mini|Fritz Lang mit dem Kameramann Curt Courant (Mitte) bei den Dreharbeiten zum Stummfilm Frau im Mond (1929) Friedrich „Fritz“ Christian Anton Lang (* 5. Dezember 1890 in Wien; † 2. August 1976 in Beverly Hills, Kalifornien) war ein österreichisch-deutsch-US-amerikanischer Schauspieler, Filmregisseur und Drehbuchautor. Nach seiner Heirat mit der deutschen Drehbuchautorin Thea von Harbou erwarb der Österreicher 1922 auch die deutsche und nach seiner Emigration 1939 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Lang prägte die Filmgeschichte mit, indem er – vor allem in der Ära des späten Stummfilms und des frühen Tonfilms – neue ästhetische und technische Maßstäbe setzte. Seine Stummfilme erzählen zumeist utopische und fantastische Geschichten, die in einer expressiv düsteren Atmosphäre inszeniert wurden. In seinen Tonfilmen rückte er einzelne Menschen und deren innere Beweggründe in den Mittelpunkt; ihre Themen waren dem Alltagsleben entnommen und basierten häufig auf Presseberichten. Der Stummfilm Metropolis (1927) und der Tonfilm M (1931) gehören zu den Meilensteinen der deutschen und internationalen Filmgeschichte. In den Vereinigten Staaten drehte er bedeutende Film Noirs wie Blinde Wut (1936), Gefährliche Begegnung (1944), Straße der Versuchung (1945) und Heißes Eisen (1953), weshalb er auch oft zu den Mitbegründern des Genres gezählt wird.

mini|Handelsgerichtliche Kundmachung zum Bauunternehmen von Fritz Langs Mutter Paula Lang „A. Lang & Cie“. miniatur|Das 1900 von Fritz Langs Vater Anton Lang errichtete Eckhaus Zeltgasse 1 miniatur|Adolf Endls Todes-Anzeige nennt Fritz Langs Großmutter Johanna Endl als Witwe, Fritz Langs Vater Anton Lang als Endls [Stief]Sohn, Fritz Langs Mutter Paula Lang als Endls Schwiegertochter und Fritz Langs Bruder Adolf Lang als Endls Enkel. mini|Der Text der Gedenktafel ist fehlerhaft, da die Familie Lang nachweislich seit 1900 im Haus Zeltgasse 1 (zugleich Piaristengasse 28 und Neudeggergasse 23) gewohnt hat. miniatur|Im ersten Stock, der Beletage, dieses 1892/93 von Anton Lang errichteten Hauses, Piaristengasse 41, wohnte zwischen 1893 und 1900 Fritz Lang mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Adolf Lang. Vis-a-vis befindet sich der Bühneneingang des Theaters in der Josefstadt (Piaristengasse 44). Leben und Wirken Fritz Lang hat über seine Wiener Jugend- und Studentenjahre, seine Familie und Vorfahren bewusst wenig berichtet, vielmehr das wenige Bekannte bzw. Mitgeteilte durch widersprüchliche Orts- und Zeitangaben sowie irreführende Mitteilungen vernebelt. Beispielsweise behauptet er in seinen „Erinnerungen an Wien“, dass er „in der Schön-Laterngasse […] nahe dem Stephansdom geboren“Fritz Lang: „Erinnerungen an Wien“. Mit einer Einleitung von Bernard Eisenschitz. Viennale (Hrsg.): Wien 2012, 9. worden wäre, obwohl in seinem amtlichen Taufeintrag „Schenkenstraße 6“Fritz Langs Eintrag im Geburts- und Taufregister der Pfarre „Unsere Liebe Frau zu den Schotten“. als seine Wohn- bzw. Geburtsadresse angegeben wird.Siehe Andreas Weigel: Welche Adresse hat Fritz Langs Geburtshaus tatsächlich? In: Fritz Lang (Zur Genealogie & frühen Biografie des Filmemachers). 2. August 2023, abgerufen am 29. Juli 2026 (deutsch). Ähnlich hat er 1970 in einem Interview seine Mutter Paula Lang wider besseres Wissen als Hausfrau vorgestellt („My father was an architect; my mother a housewife.“Bernard Rosenberg and Harry Silverstein: Interview with Fritz Lang. In: Barry Keith Grant (Editor), Fritz Lang Interviews (2003). 133–145, hier 133.), obwohl sie zumindest seit Mai 1895 Unternehmensgründerin und erfolgreiche Bauunternehmerin war. Nach und nach hat die Forschung Langs weitgehend frei erfundene Selbstdarstellung mittels amtlicher Archivalien und offizieller Dokumente überprüft, ergänzt, korrigiert und widerlegt, wobei vor allem Georges Sturm,Georges Sturm: Fritz Lang, une ascendance viennoise. In: Cinémathèque. Band 6, 1994, S. 141–155. Patrick McGilligan, Leo A. LensingLeo A. Lensing, Lehrjahre eines Großmeisters. Der frühe Fritz Lang scheute in seinen Bildern und Zeichnungen grell-sinnliche Motive nicht. Aber auch seine Verehrung für Karl Kraus hinterließ Spuren in den späteren Filmen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Juni 2016, N3.Leo A. Lensing, Man of the eye. On the Edgar Allan Poe of German cinema. Times Literary Supplement. June 17, 2016, 5p. und Andreas Weigel Fritz Langs frühe Wiener Biografie sukzessive erhellt haben.

Elternhaus Friedrich „Fritz“ Lang wuchs in Wien als Sohn des Stadtbaumeisters Anton Lang (1860–1940) und der Bauunternehmerin Paula Lang, geborene Pauline Schlesinger (1864–1920), auf. Fritz Langs Vater stammte aus Wien, seine Mutter aus Brünn, beide starben in Gars am Kamp, wo sie auch begraben liegen.Andreas Weigel: Fritz Langs familiäre Gars-Verbindungen und Fritz Langs unterbundene Hilfeleistung. In: Stars in Gars. Schaffen und Genießen. Künstler in der Sommerfrische. Herausgegeben vom Museumsverein Gars. Zeitbrücke-Museum Gars, Gars 2017, ISBN 978-3-9504427-0-0, S. 9–174, hier S. 76 ff., 123 ff. sowie S. 169 (Anmerkungen). Nach der 1883 geschlossenen Zivilehe ließen sich Fritz Langs Eltern im Sommer 1900 in Ort am Traunsee römisch-katholisch taufen und trauen. Der bereits bei seiner Geburt 1860 katholisch getaufte, aber wegen der 1883 erfolgten Ziviltrauung mit der Jüdin Paula Schlesinger konfessionslos gewordene Vater kehrte somit äußerlich zum katholischen Glauben zurück. Fritz Langs Mutter, die entgegen Fritz Langs Behauptung„Despite her Jewish descent, his mother, Paula Schlesinger, was brought up as a Roman Catholic, so that Lang grew up in a thoroughly traditional Viennese Catholic environment.“ (Fritz Lang, Autobiography. In: Lotte Eisner, Fritz Lang. 1976, 15.) nicht katholisch aufgewachsen ist, da sie sonst seinen Vater bereits 1883 katholisch heiraten hätte können, erachtete die katholische Taufe und Erziehung ihrer beiden Söhne Adolf (1884–1961) und Fritz sowie ihrer Tochter (1897–1897), die allerdings totgeboren wurde, als gesellschaftlich wichtig. Aufgrund seiner römisch-katholischen Sozialisation behandelt Fritz Lang in seinen Filmen immer wieder vom Katholizismus beeinflusste Motive und Themen,Georges Sturm: Fritz Lang, une ascendance viennoise. In: Cinémathèque. Band 5, 1993, S. 141–155. ohne selbst ausgeprägt religiös zu sein.

Fritz Lang war ein Stiefenkel des österreichischen Architekten Adolf Endl (1847–1887), was von Fritz Langs Biografen Jahrzehnte lang in Abrede gestellt wurde,Beispielsweise 1997 in Patrick McGilligans Fritz-Lang-Biografie, die maßgebliche Lebensdaten und -ereignisse falsch datiert: „According to Dr. Friedrich Steinbach, a cousin of Lang's who visited the family at intervals as a young boy in the early 1900s, Johanna Lang's first marriage was to a member of the Endl family associated with the building firm. […] Nor is there any documented proof of a Lang-Endl marriage. Yet Steinbach insisted on this point in an interview […]. The first marriage ended in Endl's death when Anton Lang was still a youth, according to Steinbach [Tatsächlich war Anton Lang bei Adolf Endls Tod bereits 26¾ Jahre alt, Stadtbaumeister und knapp vier Jahre mit Paula Lang verheiratet], and Johanna set out to marry a second time. The second marriage, Johanna Lang's only documented marriage [recte: zweite kirchlich erfolgte Trauung], was to a schoolteacher named Karl Schott, from the Alsergrund, or Ninth District, of Vienna. This occurred when Anton Lang was already sixteen [recte: 28 Jahre. Er hat er bei der Trauung seiner Mutter als Beistand (Trauzeuge) fungiert], in 1876 [recte: 1888].“ Patrick McGilligan: Fritz Lang, „The Nature of the Beast“. New York (1997). p.9. obwohl die Verwandtschaft durch amtliche Archivalien und öffentliche Dokumente, wie Adolf Endls Parte zweifelsfrei belegt ist, die Fritz Langs Großmutter Johanna Endl als „Gattin“, Fritz Langs Vater Anton Lang als Endls „Sohn“,Adolf Endl war der Stiefvater und offizielle Vormund von Fritz Langs Vater Anton Lang, nicht sein leiblicher Vater. Fritz Langs Mutter Paula Lang als Endls „Schwiegertochter“Fritz Langs Mutter Paula Lang war Adolf Endls Stiefschwiegertochter. und Fritz Langs Bruder Adolf Lang als Endls „Enkel“Fritz Langs Bruder Adolf Lang war Adolf Endls Stiefenkel. nennt.Adolf Endls Parte unter anderem in: Neue Freie Presse, 3. April 1887, Seite 13.

An Fritz Langs Elternhaus, Zeltgasse 1 (zugleich Piaristengasse 28 und Neudeggergasse 23) im achten Bezirk, wo er abgesehen von der Zeit seiner Münchner (1912/13–1913/14)„Lang Friedrich, Wien | 1890 | Illustrator | Kunstg[ewerbliches] Malen | WS 1912/13, SS 1913, WS 1913/14“. Quelle: Claudia Schmalhofer, Die Kgl. Kunstgewerbeschule München (1868–1918). Ihr Einfluss auf die Ausbildung der Zeichenlehrerinnen. München (2005). Anhang 7. Verzeichnis Schülerinnen und Schüler der Kgl. Kunstgewerbeschule München (1878/79–1917/18). 372ff. und Pariser Studienaufenthalte (Sommer 1913, 1914) sowie seines Kriegsdienstes (1915–1918) von 1900 bis zu seiner Mitte September 1918 erfolgten Übersiedlung nach Berlin gewohnt hat,Laut dem Wiener Melderegister wohnte Fritz Langs erste Gattin Elisabeth Lang (geborene Rosenthal) vom 21. April bis 13. Mai 1920 im Haus Zeltgasse 1. Wahrscheinlich in Fritz Langs Beisein, der somit auch noch 1920 mehrere Wochen in seinem Elternhaus gelebt haben dürfte. Der Meldeeintrag wird im Band „Fritz Lang. Leben und Werk“ (Rolf Aurich, Wolfgang Jacobsen, Cornelius Schnauber: Fritz Lang. Leben und Werk. Bilder und Dokumente. Jovis, Berlin 2001, S. 59) erwähnt. ist seit 1979 eine inhaltlich fehlerhafte Gedenktafel angebracht, was der Fritz-Lang-Experte und Lang-Vertraute Cornelius Schnauber bereits 1986 bedauert hat: „Die Fritz-Lang-Gedenktafel am Wohnhaus in der Piaristengasse in Wien enthält leider falsche Daten.“Cornelius Schnauber: „Fritz Lang in Hollywood“. Wien 1986, S. 163.

Im Haus Zeltgasse 1 hatte Fritz Lang künstlerisch und zeitgeschichtlich interessante Nachbarn: Die Malerin, Karikaturistin und Illustratorin Bertha Czegka, die Schriftstellerin, Kinder- und Frauenrechtsaktivistin Henriette Herzfelder, den Pianisten, Klavierpädagogen und Kunstfotografen Paul Pichier (1873–1955), die Burgschauspielerin Antonie Schulz (1876–1972) und ihren Ehemann, den Erfinder und Kunstsammler Leon Lilienfeld (1869–1938).

Ausbildung