mini|hochkant|Von 1976 bis 2009 der höchste Fernsehturm der Welt: der CN Tower in Toronto, Kanada
Fernsehturm oder Fernmeldeturm wird ein meist röhrenförmiger Turm in schlanker Stahlbetonbauweise (vertikale Kragarmkonstruktion) genannt, von dem Hörfunk- oder Fernsehsignale ausgesendet werden.dtv Atlas Baukunst. Band 2: Baugeschichte von der Romanik bis zur Gegenwart. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994, ISBN 3-423-03021-6, S. 555. Fernmeldetürme werden auch für richtfunkbasierte Telekommunikation, wie die Übertragung von Telefongesprächen verwendet, wobei diese zunehmend durch Glasfaserkabel oder Satellitenkommunikation übernommen wird. Der Unterschied zum allgemeinen Funkturm (meist als Stahlkonstruktion) liegt in der Bauweise; von Hochhäusern unterscheidet einen Fernsehturm der Hauptzweck. Fernsehtürme sind vielfach für den Publikumsverkehr geöffnet und bieten neben Aussichtsplattformen auch Restaurants oder Cafés. Eine Sonderform des Fernmeldeturms waren die militärisch genutzten Aufklärungstürme, die inzwischen meist stillgelegt sind.
Begriffsabgrenzung mini|hochkant|Turmkorb des Fernsehturms St. Chrischona, Schweiz Grundsätzlich sind Fernseh- oder Fernmeldetürme von Wolkenkratzern und Sendemasten klar abgrenzbar. Wolkenkratzer dienen hauptsächlich Büro- oder Wohnzwecken. Sendemasten sind mit Pardunen abgespannte Konstruktionen, die im Gegensatz zu Fernseh- oder Fernmeldetürmen über kein Betriebsgeschoss und keine Aussichtsplattform verfügen. Allerdings gibt es auch Bauwerke, welche Übergangsformen zwischen Sendemasten und Fernsehtürmen darstellen, wie der Gerbrandytoren in den Niederlanden. Auch existieren Bauwerke, die eine Mischung aus Fernsehturm und Hochhaus darstellen, wie die A-Türme der einstigen Post in der DDR und der Fernsehturm im polnischen Beuthen.
Laut Duden sind die Begriffe Fernsehturm und Fernmeldeturm synonym zueinander. Im täglichen Sprachgebrauch werden sie auch häufig vermischt. Tatsächlich gibt es in der deutschen Sprache einen Bedeutungsunterschied zwischen beiden Begriffen:
Als Fernsehturm wird ein freistehender Sendeturm für die Verbreitung von UKW-Hörfunk- und Fernsehprogrammen bezeichnet. Diese Bezeichnung wird auch oft für Türme mit Richtfunkantennen verwendet, die über eine für die Öffentlichkeit zugängliche Aussichtsplattform verfügen. Diese befindet sich meist im sogenannten Turmkorb. Vier Türme in Deutschland verfügen dort noch über ein in Betrieb befindliches Drehrestaurant (Stand 2026), hinzu kommt der voraussichtlich im Jahr 2027 wiedereröffnete Olympiaturm in München. In Dresden soll der dortige Fernsehturm zur BUGA 2033 wieder zugänglich werden und das Drehrestaurant, das bis 1990 aktiv war, wiedereröffnet werden.Matthias Bartsch, Steffen Winter: Himmlischer Blick auf die Skyline. In: Der Spiegel, Nr. 17, 17. April 2026, S. 36 f. Oft befinden sich dort auch die Betriebsgeschosse für die Mitarbeiter, die funktechnischen Einrichtungen sowie Anlagen für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten (z. B. ausfahrbare Kräne). Meistens hat ein Fernsehturm aus architektonisch-ästhetischen Gründen nur einen Turmkorb. Anders der Olympiaturm in München, der die Betriebsgeschosse und die Plattformen für die Öffentlichkeit in zwei getrennten Turmkörben beherbergt.Friedrich von Borries, Matthias Böttger, Florian Heilmeyer u. a.: TV towers : 8,559 meters politics and architecture. 2009, S. 258.Kai Eckart: Den Wolken entgegen – Die höchsten Türme Deutschlands. 1997, S. 8/9.
Als Fernmeldeturm wird ein freistehender Sendeturm bezeichnet, der für die Installation von Richtfunkantennen vorgesehen ist. Die meisten freistehenden Sendetürme der Deutschen Telekom AG sind derartige Bauwerke. Ein Fernmeldeturm hat im Gegensatz zum Sendemast ein Betriebsgeschoss.
Als Funkturm/Sendemast werden kleinere freistehende Sendetürme bezeichnet, die nur für Sender kleiner Leistung verwendet werden. Der Begriff kann auch für freistehende selbststrahlende Sendetürme verwendet werden.
Geschichte Überblick Die Baustoffe Gusseisen, Schmiedeeisen und später Stahl ermöglichten den Ingenieuren Anfang des 19. Jahrhunderts ganz neuartige Brückenbauten. Mit Hilfe dieser neuen Werkstoffe ging der Traum in Erfüllung, hohe Türme in den Himmel zu bauen. Bereits 1833 plante der englische Ingenieur Richard Trevithick eine 1000 Fuß (305 Meter) hohe Säule aus Gusseisenelementen zu erbauen. Später sollte zur amerikanischen Weltausstellung in Philadelphia eine 1000 Fuß hohe Eisenröhre aufgestellt werden, die mit Hilfe von Stahlseilen abgespannt werden sollte. Diese nie errichtete Konstruktion, welche 9 Meter im Durchmesser messen sollte,The Centennial Tower of 1876. Beschreibung des Centennial Tower, der zur Weltausstellung 1876 geplant wurde (engl.); abgerufen: 10. Mai 2013. wies allerdings gravierende Planungsfehler auf, so dass ihre Standfestigkeit fragwürdig gewesen wäre.Linda P. Gross, Theresa R. Snyder: Philadelphia's 1876 Centennial Exhibition. Arcadia Publishing, 2005, ISBN 0-7385-3888-4. Tatsächlich gebaut wurde 1854 der König-Friedrich-August-Turm, ein 28 m hoher Aussichtsturm rein aus Gusseisen auf dem Löbauer Berg im sächsischen Löbau.
Vom Eiffelturm zum Sendeturm 1881 wurde vorgeschlagen, Paris mit einem 300 Meter hohen Leuchtturm auszuleuchten. Dieser Turm sollte aus Granit gebaut werden; die Ausführbarkeit dieses Projektes zweifelte Gustave Eiffel jedoch zu Recht an und präsentierte 1885 seine Pläne zum Bau des Eiffelturms der Öffentlichkeit. Der Entwurf des 300 Meter hohen Turmes aus Stahlfachwerk sollte mit vier stark gespreizten Beinen die Windkräfte besonders günstig aufnehmen. Trotz zahlreicher Kritiker und Gegner behielt Gustave Eiffel mit seiner Prognose Recht, dass dieser Bau zum Symbol des Fortschritts werden würde. Er war der Hauptanziehungspunkt der Weltausstellung. Daneben wurde er zum Versuchslabor für meteorologische, physikalische und sogar physiologische Experimente. Ebenso wurde die drahtlose Telegrafie erprobt, was den Eiffelturm zum ersten Funkturm der Geschichte macht, obgleich er diese Funktion nicht lange behielt und aus anderer Motivation erbaut worden war (Aussichtsturm der Weltausstellung).
Der Eiffelturm wurde zum Vorbild vieler Planungen von Stahltürmen. Allerdings war er nicht der erste Stahlfachwerkturm, denn schon einige Jahre zuvor wurden einige kleine Aussichtstürme in Stahlfachwerkbauweise errichtet, wie der Büchenbronner Aussichtsturm (1884 fertiggestellt), der Aussichtsturm Götzingerhöhe (1883) oder der Aussichtsturm Kulm-Saalfeld (1884). Die Stadt London schrieb 1890 einen Turmbauwettbewerb aus. Die zwanzig eingegangenen Vorschläge sahen Türme zwischen 300 Meter und 456 Meter Höhe vor. Zwar wurde mit dem Bau begonnen, es entstand aber nur ein Turmstumpf von 47 Metern Höhe, der 1907 abgerissen wurde (Watkin’s Tower).
Anfang des 20. Jahrhunderts entstand mit der Erfindung des Funkverkehrs ein Bedarf nach hohen Türmen, die am einfachsten als Stahlfachwerkkonstruktion realisiert werden konnten. Allerdings erfolgte seinerzeit fast der gesamte Funkverkehr im Bereich langer Wellen (Wellenlänge > 100 Meter), so dass die damals errichteten Antennentürme meistens Drahtantennen trugen, welche an den Bauwerken wie Freileitungen an Hochspannungsmasten mit Isolatoren befestigt waren. Oft wurden diese Türme selbst auch noch auf Isolatoren gesetzt, um das Abfließen der Antennenströme über die Bauwerke zu verhindern.
mini|Radiotelegrafische Nutzung des Eiffelturms 1914 Die Antennenanlage des Eiffelturms, der bis Mitte der 1950er Jahre als Sendeturm für Funkdienste im Langwellenbereich (und von 1922 bis 1940 auch für Mittelwellenrundfunk) diente, bestand seinerzeit aus mehreren Drähten, die an Isolatoren an der Spitze des Turms und mehreren Ankerpunkten im Marsfeld befestigt waren.
Daneben wurden auch schon die ersten selbststrahlenden Sendemasten errichtet, bei denen der ganze Turm eine gegen Erde isolierte Antenne darstellt. Da gegen Erde isolierte Funktürme während des Sendebetriebs eine mehr oder minder hohe Hochfrequenzspannung gegen Erde führen, ist eine Nutzung dieser Bauwerke als Aussichtsturm nicht möglich, da nur über einen Verbindungssteg aus isolierendem Material ein Zugang zum Turm möglich wäre.
Bis Mitte der 1930er Jahre wurde nur ein Sendeturm mit Aussichtsbereich gebaut, und zwar der Berliner Funkturm. Er sollte auch gegen Erde isoliert aufgestellt werden, er wurde dann aber über den Fahrstuhlschacht geerdet, da ansonsten zu hohe Spannungen an den Turmfüßen aufgetreten wären, die für die Besucher unangenehme Folgen gehabt hätten. Die Erdung des Berliner Funkturms bewirkte aber, dass in Richtung des Stadtzentrums Berlins, des Hauptversorgungsgebiets des am Turm installierten Mittelwellenrundfunksenders, nur verhältnismäßig wenig Hochfrequenzenergie abgestrahlt wurde, weshalb in der Boxhagener Straße seinerzeit ein Füllsender installiert wurde.
Zwischen 1930 und 1935 gingen die Turmbauer in Deutschland beim Bau von Sendetürmen für den Mittelwellenrundfunk einen Sonderweg, indem in freistehenden Holzfachwerktürmen mit bis zu 190 Meter Höhe Drahtantennen aufgehängt oder diese an der Außenseite der Türme befestigt wurden. Diese Bauweise musste nach 1935 aufgegeben werden, nachdem ein Tornado den erst ein Jahr alten Holzturm des Sendeturms Langenberg zerstört hatte. So wurden dann nur noch vereinzelt Sendetürme aus Holz errichtet, wie für den Sender Golm in Potsdam.
Viele dieser hölzernen Sendetürme wurden zu Kriegsende von der sich zurückziehenden Wehrmacht zerstört, da sie als Orientierungspunkte für die Gegner dienen konnten. In der Folgezeit wurden diese Bauwerke nach und nach durch selbststrahlende Sendemasten ersetzt. Der letzte hölzerne Sendeturm in der DDR war der Sendeturm Golm, der am 15. Oktober 1979 abgerissen wurde, und in der alten Bundesrepublik Deutschland der Sendeturm des Rundfunksenders Ismaning, der am 16. März 1983 abgerissen wurde.
In den ehemaligen deutschen Ostgebieten überstanden zwei Holztürme den Zweiten Weltkrieg und zwar in Zorawina und in Gleiwitz. Ersterer wurde 1990 abgerissen, während letzterer nun als höchster Holzturm der Welt das letzte Relikt dieser Epoche darstellt.
Mitte der 1930er Jahre entstand mit der Erfindung des Fernsehens die Notwendigkeit, Türme für die Ausstrahlung ultrakurzer Wellen zu errichten. Da in diesen Frequenzbändern die Antennen kurz und die Ausbreitung quasioptisch erfolgt, mussten hierfür Bauwerke an exponierten Stellen oder möglichst hohe Bauwerke errichtet werden, die im Unterschied zu Sendetürmen für Lang- und Mittelwellen nur reine Antennenträger sind und deshalb als geerdete Konstruktion aus beliebigem Material ausgeführt sein können.
Der erste Fernsehsendeturm war der Berliner Funkturm, auf dessen Spitze 1935 eine entsprechende Antenne installiert wurde. Wenig später begann der Bau weiterer Fernsehtürme und zwar auf dem Brocken (1937), (Mit Abbildungen.) auf dem Feldberg im Taunus (1953; erstes Bauwerk 1937 begonnen, Ende 1938 fast fertiggestellt) und auf dem Großen Inselsberg (1939); die erste reguläre Fernsehausstrahlung in Deutschland wurde wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs abgesagt.
Alle diese Türme ähnelten mehr Hochhäusern als Sendetürmen. Der Fernsehturm auf dem Brocken erhielt eine verglaste Aussichtsplattform, während der Sendeturm auf dem Großen Feldberg aus einem Betonturm mit metallfreiem Holzaufbau zum Schutz der Antennen bestand. Der Fernsehturm auf dem Großen Inselsberg bestand aus einer zylindrischen Betonkonstruktion. Kurz nach Ausbruch des Krieges wurden diese Türme in Radarstationen umgebaut.
Im Zweiten Weltkrieg brannte der Fernsehturm auf dem Großen Feldberg ab. Er wurde unter Verwendung des Betonunterbaus wiedererrichtet, wobei aber auf diesen nicht wie vor dem Zweiten Weltkrieg direkt den Holzaufbau, sondern einige Geschosse aus Stahl, die den Holzaufbau zum Schutz der Antennen trugen, folgten.