannt), Gaisbühl, Harbach, Hasenhof, Hausen, Hinterbüchelberg, Hintermurrhärle, Hördthof, Hoffeld, Käsbach, Karnsberg, Kieselhof (früher auch Meulenberg), Klingen, Köchersberg, Lutzensägmühle, Sauerhöfle, Schwammhof, Siebenknie, Siegelsberg, Steinberg, Vordermurrhärle, Vorderwestermurr, Wacholderhof, Waltersberg und Wolkenhof, die Höfe Berghöfle, Braunhalde, Ebene, Gutmachhof, Hördter Mühle, Klettenhöfle, Raithöfle, Schwarzenmühle, Spechtshof und Winterhaus, die Wohnplätze Almsiedlung, Eisenschmiedmühle, Hammerschmiede, Hirschkeller, Hirschsägewerk, Hohenstein, Jägerhof, Lammwirtschaft, Sommerhaus, Untere Schafscheuer, Wahlenmühle, Westermurrer Mühle und Westermurrer Sägmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Fornsbach gehörten das Dorf Fornsbach, die Weiler Harnersberg, Hinterwestermurr, Mettelberg, Neuhaus und Schloßhof sowie die Wohnplätze Am Waldsee, Beilsbach, Obere Mettelberger Sägmühle, Schloßhöfer Sägmühle und Untere Mettelberger Sägmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Kirchenkirnberg gehörten das Dorf Kirchenkirnberg, die Weiler Gänshof, Gärtnershof, Göckelhof, Mettelbach (bisweilen wird zwischen Ober- und Untermettelbach unterschieden), Oberneustetten, Spielhof, Täle, Tiefenmad, Unterneustetten, die Höfe Mutzenhof und Schloßmühle sowie die Wohnplätze Leukers, Marxenhof, Reute, Vögelesreute und Wiesenhof.
Siehe auch: Liste der Orte im Rems-Murr-Kreis mit dort erkennbaren kleineren Veränderungen des Ortsbestands an der Stadtgrenze zu Kaisersbach.
Wüstungen Im Westen der Gemarkung Fornsbach liegt die abgegangene Beilsbachsägmühle und die Hunnenburg. Auf der Gemarkung von Kirchenkirnberg liegen die abgegangenen Orte Bullmertshütte, Spielwald, Mettelchristbach und, nicht mit Sicherheit belegt, der Mettelbachhof. Auf der Gemarkung Murrhardt liegen die abgegangenen Orte Blindweiler, Bollhof, Harbacher Sägmühle, Hinterbüchelberger Sägmühle, Hörschbachmühle, Mehlhaus, Obere Schafscheuer, StreitweilerDas Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 528–534. und das Weißgehrenhöfle.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Murrhardt. Statistisches Landesamt.
Klima
Geschichte
Urzeit und prähistorische Funde Im südlich der Stadt beginnenden Murrhardter Wald, einem Teil des württembergischen Keuperberglandes, wurden in ehemaligen Steinbrüchen fünf 200 Millionen Jahre alte, versteinerte Schildkröten dreier verschiedener Arten entdeckt. Eine davon, „Murrhardtia staeschei“, begründete eine neue Gattung, die nach dem Fundort benannt wurde. Es hieß, es handele sich bei der Art mit großer Wahrscheinlichkeit um den ersten Vertreter der Australochelidae in der Paläarktis.Siehe Landesmuseum Joanneum, Graz. Im Nachhinein erwies sich die Annahme, es wäre eine neue Gattung, jedoch als Irrtum.Zoological Journal of the Linnean Society, Juni 2016, Volume 177, Issue 2, S. 395–427.
Um die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde im Ortsteil Köchersberg der „Murrhardter Dinosaurier“ gefunden, der 2007 erstmals als Präparat auf der Stuttgarter Landesausstellung „Saurier – Erfolgsgeschichte der Evolution“ gezeigt wurde. Es ist das erste und bisher einzige Exemplar einer Art des Aetosaurus, das eine Länge von fast zwei Metern erreicht.
Etymologie des Stadtnamens Der älteste überlieferte Name der Stadt ist „Murrahart“; er bedeutet „Weidewald an der Murr“.Karl Bohnenberger: Zum Ortsnamen Murrhardt. In: Württembergische Studien. Festschrift zum 70. Geburtstag von Professor Eugen Nägele. Stuttgart 1926, S. 212–222. Der Name des Flusses Murr geht auf ein Wort für Moor, Morast, Sumpfland zurück. Die Ortsnamensendung -hardt bedeutet ‚Bergwald‘, ‚bewaldeter Hang‘.
Römerzeit (Vicus Murrensis)
Die Anfänge der Stadt Murrhardt liegen in der Römerzeit, als 161 n. Chr. die römische Reichsgrenze aus dem Tal des Neckars nach Osten auf die noch unwirtlichen Höhen des Schwäbischen Waldes verlegt wurde. Die römischen Kastellgründungen waren Keimzellen zahlreicher neuer Siedlungen wie Lorch, Welzheim, Mainhardt, Öhringen und eben Murrhardt. Von zahlreichen Wachttürmen aus überwachten damals römische Hilfstruppen zwischen den Kastellen die breite Grenzschneise durch den unberührten Urwald.
„Vicus murrensis“ – so die lateinische Bezeichnung für das damalige Dorf an der Murr – gehörte als Teil des Dekumatenlands der römischen Provinz Germania superior an und war meist von einer keltisch-germanischen Mischbevölkerung besiedelt.
Der Limes – seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe – zieht sich mitten durchs Stadtgebiet. Das Römerkastell der 24. Kohorte römischer Legionen (XXIIII COH VCR) ist im Südosten der Altstadt nachgewiesen, aber wegen Überbauung (Bereich früheres Wohnhaus der Familie Losch) nicht mehr sichtbar. Römerkastelle mussten immer 30 Meter oberhalb eines Flusslaufes errichtet werden.
Bei Erdaushubarbeiten wurden im September 2010 am Ostrand der heutigen Stadtmitte Überreste eines römischen Gebäudes entdeckt. Die ergrabenen Reste der Badeanlage liegen etwa 10 Höhenmeter tiefer als das Kastell der 24. Kohorte. Hypokausten deuten auf eine Badeanlage hin. Eine Kohorte entspricht einem jetzigen Bataillon = 4 Kompanien mit 150 Mann. Die Bauarbeiten waren bis November 2010 eingestellt, damit das Gelände durch Archäologen eingehend untersucht und dokumentiert werden konnte. murrhardt.de, eingestellt 28. September 2010; abgerufen am 28. September 2010.
Ein rekonstruierter Römerturm befindet sich 5 km nördlich der Stadt bei Grab, mehrere Reste des Limes sind in der näheren Umgebung (Gewann Linderst) sichtbar. Reste des Vicus datieren auf 162 n. Chr. (Holzbrunnen). Auf dem Walterichsberg, auf dem sich heute die Walterichskirche befindet, stand zu römischen Zeiten ein Tempel zu Ehren von Mithras, einem von römischen Soldaten häufig verehrten Gott (dem Ursprung nach ein persischer Sonnengott), sowie eine Jupitersäule. Von diesem Denkmal sind einige Reste erhalten, unter anderem die einzige nördlich der Alpen gefundene Darstellung der kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus. Diese befindet sich heute im Carl-Schweizer-Museum.
Der Limes, eine Demonstration der römischen Macht und schnurgerade durch die Landschaft gezogen, diente zur Sicherung der römischen Handelsstraße im Remstal, die Mainz und Augsburg verband. Im Jahre 233 wurden Teile der Befestigungsanlagen erstmals bei einem Überfall von den Alemannen zerstört (Durchbruch bei Siegelsberg), aber danach wieder aufgebaut. Um 260 n. Chr. überrannten die Alemannen das gesamte rechtsrheinische Gebiet und zerstörten auch die Limesbefestigungen in Murrhardt.
Nach dem Sieg der Franken über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich gehörte Murrhardt ab 496 als Krongut dem Fränkischen Reich an.
Mittelalter Unter der Herrschaft des fränkischen Merowingerkönigs Theuderich IV. bzw. des Hausmeiers Karl Martell errichtete der Wandermönch Pirmin um 730 im Rahmen der fränkischen Christianisierung die Urkirche der Stadt mit dem Namen „St. Maria“. An ihrer Stelle steht heute die Walterichskirche, die ihren neuen Namen 1534 während der Reformationszeit erhielt.
Das ehemalige Benediktinerkloster St. Januarius (Kloster Murrhardt), das 1000 Jahre die Geschichte der Stadt prägte, geht ebenfalls auf das 8. Jahrhundert zurück. Der Frankenkönig Pippin stiftete um 750 die Urzelle St. Trinitatis; 788 wurde die Mönchszelle „cellula Murrahart“ als kleines Kloster bzw. Prior-Stelle erstmals in einer von Karl dem Großen ausgestellten Urkunde als im Besitz der Bischöfe von Würzburg erwähnt. 816/817 gründete der Abt Walterich, vom Kaiser Ludwig dem Frommen, Sohn Karls des Großen, dabei finanziell unterstützt, das Kloster während der großen karolingischen Kirchenreform; es war vielleicht keine Neugründung. Die heutige Stadtkirche Murrhardt geht auf die Klosterkirche des 9. Jahrhunderts zurück. Neben dem Kloster entwickelte sich ein Dorf.
Das Kloster hatte eigenes Münzrecht, hier wurden die so genannten Murrhardter Pfennige geprägt (1130). Um 1200 erhielt das Dorf Marktrechte. 1288 wurden Murrhardt durch Klostervogt Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg die Stadtrechte verliehen. Die Bevölkerung lebte kärglich. Neben der Landwirtschaft und dem Kleinhandwerk entwickelten sich um Murrhardt herum später zahlreiche Glashütten. Die Holzverarbeitung war traditionell der wirtschaftliche Schwerpunkt, daher wurde die Gegend um Murrhardt im Volksmund auch „Klämmerlesgäu“ genannt.
1372 wurde auch Murrhardt von der Pest heimgesucht, wie eine Inschrift in der Walterichskirche bezeugt.
Württembergische Herrschaft 1388 kamen Stadt und Vogteirechte über das Kloster durch Kauf an die Grafen von Württemberg.
1525 litten Stadt und Kloster schwer unter dem Bauernkrieg. Ein hällisch-limpurgischer Bauernhaufen drang gewaltsam in die Klosterbibliothek ein und vernichtete einen Großteil der wertvollen Bestände.