mini|Kaempfers Skizze von Hōkō-ji in Kyōto(1691) mini|Audienz in Isfahan (Amoenitates Exoticae, 1712) mini|Stadt und Bucht von Nagasaki. Stich auf der Grundlage eines japanischen Holzblock-Drucks, Historia imperii Japonici (1727) mini|Dejima um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Stich von Arnoldus Montanus, 1669 mini|Haus und Praxis der Chirurgen auf Dejima (Nr. 28), Stich nach einer Skizze von Gerrit Voogt, 1736 mini|Reisezug des Faktoreileiters auf der Nagasaki-Straße (Nagasaki kaidō) von Nagasaki nach Kokura. Historia imperii Japonici (London 1727), Tafel 22 mini|Engelbert Kaempfer zu Pferde, geführt von Imamura Gen'emon Eisei. Historia imperii Japonici (1727) mini|Schmuckblatt in Kaempfers Historia imperii Japonici (1727) mini|Japanische Silbenschriftzeichen und Schreibformen chinesischer Charaktere mini|Inschrift des ältesten Engelbert-Kämpfer-Denkmals (1867) in Lemgo mini|Plakette zum Geburtsort von Engelbert Kaempfer mini|Philipp Franz von Siebolds Gedenkstein für Kaempfer und Carl Peter Thunberg auf dem Gelände der Niederlassung Dejima (Nagasaki)Engelbert Kaempfer (* 16. September 1651 in Lemgo; † 2. November 1716 in Lieme) war ein deutscher Arzt und Forschungsreisender. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“ Im Zuge einer fast zehnjährigen Forschungsreise (1683 bis 1693), die ihn über Russland und Persien nach Indien, Java, Siam und schließlich Japan führte, sammelte er zahlreiche Kenntnisse zur Geographie, Natur, Gesellschaft, Religion, Politik, Verwaltung sowie den Wissenschaften und Künsten der bereisten Regionen. Seine Schriften gelten als wichtige Beiträge zur frühmodernen Erforschung der Länder Asiens. Sie prägten zugleich das europäische Japanbild des 18. Jahrhunderts und dienten bis ins frühe 19. Jahrhundert vielen Forschungsreisenden als Referenzwerk.

Leben Engelbert Kaempfer war der zweite Sohn von Johannes Kemper, Pastor an der St.-Nicolai-Kirche zu Lemgo, und dessen Ehefrau Christina Drepper, der Tochter seines Amtsvorgängers. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau um 1654 heiratete der Vater Adelheid Pöppelmann. Ab 1665 besuchte Engelbert zunächst das Lemgoer Gymnasium, ab 1667 die Lateinschule in Hameln und von 1668 bis 1670 das Johanneum in Lüneburg.Engelbert Kämpfers Weyl. D. M. und Hochgräfl. Lippischen Leibmedikus Geschichte und Beschreibung von Japan, Band 1. Lemgo 1777, S. XVI. Bei begabten Schülern war es damals üblich, die Schule mehrmals zu wechseln, um den Gesichtskreis zu erweitern und die beruflichen Möglichkeiten zu verbessern. Ein weiterer Grund war möglicherweise, dass in den Jahren 1666 und 1667 seine beiden Onkel Bernard Grabbe und Andreas Koch im Verlauf der Lemgoer Hexenprozesse hingerichtet wurden. Von 1668 bis 1673 besuchte er die Gymnasien in Lüneburg und Lübeck sowie das „Athenaeum“ in Danzig, wo er Philosophie, Geschichte sowie alte und neue Sprachen studierte. Dort veröffentlichte er sein erstes Werk unter dem Titel „De Maiestatis divisione“ (Über die Teilung der obersten Gewalt). Es folgte ein langjähriges Studium der Philosophie und Medizin an den „Hohen Schulen“ in Thorn, Krakau und Königsberg. 1681 wechselte er zur Akademie in Uppsala.

Im Safawidenreich (1683 bis 1685) Am schwedischen Hof machte Kaempfer die Bekanntschaft von Samuel von Pufendorf, der ihn dem schwedischen König Karl XI. als Arzt und Legationssekretär für eine Gesandtschaft unter Leitung des Holländers Ludvig Fabritius (1648–1729) zum russischen und persischen Hof empfahl. Während dieser Reise schulte er seine Beobachtungsfähigkeit und fertigte umfangreiche Aufzeichnungen zu Land und Leuten in den besuchten Regionen an. Die Delegation brach am 20. März 1683 aus Stockholm auf und reiste über Finnland, Livland, Moskau nach Astrachan, wo sie am 7. November 1683 eintraf und von wo sie sodann per Schiff die Reise über das Kaspische Meer fortsetzte. Am 17. Dezember erreichte sie Schemacha, Hauptstadt der damals noch unter persischer Herrschaft stehenden Region Schirwan. Den dortigen einmonatigen Aufenthalt nutzte Kaempfer zur Besichtigung der Erdölquellen Fontes Naphta von Badkubeh (heute Baku), die er als erster Europäer erkundete und genauer beschrieb. Noch heute erinnern Ausstellungstafeln im Museum von Baku an den Besuch Kaempfers. Am 14. Januar 1684 traf die Gesandtschaft in Rascht in Nordiran ein und reiste von dort über Qazvin, Qom und Kaschan zur safawidischen Hauptstadt Isfahan weiter, wo sie am 29. März 1684, ein Jahr nach ihrer Abreise von Stockholm, eintraf.

Kaempfer hielt sich insgesamt 20 Monate in Isfahan auf und wurde so zu einem der wichtigsten europäischen Zeitzeugen, dem wir wertvolle Berichte über die damalige iranische Hauptstadt, die Verwaltung des Safawidenstaats und das Leben am Hofe verdanken. Nicht zuletzt durch das Erlernen des Persischen und Türkischen war er in der Lage, tiefe Einblicke in das Leben im Iran des 17. Jahrhunderts zu gewinnen.Siehe hierzu Josef Wiesehöfer: A me igitur … Figurarum verum auctorem … nemo desideret – Engelbert Kaempfer und der Alte Iran. In: Haberland (1993), S. 105–132.

Nach Ostasien Während seines Aufenthalts erfuhr Kaempfer von der Anwesenheit einer holländischen Handelsstation in Bandar Abbas und er beschloss, sich von der erfolglosen schwedischen Gesandtschaft zu trennen und eine Stelle bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) anzustreben. Er musste allerdings eineinhalb Jahre warten, bis er endlich nach Bandar Abbas abreisen konnte. Auf dem Weg nach Süden besuchte er die Ruinen von Persepolis und studierte die Täfelchen mit Schriftzeichen, für die er den Namen Keilschrift erfand.Kaempfers Keilschriftinschrift mit Übersetzung findet sich bei Weiß (2012), S. 130f. Im klimatisch außerordentlich strapaziösen Bandar Abbas lebte er zweieinhalb Jahre. Hier entstand unter anderem seine Arbeit über die Dattelpalme. Nach langwierigen Versuchen und vielen Bittbriefen erhielt er schließlich eine Anstellung. Von 1685 bis 1688 war Kaempfer FaktoreiarztDetlef Haberland: Kaempfer, Engelbert. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 713. in Bandar Abbas.

Am 30. Juni 1688 begab er sich als Schiffsarzt an Bord der Jacht Copelle, die persische Waren für Ceylon und Batavia geladen hatte. Er erreichte am 16. Juli 1688 Maskat, die Hauptstadt des Oman. Obwohl er nur einige wenige Tage blieb, fertigte er umfangreiche Aufzeichnungen über den Oman an. Seine Notizen zählen heute zu den wichtigsten Quellen aus jener Zeit, da er damals einer der wenigen europäischen Besucher des Landes war. Rund ein Jahr lang arbeitete er als Schiffsarzt im indischen Raum, der seinerzeit zum Einflussbereich der niederländischen Ostindien-Kompanie gehörte.Siehe hierzu die Notitiae Malabaricae (Kaempfer, Kritische Ausgabe, Band 5)

Nach seiner Ankunft in Batavia, der Verwaltungszentrale der Kompanie in Ostasien, bewarb er sich erfolglos um eine Stelle im lokalen Krankenhaus. Hier lernte er Daniel Parvé kennen, den Schatzkanzler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, mit dem er sich befreundete. Im Umgang mit ehemaligen Japanreisenden und Gebildeten in Batavia reifte dann der Plan zur umfassenden Erforschung des Landes, das seit 1639 nur noch einen sehr eingeschränkten Umgang mit der Außenwelt pflegte. Zur Vorbereitung erhielt er allerlei Materialien sowie eine in niederländischer und chinesischer Sprache verfasste Liste von Büchern etc., die er in Japan sammeln sollteW. Michel: Zur Erforschung Japans durch Engelbert Kaempfer. In: Engelbert Kaempfer, Werke, Vol. 1/2 (Heutiges Japan), S. 95–99.

Am 7. Mai 1690 verließ Kaempfer Batavia an Bord der Waelstrohm. Die erste Station war die holländische Niederlassung in Ayutthaya, wo er den König von Siam besuchte. Nach dreiwöchigem Aufenthalt stach die Waelstrohm am 7. Juni 1690 erneut in See und erreichte am 24. September 1690 nach heftigen Taifunen die Bucht von Nagasaki. Die Niederlassung der Kompanie lag auf der künstlich aufgeschütteten Insel Dejima (Deshima) in unmittelbarer Nähe der Stadt. Nagasaki war wegen der sogenannten Abschließungspolitik der einzige erlaubte Anlaufhafen der Ostindien-Kompanie (VOC). Alle auf Dejima tätigen Europäer wurden registriert. Offiziell galten sie als Niederländer. Hier arbeitete Kaempfer als Stationsarzt von 1690 bis 1692. Obwohl die Europäer die Handelsniederlassung nur zu ein bis zwei Tagesausflügen pro Jahr verlassen durften, gelang es ihm dank der Kooperation japanischer Partner wie seinem jungen Zimmerdiener Imamura Eisei, den Dolmetschern Namura Gonpachi, Narabayashi Chinzan (1648–1711) und anderen, zahlreiche Objekte, Bücher und Informationen zu sammeln und auszuwerten.Zu Kaempfers japanischen Helfern siehe W. Michel: Zur Erforschung Japans durch Engelbert Kaempfer. In: Engelbert Kaempfer, Werke, Vol. 1/2 (Heutiges Japan), S. 76–89

Als Arzt durfte Kaempfer zudem an der jährlichen Hofreise des niederländischen Repräsentanten (ndl. opperhoofd) teilnehmen, der im Schloss zu Edo (heute Tokio) dem Shōgun für die Genehmigung zum Handel mit Japan Dank abzustatten hatte. Nach der Durchquerung der Insel Kyushu auf der sogenannten Nagasaki-Straße (Nagasakikaidō) segelte man auf einem kleinen Schiff von Shimonoseki bis Osaka und zog dann auf dem Landweg über die berühmte Ostmeerstraße (Tōkaidō) nach Edo. Diese zwei Reisen ermöglichten es ihm, die bisher gesammelten Informationen zu überprüfen, auszuweiten und wichtige Regionen des Landes aus eigener Anschauung kennenzulernen. Zu seinem Glück war das Botanisieren gestattet, so dass er eine stattliche Kollektion an Pflanzenproben zusammentrug und unter diesem Vorwand zugleich Routenkarten anfertigen konnte.Zum Hintergrund dieser Duldung von Pflanzenstudien siehe Michel (2009). Unterwegs wurde er auch auf die Japanische Riesenkrabbe aufmerksam, die in der modernen Nomenklatur seinen Namen erhielt: Macrocheira kaempferi. Sowohl ein männliches, als auch ein weibliches Exemplar sind heute in seiner Heimatstadt, der lippischen Alten Hansestadt Lemgo, im Museum Hexenbürgermeisterhaus zu sehen.

Der zu Kaempfers Zeiten amtierende Shōgun Tokugawa Tsunayoshi hatte ein starkes Interesse an den Europäern und ließ nach der offiziellen Reverenzerweisung des niederländischen Repräsentanten eine Art Audienz in einem anderen Saal des Schlosses arrangieren, wo es über die Dolmetscher zu allerlei Fragen und Antworten kam und Kaempfer unter anderem zu Gesangs- und Tanzdarbietungen genötigt wurde. Zwar empfand Kaempfer diese „Pickelsheringsreigen“ als Zumutung, hielt ihn dennoch ausführlich in seinem Manuskript „Heutiges Japan“ fest.Zu diesen Audienzen und deren Hintergrund siehe Michel (2000)

Rückkehr nach Europa Am 6. Oktober 1693 erreichte Kaempfer nach einem Zwischenstopp in Südafrika mit der Pampus Amsterdam. Nach der Promotion an der Reichsuniversität in Leiden, bei der er zehn medizinische Observationen zum Besten gab, kehrte er im August 1694 nach Lemgo zurück und bezog den Steinhof in Lieme, den sein Vater 1675 erworben hatte. Hier begann er mit der Auswertung seiner Schätze, doch die ärztliche Praxis und besonders seine Pflichten als Leibarzt des anspruchsvollen Grafen Friedrich Adolf zur Lippe in Detmold erwiesen sich als zeit- und kräfteraubend. Die 1700 geschlossene, wenig glückliche Ehe mit der mehr als 30 Jahre jüngeren Sophie Wilstach trug zur wachsenden Erschöpfung bei. In einem Brief an seinen holländischen Freund Parvé schrieb er 1705: Ich führe ein ruheloses und überaus beschwerliches Leben zwischen Feldern und Höflingen.