mini|Freddie Mercury (1977) rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=skin-invert-image notpageimage|Unterschrift Freddie Mercury (* 5. September 1946 als Farrokh Bulsara in Sansibar, Sultanat Sansibar; † 24. November 1991 in Kensington, London) war ein britischer Musiker und ein bedeutender Rocksänger der 1970er und 1980er Jahre. Er wurde als Mitbegründer, Songwriter und Leadsänger der Band Queen bekannt. Mercury schrieb Welthits wie Bohemian Rhapsody (1975), We Are the Champions (1977), Don’t Stop Me Now (1978) und Living on My Own (1985/1993).

Leben Herkunft und Internatszeit in Indien (1946–1963) Freddie Mercury wurde 1946 als Farrokh Bulsara in Stone Town auf der Insel Sansibar geboren, die damals unter britischem Protektorat stand. Seine Eltern Bomi (1908–2003) und Jer Bulsara (1922–2016) gehörten zur Gemeinschaft der Parsen und waren aus Indien nach Sansibar eingewandert, da der Vater eine Anstellung als Buchhalter in der britischen Kolonialverwaltung angenommen hatte. Als Parsen praktizierte die Familie die zoroastrische Religion.

Ab 1954 besuchte Farrokh die St. Peter’s School, ein englischsprachiges Internat für Jungen im indischen Bundesstaat Bombay. Dort bekam er den Spitznamen „Freddie“, den er sein Leben lang behielt. Der Direktor bemerkte sein Musiktalent und schlug seinen Eltern vor, ihn Klavierspielen lernen zu lassen. Zudem trat er dem Schülerchor bei und nahm an Aufführungen des Schultheaters teil. Im Alter von etwa zwölf Jahren wurde er Mitglied der aus fünf Musikern bestehenden Schulband The Hectics, die westlichen Rock ’n’ Roll nachspielte und deren Auftritte vor allem im Rahmen von Schulveranstaltungen stattfanden.

Jugend und Kunststudium in London (1963–1969) Im Sommer 1963 kehrte Mercury ohne Schulabschluss nach Sansibar zurück, das Ende des Jahres von der britischen Kolonialherrschaft unabhängig wurde. Im Januar 1964 kam es zu einer gewaltsamen Revolution gegen den herrschenden Sultan, und im selben Monat flüchtete das Ehepaar Bulsara mit seinem 17-jährigen Sohn Freddie und ihrer 1952 geborenen Tochter Kashmira nach Großbritannien. Die Familie ließ sich in Feltham, einem Vorort von London, nieder.Lesley-Ann Jones: Freddie Mercury. Piper ebooks, 2016, ISBN 978-3-492-97428-8 ().

Von 1964 bis 1966 besuchte Mercury das Isleworth Polytechnikum (heute West Thames College) in West-London, das er mit einem A-Level-Certificate abschloss (vergleichbar mit dem deutschen Abitur). Von 1966 bis 1969 war er Kunststudent am Ealing College of Art, das er mit einem Diplom in Grafikdesign abschloss. In dieser Zeit fertigte er zahlreiche Zeichnungen an, darunter waren Porträts seiner Idole Jimi Hendrix, Rock Hudson, Paul McCartney und Cliff Richard. Außerdem entwarf er modische Männerkleidung.

Roadie der Band Smile und Leadsänger der Bands Wreckage und Sour Milk Sea (1969 bis 1970) Durch seinen Studienkollegen Tim Staffell lernte Mercury die seit 1968 bestehende Band Smile kennen. Sie bestand aus Tim Staffell (Gesang und Bass), Brian May (Gitarre) und Roger Taylor (Schlagzeug). Er begleitete die Band als Roadie bei ihren Live-Konzerten und brachte auch eigene Ideen ein, wie die Gruppe ihr Erscheinungsbild und ihre Bühnenauftritte gestalten sollte. In dieser Zeit betrieb er mit Taylor einen kleinen Verkaufsstand im Londoner Kensington Market.

Im Laufe des Jahres 1969 schloss er sich als Leadsänger der aus Liverpool stammenden Band Ibex an, die ab Herbst 1969 unter dem neuen Namen Wreckage auftrat. Bei den Konzerten dieser Bands war unter anderem das Stück Jailhouse Rock von Elvis Presley zu hören, das später auch oft von Queen gespielt wurde. Zu dieser Zeit lernte er Mary Austin kennen, mit der sich eine enge Freundschaft entwickelte. Im September 1969 trat die Band Wreckage im Club The Sink in Liverpool auf, wo bei der Zugabe auch Roger Taylor und Brian May mitwirkten. Nach Beendigung seines Engagements bei Wreckage wurde Mercury für kurze Zeit Sänger der Band Sour Milk Sea, mit der er Anfang 1970 einige Auftritte hatte.

Gründung von Queen und Künstlername Freddie Mercury (1970) Im Frühjahr 1970 verließ Tim Staffell die Band Smile, und die Gruppe löste sich auf. Daraufhin gründeten im April 1970 Brian May, Roger Taylor und Freddie Mercury eine gemeinsame Band, der Mercury den Namen Queen gab. Der Bassist John Deacon kam 1971 hinzu. Einige Zeit nach der Gründung von Queen legte sich Freddie Bulsara den Künstlernamen „Mercury“ zu. Das englische Wort Mercury hat verschiedene Bedeutungen, wie Merkur, den sonnennächsten Planeten unseres Sonnensystems, das chemische Element Quecksilber und den Gott Merkur aus der römischen Mythologie, der die besondere Position des Götterboten innehat.

Laut May gibt es einen Bezug zu Mercurys Song My Fairy King vom ersten Album Queen. In diesem heißt es in einer Textzeile: „Mother Mercury, look what they’ve done to me, I cannot run I cannot hide.“ („Mutter Merkur, sieh nur, was sie mir angetan haben, ich kann nicht weglaufen, ich kann mich nicht verstecken.“). Nachdem dieser Song aufgenommen worden war, wurde Bulsara gefragt, ob es sich bei „Mother Mercury“ um seine eigene Mutter handele, und er antwortete: „Yes, and from now on I’ll be Freddie Mercury.“ („Ja, und von jetzt an werde ich Freddie Mercury sein.“)

Beziehung zu Mary Austin und Durchbruch mit Queen (1970–1979) In den frühen 1970er Jahren lebte Mercury jahrelang mit der aus London stammenden Verkäuferin Mary Austin zusammen. Die beiden teilten sich eine Wohnung im Londoner Stadtteil West Kensington. Als offizielle Lebenspartnerin von Mercury erlebte Austin auch den internationalen Durchbruch von Queen. 1973 veröffentlichte Mercury eine Single unter dem Künstlernamen Larry Lurex.

Der von Mercury geschriebene und im Oktober 1975 als Single veröffentlichte Song Bohemian Rhapsody belegte neun Wochen lang Platz eins der britischen Charts und wurde der erste Nummer-eins-Hit von Queen. Die Platte verkaufte sich weltweit über fünf Millionen Mal. Die Single erhielt zwei Platin- und mehrere Goldene Schallplatten. Für die Komposition des Songs erhielt Mercury im Januar 1976 den Ivor Novello Award. Als Erklärung für den Text kann die Deutung von Mercurys langjährigem persönlichen Assistenten Peter Freestone gesehen werden – er vertritt die These, dass Mercury in Bohemian Rhapsody sein Coming-out als schwuler Mann verarbeitet hat. Um die Jahreswende 1975/76 trennte sich Mercury mit einem privaten Outing von Mary Austin. Die Freundschaft zu ihr hielt jedoch bis zu seinem Tod 1991.

Beziehung zu Winnie Kirchberger und Münchner Jahre (1979–1985) mini|hochkant|Freddie Mercury (1984) Von 1979 bis 1985 wählte Mercury München als Hauptwohnsitz, um dort in den Musicland Studios Alben aufzunehmen und gleichzeitig von der Medienöffentlichkeit unbehelligt sein Privatleben in der Homosexuellenszene ausleben zu können. 1983 lernte Mercury die österreichische Schauspielerin Barbara Valentin kennen. Er teilte mit ihr und ihrer Tochter Minki Reichardt (* 12. Oktober 1967) zeitweise eine Wohnung und war mit ihr in der Münchner Schwulenszene im Glockenbachviertel unterwegs. In den Liner Notes des Albums Mr. Bad Guy dankte ihr Mercury „for big tits and misconduct“ („für große Titten und schlechtes Benehmen“).

Mercury hatte zu dieser Zeit am Georg-Brauchle-Ring in München ein Luxusappartement gemietet und war mit dem Münchner Gastronomen Winfried „Winnie“ Kirchberger liiert. Kirchberger führte Anfang der 1980er das Sebastianseck am Sebastiansplatz in der Münchner Altstadt. Mit ihm durchlebte Mercury eine intensive Lebenspartnerschaft und schenkte ihm ein Auto und ein Appartement. Kirchberger starb 1993 an den Folgen von AIDS.

In München entstanden unter anderem die erfolgreichste Single von Queen Another One Bites the Dust (1980), Mercurys erstes Soloalbum Mr. Bad Guy, das im April 1985 erschien, sowie im September 1985 an Mercurys 39. Geburtstag das bekannte Musikvideo zum Song Living on My Own im Club Old Mrs. Henderson. Mercury produzierte Mr. Bad Guy, an dem er bereits seit 1983 gearbeitet hatte, in den Musicland Studios zusammen mit dem deutschen Toningenieur Reinhold Mack, der auch schon bei mehreren Queen-Alben als Produzent mitgewirkt hatte. Es erreichte den 6. Platz in den britischen Charts.

Als im April 1984 I Want to Break Free veröffentlicht und Mercury gefragt wurde, ob sich das Lied an die Schwulenszene richte, ging Mercury mit dem Bezug zu seiner Person offen um: „[Der Song] ist von John Deacon. … Das hat nichts mit schwul zu tun. Es ist auch nicht mein Song - John schrieb ihn.“

Beziehung zu Jim Hutton und Rückkehr nach London (1985–1989) 1985 zog Mercury in seine neu eingerichtete Villa Garden Lodge am Logan Place 1 im Londoner Stadtteil Kensington. Von 1985 bis zu Mercurys Tod 1991 war Jim Hutton (* 1949; † 2010) sein Lebenspartner. Er war ebenfalls HIV-positiv und starb 2010 in seiner Heimat Irland an den Folgen von Lungenkrebs.

Im Februar 1987 erschien Mercurys Aufnahme des aus den 1950er Jahren stammenden Platters-Titels The Great Pretender als Single. Der B-Seiten-Titel Exercises in Free Love wurde später auch als Duett mit der spanischen Opernsängerin Montserrat Caballé veröffentlicht. Die Platte erreichte den 4. Platz in den britischen Charts. Roger Taylor steuerte für die Backing Vocals seine charakteristische Stimme bei. Im Mai 1987 erfüllte sich Mercury einen langgehegten Traum und trat mit Caballé im Ku-Club auf Ibiza auf. Im Oktober erschien die gemeinsame Single mit der Hymne Barcelona, die vom NOK als Erkennungsmelodie für die Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona gewählt wurde. Im Rahmen einer Benefizvorstellung des Musicals Time am 14. April 1988 im Londoner Dominion Theatre sang Mercury vier Lieder, teils gemeinsam mit Cliff Richard, dem Hauptdarsteller des Musicals. Dies war der letzte Bühnenauftritt, bei dem Mercurys Gesang live zu hören war.

Im Oktober 1988 erschien das Album Barcelona als gemeinsames Projekt von Mercury und Caballé. Alle Titel wurden von Mercury und Mike Moran geschrieben. Das Album war vier Wochen in den britischen Charts und erreichte Platz 25. Am 8. Oktober 1988 trat Mercury beim Konzert La Nit mit Caballé in Barcelona auf, die Musik kam hier vom Band.

Letzte Studioalben (1989–1991) mini|Freddie Mercury als Wachsfigur bei Madame Tussauds, London Im Mai 1989 erschien das Queen-Album The Miracle. Mercury arbeitete trotz seiner fortgeschrittenen AIDS-Erkrankung bis zuletzt, wenn auch unter immer schwierigeren Umständen, im Studio und stellte so Material für zwei weitere Platten zur Verfügung.

Im Februar 1990 wurden Queen mit dem Brit Award für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Mercurys Auftritt bei diesem Ereignis gab zu weiteren Spekulationen über seinen Gesundheitszustand Anlass, er sprach – nachdem May die Dankesrede gehalten hatte – nur ein kurzes „Thank you! Good night!“ ins Mikrofon.

Im Februar 1991 wurde das Queen-Album Innuendo veröffentlicht. Der Titel („Anspielung, Andeutung“) ist Programm für die Songs des Albums: I’m Going Slightly Mad (Mercury), These Are the Days of Our Lives (Taylor) und vor allem The Show Must Go On (May). Dass Mercury trotz allem seinen Humor nicht verloren hatte, ist sowohl in seinem Song Delilah, einer Liebeserklärung an eine seiner Katzen, als auch in dem Video zu I’m Going Slightly Mad zu erkennen. Bei All God’s People war Mike Moran Co-Autor, der zusammen mit Mercury die Lieder zu dessen Solo-Projekt mit Caballé geschrieben hatte.

Im selben Monat erfolgten die dreitägigen Dreharbeiten zu dem Videoclip zu I’m Going Slightly Mad. Mercury konnte seinen schlechten Gesundheitszustand kaum vor den Technikern verbergen. Immer wieder musste er sich unter dem Vorwand, dass ihm sein Knie zu schaffen mache, in seiner Garderobe hinlegen. Auch in These Are the Days of Our Lives, der am 30. Mai 1991 produzierten letzten Filmaufnahme Mercurys, ist sein fortgeschrittener gesundheitlicher Verfall zu erkennen.

Tod (1991)