mini|Frank Norris (um 1900) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|Signatur Frank Norris (eigentlich Benjamin Franklin Norris; * 5. März 1870 in Chicago, Illinois; † 25. Oktober 1902 in San Francisco, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Als seine bedeutendsten Werke gelten McTeague (1899) und The Octopus (1901).

Jugend und Studienzeit mini|Frank Norris Elternhaus in San Francisco bis 1894 Der Vater Benjamin Norris wurde mit einem Hüftleiden geboren, sodass er lahmte. Er lernte bei einem Uhrmacher und reiste dann als Uhrenverkäufer und -mechaniker durch das Land, bis er schließlich sein eigenes Geschäft in Chicago eröffnen konnte. Seine Mutter, Gertrude geb. Doggett, war vor der Ehe Lehrerin an einer öffentlichen Schule und hatte beachtliche Erfolge als Bühnenschauspielerin vorzuweisen. Von ihren fünf Kindern überlebten nur Frank und sein neun Jahre jüngerer Bruder Charles das Kindesalter.

Als Frank 14 Jahre alt war, zog die Familie wegen des Hüftleidens des Vaters in das wärmere Klima nach Kalifornien. In San Francisco besuchte er eine Privatschule in Belmont. Seine Mutter förderte sein künstlerisches Talent und 1886 belegte er einen Zeichen- und Malkurs bei der San Francisco Art Association. Von 1887 bis 1889 begleitet ihn seine Familie über London nach Paris, wo er, seiner zeichnerischen Begabung folgend, ein Kunststudium im Atelier Julien in Paris begann. Schließlich kam er zu der Erkenntnis, dass in der Malerei nicht seine Zukunft liege und er sich lieber der Literatur zuwenden möchte.

Von 1890 bis 1894 studierte Norris Literatur an der University of California, Berkeley, die er jedoch ohne Abschluss verließ, weil er in Mathematik versagte. In diesen Jahren erkundete er auch ausgiebig das Nachtleben von San Francisco. An der Uni hatten ihn die Vorlesungen des Zoologen Joseph LeConte fasziniert, der die Evolution des Menschen von seiner brutalen animalischen Natur mit den christlichen Werten in Einklang bringen wollte, d. h. die langsame Aufspaltung des Lebens in viele verschiedene Arten durch Anpassung (Darwinismus).

Nach der Scheidung seiner Eltern 1894 schrieb er sich an der Harvard-Universität ein; seine Mutter zog in die Nähe nach Cambridge. Er belegte den Kurs Literarische Komposition bei Lewis E. Gates, der ihm empfahl, die Werke von Émile Zola und des französischen Naturalismus zu lesen. Während dieser Zeit skizzierte er auch erste Entwürfe für McTeague und Vandover and the Brute.

Norris war einer der Schriftsteller, die sich im San Francisco's Bohemian Club trafen, den ein Mitarbeiter des San Francisco Chronicle gegründet hatte. Bohemian Club in San Francisco American Heritage Außerdem gehörte er einer kleinen Gruppe von Künstlern und Bohemiens an, die sich „Les Jeunes“ nannten und aus der Mittel- und Oberschicht San Franciscos stammten.

Als Journalist und Schriftsteller mini|Norris (Foto von A. Genthe) Norris ging zurück nach San Francisco und reiste für den San Francisco Chronicle 1896 nach Südafrika, um über die dortige Lage zu berichten. Hierbei geriet er in den Jameson Raid (Aufstand) in Johannesburg und wurde mehrere Wochen im Gefängnis festgehalten. In der Haft erkrankte Norris an tropischem Fieber und wurde später des Landes verwiesen.

Zurück in Kalifornien und schrieb er literarische Beiträge für die Zeitschrift The Wave. Unter dem Namen The Del Monte Wave war die Zeitschrift 1888 von Ben C. Truman gegründet worden, um Werbung für das neu erbaute Del Monte Hotel der Southern Pacific Railroad in Monterey zu machen.Hotel Del Monte (PDF; 6,6 MB) Inzwischen war John O’Hara Cosgrave Eigentümer und Herausgeber der Zeitschrift geworden und er förderte Norris, indem er 1896–98 viele von Norris’ Kurzgeschichten veröffentlichte. 1898 wurde Norris erster Roman Moran of the Lady Letty in vier Folgen von Januar bis April in The Wave veröffentlicht. Cosgrave übernahm 1900 das Everybody’s Magazine und blieb Norris weiterhin zugetan.Everybody’s Magazine

Nach zwei Jahren bei der Wave war Norris, der junge Lebemann, müde geworden, weiterhin einer jener „Gecken“ zu sein, die elegante Pacific Heights Dinner-Partys besuchten, die er später in seinen Romanen verspotten sollte. Er nahm Urlaub und besuchte 1897 die „Big Dipper Mine“ in der Nähe von Colfax, ein Goldgräber-Lager in den Sierras, um Material für die Fertigstellung von McTeague, seinem Märchen von Gold und Gier, zu sammeln. Der Lagerleiter war ein Bruder aus der Studentenverbindung, den er später in der Person von Annixter in seinem Roman Octopus beschrieb.

1898 erhielt er ein Schreiben von John S. Phillips, einem Mitglied des Verlags Doubleday & McClure Company in New York, der seine Serie von Moran gelesen hatte und ihn nach New York City einlud. Phillips stellte ihn auch als Leser von eingehenden Manuskripten bei Doubleday ein. In dieser Funktion empfahl er Theodore Dreisers Erstlingswerk Sister Carrie zur Veröffentlichung. Das McClure’s Magazine veröffentlichte im Dezember 1898 seine Erzählung Miracle JoyeuxMiracle Joyeux by Frank Norris, S. 154–160 McClure’s Magazine, Ausgabe Dezember 1898. und im März 1899 This Animal of a Buldy Jones„This Animal of a Buldy Jones“ by Frank Norris, S. 438–441 McClure’s Magazine, Ausgabe März 1899.

Für das McClure’s Magazine reiste Norris 1899 als Kriegsberichterstatter über den Spanisch-Amerikanischen Krieg nach Kuba und erlitt hier wiederum einen Malaria-Anfall.

Nach Moran and the Lady Letty veröffentlichte Doubleday in schneller Folge Blix, A Man’s Woman und schließlich McTeague. Nun konnte Norris mit der Arbeit an seinem Epos des Weizens, einer Trilogie über das uramerikanische Thema des Weizens (The Octopus, The Pit). Vor Vollendung des dritten Teils Wolf starb Norris 1902 an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs und einer Bauchfellentzündung, die sich durch einen neuerlichen Anfall des tropischen Fiebers verkompliziert hatten.

Die Romane und Erzählungen Moran of the Lady Letty In Moran of the Lady Letty (Copyright 1899 by Doubleday & McClure) wird der junge, reiche Ramon Laredo entführt und muss auf einem Schiff von skrupellosen Schmugglern arbeiten. Sie treffen auf die sinkende Lady Letty und können einige Mitglieder der Mannschaft retten. Unter den Überlebenden ist Letty „Moran“ Sternerson, die temperamentvolle Tochter des Kapitäns der Letty. Moran und Ramon können sich eigentlich nicht leiden. Als jedoch sein böser Kapitän Jack Kitchell ein Auge auf sie wirft, wird Ramon zu ihrem Retter. Einige Kapitel seines Romans Moran las Norris Kapitän Joseph Hodgson vor, der in Presidio bei der United States Life Saving Station arbeitete und ihm bei nautischen Fachausdrücken und der richtigen Seemannschaft eine große Hilfe war. Norris nahm ihn als Vorbild für die Figur des Captain Jack in diesem Roman.Charles Gilman Norris: Frank Norris, 1870-1902

Blix In seinem Roman Blix (Copyright 1899 by Doubleday & McClure) ist die Hauptfigur Conde Rivers, ein einfacher Mann, der für die Sonntagsbeilage einer Zeitung in San Francisco schreibt. Er trifft Travis Bessemer, ein 19-jähriges Mädchen, das vor dem Frausein steht. Sie werden enge Freunde und Conde besiegelt sein Schicksal, als er Travis seine Liebe gesteht. Es stellt sich heraus, dass sie ihn nicht liebt und er sie im Grunde auch nicht – zumindest sagen sie das. Nach diesem gegenseitigen Geständnis erleben sie dennoch gemeinsame Abenteuer, die alle ziemlich erfunden sind. So heilt Travis ihn von seiner Spielsucht, indem Conde nur mit ihr spielt. Die Geschichte ist die leichteste, romantischste und trivialste seiner Werke.“All Wheat and No Chaff”: Frank Norris’ “Blix” and Willa Cather’s Literary Vision Mary R. Ryder. American Literary Realism, 1870–1910 Vol. 22, No. 1 (Fall, 1989), S. 17–30. Dieser Roman soll autobiografische Züge tragen, denn er begegnete in dieser Zeit der damals 17-jährigen Jeanette Black, seiner späteren Ehefrau.

McTeague – a story of San Francisco Dass sich der 1897 gerade gegründete Verlag Doubleday & McClure Company in New York 1899 dafür entschied, McTeague – a story of San Francisco zu veröffentlichen, ist geradezu überraschend.

Auch wenn William Dean Howells in der Buchbesprechung des Atlantic Monthly „die kleinen Wunder der Beobachtungen“ pries und Willa Cather McTeague als wahrhaftige Studie des amerikanischen Lebens durch die Anpassung an den Stil von Émile Zola pries, galt Norris bei den anderen Kritikern als Autor eines perversen, schmutzigen Buches.

Vulgär, grauenvoll, ekelhaft, schmutzig, abstoßend, übel waren die typischen Bezeichnungen, mit denen amerikanische und englische Kritiker auf McTeague reagierten, so wie sie es zwei Jahrzehnte zuvor mit Émile Zolas Verletzungen der anglo-amerikanischen Tabus getan hatten. Ihre Gründe werden sofort beim ersten Lesen deutlich. Wörter, die bisher in der Literatur nicht vorkamen, erscheinen hier, wie z. B. urinieren, oder ‚die Heldin unterliegt einem Brechreiz und übergibt sich‘ oder dass ihre Geschwister vom Vater missbraucht werden. Norris beschreibt in McTeague offen die männliche und weibliche sexuelle Erregung. Solche Szenen waren nicht druckreif, sodass Norris sich gezwungen sah, sie vor der dritten Auflage 1899 umzuschreiben. Der englische Verleger Grant Richards informierte Doubleday & McClure, dass sie das Buch nicht vermarkten würden, bevor eine Literaturzensur stattgefunden habe. Richards war unerbittlich und es sollte bis 1941 dauern, bis ein Verleger den Text in der Originalversion von McTeague wieder herstellte.Frank Norris: McTeague. Dedicated to L. E. Gates of Harvard University. Introd. by Henry S. Pancoast. The Modern Library of the World Best Books. Boni & Liveright, New York 1899 Kapitel VIII – XI der Ausgabe wurden entfernt.

Die Anstößigkeit von McTeague spiegelt sich in der Tatsache wider, dass die Literaturverfilmung von Erich von Stroheim unter dem Titel Gier 1924 noch als „schmutziger Film“ beurteilt wurde.‘Frank Norris’ By Joseph R. McElrath JR. and Jese S. Crisler. In: The New York Times, 1. Januar 2006.

Vandover and the Brute Norris bot Vandover and the Brute kurz nach der Veröffentlichung von McTeague wiederum Doubleday & McClure an. Diese lehnten das Manuskript jedoch ab, ebenso wie etwas später William Heinemann in London. Verzweifelt, dass es nicht gedruckt wurde, begann Norris, einige Szenen daraus für andere Erzählungen zu verwenden.

Den Großteil seines Romans Vandover and the Brute schrieb Norris, als er 1894–1895 Student in Harvard war, mit der Absicht, einen Aspekt des Studentenlebens zu beschreiben. Die Handlung war jedoch inakzeptabel für den Geschmack der Jahrhundertwende. Als das Buch schließlich 1914 doch erschien, erklärte ein Kritiker des Bookman, dass „es hätte ausschließlich für den privaten Umlauf herausgebracht werden sollen“. Die Geschichte spielt in San Francisco in den 1890er Jahren. Vandover, frisch von der Uni und der Sohn eines wohlhabenden Besitzers von Mietshäusern, träumt davon, ein Künstler zu werden, aber es mangelt ihm an Disziplin. Er driftet in ein ausschweifendes Leben von Laster, Prostitution, Müßiggang und Maßlosigkeit. Seine Verführung einer jungen Frau führt zu deren Selbstmord und dem Tod seines eigenen Vaters. Von falschen Freunden um einen Teil seines Erbes betrogen, verspielt Vandover den Rest. Um seine Freunde zu unterhalten, hat er manchmal einen Wolf imitiert, aber jetzt, da sein Charakter schwächelt, identifiziert er sich immer mehr mit dem Wolf und fühlt das „Biest“ in sich. Schließlich, gebrochen an Leib und Seele, wird er zum Penner reduziert, der die Mietshäuser reinigt, die er einst besaß. Seine Degeneration beschreibt Norris durch Anfälle von Lykanthropie, während derer er nackt, auf allen vieren kriechend und heulend wie ein Wolf, herumläuft.Vandover and the brute. Verlag: Doubleday, Page & Company, Garden City, New York 1914 Mit einem Vorwort von Charles Gilman Norris über das Auffinden des Manuskripts.

A Man’s Woman