miniatur|hochkant=1.4|Lithographie von Schloss Gymnich um 1860 aus der Sammlung Duncker miniatur|hochkant=1.4|Eingang miniatur|hochkant=1.4|Schloss Gymnich Schloss Gymnich ist eine Wasserburg der Erftaue in Gymnich, einem Stadtteil von Erftstadt, in Nordrhein-Westfalen. Jahrhundertelang war es Sitz des rheinischen Rittergeschlechtes von Gymnich. in Kölnische Rundschau vom 29. November 2011 Das Schloss, das von einem großen Park umgeben ist, hat eine Gesamtgrundstücksfläche von 21 Hektar und liegt am Rheinischen Sagenweg.

Geschichte Eine erste Burg wurde 1354 am westlichen Rand des Ortes von Heinrich I. von Gymnich errichtet. Er trug sie dem Erzbischof und Kurfürsten von Köln Wilhelm von Gennep als Offenhaus der Kölner Kirche auf und empfing sie als Lehen von diesem zurück.Wilhelm Janssen:: Die Regesten der Erzbischöfe im Mittelalter Bd. VI. Köln 1977. Nr. 482 Nach Überfällen und Schädigung anderer Lehnsleute des Kurfürsten durch Heinrich II. wurde die Burg im Jahre 1399 auf Befehl des Erzbischofs Friedrich von Saarwerden abgebrochen. Heinrich verpflichtete sich – auch für seine Nachkommen – nie mehr ohne Genehmigung des Erzbischofs ein befestigtes Haus in Gymnich zu errichten. Norbert Andernach: Die Regesten der Erzbischöfe im Mittelalter Bd. X, Düsseldorf 1987. Nr. 1789 Der Nachfolgebau wurde an anderer Stelle, östlich der ersten Burg, errichtet. Im Jahre 1419 wurde Johann von Gymnich, Sohn Heinrichs II., mit Haus Gymnich belehnt. Karl Stommel: Das kurkölnische Amt Lechenich, seine Entstehung und Organisation, Euskirchen 1961. Seite 48 Sein Sohn Arnold erbte 1467 Haus Gymnich, Archiv Schloss Gymnich, Urkunde Nr. 258, veröffentlicht in Karl Stommel, Hanna Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt, Bd. II, Erftstadt 1992. Nr. 1206 das im Familienbesitz blieb bis zum Erlöschen der Linie von und zu Gymnich im Jahr 1824 mit dem Tod der Freiin Johanna von Gymnich, Stiftsdame zu Neuss, Tochter des Karl Otto Ludwig Theodat von und zu Gymnich. Danach kam das Schloss als Schenkung an ihren Großneffen Max Felix Reichsgraf Wolff Metternich und seine Erben. Vilma Reichsgräfin Wolff Metternich, die das letzte Mitglied der Familie und somit Erbin war, brachte es durch ihre Heirat mit Franz Vicomte de Maistre an diese Linie. In der weiteren Erbfolge fiel das Schloss nach dem Tod des kinderlos verstorbenen Sohnes Rudolf Vicomte de Maistre an den testamentarisch von Vilma bestimmten Nacherben, den Enkel der Gräfin und Sohn ihrer Tochter, Jörg Freiherr von Holzschuher. Matthias Weber, Erftstadt-Gymnich, Heimatbuch S. 282–283, 288–300 Miranda de Maistre (1912–2009), Ehefrau von Rudolf, die nach Hausrecht nicht erben konnte, zog nach dem Tode ihres Ehemannes (1968) in die Kaplanei neben der Kirche. in Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Erft, vom 30. Januar 2012, S. 38 Nach einem bescheidenen Leben verstarb sie dort am 22. Juli 2009. Gymnich war sie bis kurz vor ihrem Tode als Protektorin der Sebastianus-Bruderschaft verbunden. (Zugriff Jan. 2012)

Mit der Burg und dem späteren Schloss war die Gymnicher Mühle als Bannmühle verbunden.

Beschreibung der Anlage Über eine Seitenstraße, die von der Hauptstraße abzweigt, gelangt man zum Eingangstor des Schlosses, von dem eine Allee zum Schloss führt. Von dem ehemaligen Wirtschaftshof, der Vorburg, wurde der Nordflügel abgerissen. Durch eine Brücke ist die Vorburg mit der Hauptburg verbunden, die auf einer rechteckigen von Wassergräben umgebenen Insel liegt. Die zweiflügelige Anlage besteht aus einem Westflügel mit zwei Türmen und einem im rechten Winkel anschließenden nördlichen Trakt. Im Winkel der beiden Flügel liegt in einem Vorbau der Eingang, der über eine Treppe zu erreichen ist.

Die beiden Flügel entstanden zu verschiedenen Zeiten. Nach der Niederbrennung der Burg im Hessenkrieg im Jahre 1642 wurde der 1547 errichtete Westflügel mit dem südlichen Kapellenturm von 1655 bis 1659 durch Sofia Margarethe Wolff genannt Metternich, der Witwe Adolfs von Gymnich, im Barockstil wieder aufgebaut und der Altar im Burgturm reconziliert. Im Sockelfundament des Kapellenturms sind noch Reste einer früheren Burganlage zu erkennen.

Der Nordflügel wurde 1722 errichtet. Karl Otto Ludwig Theodat von und zu Gymnich ließ 1738 die Räume im Rokokostil ausstatten. Die prunkvollen Innenräume mit prächtigen Stuckverzierungen werden vor allem geprägt durch die in die Wandflächen eingelassenen Porträts der damaligen Kurfürsten im „Kurfürstensaal“, ein Porträt der Kaiserin Maria Theresia im „Marmorkabinett“ und Gemälde von Persönlichkeiten aus der Familie der Herren von Gymnich sowie durch die einmaligen Supraporten mit Darstellungen einiger Schlösser des Kurfürsten Clemens August. Bei den in den Jahren 1903 bis 1930 durchgeführten Umbauten und grundlegenden Renovierungen wurde 1907 der Haupteingang verlegt und der heutige Eingang als kleiner Vorbau im Neobarockstil gebaut.

Die Bedeutung des Barockschlosses liegt nach Henriette Meynen nicht nur in seiner kunstvollen Innenausstattung, sondern auch in seinem großen Park mit einer Fülle einheimischer Gehölzarten, aber auch botanisch auffallender Exoten. Henriette Meynen: Wasserburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis. Köln 1992. S. 122–128 Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das Grundstück umfasst mit Park eine Fläche von 212.667 Quadratmetern.

Modernisierung der Anlage Jörg Freiherr von Holzschuher, der das Schloss nach Medienberichten unerwartetProtokoll: Treffen bei Theodat in Der Spiegel, Ausgabe 5/1972 vom 24. Januar 1972 von seiner Großmutter Vilma Reichsgräfin Wolff-Metternich geerbt hatte,Ein Schloßherr aus Japan in Der Spiegel, Ausgabe 26/1987 vom 22. Juni 1987 fand eine seit Jahren leerstehende stark renovierungsbedürftige Anlage vor.

Im Zweiten Weltkrieg war sie militärisch genutzt worden. Die Luftwaffe hatte dort ihre Telefonzentrale für das auf dem Gymnicher Feldflughafen stationierte Luftwaffengeschwader eingerichtet.Geheime Zentrale auf Schloss Gymnich in Kölner Stadtanzeiger, Rhein-Erft vom 17. Januar 2012 Das Ehepaar Vicomte de Maistre hatte die Wohnung im Schloss aufgegeben und im Nordwestbau der Vorburg Gebäude abreißen und 1956 für sich ein neues Wohnhaus erbauen lassen.

Jörg von Holzschuher modernisierte und renovierte das Schloss den gestiegenen Bedürfnissen des Wohnkomforts entsprechend durch Einbau einer Zentralheizung, Erneuerung der Stromleitungen, Einbau von Bädern und Toiletten und grundlegende Restaurierung der Repräsentationsräume.

Nutzung durch die Bundesregierung Ab 1971 vermietete Jörg von Holzschuher das Schloss für 750.000 DM pro Jahr an die Bundesregierung, die es bis Juli 1990 als Gästehaus nutzte. Es war damit der Nachfolger und auch wieder der Vorgänger des Bundesgästehauses auf dem Petersberg. Schloss Gymnich beherbergte 262 Staatsgäste, Rolf Breithaupt, Schloss Gymnich – 19 Jahre Gästehaus der Bundesregierung. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 1993/94. S. 47–62 darunter 1987 Erich Honecker während seines Besuchs in der BRD. Die meisten Staatsgäste landeten auf dem in Sichtweite gelegenen Fliegerhorst Nörvenich und wurden dann mit einem Pkw ins nahe gelegene Gästehaus gefahren.

Der Begriff Gymnich-Treffen geht auf ein Treffen im Rahmen der Europäischen Politischen Zusammenarbeit im April 1974 im Gästehaus Schloss Gymnich der deutschen Bundesregierung zurück, das der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher veranstaltete. Seit diesem Treffen finden einmal pro Ratspräsidentschaft, also einmal jedes halbe Jahr, so genannte Gymnich-Treffen statt.

Am 25. August 1989 kam es im Schloss zu einem Geheimtreffen des ungarischen Ministerpräsidenten Miklós Németh mit Bundeskanzler Helmut Kohl, welches dann die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze in der Nacht vom 10. auf den 11. September 1989 für DDR-Flüchtlinge zur Folge hatte.

Neue Eigentümer Als nach der Rückverlegung des Gästehauses der Bundesregierung zum Petersberg das Ende des Gästehauses Schloss Gymnich absehbar war, suchte Freiherr von Holzschuher einen Käufer. Im Juni 1987 erwarb der japanische Unternehmer Masao Nangaku das Schloss für 28 Millionen DM. Er beabsichtigte, Schloss Gymnich in ein Luxushotel mit einem angegliederten Golfplatz umzubauen, der sich in Richtung der Gymnicher Mühle erstrecken sollte. Doch seine Pläne wurden wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht realisiert. Nach Abschluss der Kaufverhandlungen konnte er jedoch nicht mehr vom Kauf zurücktreten, ohne einen neuen Käufer zu präsentieren. Er fand ihn 1993 in Joachim (Joe) Wander (Wander-Gruppe). Der neue Eigentümer wollte ebenfalls auf dem Grundstück einen Golfplatz errichten, musste jedoch feststellen, dass die Baugenehmigung hierfür bereits 1992 zurückgezogen worden war. Wander richtete deshalb dort ein Hotel der gehobenen Klasse ein, das sich als nicht lohnend erwies, da die erwarteten Gäste wegen des fehlenden Golfplatzes ausblieben. Wegen großer finanzieller Schwierigkeiten musste auch er aufgeben.

Im Juli 1998 erwarb Dan Kelly, Vater der Musikgruppe Kelly Family, das Schloss im Rahmen einer Zwangsversteigerung für 13,1 Millionen DM.Fans: Ein Hauch von Woodstock in Der Spiegel, Ausgabe 43/1999 vom 25. Oktober 1999Online bei binkyskellypage.de Kellys wollen Schloss Gymnich kaufen, Berliner Zeitung vom 18. Juni 1998 Die Kelly Family wohnte dort bis zum Tod des Vaters im Jahre 2002. Wegen der Busladungen von Fans, die teilweise in den Vorgärten der Anwohner campierten, wurde ein gesonderter Ordnungsdienst erforderlich. Mit der Zeit waren die Kinder ausgezogen, und Vater Dan blieb oft allein im Schloss. So wurde seit dem Jahr 2000Schloss zu verkaufen – die Kellys ziehen aus, RP Online vom 30. August 2000 mehrfach versucht, das Schloss zu verkaufen, was jedoch misslang. Durch den Tod von Vater Dan im August 2002 erbten schließlich seine acht Kinder aus zweiter und vier Kinder aus erster Ehe – davon eines in den USA mit Sachwalter – das Schloss gemeinschaftlich. Die vielen Miteigentümer konnten sich lange nicht auf eine Nachnutzung oder einen Verkauf einigen.

Deshalb wurde das Schloss zwischenzeitlich verpachtet. 2005 gründeten die Unternehmer Wilfried Vogt und Manfred Diel gemeinsam mit Joey Kelly die „Schloss Gymnich GmbH“, welche das Schloss als Restaurant und Veranstaltungsort betrieb. Nach der Festnahme Manfred Diels im Zuge der Insolvenz der Heros Unternehmensgruppe meldete die GmbH im Frühjahr 2006 Insolvenz an. Ab 1. Mai 2006 übernahm die Auffanggesellschaft „Schloss Gymnich Erleben und Genießen GmbH“, deren Geschäftsführer Wilfried Vogt blieb; Joey Kelly war weiterhin als Gesellschafter involviert.Die ungeklärte Frage nach den Schuldigen in Kölner Stadtanzeiger vom 7. Dezember 2007 Bis 2009 wurde es als Hotel und Restaurant der gehobenen Klasse geführt und diente als Veranstaltungsort. Von September 2010 bis Juni 2011 diente das Schloss als Außenkulisse für die ZDF-Telenovela Lena – Liebe meines Lebens.

Wegen der Uneinigkeit der vielen Miteigentümer betrieb Joey Kelly die Zwangsversteigerung,, oe3.orf.at, 28. Jänner 2012 wobei der Verkehrswert auf 5,3 Millionen Euro festgelegt wurde. Aufgrund dieses Verkehrswerts war das Mindestgebot von Amts wegen auf 2,65 Millionen Euro festgelegt worden. Gebote mussten bis zum 31. Januar 2012 beim zuständigen Amtsgericht Brühl abgegeben werden. in Kölnische Rundschau vom 11. August 2011 Zu diesem Zeitpunkt lag allerdings nur ein Gebot von Joey Kelly selbst in Höhe von 1,7 Millionen Euro vor. Da es das festgelegte Mindestgebot unterschritt, kam es vorerst nicht zum Verkauf.Anwesen der Kelly Family wird zwangsversteigert: Schloss aus und vorbei in Süddeutsche Zeitung vom 31. Januar 2012