Stützengrün, in der lokalen Mundart „Stitzngrie“Interaktives Wörterbuch der erzgebirgischen Mundart Erzgebirgisch.de genannt, ist eine kreisangehörige Gemeinde im sächsischen Erzgebirgskreis mit knapp 3150 Einwohnern.
Geografie Stützengrün liegt im Erzgebirge direkt an der Grenze zum Vogtland. Durch Stützengrün fließt der Weißbach, der direkt in die Eibenstocker Talsperre einmündet.
Gemeindegliederung Dazu gehören neben dem Ortsteil Stützengrün mit den ehemals selbständigen Gemeinden Oberstützengrün und Unterstützengrün die eingemeindeten Orte Hundshübel und Lichtenau. Ferner existiert der Ortsteil Neulehn am Fuße des Kuhbergs, der den Ursprung von Oberstützengrün bildet.
Nachbarorte
Geomorphologie und Natur mini|Stützengrüner Bergwiesen als FFH-Gebiet von europäischer Bedeutung (gelbe Fläche)
Die Gemeinde liegt auf einer hügeligen Hochfläche aus dem Eibenstocker Turmalingranit und erstreckt sich auf einer Höhenlage von 570 bis . Zwischen Ober- und Unterstützengrün liegende langgezogene Bergwiesen wurden von Deutschland als Natura 2000-Gebiet „Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün“ von zusammen 164 Hektar (davon Stützengrün etwa ein Drittel und Schönheide zwei Drittel) der Europäischen Union gemeldet. Sie gehören zum europäischen Natura-2000-Netz.Liste der Fauna-Flora-Habitat-Gebiete in Sachsen (EU-Melde-Nr. DE 5441303) Regelmäßig findet dort ein Bergwiesenfest statt, bei dem auch die frühere Nutzung als Heuwiesen vorgeführt wird. Auch Informationswanderungen auf dem in diesem Bereich angelegten „Bergwiesenerlebnispfad“ werden angeboten.Landschaftspflegeverband Westerzgebirge, abgerufen am 13. September 2015
Geschichte Urkundlich erstmals erwähnt wurde Stützengrün 1546 im Befreiungsbrief von Balthasar Friedrich Edler von der Planitz, dem Sohn von Hans Edler von der Planitz, in dem freie Hutung, niedere Gerichtsbarkeit sowie Brau- und Schankerlaubnis gewährt, aber auch Pflichten wie Dienste auf den Feldern des Grundherrn und bei dessen Jagd sowie jährliche pachtartige Zahlungen auferlegt wurden. Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 332 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Zuvor bereits gab es einige Gehöfte samt einem Brauhaus am Fuße des Kuhbergs, die von der Herrschaft in Auerbach als „Neues Lehen“ vergeben wurden und noch heute den Ortsnamen Neulehn besitzen. Aus Neulehn entstand dann Oberstützengrün. Der Ortsteil Unterstützengrün war noch bis 1950 als Ortschaft mit eigenem Bürgermeister selbständig. Hier datiert die erste Erwähnung in einer Besitzurkunde über ein Mühlengut und einen Waffenhammer des Amtsschössers von Schwarzenberg von 1575.
Am 23. Dezember 1563 wurde Stützengrün durch Ankauf von August von Sachsen kurfürstliches Dorf und gehörte zum Amt Schwarzenberg.Gottfried August Arndt, Archiv der Sächsischen Geschichte, 2. Teil, Leipzig 1785, S. 367 bis 388 (Digitalisat des Kaufvertrages), abgerufen am 24. September 2020 1632 wurde eine Eisengrube erschlossen, die lange Zeit den Charakter des Ortes prägte. Die Bürstenfabrikation entstand um 1830, nachdem der Bergbau zum Erliegen kam. 1712 wurden in Stützengrün zum ersten Mal Kartoffeln angebaut.August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Band 2, Schumann, Zwickau 1815, S. 551 (Digitalisat)
Lichtenau kam bedingt durch die Gemeindegebietsreform am 1. Januar 1996StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996 zu Stützengrün und Hundshübel drei Jahre später am 1. Januar 1999.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
Oberstützengrün mini|Wohnhaus (Kreuzung Schönheiderstraße und Talstraße) Am 24. Oktober 1525 ging die Herrschaft Auerbach, darin waren die Stadt Auerbach und etwa 15 Ortschaften enthalten, in den Besitz des Adelsgeschlechtes derer von der Planitz über. 10 Jahre danach starb Hans Edler von der Planitz, und das Gebiet wurde nun zusammen mit der Herrschaft Göltzsch von Balthasar Friedrich, dem Sohn von Hans von der Planitz, übernommen. Im Jahre 1542 teilten sich die drei Söhne des Hans von der Planitz in das Gebiet der Herrschaft Auerbach. Balthasar Friedrich erhielt die Herrschaft Göltzsch. Zu ihr gehörten Rothenkirchen und die an hohen Wäldern so reiche, sich bis zur Zwickauer Mulde hinauf erstreckende Gebietsfläche. Mit der Zeit kam es zur Ansiedlung in dieser Wildnis. Die „Planitzen“, so wurden die dort lebenden Menschen genannt, drangen in die Wälder vor, machten sie urbar – noch heute heißt ein Talstück „die Reuth“ (von roden) – und errichteten anfänglich vier Höfe am Fuße des Kuhbergs. Nach und nach kamen weitere Anwesen, wohl auch ein Brauhaus hinzu. Dieses von Auerbach aus gegründete „Neue Lehen“, war zweifellos der Grundstock für den heutigen Ortsteil Neulehn. Im Befreiungsbrief vom 20. Januar 1546 räumte Balthasar Friedrich den Höfen gewisse Rechte ein und erkannte sie als geordnete Dorfgemeinschaft zu Stützengrün an, die er zu schützen versprach.
Neben dieser Theorie von Pfarrer Obenaus gibt es noch eine weitere. So meint Martin Leistner in Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock, das Vorderdorf (Oberstützengrün) sei der älteste Teil von Stützengrün, also nicht wie Obenaus, Neulehn. Siegfried Sieber schreibt: „Stützengrün ist als doppelreihiges Waldhufendorf entstanden. Von seinen Gütern ziehen nach beiden Seiten der Straße die dazugehörigen Hufenstreifen bis hin zur Höhe oder zum Wald.“
Die genannten Chronisten begründen ihre Ansicht folgendermaßen: Das Vorderdorf ist eine geschlossene, nach Plan angelegte Waldhufensiedlung, wie sie im Erzgebirge in größerer Anzahl entstanden sind. 1563 gelangte der Ort zusammen mit Schönheide und Neustädtel in den Grundbesitz des sächsischen Kurfürsten August und wurde somit ein Teil des Amtsbezirkes Schwarzenberg. Im Jahre 1687 kam es zur Erneuerung des Befreiungsbriefes von 1546 durch Kurfürst Johann Georg III. Dieser Brief bestätigte alte Rechte und Freiheiten.
Unterstützengrün mini|Gasthaus Stollmühle Völlig unabhängig von der ersten Ansiedlung am Fuße des Kuhberges, dem späteren Oberstützengrün, waren im Weißbachtal, dem späteren Unterstützengrün, ein Waffenhammer und ein Mühlgut aufgrund geringer Vorkommen an Roteisenstein entstanden. Das Gründungsjahr liegt bis heute noch im Dunkeln. Aus einem Aktenstück von 1575 geht jedoch hervor, dass der Besitzer dieses Waffenhammers und Mühlgutes der Amtsschösser von Schwarzenberg gewesen sein könnte. Anschließend wechselten die Besitzer des Waffenhammers mehrmals, der je nach seinem „Produktionsprofil“ auch als Schaufel- bzw. Zainhammer bezeichnet wird. In einer Eingabe des Oberförsters Hans Günther aus Burkhardtsgrün aus dem Jahre 1615 an den Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen wird der Waffenhammer und das Mühlgut als „Unter der Stützengrün“ gelegen bezeichnet.
Mit der Zeit entstand eine immer größer werdende Streusiedlung um Mühlgut und Waffenhammer, die sich schließlich bis zum heutigen Vorderdorf (Oberstützengrün) erstreckte. Die Bewohner unterstanden der Gerichtsbarkeit des jeweiligen Besitzers. In den weiteren Jahren kam es zu einer immer deutlicheren Absplitterung Unterstützengrüns aus der Gesamtgemeinde. Von da an war es nur noch ein winziger Schritt bis zu einem selbständigen Gemeinwesen, das den Namen aus seiner Lage empfing. Aus „Unter der Stützengrün“ wurde Unterstützengrün.
1788 heißt es über Stützengrün: Stützengrün, ein Amtsdorf mit der Bergfreyheit, bey Aue, hat 103 Häuser, ein amtsässiges Mühlenguth (Unter- oder Neu-Stützengrün) und einen Zayn-, Schaufel- und Waffenhammer. Die Einwohner betreiben Ackerbau, Fuhrwerk und einige Handelschaft. Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich-Sächsischen Lande. Bey Joh. Phil. Haugs Witwe. Leipzig 1788, Seite 399 Digitalisat, abgerufen am 22. April 2015 Vereinigung der Gemeinden Dass die beiden heutigen Ortsteile im 19. Jahrhundert getrennte Gemeinden waren, wird auch durch folgendes deutlich: Für die Landtagswahlen wurde im Jahr 1849 Oberstützengrün dem 47. Wahlbezirk (Kirchberg) zugeordnet, während Unterstützengrün zum 48. Wahlbezirk (Eibenstock) gehörte.Verordnung zur Ausführung des provisorischen Gesetzes, die Landtagswahlen betreffend, vom 19. September 1849 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 26stes Stück vom Jahre 1849, S. 201f. Link zum Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
Erste Gedanken zu einer Zusammenlegung beider selbständiger Gemeinden gab es schon im Jahre 1919.
Am 4. Oktober 1935 war eine erneute Beratung im „Schmidt's Gasthof“ anberaumt worden. Zu dieser nichtöffentlichen Versammlung waren alle Gemeinderäte von Unterstützengrün geladen worden. In dem daraus entstandenen Schreiben an die Kreisleitung der NSDAP wurde einstimmig beschlossen, dass Unterstützengrün als selbstständige Gemeinde erhalten bleibt.
Am 2. September 1949 fand eine Sitzung des Vereinigungsausschusses von Oberstützengrün im Gasthof „Stollmühle“ statt. Es stand die Ausarbeitung des Grenzänderungsvertrages auf der Tagesordnung. Am 2. November 1949 wurde der Grenzänderungsvertrag einstimmig von der Gemeindevertretung in Oberstützengrün anerkannt. Der Grenzänderungsvertrag hing 30 Tage in den jeweiligen Gemeindeämtern aus. Einspruch durch die Bevölkerung wurde nicht erhoben. Die Verwaltungszusammenlegung der beiden Gemeinden erfolgte am 28. Dezember 1949. Aus den selbständigen Gemeinden Oberstützengrün und Unterstützengrün wurde am 1. Juli 1950 die politische Gemeinde Stützengrün.Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden, 1952, Herausgeber Ministerium des Innern des Landes Sachsen
Namensherkunft Es gibt mehrere Auffassungen zur Herkunft des Ortsnamens. So schreibt Obenaus in seiner Chronik, dass der Ortsname vom ersten Ansiedler, der Stidizo, Studizo, Stitz oder Stutz hieß, stammt. In der Urkunde von 1546 hieß es auch „Stitzengrün“. Die Endung „-grün“ leitet er von einer Waldlage ab.
Zum anderen heißt Stütz, Stitz im Mittelhochdeutschen so viel wie „steiler Abhang, abschüssige Stelle“. Angesichts der vorherrschenden Geländeformen könnte der Ortsname auch davon hergeleitet worden sein.
Entwicklung der Einwohnerzahlen
Auf Grund der Entstehung der Gemeinde aus den Ortsteilen Ober- und Unterstützengrün wird bis zur Zusammenschließung in den 1950er Jahren die Einwohnerentwicklung getrennt betrachtet.
Oberstützengrün 1557 bis 1946
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Stützengrün von 1834 bis 2016 nach nebenstehenden Tabellen
Jahr Einwohner 1557 23 Besessene Mann, 3 Inwohner 1764 65 Besessene Mann, 8 Häusler 1834 1.234 1871 1.375 1890 1.414 1910 1.603 1925 1.720 1939 1.914 1946 2.063
Unterstützengrün 1792 bis 1946 Jahr Einwohner 1792 58 Häusler 1834 762 1871 708 1890 791 1910 1.022 1925 1.152 1939 1.065 1946 1.015
Gesamtgemeinde ab 1950 Ab 1998 sind die Einwohnerzahlen der eingemeindeten Orte Hundshübel und Lichtenau enthalten. Jahr Einwohner 1950 3.597 1964 3.037 1971 2.863 1990 2.467 1998 4.092 1999 4.085 2000 4.004 2001 3.976 2002 3.981 Jahr Einwohner 2003 3.941 2004 3.842 2005 3.806 2006 3.771 2007 3.724 2008 3.688 2009 3.640 2010 3.616 2012 3.474 Jahr Einwohner 2013 3.444 2016 3.300 2017 3.237 Quelle ab 1998: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
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