Rittersgrün ist ein Ortsteil der Gemeinde Breitenbrunn/Erzgeb. im sächsischen Erzgebirgskreis. Die Streusiedlung mit etwa 1600 Einwohnern entstand um mehrere Hammerwerke, die vom 15. bis zum 19. Jahrhundert am Lauf des Pöhlwassers betrieben und mit Erzen aus zahlreichen umliegenden Bergwerken beliefert wurden. Durch ihre Lage an einem wichtigen Erzgebirgspass wurde die Siedlung im Dreißigjährigen Krieg wiederholt von durchziehenden Söldnern geplündert. Nach dem Niedergang des Hammerwerkswesens Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte der Betrieb von Pappen- und Sägewerken die Wirtschaft der Gemeinde. 2007 wurde Rittersgrün nach Breitenbrunn/Erzgeb. eingemeindet. Heute ist Rittersgrün vor allem als Ausflugs- und Wintersportort bekannt. Zu den Hauptanziehungspunkten zählen das Sächsische Schmalspurbahnmuseum und ein gut ausgebautes Wanderwegenetz.
Geographie Geographische Lage Rittersgrün erstreckt sich von Nordwest nach Südost im Tal des Pöhlwassers, etwa sieben Kilometer südlich der Großen Kreisstadt Schwarzenberg, in einer Höhe von bis zu 820 Metern. Am seit dem 16. Jahrhundert rege genutzten Rittersgrüner Pass gelegen, wird die Siedlung im Westen vom 792 Meter hohen Hirtenberg und der sich im Süden anschließenden Kohlung, im Osten vom 700 Meter hohen Sonnenberg und dem 836 Meter hohen Ochsenkopf flankiert. Durch den Ort führt die Staatsstraße 271 von Raschau nach Oberwiesenthal, in die im Ort eine Verbindungsstraße aus dem etwa 2,5 Kilometer entfernten Breitenbrunn einmündet. Südlich der Ortsflur verläuft die Grenze nach Tschechien, über die Grenzübergänge für Skiwanderer, Fußgänger und Radfahrer führen.
Siedlungsform Rittersgrün ist keines der für das Erzgebirge typischen Waldhufendörfer, da der felsige Untergrund kaum Landwirtschaft zuließ. Den Ausgangspunkt für die Besiedlung des Talabschnitts bildeten die am Pöhlwasser gelegenen Hammerwerke. Während die Wohnhäuser auf der linken Seite des Flusses zumeist entlang der S 271 gruppiert sind, bildet die Streusiedlung auf dem Hammerberg oberhalb des früheren Rothenhammers den Siedlungskern auf der gegenüberliegenden Seite.
Gemeindegliederung mini|hochkant=0.5|Rittersgrün 1791: Streusiedlung entlang des Pöhlwassers Die politische Gemeinde Rittersgrün entstand erst 1856 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Oberrittersgrün, Unterrittersgrün und Rothenhammer Rittersgrün im Gerichtsamt Schwarzenberg. Die vermutlich im 17. Jahrhundert entstandene Häusergruppe Ehrenzipfel gehörte schon immer zu Rittersgrün. 1921 ging der zuvor eigenständige Gutsbezirk Arnoldshammer an Rittersgrün. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war Oberglobenstein eingemeindet worden, 1978 ging ganz Globenstein an Rittersgrün. Es folgte 1994 Tellerhäuser mit dem Ortsteil Zweibach. Gemeinderechtlich werden heute nur Rittersgrün und Tellerhäuser als Ortsteile von Breitenbrunn bezeichnet.
Geologie Rittersgrün liegt im Südwesten des im Paläozoikum entstandenen Erzgebirges, wenige Kilometer von der höchsten Erhebung Sachsens, dem Fichtelberg, entfernt. Die Erzvorkommen rings um Rittersgrün bildeten die Grundlage für die bergbauliche Entwicklung der Gemeinde. In den Gruben bei Ober- und Niederglobenstein wurden Magnetit-Skarne mit Zinngehalten und Buntmetall-Magnetit-Skarne in andalusitführenden Muskovit-Schiefern abgebaut. In einem Waldstück des Hirtenberges förderte man Magneteisenerz, Zinkblende und Kalkstein. Der Hang des Hirtenberges ist mit bewaldeten und mit Wiesen bewachsenen Verwitterungsböden von hellem Glimmerschiefer bedeckt. Im Rothen-Adler-Stollen im südöstlichen Bereich der als Hammerberg bezeichneten Siedlung oberhalb des Rothenhammers wurde aus ursprünglichem Magneteisenstein hervorgegangener Roteisenstein abgebaut, es traten außerdem Pyroxen, Kalkspat, Flussspat und Braunspat auf. Den Gipfel des Ochsenkopfes bilden mächtige Glimmerschieferfelsen. Am Sonnenberg wurde auf einem Buntmetall-Skarn mit Magnetitführung und Zinngehalten gebaut. Zu den Erzmineralien zählten Zinkblende, Kupferkies, Magnetkies und Magneteisenerz.
Klima Durch seine Höhe liegen die Temperaturen in Rittersgrün ganzjährig unter denen der tiefergelegenen Gemeinden der Umgebung. In den Wintermonaten sind die höhergelegenen Bereiche von Rittersgrün oft längere Zeit schneebedeckt. Die Niederschlagsmenge liegt mit 1024,4 mm im jährlichen Mittel etwa auf dem Niveau von Oberwiesenthal (1058,7 mm), deutlich über den Werten der benachbarten Stadt Schwarzenberg (871,3 mm) und erheblich über den Werten der sächsischen Großstädte Dresden (583,7 mm) und Leipzig (584,6 mm)., abgerufen am 10. Mai 2009. Wegen der trockenen Luft in der von dichtem Wald umgebenen Gegend war Rittersgrün in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Höhenluftkurort. Das Jahrhunderthochwasser im August 2002, bei dem das Pöhlwasser an vielen Stellen über seine Ufer trat, verursachte erhebliche Schäden. Rittersgrün wird vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie als Teil eines Hochwasserentstehungsgebietes des Schwarzwassers geführt, das durch geringe Wasserversickerung, geringe Wasserrückhaltung, hohes Geländegefälle, Starkniederschläge und Schneeschmelze charakterisiert wird.Sylvia Walther (Sächs. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie): Bei einem Tornado, der am 13. August 2003 von Rittersgrün nach Pöhla durch das Pöhlwassertal zog, wurden mehrere Bäume entwurzelt und Fahrzeuge beschädigt.Michel Oelschlägel: 14. August 2003 Superzelle (Frontgewitter.de), abgerufen am 10. Mai 2009. Durch einen weiteren Tornado Ende Juli 2005 traten in einem Forstgebiet bei Tellerhäuser erhebliche Bruchschäden ein, die die Rodung des betroffenen Bereichs zur Folge hatten.
Geschichte Hammerwerke als Grundlage der Besiedlung mini|Arnoldshammer um 1850, zeitgenössischer Stich mini|Blick auf den Hammerberg mini|Kirche und Pfarrhaus: Umbau aus dem Escherschen Hammerwerk mini|Rittersgrün mit Kirche und Fabrikgebäude von Junghans Söhne (1906) Im Mittelalter bildete das Pöhlwasser die Grenze zwischen der Herrschaft Schwarzenberg und den östlich davon gelegenen Besitzungen der Herren von Schönburg. Entlang des Baches lag der Rittersgrüner Pass, der den Erzgebirgskamm querte und für Chronisten Indiz für eine frühe Besiedlung der Gegend war. So feierte man im Jahr 2000 das 750-jährige Bestehen von Rittersgrün.Frank Siegel: 750 Jahre Rittersgrün. Programm und Information. Aue 2001. Dass tatsächlich bereits im 13. Jahrhundert eine Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde bestanden hat, ist zweifelhaft und nicht zu belegen. Vermutlich steht die erste Besiedlung des späteren Rittersgrüns in engem Zusammenhang mit der Anlage eines Hammerwerks am Pöhlwasser im 15. Jahrhundert. Johann Paul Oettel berichtet 1748 von „Jacob Kleinhempels, der ohngefehr 1440. auf dem Hammer zu Rittersgrün gewirthschafftet“.Johann Paul Oettel: Alte und neue Historie der Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächßl. freyen Berg-Stadt Eybenstock, in Meißnischen Ober-Erz-Gebürge. Schneeberg, Fulden, 1748, S. 293 Ob dieses Hammerwerk und die dazugehörenden Gebäude bereits einen Namen trugen, ist nicht bekannt. Erst 1534 wurde Rittersgrün als Bezeichnung für das erste Haus auf der linken Seite des Pöhlwassers in einer Steuerliste des Amtes Schwarzenberg urkundlich erwähnt. Woher die Bezeichnung Rittersgrün stammte und ob sie eventuell für die rechte Bachseite in Gebrauch war, lässt sich auf Grund der schlechten Quellenlage nicht bestimmen. Wenige Jahre später entstanden zwei neue Hammerwerke am rechten Ufer des Pöhlwassers. Hans Schwarz, der Bürgermeister von Annaberg, ließ an der Stelle der heutigen Kirche einen „neuen Hammer, am Behlwasser mit einem Renwergk“Schönburgisches Erbbuch de ao. 1559 (Staatsarchiv Chemnitz, Bezirkssteuereinnahme Annaberg, Best. 30346, Nr. 143) errichten. Die Angabe „Undt seint daruber drey wüste Hammerstede und darunter auch eine“ lässt den Schluss zu, dass bereits vorher ein reger Eisenverarbeitungsbetrieb im Gange war. Etwas weiter flussabwärts entstand der Hammer von Hans Kleinhempel, vermutlich an der Stelle des von Oettel genannten Hammerwerks Jakob Kleinhempels.Jonny Hielscher: „Neue Erkenntnisse zu alten Hammerwerken“, in: Amtsblatt der Gemeinde Breitenbrunn/Erzgebirge, Nr. 6/2009, S. 15f. Dieser blieb, nach einem späteren Besitzer Arnoldshammer benannt, bis ins 20. Jahrhundert ein eigenständiger Gutsbezirk. Ende des 16. Jahrhunderts verlegte der Hammerherr Nikolaus Klinger einen Hochofen nach Rittersgrün und bildete damit die Grundlage eines weiteren Hammerwerks, das nach seinem Schwiegersohn und Nachfolger Rudolph von Schmertzing als Schmertzingischer Hammer bezeichnet wurde.
Es ist anzunehmen, dass die ersten Siedler wegen der Arbeit in den Hämmern nach Rittersgrün kamen und sich in deren Umkreis niederließen. Eine frühere Besiedlung des Gebietes ist unwahrscheinlich, weil das raue Klima und der felsige Untergrund kaum Ackerbau zuließen und damit weder Lebensgrundlage noch Anziehungskraft boten. Während über die frühe Geschichte der rechten Seite des Pöhlwassers wenig bekannt ist, ist die Besiedlung der gegenüberliegenden Flussseite besser dokumentiert. Der erste Siedler, der sich auf dem Gebiet links des Pöhlwassers, das in Anspielung auf seine Zugehörigkeit zum damaligen Amt Schwarzenberg noch heute als Amtsseite bezeichnet wird, niederließ, war der Breitenbrunner Nisius Lebe, der 1534 dort sein Haus errichtete. 1536 heißt es in einer Steuerliste „Rittersgrun Ist ein Heuslen“. 1560 waren bereits elf Häuser gebaut und eine kleine Siedlung entstanden.Gerhard Lang: Rittersgrün im Wandel der Zeit. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1993, S. 6 ff.
Höhepunkt der Eisenverarbeitung im 17. Jahrhundert Anfang des 17. Jahrhunderts hatte die Rittersgrüner Eisenverarbeitung ihren Höhepunkt erreicht. Auf einem Öder-Blatt von ca. 1610 werden flussabwärts die folgenden Anlagen genannt: „Nicol Klingers Erben Zehnhammer“ oberhalb des Zusammenflusses von Mückenbach und Pöhlwasser, „der Klingerische Erben hohe ofen“ an der Stelle des späteren Schmertzing’schen Hammers, „Paul Eschers hohe ofen“ an der Stelle der späteren Fabrik Junghans und Söhne, „Paul Eschers Hammer“ an der Stelle der heutigen Kirche und als vermutlicher erster Siedlungskern „Caspar Arnolts Hammer“. 1617 wurde der Eschersche Hammer durch Wasser und Feuer schwer beschädigt und 1633 durch die kaiserlichen Truppen des Generals Heinrich von Holk, die den Rittersgrüner Pass als Weg von Böhmen nach Sachsen und zurück nutzten, wie alle Rittersgrüner Eisenverarbeitungsanlagen zerstört. Während die Hammerwerke von Arnold und von Schmertzing wieder aufgebaut und in Betrieb gesetzt wurden, blieb der Eschersche Hammer wüst. Im August 1661 fügte ein Hochwasser den beiden verbliebenen Hammerwerken erneut schwere Schäden zu. 1670 ließ sich Hannibal von Schmertzing den Bau von 17 Häusern für seine Arbeiter und die Erbgerichtsbarkeit über die Siedlung genehmigen. Wenige Jahrzehnte später hatte sich die Zahl der Gebäude auf dem Hammerberg oberhalb des Schmertzing’schen Hammerwerks mehr als verdoppelt. Die rasche Bevölkerungszunahme, die nicht zuletzt auf Exulanten aus dem benachbarten Böhmen infolge der dortigen Gegenreformation zurückzuführen ist, veranlasste gegen Ende des 17. Jahrhunderts den Bau einer eigenen Rittersgrüner Kirche.
Krankheiten, Krieg und Hunger im 18. Jahrhundert