Fruerlund (, Sønderjysk Frulunj) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Flensburg in Schleswig-Holstein, der zur Region Angeln gezählt wird.Vgl. ; Abgerufen am 10. Januar 2014.
Geographie Der Stadtteil Fruerlund liegt im Nordosten von Flensburg. Er grenzt im Westen an die Flensburger Förde, im Norden an Mürwik, im Südosten an Engelsby und im Süden an Jürgensby. Er umfasst heute den Stadtteil nördlich der Nordstraße bis nach Mürwik, zum Osbektal und nach Engelsby-Dorf, die allesamt außerhalb von ihm liegen.
Stadtbezirke und Gebiete Fruerlunds Häufig wird Fruerlund auch als eine Art Stadtbezirk von Mürwik eingestuft. Offiziell gilt Fruerlund jedoch als ein Stadtteil von Flensburg mit eigenen Stadtbezirken. Die offiziellen Stadtbezirke sind Blasberg, Bohlberg und Fruerlundhof (teilweise abgekürzt: Hof). Das kleine, schmale Gebiet Kielseng gehört dabei zum Stadtbezirk Blasberg, obwohl es optisch eher mit dem Mürwiker Gebiet Sonwik verwachsen ist.
Weitere Gebiete die zu Fruerlund gehören sind Fruerlundholz sowie ein Teilbereich von Fruerlundmühle. Ein südlicher Gebietsbereich, der Anfang des 20. Jahrhunderts noch zur Landgemeinde Fruerlund gehörte, entspricht heutzutage ungefähr dem Stadtbezirk Engelsby-Süd (des Stadtteils Engelsby).Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 135 und 136.
Höhenlagen Die in Fruerlund zu findenden Ortsbezeichnungen Tomatenberg, Blasberg, Bohlberg und Finisberg deuten auf verschiedene Höhenlagen hin. Die besagten Berge sind aber von ihren Erhebungen nicht immer ganz präzise verortbar. Der größte Teil von Fruerlund liegt deutlich oberhalb der Flensburger Förde. Das kleine, schmale Gebiet Kielseng bildet eine Ausnahme und liegt direkt an der Flensburger Förde.
Geschichte Das ursprüngliche Fruerlund Die älteste Erwähnung Fruerlunds stammt aus einem GildestatutGerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 135. von 1468,Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: Fruerlund. in dem es heißt „to Fruerlunt“.Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, Artikel: Fruerlunder Straße. Der Ortsname Fruerlund setzt sich zusammen aus dem dänischenPolitikens Tysk-Dansk/Dansk-Tysk Ordbog, København 2003, Eintrag: fru oder auch: Pons Online-Wörterbuch, Deutsch → Dänisch F, Eintrag Frau, abgerufen am 20. April 2020. oder niederdeutschenWolfgang Lindow: Plattdeutsch-hochdeutsches Wörterbuch. 5. Auflage. 1998, Eintrag: Fru. Fruer-, mit der Bedeutung Frauen-Fruerlund, Stadtumbau in Flensburg, Ein Quartier erfindet sich neu, Flensburg 2016, Seite 10. und dem Wort Lund, welches im dänischen einen Hain oder ein Gehölz bezeichnet. Der Ortsname lässt sich somit als „Frauenhain“Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, Artikel: Fruerlunder Straße. beziehungsweise „Frauengehölz“Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: Fruerlund. übersetzen. Unklar ist, auf welchen genauen Hain und auf welche Frau(en) sich der Name bezieht. In Dänemark gibt es etliche Beispiele von Fruelund oder Fruerlund als Orts- und Familienname;Danmarks Stednavne (Datenbank der dänischen Ortsnamen), Nordisches Forschungsinstitut, Universität Kopenhagen. In diesen Fällen wird wohl im Allgemeinen angenommen, dass auf Vor Frue (Unsere liebe Frau) hingewiesen wird, obwohl Frue möglicherweise auch auf den Besitz eines Gehölzes einer Edelfrau hinweisen könnte. Im Flensburger Fall sind im Übrigen Verbindungen zur Flensburger St. Marienkirche nicht belegt.Flensburger Tageblatt: Heimat mit Ententeich – ein Zuhause für tausende Flüchtlinge, vom 1. April 2010; abgerufen am 2. Dezember 2019.
Fruerlund bestand ursprünglich und auch später aus keinem Zentraldorf. Irgendwann im Hochmittelalter oder Spätmittelalter entstand durch eine Adelbyer Aussiedlung zunächst ein Fruerlunder Einzelhof. Die Besitzer von Fruerlundhof (beziehungsweise Alt-Fruerlundhof) sind seit dem Jahr 1468 fast durchgehend überliefert.Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, Artikel: Alt-Fruerlundhof. Seit dem 18. Jahrhundert ist die Existenz der zweiten Keimzelle des heutigen Stadtteils Fruerlund belegt.Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, Artikel: Fruerlundholz.
Seit 1869 bildete Fruerlund eine Landgemeinde gemäß der preußischen Kommunalverfassung. Die Landgemeinde Fruerlund bezeichnete eine Gemarkung, die bei weitem nicht deckungsgleich mit dem heutigen Stadtteil ist. Fruerlund bestand damals geografisch aus einem schmalen, langen Gebietsstreifen, der von der Mürwiker Bucht über Fruerlundholz und Fruerlundhof bis zum Trögelsbyer Weg (genauer beim heutigen Kreuzungsbereich zur Richard-Wagner-Straße) bei Adelby reichte.Fruerlund, Stadtumbau in Flensburg, Ein Quartier erfindet sich neu, Flensburg 2016, Seite 11 und 13. Die Kernsiedlung von Fruerlund, Fruerlundhof, bestand damals aus zwei Höfen. Die beiden Fruerlunder Höfe gehörten zu den größeren landwirtschaftlichen Betrieben im Kirchspiel Adelby. Weiter nördlich lag die kleine Fischer- und Kätnersiedlung Fruerlundholz, deren Bewohner ihre Einkünfte durch Lohnarbeit und Fischerei verdienten. Nordwestlich des Dorfes Fruerlundholz befand sich die Fruerlunder beziehungsweise Fruerlundholzer Ziegelei. Den nördlichsten Punkt bildete die Einzelstelle Mürwik (die damals noch zur Gemeinde Fruerlund gehört). Dessen Name Mürwik bezeichnete ursprünglich nur eine Bucht im dortigen Bereich.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: Mürwik. Dort in Mürwik befand sich eine noch eine größere Ziegelei. Das damals noch kleine Mürwik entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem viel besuchten Ausflugs- und Reiseziel mit Badestrand.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: Klein Westerland.Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 136.
Im Jahr 1901 erhielt Fruerlund einen Bahnanschluss an der Südstrecke der Flensburger Kreisbahn nach Satrup. Dieser lag im Süden der Gemeinde an der Glücksburger Chaussee (heute: Glücksburger Straße). Auch dort bei Fruerlundmühle siedelten sich seit dem Anfang des Jahrhunderts offensichtlich Bürger an.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 504 dort Glücksburger Straße 154 ff. in Verbindung Fruerlund, Stadtumbau in Flensburg, Ein Quartier erfindet sich neu, Flensburg 2016, Seite 13. 1901/1902 wurde am nördlichen Rand der Gemeinde Fruerlund beim ursprünglichen Mürwik die Torpedostation der kaiserlichen Marine gebaut. In der Nachbarschaft, auf dem gegenüberliegenden Seite der Osbek, auf dem Gebiet der Gemeinde Twedter Holz begann bald darauf der Bau der Marineschule Mürwik.
Eingemeindung und ihre Folgen mini|Alt-Fruerlundhof 1 mit Teich im Schnee (Januar 2015) Am 1. April 1910Gerhard Nowc: Vier Dörfer für die Stadt. In: Flensburger Tageblatt 1. April 2010. wurde Fruerlund gemeinsam mit den Nachbargemeinden Twedter Holz, Twedt und Engelsby nach Flensburg eingemeindet.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 413. Später erfuhr der Gebietsname Fruerlund offenbar einen erheblichen Bedeutungswandel.Schlaber weist auf diesen Sachverhalt hin, verschreibt sich aber offensichtlich hinsichtlich des spezifischen Jahrhunderts. Vom Kontext ist erkennbar, dass er das 20. Jahrhundert und nicht das 19. Jahrhundert meint. Vgl. Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 132 sowie ähnlich: Fruerlund, Stadtumbau in Flensburg, Ein Quartier erfindet sich neu, Flensburg 2016, Seite 11.
Der Flottenstützpunkt der kaiserlichen Marine, der auf dem Gemeindegebiet von Fruerlund und Twedter Holz errichtet worden war, wurde nach den Eingemeindungen der beiden Gemeinden offenbar immer häufiger dem noch jungen Mürwik namentlich zugeordnet. Mürwik entwickelte sich in Folge des militärischen Ausbaus immer mehr zu einer städtischen Siedlung. Auch im nahen Fruerlundholz wurden mehrstöckige Wohnhäuser gebaut. Eine neue Hauptstraße vom Flensburger Hafermarkt nach Mürwik, auf der auch die Straßenbahnlinie 3 verkehrte, entstand bis zum Jahr 1912 und begünstigte das weitere Wachstum.Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Eingemeindung: Der graue Esel und des Kaisers Piste, vom 6. Mai 2010; abgerufen am 4. Mai 2018.
Nach der Eingemeindung Fruerlunds nach Flensburg wurden neue Stadtteilgrenzen definiert.Wann genau ist unklar. Möglicherweise zunächst durch Sprachgebrauch und erst später nach dem Zweiten Weltkrieg amtlich. Zum Stadtteil Fruerlund zählt heute auch der Blasberg mit dem Volkspark und Sportanlagen. Besagter Bereich gehörte ebenso wie Kielseng am Osthafen früher zur Gemarkung beziehungsweise Landgemeinde Jürgensgaard. Auch die zum Hospital gehörende Ballastbrücke wird heute als Teil von Fruerlund betrachtet. Der südlich der 1953 erbauten Nordstraße gelegene Ortsteil mit dem ehemaligen Bahnhof zählt heute zum Stadtteil Jürgensby, der kleinere Teil östlich des Lautrupsbachs zu Engelsby. Nur die nahe dem ehemaligen Bahnhof gelegene Bushaltestelle erinnert noch daran, dass dieses Gebiet ursprünglich zu Fruerlund gehört hatte.Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 132. Der ehemalige nördliche Teil von Fruerlund sowie das gesamte ehemalige Gemeindegebiet von Twedter Holz und der Norden des ehemaligen Gemeindegebietes von Twedt wurden letztlich zum Stadtteil Mürwik zusammengefasst.Flensburg Atlas, Flensburg 1978, Karte Nr. 16.
mini|Abendlicher Blick von Kielseng zum benachbarten Sonwik, mit der dahinter liegenden Marineschule Mürwik, dem Roten Schloss. Fruerlund wird auch heute noch häufig als ein Teil von Mürwik angesehen.
In der Zeit des Nationalsozialismus Mitte der 1920er Jahre wurde der Volkspark mit dem zugehörigen Stadion angelegt. 1932 hielt Adolf Hitler dort eine Wahlrede zur preußischen Landtagswahl. Im Jahr darauf erfolgte die Nationalsozialistischen Machtergreifung. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ließ sich die letzte Reichsregierung im Sonderbereich Mürwik nieder, zu dem auch das gesamte Fruerlunder Gebiet gehörte.Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 115. Nachdem der letzte Reichspräsident Karl Dönitz am 7. Mai 1945 die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht erklären ließ, wurde die Stadt Flensburg vom 8. bis zum 13. Mai durch britische Truppen besetzt, mit Ausnahme des Mürwiker Sonderbereiches, der erst am 23. Mai besetzt wurde.Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 211.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 410.
Nachkriegszeit mini|Das Turm-Haus am Nettelbeckplatz (Zentralbereich von Flüchteby)