mini|hochkant=1.1|Mondlandefähre Orion von Apollo 16 auf dem Mond (1972) Die Apollo-Mondlandefähre (LM für Lunar Module, ursprünglich LEM für Lunar Excursion Module) war ein ab 1963 von der Firma Grumman für die NASA im Rahmen des Apollo-Programms entwickelter Lander zur Landung auf dem Mond. Die Vorplanungen der NASA gehen allerdings schon bis ins Jahr 1960 zurück.

Das LM ist eine zweiteilige Mondlandefähre und besteht aus einer Abstiegs- und einer Aufstiegsstufe. Insgesamt wurden 15 Apollo-Mondlandefähren hergestellt. Von diesen führten sechs eine Mondlandung durch, wobei der untere Teil mit den Füßen und dem Abstiegstriebwerk (die Abstiegsstufe) auf dem Mond zurückblieb. Nachdem die Astronauten nach dem Mondaufenthalt zum Rückflug zur Erde in das Kommando-Modul umgestiegen waren, wurde der obere Teil der Mondlandefähre (die Aufstiegsstufe) im Mondorbit belassen und stürzte später auf den Mond. Die meisten der anderen neun gebauten Exemplare dienten zu Tests auf der Erde oder kamen nicht zum Einsatz, weil ihre Missionen abgesagt wurden. Die Mondlandefähre von Apollo 13 wurde genutzt, um die Aufgaben des havarierten Service-Moduls teilweise zu übernehmen und so eine Rückkehr der Raumfahrer zur Erde zu ermöglichen. Einige der nicht verwendeten Mondlandefähren sind heute in Museen ausgestellt.

Allgemein mini|500px|Apollo-Mondlandefähre mit angedocktem CSM I - Lunar module descent stage; II - Lunar module ascent stage; III - Command module; IV - Service module. 1 LM descent engine skirt; 2 LM landing gear; 3 LM ladder; 4 Egress platform; 5 Forward hatch; 6 LM reaction control system quad; 7 S-band inflight antenna (2); 8 Rendezvous radar antenna; 9 S-band steerable antenna; 10 Command Module crew compartment; 11 Electrical power system radiators; 12 SM reaction control system quad; 13 Environmental control system radiator; 14 S-band steerable high gain antenna; 15 Nozzle extension; 16 Docking window; 17 VHF antenna; 18 Docking target; 19 LM overhead hatch; 20 CSM combined tunnel hatch; 21 Viewing windows; 22 Aft heatshield

Um Menschen auf den Mond zu bringen, gab es die verschiedensten technischen Entwürfe, die in der Frühphase des Apollo-Projekts durchdacht wurden. Relativ schnell kam die NASA von einem komplett auf dem Mond landenden Raumfahrzeug hin zu einem geteilten System, bei dem ein Astronaut in der „Rückkehrkapsel“ (der Kommando- und Serviceeinheit, Command and Service Module, CSM) um den Mond kreist und ein gesondertes „Landefahrzeug“ mit zwei Astronauten zur Mondexkursion genutzt werden soll. Dieses Konzept (Mondumlaufbahn-Rendezvous) ist massenoptimiert, aber technisch komplex, da beide Fahrzeuge eigenständig navigieren und nach dem Wiederaufstieg im Mondorbit aneinander docken müssen.

Einsatzprofil links|mini|Position der Apollo-Mondlandefähre innerhalb der Saturn V mini|Die Apollo-Mondlandefähre kurz vor dem Herausziehen aus der dritten Stufe der Saturn V (Apollo 11) links|mini|Astronauten in Flug- und Schlafposition mini|Apollo-Mondlandefähre im Mondorbit kurz nach der Trennung vom Command and Service Module (Apollo 11)mini|Aufstiegsstufe der Apollo-Mondlandefähre vor dem Rendezvous mit dem Command and Service Module (Apollo 11)In der Startphase und bis zum Erreichen der Mondtransferbahn befand sich die Mondlandefähre in einem kegelförmigen Adapter auf der S-IVB, der dritten Stufe der Saturn V, unterhalb des CSM. Nach dem Einschuss in die Mondtransferbahn (Trans Lunar Injection) wurde dieser Adapter geöffnet und separiert, und das CSM dockte nach einem Wendemanöver, das dessen Pilot manuell flog, an die nun zugängliche Landefähre an (transposition, docking, and extraction). Abgesehen von kurzen Tests blieb die Mondlandefähre bei den meisten Missionen bis nach dem Erreichen einer Mondumlaufbahn passiv.

In der Mondumlaufbahn nahmen der LM-Pilot und der Missionskommandant dann das LM in Betrieb, entfalteten die Landebeine und trennten sich vom CSM. Dies gab dem im CSM verbleibenden CSM-Piloten die Möglichkeit, die Landefähre visuell zu inspizieren. Die beiden Astronauten im LM zündeten daraufhin das Abstiegstriebwerk für etwa 30 s (Descent Orbit Insertion, DOI) mit dem Ziel, eine elliptische Transferbahn mit einem tiefsten Punkt (Periselenum oder Pericynthion) in etwa 15 km Höhe etwa 480 km „vor“ (östlich) der geplanten Landestelle zu erreichen. Dieses Manöver fand auf der Mondrückseite ohne Funkkontakt zur Erde statt. Beginnend mit Apollo 14 wurde dieser Ablauf dahingehend geändert, dass das DOI-Manöver vom CSM ausgeführt wurde und die Trennung erst danach stattfand, um mehr Treibstoff für die Landephase zu haben; für das CSM mit seiner größeren Reserve war die Notwendigkeit, wieder zu beschleunigen, kein Problem.

Im Periselenum (und wieder in Funkkontakt sowohl zum CSM als auch zur Erde) begann das eigentliche Bremsmanöver (Powered Descent Initiation, PDI). Dabei wurde in erster Linie die Bahngeschwindigkeit des LM abgebaut; diese Flugphase fand vollständig unter Computerkontrolle statt. In etwa 3 km Höhe, am sogenannten „high gate“, wurde das LM erstmals teilweise aufgerichtet und erlaubte den Astronauten, den Landeplatz zu inspizieren. In dieser Phase konnte der Kommandant den weiterhin unter Computerkontrolle angeflogenen Zielpunkt mit Hilfe seiner Strichplatte durch Bewegungen seines Handcontrollers in der Flugrichtung oder auch seitlich verschieben. Der Computer zeigte dafür einen Winkel an (Landing Point Designator, LPD); dessen Ablesung wie auch die Überwachung der übrigen Flugparameter (vor allem Höhe und Sinkgeschwindigkeit) oblag dem Lunar-Module-Piloten, während der Kommandant seinen Blick nach außen gerichtet hielt. Die Endanflugphase wurde in einer Höhe von 200 bis 300 m eingeleitet („low gate“); alle Kommandanten übernahmen hier einen der beiden teilmanuellen Steuerungsmodi, um einen geeigneten Landeplatz selbst auszuwählen, obwohl eine vollautomatische Landung möglich gewesen wäre. In dieser Flugphase verblieb Treibstoff für etwa zwei Minuten. In jeder Phase wäre ein Abbruch möglich gewesen, die Aufstiegsstufe wäre dann wieder in einen Mondorbit geflogen. Beim Erreichen der Mondoberfläche meldeten die an drei der vier Beine installierten Fühler mittels einer blauen Signallampe Bodenkontakt. Die Astronauten schalteten daraufhin das Triebwerk manuell ab, und die Landefähre fiel den letzten Meter auf die Mondoberfläche.

Für den Rückstart wurde die Abstiegsstufe abgetrennt, diente als Startplattform und verblieb auf dem Mond. Die Aufstiegsstufe flog zurück in eine Mondumlaufbahn und dockte dort wieder an das CSM an. Nach dem Umsteigen der Astronauten wurde die Aufstiegsstufe wieder vom CSM abgetrennt und im Mondorbit zurückgelassen oder kontrolliert zum Absturz gebracht.

Entwicklung mini|hochkant=1.5|links|Lunar Module, die Mondlandefähre Im Jahre 1963 erging der Auftrag zum Bau der Landefähre an die Firma Grumman in Bethpage, New York. Thomas J. Kelly, der schon die Frühstudien zur Entwicklung des LM begleitete, wird im Allgemeinen als der Vater der Landefähre bezeichnet. Wie er allerdings selbst sagte, war das LM eine Gemeinschaftsproduktion vieler. Beispielsweise waren auch die zukünftigen Apollo-Astronauten an der Entwicklung und Konstruktion beteiligt, da sie das LM ja letztendlich fliegen und landen mussten. Hauptsächlich waren dies Scott Carpenter, Charles Conrad und Donn Eisele.

Das LM war das größte bemannte Raumfahrzeug, das bis dahin je entwickelt und gebaut worden war. Im Inneren der Landefähre musste für zwei Astronauten Platz genug vorhanden sein, um das LM, wenn nötig, auch manuell zu fliegen und zu landen. Die Insassen mussten sich die Raumanzüge an- und auch wieder ausziehen und aus dem Fahrzeug zur Mondoberfläche aussteigen können. Der Zwang zur Gewichtsersparnis war noch größer als beim CSM, da die Landung auf dem Mond wie auch der Wiederaufstieg je eine Geschwindigkeitsänderung von etwa 1800 m/s erforderte. Es musste Raum für die mitgebrachten Bodenproben (Mondgestein) vorhanden sein, und die Astronauten mussten während mehrerer Tage im LM leben, essen, trinken und schlafen können.

mini|Übungslandefähre auf der Edwards Air Force Base (1964) Die ersten Pläne sahen Sitze ähnlich wie in einem Flugzeugcockpit vor. Diese wären nicht nur sperrig und schwer gewesen, sondern hätten auch erheblich größere Fenster bedingt. Durch die Idee, das LM stehend zu fliegen und zu bedienen, konnten die Astronauten den Fenstern erheblich näher und diese daher deutlich kleiner sein. Das linke Fenster (das des Kommandanten) erhielt eine Strichplatte, die es dem Kommandanten erlaubte, den in Form eines Zahlencodes berechneten Landeplatz auf der Mondoberfläche zu identifizieren.

Da das LM alleine zum Mond abstieg, musste es auch ein eigenständiges Lebenserhaltungssystem und eine unabhängig arbeitende Elektrik inklusive Navigation haben. Dafür erhielten andere Firmen den Zuschlag zur Entwicklung als die für das CSM. Infolgedessen waren beide Systeme teilweise inkompatibel. Bei der Apollo-13-Mission mit plötzlichem Energieausfall stellte sich das als schwerwiegender Fehler heraus. Trotzdem konnten auch die Astronauten von Apollo 13 zur Erde zurückkehren, indem sie sich nach der Havarie in der Serviceeinheit eine längere Zeit im noch funktionsfähigen LM aufhielten. Das LM diente dabei sozusagen als Rettungsboot. Das LM verwendete auch andere Treibstoffe und Triebwerke als das SM. Die Navigationseinheiten waren aber weitgehend identisch, sodass sich die Navigationsdaten zwischen den Systemen übernehmen ließen.

Ein spezielles Problem stellten die Landebeine dar. Sie sollten so grazil und leicht wie möglich, aber auch so stabil wie nötig für eine Landung auf dem Mond sein und die entstehenden Stöße dämpfen können. Außerdem mussten sie einklappbar sein, da der Durchmesser der Raketenstufe schon relativ früh festgelegt worden war. Zu Beginn der Planungen sahen die Entwickler fünf Landebeine vor. Aus Platzgründen wurden dann aber nur vier realisiert, was der Standstabilität aber keinen Abbruch tat.

Da die Mondlandefähre im Schwerefeld des Mondes arbeiten musste, war es nicht möglich, die Flugeigenschaften des LM auf der Erde richtig zu testen. Änderungen am LM dahingehend, ein Schwebetriebwerk einzubauen, stellten sich als zwecklos heraus. Auch Tests mit an Helikoptern aufgehängten Landern brachten keine verwertbaren Ergebnisse. Schließlich versuchte man, die Mondgravitation nachzubilden, indem speziell dafür gebauten Lande-Trainingsgeräten, den LLTVs, mittels zusätzlicher Triebwerke ein Auftrieb gegeben wurde. Da sich Auftrieb und Steuerdüsen aber gegenseitig beeinflussten, waren die LLTVs wenig stabil, und es kam zu mehreren Abstürzen, wobei sich die Piloten, darunter Neil Armstrong, mit dem Schleudersitz retten konnten. In der Folge wurde der Einsatz der LLTVs reduziert und nur noch den Missionskommandanten gestattet. Eine besondere Konstruktion war die LLRF zum Üben der letzten Landesequenz bis zum Aufsetzen. Insbesondere kamen in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß Simulatoren zum Einsatz.

Technische Daten mini|hochkant=1.1|Landefähre Eagle auf dem Mond (1969) Die Landefähre hatte betankt eine nominelle Gesamtmasse von 14.696 kg, die allerdings von Mission zu Mission unterschiedlich war, eine Gesamthöhe von 6,40 m und einen Durchmesser von 4,30 m (9,50 m bei ausgefahrenen Landebeinen). Sie bestand aus über einer Million Teilen, hatte redundant ausgelegte Funk- und Radargeräte, die bereits erwähnte Lebenserhaltung und einen Navigationscomputer. Diese Komplexität machte neue Abläufe in der Planung, Herstellung und Qualitätssicherung notwendig. Die fehlende Atmosphäre auf dem Mond bedingte daneben auch den Schutz vor Mikrometeoriten sowie einen Thermalschutz in Form aluminium- und goldbedampfter Kaptonfolien.