mini|Te Kura Kaupapa Maori o Nga Mokopuna
Kura Kaupapa Māori sind māori-sprachige Immersionsschulen (kurz Kura) in Neuseeland, die in ihrer Konzeption und Praxis die kulturellen Werte der Māori widerspiegeln.
Sie zielen auf eine Wiederbelebung der Sprache, des Wissens und der Kultur der Māori. Der Begriff Kaupapa Māori wird von den Māori für jeden von Māori geschaffenen Aktionsplan verwendet, der Bestrebungen, Prinzipien und Werte der Māori zum Inhalt hat.
Geschichte Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von der Regierung Schulen für Māori geschaffen, die nach positiven Erfahrungen in Whatuwhiwhi auch mit Māori als Schulleiter besetzt wurden. Hier war jedoch das Ziel, der einheimischen Bevölkerung europäische Werte zu vermitteln, nicht deren eigene Sprache und Kultur zu fördern, sie können daher nicht als Vorgänger der Kura angesehen werden.
Die Kura Kaupapa Māori- Schulen wurden infolge eines Berichtes aus dem Jahr 1971 errichtet. Darin berichtete Richard Benton, dass die Sprache der Māori in einem kritischen Zustand nahe dem Aussterben sei. In den 1980er Jahren waren die Māori-Gemeinden „so betroffen vom Verlust an Sprache, Wissen und Kultur der Māori, dass sie die Angelegenheit selbst in die Hand nahmen und ihre eigenen Bildungseinrichtungen mit Vorschule, Grundschule, weiterführenden Schulen und höheren Bildungseinrichtungen schufen.“ (G Smith 2003:6-7)
Die Gründung von Kohanga Reo, māori-sprachigen Vorschuleinrichtungen, löste eine Reihe von Bildungsinitiativen durch Māori aus. Anfänglich standen diese außerhalb des staatlichen Erziehungswesens. Der Bedarf an māorisprachigen Grundschulen entstand, da die Eltern befürchteten, ihre Kinder würden beim Übergang aus den Kohanga Reo in die (englischsprachigen) Grundschulen ihre Sprachkenntnisse schnell vergessen. So sind die Kura Kaupapa Māori nur ein Teil einer Reihe von Bemühungen der Māori zu sehen, ihre Sprache zu stärken, ihre kulturelle Identität zu bestätigen und die Gemeinden zu ermutigen, sich dabei zu beteiligen (G Smith 2003:8-11).
Die Te Kura Kaupapa Māori o Hoani Waititi in Henderson in West-Auckland wird allgemein als die erste Kura Kaupapa Māori angesehen. Sie wurde 1985 gegründet.Te Runanga Nui o nga Kura Kaupapa Māori o Aotearoa – Including Te Aho Matua into s155 of the Education Act, 1989. Eine Eingabe an den Associate Minister of Education, 29. September 1998.
1987 wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die ein alternatives Schulmodell untersuchen sollte, das den Bestrebungen der Māori-Gemeinden in Neuseeland besser gerecht werden sollte. Diese Gruppe bestand aus Katerina Mataira, Pita Sharples, Graham Smith, Linda Smith, Cathy Dewes, Tuki Nepe, Rahera Shortland, Pen Bird und Toni Waho. Die Gruppe gab sich den später beschriebenen Leitfaden Te Aho Matua mit Grundprinzipien für den Betrieb einer Kura Kaupapa Māori.
Die Kura Kaupapa Māori begannen nur langsam Fuß zu fassen. Es brauchte fünf Jahre, um für die erste Kura Kaupapa Māori eine Regierungsfinanzierung durchzusetzen. Von 1985 bis 1995 mussten nahezu alle Kura anfangs irgendwo unterkommen, wo die Kinder für wenig oder keine Miete untergebracht werden konnten. Die Eltern sammelten Spenden, um die Kura zu finanzieren, bis die Regierung die Schule offiziell anerkannte und finanzierte.
Die Kura feiern daher zwei, manchmal drei Jahrestage: das Gründungsdatum, das Datum, an dem die Schule staatlich anerkannt wurde und den Bezug fester Schulgebäude. Die Te Kura Kaupapa Māori o Te Kotuku in Te Atatu in Auckland wurde beispielsweise von den Eltern 1993 gegründet und 2002 als staatliche Schule anerkannt.Education Amendment Bill — In Committee "Parliament Hansard Volume:630, S. 2630 – Dr Pita Sharples" 2. Mai 2006.
Gesetzgebung 1987 war eine der Empfehlungen von Picots Bericht "Tomorrow's Schools" eine umfassende Reform des neuseeländischen Schulwesens. Diese umfasste auch die Empfehlung an die Regierung, dass die Māori in die Lage versetzt werden sollten, ihre eigenen Schulen einzurichten und zu betreiben. Deshalb wurde der Education Act (Bildungsgesetz) von 1989 um einen Abschnitt 155 erweitert, der dem Bildungsminister aufgibt, diese staatlichen Schulen in der New Zealand Gazette offiziell als eine Kura Kaupapa Māori zu annoncieren. Dieser Anhang erhielt am 16. Juli 1999 mit dem "(Te Aho Matua) Amendment Act" Gesetzeskraft.
Trotz dieses Gesetzeszusatzes waren viele Kura-Gemeinden unzufrieden, da der Zusatz den einzigartigen Charakter der Kura nicht adäquat definiere und gesetzlich schütze.
Auf Anregung von Te Runanga Nui setzte der Minister of Māori Affairs und Associate Minister of Education, Tau Henare durch, dass ein weiterer Anhang mit den Prinzipien des Te Aho Matua ebenfalls normativen Charakter bekam.
Der Te Aho Matua-Gesetzeszusatz machte es zur Pflicht, dass die Kura Kaupapa Māori den Prinzipien des Te Aho Matua folgen. Er anerkannte Te Runanga Nui o nga Kura Kaupapa Māori als die kaitiaki (Wächter, Fürsorger und Architekten), als geeignetste Einrichtung den Inhalt des Te Aho Matua festzulegen und sicherzustellen, dass es nicht zum Nachteil der Māori geändert würde."Parliamentary Counsel Office, Section 155, Education Act 1989" 6. Juni 2008."Education (Te Aho Matua) Amendment Act, 1999" 6. Juni 2008.
Nach Graham Smith, soll diese Charta "Leitlinien für Exzellenz in Māori bieten, das heißt was eine gute Māori-Erziehung beinhalten sollte. Sie erkennt auch die Kultur der Pākehā (Europäer) und Fähigkeiten an, die von Māori-Kindern benötigt werden, um voll und auf jeder Stufe an der modernen neuseeländischen Gesellschaft teilzuhaben" (frei übersetzt nach: G Smith 2003:10).
Die Leitprinzipien "Te Aho Matua" (sinngemäß etwa: "der rote Faden") Die in der Sprache der Māori verfassten Te Aho Matua o nga Kura Kaupapa Māori"Official version of Te Aho Matua o nga Kura Kaupapa Māori and English explanation" (PDF; 111 kB) 6. Juni 2008. sind die Grundprinzipien, die die Kura Kaupapa Māori einhalten müssen. Sie basieren auf Werten, Glaubensvorstellungen und Bräuchen der Māori. Am 21. Januar 2008 wurden sie zusammen mit einer englischsprachigen Erläuterung durch Parekura Horomia in der New Zealand Gazette veröffentlicht.
Als die When Te Aho Matua in das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren gegeben wurden, wurde eine weitere englische Erläuterung von Katerina Mataira erstellt.
Te Aho Matua hat sechs Abschnitte: Te Ira Tangata (die Natur des Menschen), definiert die Natur des Kindes als menschliches Wesen mit spirituellen, körperlichen und emotionalen Bedürfnissen Te Reo (Sprache), behandelt die Sprachregelungen und wie die Schulen die Sprachentwicklung ihrer Kinder am besten fördern können. Ngā Iwi (das Volk), fokussiert auf die sozialen Einrichtungen, die die Entwicklung des Kindes beeinflussen, kurz gesagt alle Menschen, mit denen sie interagieren wenn sie dabei sind, einen Sinn und einen Platz in der Welt zu finden Te Ao (die Welt), behandelt die Welt, die die Kinder umgibt und die fundamentalen Wahrheiten, die ihr Leben beeinflussen Ahuatanga Ako (Lernbedingungen), definiert jeden Aspekt des Lernens, den die Whānau als wichtig für die Kinder ansieht und die Anforderungen des nationalen Lehrplanes Ngā Tino Uaratanga (Grundwerte), fokussiert auf den Nutzen, den die Kinder von der 'Kura Kaupapa Māori' haben sollen und die Eigenschaften, die sie in den Kindern entwickeln sollen.
Te Runanga Nui (Nationale Körperschaft) Im Jahre 1993 bat Uru Gardiner, Schulleiter der Te Kura Kaupapa Māori o Te Ati Hau Nui A Paparangi wichtige Architekten der Kura Kaupapa Māori-Bewegung, Wanganui zu besuchen. Ihre kura whanau (Eltern und Großfamilie der Schulgemeinde) suchten Rat bei der Gründung einer Kura. Als die Māori-Gemeinden in Neuseeland von diesem Treffen erfuhren, fragten sie, ob sie ebenfalls teilnehmen könnten. Infolgedessen wurde 1993 im Kawhaiki-marae am Whanganui River eine Organisation namens Te Runanga Nui o Nga Kura Kaupapa Maori o Aotearoa (allgemein bekannt als Te Runanga Nui) gegründet. Bei der Versammlung wurde Pita Sharples Gründungspräsident der Organisation.
Te Runanga Nui ist die nationale Körperschaft der Kura Kaupapa Māori Te Aho Matua-Gemeinden. Die Gesellschaft hält gewöhnlich am letzten Märzwochenende eine Jahreshauptversammlung an wechselnden Orten in Neuseeland ab. Diese finden größtenteils in der Sprache der Māori statt. Der Zweck der Organisation ist die Unterstützung der Kura Kaupapa Māori whanau (Großfamilien) in der Umsetzung ihrer Wünsche bei der Schulbildung für ihre Kinder. Sie engagiert sich bei Diskussionen und Verhandlungen mit Regierung, Erziehungsministerium, dem Education Review Office (das die Bildungseinrichtungen bewertet) und anderen Organisationen, die einen Einfluss auf die Kura Kaupapa Māori haben.
Die Organisation teilt sich in zehn geographische Regionen auf und die einzelnen Kura sind jeweils einer dieser Regionen zugeordnet. Diese neun geographischen Regionen der Te Runanga Nui sind Te Hiku (Northland), Tāmaki-makau-rau (Auckland), Tainui (Waikato), Mataatua (Bay of Plenty), Te Puku (Zentrale Nordinsel), Tai-rāwhiti (Ostküste), Taranaki, Te Ati Hau Nui A Paparangi (Süd-Taranaki), Te Upoko o te Ika (Wellington) und Te Waka (Südinsel).
Bei der jährlichen Generalversammlung wählt jede Region einen mangai (Vertreter), der ein Mitglied des Te Runanga Whaiti (Exekutivkomitees) ist. Zwei dicht besiedelte Regionen, Tamaki Makaurau (Auckland) und Te Upoko o te Ika (Wellington) haben zwei Vertreter. Das Te Runanga Whaiti tagt mehrfach im Jahr, gewöhnlich in Auckland, um unterschiedliche Angelegenheiten der kura kaupapa maori zu diskutieren.
Die Organisation wählt auf der jährlichen Hauptversammlung einen tumuaki (Präsidenten). Frühere tumuaki (Präsidenten oder Vorsitzende) von Te Runanga Nui waren: Pita Sharples; Bert McLean, Cathy Dewes, Arni Wainui and Hohepa Campbell. Der derzeitige tumuaki ist Hone Mutu.
Die Organisation unterhält auch ein kleines Sekretariat. Der derzeitige kaitakawaenga (Koordinator) ist Arapine Walker , er wird durch das Te Tari Tautoko (Support-Team) unterstützt.
Typen von Kura Kaupapa Māori Alle Kura Kaupapa Māori sind koedukativ und Teil staatlichen Bildungswesens Neuseelands, das die Schulpflicht umsetzt. Verschiedene Typen von Schulen entstanden vor allem aufgrund verschiedener Möglichkeiten des Bildungsministeriums, sie zu finanzieren und mit Personal zu versehen.
Die Vorschuleinrichtungen, Kohanga Reo sowie Universitäten und Technischen Institute oder Whare Wananga sind nicht Teil der Schulpflicht.
Kura Tuatahi (primary schools / Grundschulen) In Neuseeland gibt es drei Typen von primary schools: full primary, contributing primary und restricted primary. Full primary schools unterrichten die Kinder vom ersten bis 8. Schuljahr, contributing primary schools vom 7.–8. und restricted primary schools entweder vom 1.–6. oder aber vom 7. – 8. Schuljahr. Nur Kinder, die im laufenden Jahr 5 Jahre alt werden, können in diese Schulen aufgenommen werden. Das Alter der Kinder liegt zwischen 5 und 13 Jahren. Die meisten Kinder treten nach Vollendung des 5. Lebensjahres in die kura tuatahi ein, nachdem sie die kohanga reo (māori-sprachige Vorschuleinrichtung) absolviert haben.
Kura Arongatahi (Composite schools) Fast alle kura begannen als full primary school. Die kura arongatahi unterrichten vom 1. bis 15. Schuljahr. Die Kinder sind 5- 18 Jahre alt, obgleich in Neuseeland die Schulpflicht nur bis zum 16. Lebensjahr gilt. Schüler der 11. bis 13. Klasse absolvieren das NCEA (National Certificate of Educational Achievement).
Bevor eine composite school das NCEA vergeben kann, muss die Schule sich jedoch bei der New Zealand Qualifications Authority (NZQA) akkreditieren lassen. Eine kura kann nur dann eine composite school werden, wenn der Erziehungsminister der Umklassifizierung zustimmt. Dieser Prozess kann mehrere Jahre, gewöhnlich aber mindestens 2 Jahre in Anspruch nehmen.