Werner „Eia“ Krämer (* 23. Januar 1940 in Duisburg; † 12. Februar 2010 ebenda) war ein deutscher Fußballspieler. Er spielte seit seiner Kindheit für den Meidericher SV (ab Januar 1967: MSV Duisburg) und anschließend für den Hamburger SV und den VfL Bochum. Mit dem MSV schaffte er 1963 die Qualifikation zur neu gegründeten Bundesliga und wurde ein Jahr darauf deren Vizemeister. Weiterhin erreichte er mit den Meiderichern das DFB-Pokalfinale 1966 und mit dem HSV 1968 das Endspiel des Europapokals der Pokalsieger. In Bochum war er am erstmaligen Bundesligaaufstieg des Vereins im Jahr 1971 beteiligt. Der Offensivspieler zeichnete sich durch technische Stärke aus und war besonders für seine gefährlichen Flanken bekannt. Er gilt als das größte Talent, das der MSV jemals hervorgebracht hat.
Krämer wurde zwischen 1963 und 1967 in die deutsche Nationalmannschaft berufen und bestritt 13 Länderspiele. Mit ihr wurde er 1966 Vizeweltmeister, wenngleich er im Turnierverlauf nur ein Mal aufgeboten wurde.
Biografie Jugend und Oberligazeit (1946–1963) Werner Krämer stammte aus dem Duisburger Ortsteil Meiderich und begann 1946 beim DJK Lösort-Meiderich mit dem Fußballspielen, wechselte aber bereits ein Jahr später in die Jugend des Meidericher SV. Bei diesem Verein hatte bereits sein Onkel Walter Krämer in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren gespielt.Hardy Grüne, Lorenz Knieriem: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 8: Spielerlexikon 1890–1963., S. 206. Er selbst durchlief die verschiedenen Altersstufen der Jugendmannschaften, während sein älterer Bruder Hans Krämer (* 1928) Ende der 1940er-Jahre in die erste Mannschaft aufrückte, 1951 am Aufstieg in die damalige höchste Spielklasse Oberliga West beteiligt war und den Klub 1953 verließ. Während der Saison 1958/59 zeigte Werner Krämer in der Jugendmannschaft gute Leistungen, sodass er ebenso wie Werner Gräber, Dieter Danzberg und Hartmut Heidemann an die Oberligamannschaft herangeführt wurde.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 66 Am 8. März 1959 debütierte er bei einem 2:1-Heimsieg gegen Rot-Weiss Essen in der Oberliga West und spielte dabei auf der Position des Rechtsaußen, während die Brüder Kurt und Ludwig Nolden als Halbstürmer aufliefen.Raphael Keppel: Die deutsche Fußball-Oberliga 1946-1963. Band 1: Berlin, Nord, West. Sport- und Spiel-Verlag Edgar Hitzel, Hürth 1989, ISBN 3-9802172-3-X, S. 511. Bis zum Ende der Spielzeit 1958/59 bestritt er insgesamt fünf Partien und erzielte dabei einen Treffer. In der sich anschließenden Saison 1959/60 avancierte er zum Stammspieler. In den darauffolgenden Jahren konnte er seinen Stammplatz in der Meidericher Offensive beibehalten.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 214 Seine Mannschaft zählte in den frühen 1960er-Jahren nicht zu den Titelanwärtern der Oberliga West, galt jedoch als aussichtsreicher Kandidat für einen Startplatz in der Fußball-Bundesliga, die nach der Sommerpause 1963 neu eingeführt wurde. Die zur Ermittlung der Teilnehmer aufgestellte Zwölfjahreswertung war für die Auswahl der Gründungsmitglieder nicht bindend, sodass lange keine Klarheit über die Bedingungen für eine Aufnahme in die neue erste Liga bestand und ein gutes Abschneiden in der Saison 1962/63 von besonderer Wichtigkeit war.
Krämer spielte sich in diesem letzten Austragungsjahr der Oberliga besonders in den Vordergrund und erweckte auch das Interesse von Bundestrainer Herberger. Auch zuvor galt Krämer als möglicher Kandidat für die Nationalelf, soll Herberger aber als zu klein erschienen sein. Die Mannschaft startete nach einer als Tabellensiebter beendeten Hinrunde in eine Rückrunde, an deren Ende aufgrund des langen Winters 1962/63 und damit verbundenen Spielausfällen mehrere Nachholbegegnungen ausgetragen werden mussten.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 74 Da sich die Meidericher in der Tabelle weiter verbessern konnten, galt die Aufnahme in die Bundesliga im Frühjahr 1963 als wahrscheinlich und jedes weitere Spiel als potenziell entscheidend. Am 4. Mai 1963 traf der MSV auf den Duisburger Stadtrivalen Hamborn 07. Unmittelbar vor dem Ende der Begegnung holte Krämer einen Freistoß heraus, übernahm dessen Ausführung selbst und bereitete dabei mit einer Flanke auf Dieter Danzberg den 2:1-Siegtreffer vor.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 75 f. Der Hamborner Verteidiger Rolf Schafstall bestritt im Nachhinein, dass er Krämer in der vorausgehenden Situation tatsächlich gefoult hatte. Zwei Tage nach dem Sieg wurde dem Meidericher SV per Telegramm die Aufnahme unter die 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga mitgeteilt. Die letzte Spielzeit in der Oberliga beendete der MSV als Drittplatzierter. Krämer war in der Oberliga West auf insgesamt 111 Einsätze mit 28 erzielten Treffern gekommen.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 214
Erste Bundesliga-Jahre und Vizemeisterschaft mit dem MSV (1963–1967) Nach der Qualifikation für die Bundesliga wurde mit Rudi Gutendorf vom TSV Marl-Hüls ein wenig bekannter Trainer geholt; wesentliche Spieler-Neuzugänge waren der einstige Weltmeister Helmut Rahn, der Torwart Manfred Manglitz und Heinz Höher., Zebraherde Blog, 3. November 2011. Abgerufen am 12. April 2016. Die Meidericher erlebten am 24. August 1963 mit einem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC ihr Bundesligadebüt, welches von Bundestrainer Herberger vor Ort beobachtet wurde. Krämer nahm während der Partie eine Schlüsselrolle im Meidericher Offensivspiel ein und erzielte sowohl das erste Tor der Begegnung als auch den Treffer zum 4:1-Endstand.Fehlstart des amtierenden Meisters, fussballdaten.de. Abgerufen am 12. April 2016. Im darauffolgenden Monat wurde er erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen, während er beim MSV auch im weiteren Verlauf der ersten Bundesligaspielzeit als wichtiger Spielgestalter auftrat. Taktisch setzte Trainer Gutendorf auf ein „Riegel-System“, das defensive Stabilität mit schnellem Umschalten von der Abwehr auf die Offensive verband. Auf diese Weise belegte der zuvor als Abstiegskandidat betrachtete Meidericher SV hinter dem 1. FC Köln den zweiten Tabellenplatz und wurde somit am Ende der Saison 1963/64 erster Vizemeister der Bundesliga. Krämer war mit elf Treffern vor Heinz Versteeg (10) der beste Torschütze seiner MannschaftRiegel-Rudis Speisekarte, RevierSport, 4. Juni 2007. Abgerufen am 12. April 2016. und leistete zwölf Torvorlagen, sodass er in 22 bestrittenen Partien an 23 Toren direkt beteiligt war.Werner Krämer, fussballdaten.de. Abgerufen am 12. April 2016. Seine Leistungen weckten das Interesse mehrerer italienischer Klubs, doch der MSV lehnte einen möglichen Wechsel strikt ab.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 82 Eine Besonderheit der Vizemeistermannschaft war die Tatsache, dass neun Spieler – darunter Krämer – aus dem Duisburger Ortsteil Meiderich stammten und dort aufgewachsen waren.Klaus Hoeltzenbein (Hrsg.): 15:30. Die Bundesliga. Das Buch. Süddeutsche Zeitung Edition, 1. Auflage, München 2013, ISBN 978-3-86497-027-6, S. 29 Sie kannten einander größtenteils bereits seit ihrer Kindheit.Kees Jaratz: “Tradition ist nicht das Anbeten der Asche” – Wildberg und Jaratz im Gespräch – Teil 1, zebrastreifenblog.wordpress.com, 8. August 2013. Abgerufen am 12. April 2016.
Eine von Ulrich Merk und André Schulin verfasste Chronik der Spielzeit 1963/64 weist den Meidericher gemäß einem Notensystem als besten Bundesligaspieler dieses Jahres aus.Ulrich Merk, André Schulin: Bundesliga Chronik: Triumphzug der Geißböcke. Kassel 2004, S. 180ff. Ebenso wurde Krämer vom Kicker-Sportmagazin in dessen Rangliste des deutschen Fußballs ab 1963 regelmäßig unter den besten Halbstürmern des deutschen Fußballs aufgeführt. Beim Meidericher SV blieb er einer der Leistungsträger, wobei die Mannschaft nicht an die Vizemeistersaison anknüpfen konnte und sich im Tabellenmittelfeld einordnete. Er selbst konnte mit 13 Toren und 15 Vorlagen seine Werte aus der Spielzeit 1963/64 dagegen noch übertreffen. Darunter waren zwei Treffer, die er am 26. März 1966 beim 9:0-Auswärtssieg gegen Tasmania Berlin erzielte; jenes Spiel stellt den höchsten Auswärtssieg der Bundesligageschichte dar.Kristina Jäger: Vor 50 Jahren stellten die "Zebras" Allzeit-Rekord auf, RevierSport, 26. März 2016. Abgerufen am 12. April 2016. Im DFB-Pokal 1965/66 gelang Meiderich der erstmalige Einzug ins Endspiel, in welchem die Ruhrgebietsmannschaft in Frankfurt am Main auf den FC Bayern München traf. Krämer bestritt das Finale als MannschaftskapitänErinnerungen an das Pokalfinale 2011: Berliner Nachthimmel, msv-duisburg.de. Abgerufen am 12. April 2016. und blieb bei der 2:4-Endspielniederlage ohne eigenen Treffer. Durch die Niederlage belegte er nach der Vizemeisterschaft 1964 mit dem MSV nun auch im Pokal den zweiten Platz. In der Spielzeit 1966/67 wurde er mit seiner Mannschaft Tabellenelfter und fiel selbst für einige Wochen verletzungsbedingt aus.Dagmar Dahmen, Hermann Kewitz, Bernd Bemmann: MSV Duisburg – die Chronik: wo Meiderich siegt … . Duisburg 2005, S. 92 Den Verein, der im Januar 1967 durch die Ergänzung des Stadtnamens in MSV Duisburg umbenannt wurde, verließ Krämer zur Sommerpause 1967 nach insgesamt 20 Jahren und schloss sich dem ebenfalls in der Bundesliga antretenden Hamburger SV an.
Zwischenstation in Hamburg (1967–1969)