mini|Haupteingang mini|Sowjetischer Garnisonfriedhof am Rande der Dresdner Heide

Der Sowjetische Garnisonfriedhof in Dresden entstand ab Mai 1945 als Kriegsgräberstätte der Roten Armee. Von 1946 bis 1987 wurde er offiziell als Standortfriedhof für die während der Besatzungszeit verstorbenen Soldaten und Offiziere der Sowjetarmee, deren Familienangehörige sowie für Zivilangestellte des Militärs genutzt und in dieser Zeit durch die Stadt Dresden dreimal erweitert. Ab 1968 erfolgte die Belegung allerdings nur noch sporadisch. Der Sowjetische Garnisonfriedhof steht als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz, vgl. Liste der denkmalpflegerischen Sachgesamtheiten in Dresden #Kirchen und Friedhöfe.

Lage Der Friedhof befindet sich links der Marienallee im Dresdner Stadtteil Albertstadt und gehört somit zum Stadtbezirk Neustadt. Er liegt nordöstlich der Innenstadt am Südwestrand der Dresdner Heide. In der Nachbarschaft des über die Marienallee beziehungsweise den Kannenhenkel erreichbaren Friedhofsgeländes befinden sich der Nordfriedhof und die Offizierschule des Heeres.

Anlage Der Sowjetische Garnisonfriedhof ist ein typischer Waldfriedhof und erstreckt sich auf rund 2,3 Hektar Fläche. Er wurde terrassenförmig in die Hanglage des zum Prießnitzgrund hin abfallenden Geländes eingebettet. Die genaue Zahl der während der 49 Besatzungsjahre hier beerdigten Männer, Frauen und Kinder ist ungeklärt. Bekannt sind derzeit 1175 Einzel- und 246 Sammelgräber. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und auch die Stadt Dresden gehen bislang von 2268 Toten aus. Neueste Erkenntnisse aus Archivrecherche legen aber mindestens 2300 Personen nahe, von denen 2268 lediglich namentlich bzw. mit dem Vermerk „unbekannt“ auf Grabsteinen erwähnt sind.

Träger des Friedhofes ist seit Mai 2019 die Stadt Dresden. Zuvor hatte sich die Anlage seit 1994 in Trägerschaft des Freistaates Sachsen in Gestalt des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB)Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement: https://www.sib.sachsen.de befunden, der sie nach Abzug der GUS-Truppen von der Stadt Dresden übernommen hatte. Seit der Übernahme des Friedhofs in Verwaltung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1992 gelten Teile des Friedhofes als Kriegsgräberstätte gemäß Gräbergesetz und stehen seither unter Denkmalschutz. Eine genaue Definition dieses Areals fehlt aber, da die Anlage nie nach Ehrenhain und Standortfriedhof getrennt wurde, sondern fortlaufend belegt wurde. Heute umfasst die Kriegsgräberstätte daher sowohl Kriegs- als auch Nichtkriegsgräber.

Einen Sonderfall bilden die zwei Erweiterungen (Südwest-, West- und Nordflügel), die ab 1950 zum Friedhof dazukamen. Hier finden sich hauptsächlich Nichtkriegsgräber aus den Jahren 1952 bis 1987 sowie etwa 100 Kriegsgräber aus den Jahren 1941 bis 1952. Während der West- und der Südwestflügel aufgrund ihrer territorialen Lage der Kriegsgräberstätte zugerechnet wurden und trotz gänzlich fehlender Kriegsgräber unter Denkmalschutz gestellt wurden, blieb dem Nordflügel dies bis 2011 verwehrt. Im Verwaltungsdeutsch wurde und wird jener Teil mit Gräbern aus der Zeit von 1941 bis 1987 fälschlicherweise als „Zivilteil“ bezeichnet. Bei mehr als zwei Dritteln der dort Beerdigten handelt es sich um Militärangehörige. Der sowjetische Zivilfriedhof in Dresden ist eine separate Anlage. Sie befindet sich mehrere Hundert Meter Luftlinie entfernt auf einem Areal im südlichen Teil des Nordfriedhofs. Seit März steht auf Bestreben einer Bürgerinitiative auch der Nordflügel des Sowjetischen Garnisonfriedhofes unter Denkmalschutz, der Friedhof insgesamt bildet nunmehr eine Denkmalsachgesamtheit.

Eine von außen sichtbare Beschilderung am Friedhof fehlt bis heute. Die Stadt Dresden hat eine solche jedoch bei Übernahme der Anlage im Mai 2019 zum Ziel erklärt. Einige Meter vom Eingang entfernt weist eine Steintafel im Inneren des Friedhofes den Ort vage als Sowjetischen Garnisonfriedhof Dresden aus. Ursprünglich befand sich etwa 200 Meter die Marienallee abwärts eine Wegetafel, die auf den abseits liegenden Friedhof aufmerksam machte. Auf Initiative engagierter Bürger gelang es, die Tafel zu sichern. Sie lagert seither im Dresdner Lapidarium und harrt einer Restauration.

Geschichte mini|Obelisk von Friedrich Press mini|Bronzeplastik

Am 8. Mai 1945 – am Tag der Kapitulation der Wehrmacht und des offiziellen Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa – nahmen Truppenteile der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee unter Führung von Marschall Iwan Konew Dresden ein. Im Rahmen der letzten großen Offensive in Europa (Prager Operation) unter Beteiligung von mehr als zwei Millionen Soldaten der 1., 2. und 4. Ukrainischen Front, marschierten sowjetische Truppenverbände aus Süd und Ost auf Dresden zu, um die letzten noch in Sachsen aktiven Wehrmachtseinheiten der Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner zu zerschlagen. Aus Schlesien kommend, rückten sie in den ersten Maitagen über Bautzen und Radeberg sowie in einer zweiten Linie vom Erzgebirge aus über Meißen und Radebeul auf die Elbmetropole vor, Der Kampf um Dresden kostete die Roten Armee vergleichsweise wenige Verluste. Verletzte, Kranke und Geschwächte der letzten schweren Monate aber kamen in großer Zahl mit der Truppe in die Stadt. Die Armee nahm große Teile der weitgehend intakten Kasernenanlagen der Dresdner Albertstadt entlang der damaligen Carola-, der König-Georg- (heute beides Stauffenbergallee) sowie der Marienallee in Beschlag. Aufgrund der desolaten medizinischen und humanitären Versorgungslage im zerstörten Dresden starben viele Soldaten im örtlichen Lazarett der Garnison an der Marienallee (heute Medpunkt der Offizierschule des Heeres). Häufige Todesursachen waren vor allem Schuss- und Sprengverletzungen, aber auch Krankheiten, hier vor allem Tuberkulose, Blutvergiftung sowie Lungen- und Hirnhautentzündung. Da Seuchen drohten, wurde schnellstmöglich mit der Beerdigung der Toten begonnen. Diese erfolgte zunächst mangels Platz und Ortskenntnis in den ersten Tagen und Wochen meist auf gewöhnlichen städtischen Friedhöfen, wo zuvor auch bereits viele Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beigesetzt worden waren. Während der letzten Kampfhandlungen verstorbene Rotarmisten wurden meist an Ort und Stelle oder auf dem am nächsten gelegenen Zivilfriedhof beerdigt, soweit dies möglich war. Die Grablagen wurden nur zum Teil dokumentiert. In den ersten Maitagen begann man parallel in Dresden, die unmittelbar im Dresdner Lazarett verstorbenen Militärangehörigen auf einer Fläche wenige Hundert Meter weiter im Wald zu beerdigen – dem späteren Sowjetischen Garnisonfriedhof Dresden.

Diese Bestattungen erfolgten zunächst ungeordnet und provisorisch. Offizielle Bestattungslisten wurden in dieser Zeit nicht geführt. Jeder Kommandeur auf Divisions-, Bataillons- oder Regimentsebene führte dagegen auch nach dem Kriegsende eine eigene Verlustliste seiner jeweiligen Einheit fort. Erst mit dem SMAD-Befehl Nr. 117 vom 15. April 1946 wurde die Schaffung von Standortfriedhöfen für sowjetische Militärangehörige in der Sowjetischen Besatzungszone angeordnet, um den Bestattungen einen geordneten Rahmen zu geben. Daraufhin wurde im Oktober 1946 der Sowjetische Garnisonfriedhof an der Marienallee offiziell eröffnet. Die Bestattungen erfolgten nun planmäßig und nach einem gestalterischen Konzept, das verschiedene Grabfelder mit einheitlichen, nach militärischen Hierarchien angeordneten Grabmalen vorsah. Ab 1947 erfolgte die landschaftsarchitektonische Gestaltung unter der Ägide von Duglore Goltdammer vom städtischen Grünflächenamt. In den Folgejahren wurden zunehmend auch sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter von anderen städtischen Friedhöfen sowie Tote, auf die man erst später im Zuge von Bauarbeiten stieß, hierher umgebettet.

Schon gegen Mitte 1946 zeichneten sich Engpässe auf dem ursprünglich vorgesehenen Feld im Bereich des heutigen Ehrenhains rings um den Obelisken ab. Es erfolgte eine erste Erweiterung nach Norden – der Mittelflügel entstand und ist heute mit Hunderten Gräbern monumentales Herzstück des Friedhofs. Zwischen 1946 und 1954 fanden hier rund 1000 Soldaten, Offiziere und auch einige wenige Zivilisten ihre letzte Ruhe. Weil sich auch hier die Kapazitäten irgendwann erschöpften, wurde ab Ende der 1940er-Jahre mit den Planungen für eine zweite große Erweiterung begonnen – dem Bau des heutigen Nord-, des West- und des Südwestflügels. Zunächst entstand ab 1949 eine Grabreihe an der Nordgrenze des bisherigen Friedhofes. Am äußersten rechten Rand der Reihe wurde ein Sammelgrab für 71 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter errichtet. Nach Westen hin verlaufend schließen sich drei Gedenkhaine für insgesamt 90 Kleinkinder sowie ein Zivilhain mit Gräbern von 35 Frauen und Jugendlichen aus den Jahren 1948 bis 1964 an. Den Kinderhain schmückt zudem ein etwa 3 Meter hoher Obelisk aus poliertem, rotem Granit mit der Inschrift: „Hier ruhen die Kinder der Sowjetunion“. Die Mehrzahl der verstorbenen Zivilisten aus der sowjetischen Garnison wurde in diesen Jahren allerdings noch auf dem sowjetischen Zivilfriedhof am Kannenhenkelweg (Nordfriedhof) bzw. in der Heimat bestattet.

Im Jahr 1947 wurde im Südflügel der Anlage auf Anordnung der Militäradministratur seitens der Stadt Dresden mit der Errichtung eines 16 Meter hohen, von einem Roten Stern bekrönten Obelisken begonnen.

Anlässlich des 40. Jahrestages der Oktoberrevolution schenkte die Stadt Dresden im November 1957 der sowjetischen Garnison ein weiteres Mahnmal namens „Der Fahnenträger“ für den Friedhof.

Ab Mitte der 1960er-Jahre nahmen die Soldatenbestattungen auf dem Friedhof sukzessive ab, da nach Aussage von ehemaligen Militärangehörigen Tote zunehmend in die Heimat überführt und dort beigesetzt wurden. Dies geschah mittels Sonderzügen und teils auf dem Seeweg. Diese Trendwende fiel etwa mit der Reform des sowjetischen Militärs 1967/68 zusammen, im Zuge derer unter anderem auch der Wehrdienst von bis dahin drei auf nunmehr noch zwei Jahre verkürzt wurde. Durch die mit der Reform einhergehende Schließung der Standesämter in den sowjetischen Garnisonen wurden in der Regel auch die Garnisonfriedhöfe für Beisetzungen geschlossen. Jedoch gab es Ausnahmen: Soldaten und Zivilisten wurden in Einzelfällen bis in die 1970er- und teils sogar 1980er-Jahre hinein weiterhin vor Ort beerdigt, wenn die Heimführung Probleme machte oder teils über Jahre in der DDR stationierte Offiziere oder Zivilangestellte ihre verstorbenen Angehörigen (meist die Kinder) weiterhin in ihrer Nähe haben wollten.

Zwischen 1973 und 1979 erfuhr der Sowjetische Garnisonfriedhof eine erste große Rekonstruktion und Umgestaltung. Diese ging mit der Entfernung der Sandsteineinfassungen einher, mit denen jedes Grab ursprünglich umrahmt war. Auch die Sandsteinsockel, die der Erhöhung der Grabmale dienten, wurden abgestockt. Ziel war es, der Anlage das Monumentale eines „Zuviel an Stein“ zu nehmen und mehr Licht hineinzubringen. Aus Kostengründen wurde damals auch die zweimal jährlich wechselnde aufwendige Dreifachbepflanzung für jedes Grab zugunsten einer schlichteren Einfachbepflanzung reduziert. Parallel wurde der Nordflügel zum Modellprojekt „zeitgemäßer“ Friedhofsgestaltung, die vor allem am Faktor der Kostenersparnis orientiert war. Ab 1978 wurden hier sämtliche vorhandenen Grabmale, die bislang im Stile der Hauptanlage gehalten waren, entfernt und durch einfache Stand- bzw. Liegemale aus widerstandsfähigem Rhyolith mit erhaben gefertigten (und damit quasi unverwüstlichen) Inschriften ersetzt. Die sowjetische Kommandantur hatte dazu ihr Einverständnis gegeben, nachdem die Stadt zugesichert hatte, dass kein Grab anonymisiert und die neuen Grabmale auch weitgehend wieder über dem jeweiligen Grab platziert würden. Der damals erzielte Zustand ist bis heute erhalten.