mini|Iris auf einer Lekythos des Diosphos-Malers, um 500–490 v. Chr. mini|Zeus, Hera und Iris. Bauchamphora des Nikoxenos-Malers, um 500 v. Chr. mini|Fresko von Luca Giordano (1632–1705) Iris () ist eine Gottheit der griechischen Mythologie. Sie ist die Personifikation des Regenbogens und kann nach der physikalischen Vorstellung der damaligen Griechen Winde erzeugen. In der Mythologie hat sie meist die Funktion einer jungfräulichen, geflügelten Götterbotin, vorzugsweise der Göttin Hera.

Mythos Nach Hesiod ist sie die Tochter des Thaumas und der Elektra und Schwester der HarpyienHesiod, Theogonie 265 ff. und der Arke, bei Alkaios von Lesbos ist sie von Zephyr die Mutter des Eros.Alkaios von Lesbos, Fragment 327

In Homers Ilias wird sie als Botin der Götter bezeichnetHomer, Ilias 15,144 und übt diese Funktion vielfach für verschiedene Götter aus: Zeus sendet sie zu den Troern, um sie zu warnen;Homer, Ilias 2,786 zu Helena, damit sie vom Turm aus die Heere betrachte;Homer, Ilias 3,121 ff. Hera und Athene entgegen, um diese vom Eintritt in den Kampf abzuhalten;Homer, Ilias 8,398 ff. zu Hektor, um ihm einen Rat für den Kampf gegen Agamemnon zu überbringen;Homer, Ilias 11,185 ff. zu Poseidon, um diesen zum Rückzug aus dem Kampf zu bewegen;Homer, Ilias 15,158 ff. zu Thetis ins Meer, um sie zur Götterversammlung zu holen;Homer, Ilias 24,77 ff. und zu Priamos, damit dieser von Achilleus den Leichnam Hektors auslöst.Homer, Ilias 24,143 ff.

Von Hera wird sie gemeinsam mit Apollon zu ZeusHomer, Ilias 15,144 und ohne Zeus’ Wissen heimlich zu Achilleus geschickt.Homer, Ilias 18,166 ff. Sie geleitet auch Aphrodite aus der Schlacht, ohne einen entsprechenden Auftrag erhalten zu haben,Homer, Ilias 5,353 und handelt aus eigenen Stücken, als sie die Bitten Achilleus’ vernimmt und, um ihm zu helfen, zu den Windgöttern eilt.Homer, Ilias 23,198 ff.

In der Odyssee übt nicht sie, sondern Hermes die Funktion des Götterboten aus. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Homerischer Hymnos, in dem sie Demeter nicht zur Teilnahme an der Götterversammlung bewegen kann, Hermes damit aber erfolgreich ist.Homerischer Hymnos 2,14 ff.

Bei Hesiod hat Iris eine andere Funktion: Bricht Streit unter den Göttern des Olymps aus, schickt Zeus sie aus, um in ihrem goldenen Becher Wasser aus dem Fluss Styx zu holen. Leistet ein Gott einen Meineid auf dieses Wasser, verfällt er ein Jahr lang in Bewusstlosigkeit. Danach erwarten ihn noch weitere Strafen, und er ist auf neun Jahre von den Versammlungen, also auch von Nektar und Ambrosia, ausgeschlossen.Hesiod, Theogonie 782 ff.

In der griechischen Tragödie hat sie manchmal eine Bühnenrolle.Euripides, Herakles (ab Vers 822)

Ab dem Hellenismus wird sie zunehmend als persönliche Botin und Dienerin Heras betrachtet. In den Argonautika des Apollonios von Rhodos ist sie Wächterin der Hera und wird mit der Überbringung von Botschaften zugunsten der Argonauten an Thetis, Hephaistos und Aiolos beauftragt.Apollonios von Rhodos, Argonautika 4,753 ff. Auch hier wird sie aus eigenem Antrieb tätig, als sie schlichtend in den Kampf zwischen ihren Schwestern, den Harpyien, und den beiden Argonauten Kalaïs und Zetes eingreift. Von Zeus als Strafe gesendet, raubten die Harpyien dem blinden Seher Phineus die Speisen. Kalaïs und Zetes kamen zu seiner Verteidigung. Nachdem Iris die Boreaden zur Vernunft gerufen und selbst auf die Wasser des Styx geschworen hatte, dass die Harpyien Phineus fortan in Ruhe lassen würden, ließen Verfolger und Verfolgte über den Strofades („Inseln der Wende“) voneinander ab.Apollonios von Rhodos, Argonautika 2,284 ff.

Auch bei Vergil steht sie in Junos Diensten. Sie schneidet in Junos Auftrag Dido eine Locke ab, was eigentlich die Aufgabe Proserpinas ist, und löst so die Seele vom Geist.Vergil, Aeneis 4,694 ff. Sie versucht die Trojaner dazu zu überreden, sich bei Acestes niederzulassenVergil, Aeneis 5,606 ff. und weist Turnus auf die Gelegenheit hin, das Lager der Trojaner zu erobern.Vergil, Aeneis 9,2 ff. Aber auch Jupiter nimmt ihre Dienste in Anspruch: Er schickt sie zu Juno, damit diese Turnus nicht weiter im Kampf unterstützt.Vergil, Aeneis 9,803 ff.

Bei Ovid wird sie ausdrücklich als Junos Botin bezeichnet (),Ovid, Metamorphosen 1,270 ff. erhält aber auch weitere Aufgaben: Sie füllt die Regenwolken der Deukalionischen Flut mit Wasser, beregnet Juno nach ihrer Rückkehr aus der Unterwelt, um sie zu reinigenOvid, Metamorphosen 4,480 und setzt beinahe Aeneas’ Schiffe in Brand.Ovid, Metamorphosen 14,85 Als Botin bittet sie Somnus darum, Alcyone zu trösten, und überzeugt Hersilia davon, sich mit ihrem vergöttlichten Gatten Romulus zu vereinen, wodurch diese zur Göttin Hora wird.Ovid, Metamorphosen 14,829 ff.

Literatur

Quellen Apollonios von Rhodos: Die Fahrt der Argonauten. Griechisch-deutsch, übersetzt und kommentiert von Paul Dräger, Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-018231-X. (Ausführlich kommentierte zweisprachige Ausgabe) The Argonautica by c. 3rd cent. B.C. Apollonius Rhodius (englische Übersetzung im Project Gutenberg online book catalog)

Weblinks

Iris im Theoi Project (englisch)

Einzelnachweise

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