Das Landeskriminalamt Thüringen ist obere Landesbehörde der Thüringer Polizei und dem Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales unmittelbar nachgeordnet.§ 3 Thüringer Polizeiorganisationsgesetz, aufgerufen am 21. November 2014 Es ist Zentralstelle für das polizeiliche Informations- und Kommunikationswesen und koordiniert und unterstützt die Einsätze und Ermittlungen aller Thüringer Polizeidienststellen, denen es im Einzelfall Weisungen erteilen sowie Empfehlungen geben kann.

Das Landeskriminalamt Thüringen hat derzeit keinen Präsidenten. Es wird durch den Vizepräsidenten, Herrn LKD Heiko Schmidt, vertreten. Der Hauptsitz ist in Erfurt. In unmittelbarer Nähe wurde ab August 2009 für mehrere Dienststellen der Thüringer Polizei ein neues Behördenzentrum gebaut.

Geschichte Weimarer Republik (1920–1930) Der erste Vorläufer des Thüringer Landeskriminalamtes wurde am 3. Juli 1922 beim Thüringer Innenministerium als Kriminalabteilung (Abteilung K) gegründet, welche direkt dem Minister unterstand und sich aus kommunalen Kriminalbeamten zusammensetzte. Zuständig waren diese ausschließlich für „Angelegenheiten im Zusammenhang mit Vereinen, Verbänden und Personen die staatsfeindliche Zwecke verfolgten sowie auf verbotene und aufgelöste Vereine und Vereinigungen“, was einer politischen Polizei gleichkam. Das erste Landeskriminalamt, noch unter anderen Namen, wurde am 24. April 1923 als Landeskriminalpolizeiamt gegründet und ging aus der Abteilung K hervor mit eigenständiger Behördentätigkeit. Dessen Aufgaben waren ähnlich gehalten, erweiterten sich aber um die Bereiche Spionagebekämpfung und Ahndung aller Verstöße gegen das „Republikschutzgesetz“.

Ein Jahr später wurde das Amt in Landeskriminalamt umbenannt und entwickelte sich als zentrale Kriminalbehörde im Land, in dessen Folge erfolgte auch die Einbeziehung der örtlichen Polizeibehörden in die Arbeit des LKA. 1926 setzte sich das Landeskriminalamt aus vier Kriminalbeamten, einer unbekannten Anzahl abkommandierter Beamten von anderen Behörden sowie drei Bürobeamten zusammen. Bereits am 29. März 1930 erfolgte jedoch wieder die Auflösung des LKA's als eigenständige Behörde und die Eingliederung als Landeskriminalpolizeistelle in die Polizeidirektion Weimar.

Wiedervereinigung bis Gegenwart Die Behörde wurde ab Februar 1991 aufgebaut und nahm im Juli ihre Arbeit auf. Erster Leiter des Landeskriminalamtes war Helmut Schweigert, der am 4. November 1991 von Uwe Kranz abgelöst wurde. Kranz wurde im Sommer 1993 zum ersten Präsidenten der Behörde ernannt. Ihm folgte 1997 kommissarisch Egon Luthardt, bis Harald Kunkel im Jahr 2000 zum Präsidenten der Behörde ernannt wurde.Ehemalige Behördenchefs müssen vor Untersuchungsausschuss - Thüringer Allgemeine 2004 bis 2008 war Helmut Huber Präsident. Werner Jakstat wurde im Oktober 2010 zum vierten, Frank-Michael Schwarz im Februar 2016 zum fünften Präsidenten ernannt.

Das Aufgabengebiet der Behörde wurde bis zum Jahr 2001 um die Spezialbereiche Kriminaltechnik, Spezialeinsatzkommando (SEK) und Polizeilicher Staatsschutz erweitert.

mini|hochkant=1.4|Luftaufnahme des Neubaukomplexes für die Thüringer Behörden Landeskriminalamt und Bereitschaftspolizei (2014)

2009 begann der seit 2007 geplante Neubau des Landeskriminalamtes in der Nachbarschaft der derzeitigen Behördenstandortes. Die Grundsteinlegung erfolgte am 3. August. Die Kosten des Neubaus betrugen etwa 70 Millionen Euro und weitere 9 Millionen Euro für Ausstattung, Labors und technische Ausrüstung. 2013 und 2014 wurde nach der Fertigstellung des Rohbaus der Innenausbau durchgeführt. Nach Bauverzögerungen wurde das Gebäude im Dezember 2014 an die künftigen Nutzer übergeben und bis März 2015 bezogen.Kai Mudra:

Aufgaben Gemäß § 1 Abs. 2 Bundeskriminalamtgesetz (BKAG) unterhalten die Bundesländer die Landeskriminalämter als zentrale Dienststellen der Kriminalpolizei ihres Hoheitsgebietes. Die Landeskriminalämter sichern die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in der Kriminalitätsbekämpfung.

Das Thüringer Landeskriminalamt ist die zentrale Dienststelle der Thüringer Polizei für kriminalpolizeiliche Aufgaben. Als solche hat sie insbesondere kriminaltechnische und erkennungsdienstliche Untersuchungen durchzuführen und Gutachten zu erstellen, die Kriminalitätsbekämpfung zu koordinieren und die für die Kriminalitätsbekämpfung bedeutsamen Daten zu sammeln und auszuwerten. Es ist befugt, mit Zustimmung des Thüringer Innenministeriums Verwaltungsvorschriften zu erlassen.

Weitere Aufgaben und Zuständigkeiten des Landeskriminalamtes ergeben sich unter anderem aus der Thüringer Richtlinie zur Durchführung des Polizeiorganisationsgesetzes (RLPOG). Durch Rechtsverordnung des Thüringer Innenministeriums wurde dem Landeskriminalamt zudem die Fachaufsicht über die Thüringer Polizeidienststellen übertragen.

Die Aufgaben des Landeskriminalamtes Thüringen gliedern sich in die Schwerpunktbereiche:

Zentralstelle Als Zentralstelle organisiert das Landeskriminalamt vor allem die fachliche Zusammenarbeit der Thüringer Polizeidienststellen untereinander sowie mit anderen nationalen und internationalen, überwiegend europäischen, Polizeibehörden.

Das Landeskriminalamt Thüringen ist unter anderem Zentralstelle: für die kriminalpolizeiliche Zusammenarbeit der Thüringer Polizei mit dem Bundeskriminalamt, der Bundespolizei, der Zoll- und Finanzverwaltung sowie mit den Landeskriminalämtern anderer Bundesländer und den Nachrichtendiensten des Bundes und der Länder sowie die Wahrnehmung der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit, einschließlich des Rechtshilfeverkehrs und der Unterhaltung einer Koordinierungsstelle für Europol sowie für internationale Fahndungen, für die strategische und operative Auswertung der Kriminalitätsentwicklung, für die Durchführung fallanalytischer Verfahren bzw. der Fallberatung in Fällen der Schwerstkriminalität (Fallanalyse, Tathergangsanalyse und Täterprofilerstellung), für die Bekämpfung der Computerkriminalität (Cybercrime) und der Politisch motivierten Kriminalität (PMK), für den Zeugenschutz im Rahmen der Strafverfolgung, für das Betreiben von kriminaltechnischen und erkennungsdienstlichen Einrichtungen sowie die Erstattung kriminaltechnischer und erkennungsdienstlicher Gutachten für Straf- und Bußgeldverfahren auf Anforderung von Polizeidienststellen, Staatsanwaltschaften und Gerichten und deren Vertretung vor Gericht sowie für das polizeiliche Informations- und Kommunikationswesen der Thüringer Polizei; dazu obliegt dem Landeskriminalamt die Planung und Entwicklung von Informations- und Kommunikationssystemen für die Thüringer Polizei sowie der Betrieb, soweit dieser nicht durch das Zentrum für Informationsverarbeitung (ZIV) der Thüringer Landesverwaltung sichergestellt wird.

Kriminalpolizeiliche Dienststelle Das Landeskriminalamt Thüringen ist eine kriminalpolizeiliche Dienststelle mit eigener Zuständigkeit für die Bearbeitung von Straftaten, unter anderem für Fälle der Organisierten Kriminalität, des Hoch- und Landesverrates, der Gefährdung der demokratischen Rechtsordnung, der Bildung terroristischer Vereinigungen, der Geld- und Wertzeichenfälschung, bestimmter waffenrechtlicher Straftaten, der schweren Betäubungsmittelkriminalität sowie qualifizierter Wirtschafts- und Korruptionsstraftaten.

Darüber hinaus umfasst die Zuständigkeit polizeiliche Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen wie: die Entscheidung über Anträge auf Auskunft aus personenbezogenen Unterlagen und Daten in überregionalen polizeilichen personenbezogenen Sammlungen im Einvernehmen mit der aktenführenden Polizeibehörde und gegebenenfalls die Unterrichtung des Bundeskriminalamtes, die Wahrnehmung der Aufgaben der Telekommunikationsüberwachungsstelle, den Einsatz technischer Mittel zur Datenerhebung, das Vorhalten von Spezialeinheiten und von Spezialkräften: Spezialeinsatzkommando und mobiles Einsatzkommando, Beratergruppe für Fälle schwerster Gewaltkriminalität, Geschäftsstelle der Verhandlungsgruppe, Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen, Tatortgruppe, Bearbeitung aller Arten von Zuverlässigkeits- und Sicherheitsüberprüfungen, die Bereitstellung von IuK-Systemen, das Betreiben der Autorisierten Stelle Digitalfunk.

Behördenstruktur Organisation Das Landeskriminalamt Thüringen umfasst sieben Abteilungen mit 29 Dezernaten. Die Führungsunterstützung erfolgt durch den Bereich Controlling/Qualitätsmanagement/Präsidialbüro. Dazu kommt noch eine Projektgruppe für den Neubau in der Kranichfelder Straße in Erfurt.

Abteilung Zentrale Dienste Abteilung Polizeilicher Staatsschutz (Politisch motivierte Kriminalität, Politisch motivierte Ausländerkriminalität, Personenschutz) Abteilung Einsatz- und Ermittlungsunterstützung (u. a. Einsatzbegleitende Maßnahmen, Spezialeinheiten, Verdeckte Maßnahmen) Abteilung Kriminaltechnik (u. a. Brandermittlung, DNA-Analytik, Forensik) Abteilung Information und Kommunikation Abteilung Auswertung und Ermittlungen (u. a. Organisierte Kriminalität, Wirtschaftskriminalität)

Personal mini|Verteilung der Stellen des Landeskriminalamtes Thüringen in Polizeivollzugsbeamte, Verwaltungsbeamte und Entgeltbeschäftigte Der Landeshaushaltsplan 2016/2017 sieht im Jahr 2016 für das Landeskriminalamt Thüringen 551 Beamtenstellen und 105 Entgeltbeschäftigte vor. Die Planstellen stehen für Polizeivollzugsbeamte, Verwaltungsbeamte und Entgeltbeschäftigte bereit.

Neben der Berufsgruppe der Polizeivollzugsbeamten ist eine Vielzahl von Mitarbeitern aus anderen Berufen im Landeskriminalamt beschäftigt. So sind u. a. in der Abteilung Kriminaltechnik Wissenschaftler aus den Gebieten Mathematik, Physik, Chemie und Ingenieure eingesetzt. In der Abteilung Information- und Kommunikation sowie Einsatz- und Ermittlungsunterstützung werden auch Informatiker und andere Fachkräfte beschäftigt. In der Abteilung Auswertung und Ermittlung sind Diplom-Betriebswirte, Psychologen und Juristen tätig.

Budget Gemäß Thüringer Haushaltsplan 2016/2017 wurde dem Landeskriminalamt Thüringen für das Jahr 2016 ein Budget von € 38.595.700 zugewiesen, das sich in verschiedene Haushaltsgruppen aufteilt:

Ausgaben (Ansatz) Haushaltsjahr 2015 Haushaltsjahr 2016 Haushaltsjahr 2017 Personalausgaben € 28.601.100 € 29.157.200 € 29.668.900 Sächliche Verwaltungsausgaben und Ausgaben für den Schuldendienst € 7.979.400 € 7.116.100 € 7.160.600 Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse mit Ausnahme für Investitionen € 15.000 € 6.000 € 6.000 Sonstige Ausgaben für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen € 2.326.000 € 2.316.400 € 1.661.300 Gesamt € 38.921.500 € 38.595.700 € 38.496.800

Zusammenarbeit Nationale Zusammenarbeit Im Rahmen der bundesländerübergreifenden Zusammenarbeit sind Mitarbeiter des Landeskriminalamtes in Kommissionen, Projekt- und Expertengruppen vertreten. Sie vertreten das Land Thüringen auch in Sicherheitskooperationen mit dem Freistaat Sachsen und den Bundesländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Ferner ist das LKA in die Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Einrichtungen (z. B. im Bereich des Innenressorts, der Justiz, der Wirtschaft und der Umwelt sowie der Luftsicherheit) eingebunden.

Internationale Zusammenarbeit Das Landeskriminalamt Thüringen arbeitet mit der Europol-Dienststelle in Den Haag zusammen und nimmt regelmäßig an Expertentreffen von Europol teil. Der Freistaat Thüringen erhält dadurch Informationen über die neuesten Entwicklungen und Tendenzen bei verschiedenen Kriminalitätsphänomenen, die so besser bekämpft werden können.